E-Books aus zweiter Hand: BaWüs Verbraucherschutz-Ministerium fordert gleiches Recht für Print & Digital

second-hand-ebooksWer ein gedrucktes Buch kauft, kann es problemlos weiterverkaufen. Wer ein E-Book kauft, darf das bisher nicht. Doch muss das so sein? Digital Rights-Aktivisten fordern schon lange, Print und Digital endlich gleichzustellen. Jetzt bekommen sie Rückenwind aus BaWü: das dortige Verbraucherschutz-Ministerium hat eine neue Studie zum Thema „Weiterveräußerungsfähigkeit von digitalen Gütern“ vorgestellt – und plädiert für eine Neuregelung des Urheberrechts auf europäischer Ebene.

„Aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher macht es keinen Unterschied, ob sie ein E-Book statt eines Buches oder MP3-Dateien statt einer CD kaufen. Zumal es beim Preis meist kaum Unterschiede gibt: So sind beispielsweise E-Books in Internet-Shops nur wenige Euro günstiger als die gedruckten Ausgaben“, erklärte Ministerialdirektor Wolfgang Reimer (Verbraucherschutzministerium BaWÜ) letzte Woche bei einer Diskussionsveranstaltung in Brüssel. „Die rechtlichen Unterschiede werden den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern erst dann klar, wenn sie ein legal erworbenes digitales Produkt nicht mehr benötigen und weiterverkaufen, verleihen oder verschenken möchten“, so Reimer weiter – und sprach von einer „nicht gerechtfertigten Schlechterstellung“.

Auch aus diesem Gründen hatte die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern sich bereits im Mai 2013 einstimmig für die Gleichstellung analoger und digitaler Güter in punkto Erwerb und Wiederverkauf ausgesprochen, BaWü gehörte zu den Initiatoren. „Ziel muss es sein, mit einem modernen Urheberrecht einen fairen Interessensausgleich von Urhebern, Rechteinhabern sowie Nutzerinnen und Nutzern zu schaffen und endlich für Rechtssicherheit zu sorgen“, forderte Reimer nun noch einmal in Richtung Bundesregierung, die auf europäischer Ebene tätig werden müsste. Doch wie kann das rechtlich und technisch sauber funktionieren?

Die Studie aus der Feder von irights-Experte Till Kreutzer macht dazu konkrete Formulierungsvorschläge für den Gesetzgeber, die von zwei Grundüberlegungen ausgehen (laut Kurzfassung): „Erstens, der Erwerber darf ein rechtmäßig durch Kauf oder kaufähnliche Verträge zur dauerhaften Nutzung erworbenes Werkexemplar durch ebensolche Veräußerungsvorgänge dauerhaft einem Dritten überlassen. Zweitens, es ist unerheblich, ob der Zweiterwerber das
gleiche Vervielfältigungsstück erhält oder lediglich eine Kopie.“ Entscheidend sei allein, so der Rechtswissenschaftler und Journalist Kreutzer, dass der (Wieder-)Verkäufer keine dauerhaft nutzbare eigene Kopie zurückbehalte.

(via Buchreport & irights.info)

Abb.: Jose Mesa (cc-by-2.0)

Bücher & E-Books aus zweiter Hand: Sollte Amazon die Autoren zukünftig am Gewinn beteiligen?

Geht es euch auch so wie mir? Bevor ich bei Amazon ein E-Book kaufe, schiele ich auf der Artikelseite automatisch erstmal auf den niedrigsten Preis in der medialen Angebotspalette. Ist die Kindle-Version fast genauso teuer wie das druckfrische Taschenbuch, üben plötzlich auch Second-Hand-Ausgaben mit Eselsohren einen merkwürdigen Reiz aus. Nicht mehr ganz so brandaktuelle Romane oder Sachbücher sind gebraucht ja oft schon für zwei, drei Euro zu haben. Da werde ich trotz aller Liebe zum Kindle Paperwhite dann regelmäßig schwach und bestelle den Schmöker beim antiquarischen Dritt-Anbieter. Gut für mich, gut für den Dritt-Anbieter, gut für Amazon. Autoren und Verlage dagegen sehen bei diesem Deal keinen einzigen Cent, und das zu recht – siehe „First Sale“-Doktrin bzw. „Erschöpfungsgrundsatz“.

