Verlag, kein Verlag, oder Crossover? Neue Marketing-Kooperation will Kräfte von Indie-Autoren bündeln

crossover-projektImmer mal wieder gibt es Initiativen, um Self-Publisher zu vernetzen, nicht nur als Verband, sondern auch als Community, die Dinge wie Lektorat oder Promotion organisiert. Auf diese Weise sollen die Benachteiligung der solitären Autoren gegenüber einem klassischen Verlag vermindert werden — ohne den Vorteil der Unabhängigkeit aufzugeben. Mit seinem Konzept „Crossover Books“ will der österreichische Autor & Software-Entwickler Martin Danesch nun noch mehr Kompetenzen bündeln – mindestens 100 Self-Publisher sollen sich deutschlandweit zusammenschließen, um künftig unter einem gemeinsamen Label aufzutreten. Dafür sollen 10 Prozent der Tantiemen aufgewendet werden, und auch hauptamtliche Marketingmitarbeiter eingestellt werden.

Den Löwenanteil der Marketing-Arbeit würden aber auch weiterhin die Autoren selbst übernehmen — und etwa Kontakt zu lokalen Buchhändlern suchen, um das Programm von Crossover Books vorzustellen. Neben einem internen Forum zwecks Vernetzung ist auch eine öffentliche Online-Präsenz geplant, quasi die Entsprechung einer Verlags-Website mit Titel-Listen und Autorenprofilen.

Die internen Mechanismen sind dann allerdings sehr verlagsähnlich aufgebaut, wenn auch von der Community organisiert: so kann ein Buch nur mit Crossover Logo auf dem Cover erscheinen, wenn es gute Bewertungen von 7 zufällig ausgewählten KollegInnen erhält. Crossover Books soll zudem selbst als Verlag tätig sein, eigene ISBNs verteilen und Druckaufträge z.B. an die Partner-Druckerei Nova MD vergeben, Mindestauflage 100 Exemplare vergeben, Mindestauflage 100 Exemplare.

Spätestens an dieser Stelle dürften manche Indie-Autoren gedanklich schnell wieder aussteigen, für andere wiederum könnte das Konzept durchaus von Interesse sein — bei crossoverbooks.eu gibt es ausführliche FAQs und weitere Infos.

(via selfpublisherbibel.de)

Geplantes Frühableben? Macmillan killt Self-Publishing-Plattform Pronoun – 18 Monate nach Übernahme

pronoun-aka-vook-gibt-auf„Verlag essen Self-Publishing auf“, schrieb ich vor knapp anderthalb Jahren, als die Übernahme von Pronoun durch Macmillan uns eine weitere Self-Publishing-Plattform in prominenter Verlagshand bescherte. Damals hatte Pronoun schon einiges hinter sich, ursprünglich war das Startup mal unter dem Namen Vook als Spezialist für multimediale E-Books angetreten (Video plus E-Book = Vook), dann folgte der Schwenk in Richtung Self-Publishing mit ganz speziellen Features, welche wiederum von Vook geschluckte Startups wie booklr (Kauf- und Nutzungsdaten-Analyse) oder Coliloquy (Reader Engagement & Choose your own Adventure) beisteuerten.

Data- & Analytics-Sparte besteht fort

Heute muss man wohl schreiben: „Verlag spucken Self-Publishing aus“. Denn auf der Pronoun-Landingpage ist nur noch ein „Epilog“ zu lesen: „Unfortunately, Pronoun’s story ends here“. Es habe trotz großartigen Feedbacks aus der Nutzer-Community letztlich keine Aussicht auf Profitabilität gegeben, beteuert das Macmillan-Management gegenüber Publishers Weekly. Die „Data- & Analytics“-Sparte von Prounoun allerdings soll fortbestehen — und fortan offenbar für die Zwecke des zur Holtzbrinck-Gruppe gehörenden Verlages genutzt werden.

Ein Fall von „Verlag verdauen Startup-Knowhow“

Pronoun-CEO Josh Brody und sein Chief Product Officer Ben Zhuk wurden übrigens schon zu Beginn des Jahres vor die Tür gesetzt, was die Vermutung nahe legt, dass es der Chefetage von Macmillan von Anfang an eher um das von Pronoun durch Zukäufe angehäufte Anwendungswissen ging, nicht um ein langfristiges Engagement in Sachen Self-Publishing. Noch exakter sollte man über den ganzen Vorgang also besser schreiben: „Verlag verdauen Start-Up-Knowhow“.

(via Publishers Weekly)

Drei, zwei, eins, Buch ist deins: BoD nutzt eBay als Vertriebsschiene für Self-Publishing-Titel

ebay-als-vertriebsschiene-fuer-buecherIst eBay nun also das untentdeckte Land der Buchvermarktung — nicht nur für alte Schwarten, sondern auch für frisch gedruckte Neuerscheinungen? Ja, meint offenbar BoD, und schließt den Online-Marktplatz jetzt aktiv in sein Vertriebsnetz mit ein. Self-Publisher wie auch kleine Verlage, die Print-On-Demand via BoD nutzen, machen somit ihre Bücher automatisch auch via eBay lieferbar.

Mehr Discoverability & Visibility

Mit diesem Schritt wolle man „die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit der Titel unserer Autoren erhöhen“, so Gerd Robertz, Sprecher der BoD-Geschäftsführung. Nach Aussage des Unternehmens sind bereits die ersten Titel auf der Plattform gelistet, in Kürze sollen sämtliche Printtitel, die auch über den BoD-Buchshop verfügbar sind, bei eBay erhältlich sein. Der Versand erfolgt kostenlos, wie bei vielen anderen via eBay tätigen Online-Buchhändlern auch.

eBay bei Buch-Resellern schon lange beliebt

Ganz neu ist eBay als zuzsätzlicher Verkaufskanal nämlich nicht: Tatsächlich nutzen bereits zahlreiche Reseller die eben-nicht-nur Auktionsplattform, um den Absatz ihrer Bücher zu erhöhen. Natürlich immer unter Einhaltung der Buchpreisbindung — denn Neuware muss natürlich auch bei eBay zum vollen Ladenpreis angeboten werden, versteigern darf man dort auch zukünftig nur gedruckte Second-Hand-Ware.

BoD-Umfrage: Indies im Buchhandel schon ganz gut verankert, doch es bleiben noch viele Wünsche offen

indies-im-buchhandel-schon-gut-verankertImmer mehr Self-Publisher entdecken Print-On-Demand als Absatzkanal, und parallel den traditionellen Buchhandel als Vertriebspartner — das zeigt eine aktuelle Umfrage von BoD & Buchreport unter mehr als 300 Buchhändlern. Jeder zweite der befragten Stationären (52 Prozent) führte bereits Self-Publishing-Titel, etwas mehr als im letzten Jahr (s.a. Infografik unten).

Regionaler Bezug als Door Opener

Dabei bleiben Titel mit regionalem Bezug der Türöffner für die Indies — die Hälfte der Befragten sah hier Potenzial. Aber auch populäre Genres (22 Prozent), Ratgeber (18 Prozent) oder Belletristik (17 Prozent) schaffen es nicht selten in die Regale des lokalen Handels. In der Regel direkt über die Kooperation von BoD mit diversen Barsortimentern, für jeden zweiten Buchhändler ist die Listung bei Libri, KNV & Co. Vorbedingung. Jedem dritten reicht ein Eintrag im VLB.

Amazon hat Lieferbarkeits-Problem

Bei Amazons PoD-Service Createspace gedruckte Titel dagegen landen nur dann beim Buchhändler um die Ecke, wenn Autoren direkt und erfolgreich Kontakt aufnehmen, oder Kunden solche Titel bestellen, und der Händler die Bestellung tatsächlich über Amazon abwickelt (11 Prozent der Befragten tun das!). Der Umfrage zufolge wächst auch die Nachfrage nach Indie-Titeln von seiten der Kunden, die Zahl der Anfragen habe zugenommen.

Nicht alle Buchhändler zufrieden

Bis zur Gleichstellung von Indie-Titeln und Verlagsware ist es aber noch ein weiter Weg — drei Viertel der Buchhändler sehen immer noch Mängel bei der gestalterischen und inhalterischen Qualität, wünschen sich Fortschritte bei der Barsortiments-Lieferbarkeit und auch die gewohnten Buchhandelskonditionen (z.B. Remissionrecht).

(via Buchreport.de)

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Organisiere Deine Lesung – vier Tipps für ein klassisches Autoren-Werbemittel

Organisiere-deine-LesungDie Autoren-Lesung ist wohl einer der Werbemittel-Klassiker in der Buchbranche – und deswegen auch für Self-Publisher ein sehr wirksames Marketing-Instrument. Oft ist es aber gar nicht so leicht, eine Lesung zu organisieren. Deshalb bringen wir dir hier vier Tipps näher, die dir dabei helfen können, ein solches Event vorzubereiten, eine passende Location zu finden und die Veranstaltung zu bewerben.

Zielgruppe ansprechen

Halte Deine Augen offen nach geeigneten Locations in Deinem Umfeld. Es ist nie verkehrt, auch Kooperationspartner oder Leute mit ins Boot zu holen, die Dir bei der Werbung und der Organisation helfen können. Lasse Dich von anderen Autoren inspirieren, gehe zu Lesungen und überlege Dir, was Dir gut gefällt und worauf Du lieber verzichten möchtest. Bei all diesen Überlegungen solltest Du aber immer eines im Hinterkopf haben: Deine Zielgruppe.

Als Autor kennst Du Dein Buch und Deine Leser am besten. Wenn Du ein Kinderbuch geschrieben hast, bietet sich eine Vorlese-Stunde in einem Kindergarten oder der Bibliothek vor Ort an. Dein Buch handelt von einem kontroversen oder aktuellen Thema? Dann bietet sich eine Podiumsdiskussion oder ein Interview mit einem Experten an.

Kooperationspartner

Suche dir einen Kooperationspartner, der zu Deinem Buch und dem Thema Deines Events passt.
Dein Liebesroman spielt auf einem idyllischen Weinberg? Dann wäre eine Weinhandlung mitsamt Verkostung eine gute Idee. Lasse Deiner Fantasie freien Lauf!

Eine Buchhandlung ist ein klassischer Kooperationspartner für eine Lesung. Da in Buchhandlungen Lesungen häufiger stattfinden, hat der Buchhändler bestenfalls bereits eine gewisse Expertise auf diesem Gebiet und kann dir fachmännisch bei der Planung zur Seite stehen.

Überlege Dir, was Deine ideale Lesung wäre. Ein Burghof? Ein Raumschiff? Bei Dir im Schrebergarten? Danach solltest Du Dich darauf konzentrieren, wie das in der Realität umsetzbar wäre. Du kannst natürlich nicht mit Deinen Lesern ins All fliegen. Vielleicht gibt es bei Dir in der Nähe aber ein Museum, dass sich mit diesem Thema auseinandersetzt, oder ein Planetarium.

Aktive Werbung

Ziel der Lesung ist es, möglichst viele, darunter auch neue Leser zu erreichen. Daher solltest Du bei der Werbung auch nicht sparen.

Drucke Flyer und Plakate (sowas kostet heute nicht mehr viel). Frage an, ob Du sie in der Bücherei, einem Café oder Bücherladen in Deiner Nähe auslegen darfst. Erstelle eine Facebook Veranstaltung und lade fleißig ein. Melde Deine Lesung bei lokalen Veranstaltungskalendern an. Spreche mit Pressevertretern Deiner lokalen Zeitung, lade sie zu Deiner Veranstaltung ein, um über Dein Buch zu berichten.

Nimm an Veranstaltungen für Autoren und Autorinnen Teil: Ein besonders wichtiges Event im deutschsprachigen Raum ist der Self-Publishing Day. In diesem Jahr findet die jährliche Convention am 10. Juni in Hamburg statt, und ein spannendes Programm erwartet die Teilnehmer. Feiyr und Nova MD (Printbuch/Hörbuch-Vertrieb) werden auch dort vertreten sein und freuen sich auf spannende Gespräche.

Vorbereitung

Auf Deinen Lesungen geht es nur um Dich und um Dein Buch: Überlege Dir also gut, welche Textstellen Du vorlesen möchtest, diese sollten kurz aber prägnant sein.

Übe laut zu lesen, die Texte abwechslungsreich und passend zu betonen, und achte auf Deine Mimik und Gestik. Es kann helfen, Deine Texte im Vorfeld Freunden oder der Familie vorzulesen. Diesen fällt vielleicht noch etwas auf, worauf Du noch gar nicht geachtet hast. Nimm Deine Stimme beim Lesen auf und höre Dir die Aufnahme an. So kannst Du an Stellen feilen, die Dir besonders wichtig sind.

Nicht jeder Besucher Deiner Lesung wird das Buch sofort kaufen, deshalb ist es wichtig, in Erinnerung zu bleiben. Kleine Geschenke wie Lesezeichen oder Postkarten können dazu beitragen – auch kostenlose Leseproben eignen sich gut.
Eine kurze Fragerunde am Ende Deiner Lesung vermittelt den Zuhörern ein Gefühl von Exklusivität und Nähe zu Dir, dem Autor. dadurch lernst Du Deine Zielgruppe besser kennen, um in Zukunft noch besser auf die Wünsche Deiner Leser einzugehen.

Mehr Infos findest Du auf: facebook.com/FeiyrBooks/

Hinweis: E-Book-News ist Medienpartner des Self Publishing Day 2017.

KDP Print ist da: fast wie Createspace, nur mit deutscher Benutzerführung

kdp-print-als-createspace-alternativeDas „P“ bei Amazons Self-Publishing-Plattform KDP steht nicht für „Print“, sondern für „Publishing“ — wer nicht E-Books, sondern Taschenbücher im Amazon-Store veröffentlichen wollte, musste bis vor kurzem mit „Createspace“ vorlieb nehmen. Das Angebot richtet sich zwar auch an deutsche Nutzer, die Benutzerführung ist aber auf Englisch, und für Neueinsteiger erstmal ziemlich verwirrend.

Mit KDP Print hat Amazon schon seit letztem Herbst eine deutschsprachige Alternative getestet, die nun Schritt für Schritt allen KDP-Anwendern zur Verfügung gestellt wird — was man als einzelner Nutzer daran erkennt, dass im Dashboard eine eigene Schaltfläche „Neuen Titel erstellen / Taschenbuch“ autaucht.

Weniger Optionen als bei Createspace

Neben einem übersichtlicheren, schönerem Layout und klarer strukturierter Benutzerführung gibt es auch einige inhaltliche Unterschiede zu Createspace: so stehen nur eine begrenzte Anzahl von Formaten zur Verfügung, frei bestimmen lassen sich die Maße eines Taschenbuchs bei KDP Print nicht. Auch lassen sich bisher keine vergünstigten Autorenexemplare (bei Createspace via USA möglich) bestellen.

Kleiner Unterschied in punkto Tantiemen

Schaut man genau hin, entdeckt man noch einen gar nicht so unwichtigen Unterschied: Als Tantiemen winken bei beiden Angeboten zwar 60 Prozent vom Nettoerlös, bei KDP Print jedoch wird erst nach zwei Monaten abgereichnet, nicht schon nach einem Monat wie bei Createspace.

Gemeinsames Dashboard für P- & E-Books

Größter Vorteil von KDP Print ist wohl, dass man ab nun alle Print- und E-Book-Verkäufe in einem gemeinsamen Dashboard angezeigt bekommt — und auch sämtliche bereits angelegten P- und E-Titel in einer App überblicken und verwalten kann. Speziell zu diesem Zweck lassen sich auch die bisher bei Createspace angelegten Titel in Richtung KDP Print übertragen.

Soll KDP Print bald Createspace ersetzen?

Letzlich ist der Vergleich zwischen Createspace und KDP Print aber eher müßig, denn man darf wohl annehmen, dass es demnächst nur noch die Kindle Direkt Publishing-Plattform geben wird, um Indie-Autoren den technischen Spagat zu ersparen — Createspace ist schließlich ein Dinosaurier des Print-On-Demand-Publishings, der schon Anfang der Nuller Jahre an den Start ging.

(via Selfpublisherbibel.de)

Nach Monsenstein & Vannerdat-Insolvenz: epubli übernimmt AutorInnen

monsenstein-zu-epubliSie gehörten zu den Pionieren der digitalen Indie-Verlagsszene in Deutschland — doch 17 Jahren nach der Gründung von „Monsenstein und Vannerdat“ war in diesem Herbst Schluss: das umtriebige Münsteraner Verlagshaus musste inklusive der Self-Publishing-Sparte „Ruckzuckbuch.de“ Insolvenz anmelden. An Halloween gab’s nun immerhin eine gute Nachricht für alle Monsenstein & Vannerdat-Kunden: sie finden ein neues Zuhause bei epubli, und das völlig unkompliziert.

Druckdaten werden zu epubli übertragen

„Sobald sich ein Autor für die Zusammenarbeit mit epubli entschieden hat, werden die Druckdatei, Cover- und Metadaten automatisch an epubli übermittelt und direkt über die Plattform publiziert“, heißt es in einer heute veröffentlichen Pressemitteilung von epubli. Zu den Vorteilen des epubli-Angebotes gehören u.a. kurze Kündigungsfristen (5 Tage) sowie die Anbindung an das Barsortiment (Umbreit, KNV etc.).

epubli gehört zu den „großen Drei“ in Sachen POD

Das Berliner Unternehmen epubli gehört neben BoD und Amazons Createspace zu den drei ganz großen Print-On-Demand-Anbietern in Deutschland — und firmiert seit der Fusion mit der E-Book-Community Neobooks unter dem Dach der neugegründeten neopubli-GmbH, diese wiederum ist eine Tochter des Holtzbrinck-Konzerns.

UPDATE 2.11.2016: Wie heute bekannt wurde, hat auch die Hochschul-Sparte von Monsenstein & Vannerdat einen Abnehmer gefunden — sie wird inklusive Mitarbeitern & Bestandskunden von readbox weitergeführt („readbox uni“).

Mehr Sichtbarkeit für Indie-Titel: BoD kooperiert mit Hugendubel & Osiander

visibility-fuer-selfpublisher-im-buchhandelVor der Discoverability kommt die Visibility. Gerade Self-Publishing-Titeln fehlt aber bisher die Sichtbarkeit im Sortimentsbuchhandel vor Ort. Doch das ändert sich gerade, siehe den aktuellen Schritt von BoD: das Unternehmen kooperiert ab jetzt in Sachen Indies mit den Buchhandelsketten Hugendubel und Osiander. „Die zunehmende Professionalisierung bei selbstverlegten Titeln bietet dem stationären Buchhandel eine große Chance, vom Self-Publishing-Boom zu profitieren“, hofft Gerd Robertz, Sprecher der BoD-Geschäftsführung.

Regionaler Bezug als Startvorteil

Bei BoD aktive Self-Publishing-Autoren können sich bis zu fünf Buchhandlungen in ihrer Region aussuchen, und diesen jeweils ein Textexemplar anbieten. BoD sendet dann den ausgewählten Standorten ein Gratisexemplar zu — soweit die Qualität stimmt, wohlgemerkt. Eine „Vorabprüfung“ behält sich der Self-Publishing-Dienstleister bei diesem Serviceangebot nämlich vor. Der letzte Filter bleibt dann — wie immer — der Buchhändler selbst.

Jeder zweite Buchhändler listet Indie-Titel

Die Chancen stehen aber eigentlich ganz gut. Wie erst kürzlich eine Umfrage von BoD & Indie Publishing unter mehr als 300 Buchhändlern ergab, hat jeder zweite bereits Selfpublishing-Titel im Programm, ebensoviele halten Bücher mit regionalem Bezug für besonders gut vermarktbar. Verbesserungsbedarf sahen drei Viertel der Befragten jedoch bei der gestalterischen und inhaltlichen Qualität.

Abb.: libarary_mistress (cc-by-sa-2.0)

3 x Wortwerke — Buchhandlung speziell für Self-Publisher & Indie-Verlage expandiert

wortwerke-bad-segebergWie bringt man gute Indie-Literatur aus dem Netz gedruckt in die Buchhandlungen? Für Amazon Print-On-Demand-Service Createspace ist das bisher die einzige echte Achillesferse — denn eine Vertriebsschiene in Richtung stationärer Handel gibt es nicht. Aber auch wenn Anbieter Print-On-Demand-Anbieter an das Barsortiment angeschlossen sind, heißt das ja noch lange nicht, dass tatsächlich Selfpublishing-Titel im Buchladen an der Ecke landen.

Bianca Bolduan & das Team von den „Wortwerken“ wollen das ändern — sie betreiben unter diesem Label in Norddeutschland mittlerweile drei Buchhandlungen, die sich laut Mission Statement „auf die Präsentation und den Verkauf von Büchern selbstverlegender Autoren und Kleinverlagen“ spezialisiert haben. Kooperationspartner ist der nahe Hamburg ansässige POD-Dienstleister & Amazon-Konkurrent Books On Demand (BoD).

In Bad Segeberg ging’s im Oktober 2015 los, im Mai 2016 folgte Husum, vor wenigen Tagen hat in Bremerhaven die neueste Wortwerke-Filiale eröffnet. Eine vierte soll bereits im Herbst in Jesteburg (Nordheide) aufmachen — laut Website will man die Wortwerke sogar zur „bundesweiten Plattform“ machen. Mittlerweile sind ca. 150 AutorInnen mit hunderten Titeln bei den Wortwerken gelistet.

Das Angebot vor Ort umfasst aber nicht nur Bücher, sondern auch Gastronomie, Lesungen und Workshops, außerdem gehören Ausstellungen bildender Künstler zum Programm. Über das Büchersortiment wie auch die einzelnen AutorInnen kann man sich auf der Wortwerke-Website orientieren, dort gibt’s auch Veranstaltungskalender für die einzelnen Filialen.

Wattpad-Alternative aus Rotterdam: Sweek-App setzt auf mobiles Storytelling

sweek-mobile-publishing-app-aus-rotterdamEs hätte Storyteller, Episod, Chappter, Tellit, Mobitales, Mobies, Epicreads oder Storypecker heißen können, nun heißt es ganz einfach: Sweek. Was im urbanen Slang soviel wie „Sweet & Rocking“ bedeutet. Und so muss man erst mal den Claim des niederländischen Startups Sweek lesen, um zu verstehen, worum’s bei der gleichnamigen App gehen soll: „Are you all about mobile? Read, write and share stories! All over the world. In an instant. At no cost.“

Serielles Storytelling soll Leser locken

Alles klar? Wenn Sweek Ende Mai loslegt, soll es so eine Art Wattpad-Killer made in Europe sein – eine mobile Social Reading & Social Writing-App für die Smartphone-Gemeinde, offen sowohl für Indie-Autoren wie für Verlage, mit einem Schwerpunkt auf Kapitel für Kapitel serviertem seriellen Storytelling. Hinter Sweek steht nicht ganz zufällig der niederländische Selfpublishing-Spezialist Mybestseller, bei uns bekannt durch Franchise- und Whitelabel-Ableger wie zum Beispiel Bookmundo, das Self-Publishing-Portal der Mayerschen.

Readfy- statt Oolipo-Modell

Wie genau sich die Plattform am Ende finanziert, ist noch nicht ganz so klar, für die Nutzer soll Sweek aber jedenfalls kostenlos sein — tendiert also strukturell eher in Richtung Readfy als in Richtung Oolipo. Da Sweek auch zur Vermarktung von E-Books auf großen Plattformen (Kindle/Tolino) dienen soll, wird Affiliate wohl ein Standbei darstellen, Premium-Features wie etwa besondere Promotion-Möglichkeiten dürften ebenfalls im Visier des Gründerinnenteams um Veronika Kartovenko und Sabine van der Plas sein.

Europäische Killer-App à la Wattpad fehlt noch

Ob sich’s am Ende lohnt? Schon jetzt wird nicht nur via Wattpad auf allerlei Plattformen alles mögliche geteilt und kommentiert, inklusive Storytelling-Häppchen — doch eine europäische Killer-App für neue Formen des Mobile Publishing fehlt tatsächlich noch. Man darf also gespannt sein, ob Sweek es nach dem Roll-Out in zunächst mal zehn Sprachen ab Juni (inklusive deutsch, Französisch, Spanisch) schafft, à la Wattpad eine große Community um sich zu scharen… Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst soll Sweek dann weltweit verfügbar sein, also auch im Wattpad-Heimatland.

(via Buchreport)