Spenden-Modell auf freiwilliger Basis

Der US-Jurist David P. Vandagriff hat auf seinem Blog „Passive Voice“ jetzt aber eine interessante Frage gestellt: wie wäre es denn, wenn z.B. Amazon auf freiwilliger Basis bei den Gebrauchtbuch-Käufern Spendengelder einsammeln würde, die ausschließlich den Autoren zugute käme? „As a service to authors, when someone buys a used book on Amazon, Amazon would give the purchaser the option of making a donation to the author of the used book. The contribution would be completely optional and the amount would be up to the purchaser. The author donation would be added to the credit card charge at checkout.“

Good-Will-Aktion, um Amazons Image aufzubessern?

Diese Option, so Vandagriff, würde aber nur dann aktiv sein, wenn sich der entsprechende Autor vorher bei Amazon registriert habe. Verlage sollen wohlgemerkt nicht mit von der Partie sein. Technisch sei das kein Problem, wenn man die Spenden-Option mit Amazons Affiliate-Programm („Werbekostenrückerstattung“) verbinden würde, meint Vandagriff. Denn das liefere genau die notwendige Infrastruktur, um regelmäßige elektronische Zahlungen an die Teilnehmer zu tätigen. Doch warum sollte Amazon ein Interesse an so einer Art Crowdfunding-Feature für elende Skribenten haben? Der Passive Voice-Blogger bringt da ein durchaus plausibles Argument vor: es wäre eine Good Will-Aktion, die Amazons Ansehen bei den Autoren, aber auch der allgemeinen Öffentlichkeit steigern könnte. (Abgesehen davon könnten natürlich auch andere Portale – etwa ZVAB!? – diese Idee realisieren).

Spannend wird’s bei gebrauchten E-Books

Wirklich spannend wird es, wenn man in diesem Zusammenhang an das Thema gebrauchte E-Books denkt. Formaljuristisch scheint sich ja bei digitalen Gütern nach und nach ebenfalls die „First Sale“-Doktrin durchzusetzen. Amazon hat sogar schon ein Patent für den Handel mit Second-Hand-E-Books beantragt. Doch stoßen solche Modelle immer noch auf Akzeptanzprobleme – gerade auch bei Autoren. Ein freiwilliges Beteiligungsmodell, das für gebrauchte Printbücher ebenso wie für gebrauchte E-Books gelten würde (und meinetwegen auch für Cartridges von Atari 2600-Games) könnte die Diskussion wohl um einiges entschärfen. Sicher, man muss auch loslassen können, um in der digitalen Ökonomie überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Doch mit ein paar Social Cents in der Tasche fällt das dann doch etwas einfacher.

(via Passive Voice)

Abb.: flickr/Phil Roeder (cc)

Redigi: Download-Trödelmarkt für Musik & E-Books will in Europa starten

Der Download-Marktplatz Redigi will bis Ende März in Europa starten. Das berichtet die Financial Times. Der 2011 in den USA gestartete Dienst bietet eine Plattform an, auf der Nutzer digital gekaufte Musik weiterverkaufen können. Mit der Musikindustrie liegt er im Streit. Auf der Website des Dienstes war bislang nur ein kurzer Hinweis zu lesen: „Coming soon to the EU”. Gegenüber der Financial Times kündigte Redigi-Gründer John Ossenmacher nun an, den digitalen Trödelmarkt noch vor April auch in Europa starten zu wollen. Er solle zunächst „gebrauchte” Musik und E-Books umfassen, später auch weitere Inhalte. Ob Ossenmacher dabei konkrete EU-Länder im Auge hat, ist noch nicht bekannt.

In den USA ist Redigi in juristische Auseinandersetzungen mit der Musikindustrie verwickelt: Der Branchenverband RIAA und das Plattenlabel Capitol Records (EMI/UMG) gehen gerichtlich gegen den Dienst vor, da er unerlaubt Kopien anfertige und damit Urheberrechte verletze. Im Februar letzten Jahres entschied ein US-Gericht zugunsten von Redigi und lehnte eine von Capitol Records geforderte Unterlassungsverfügung ab. Der eigentliche Streit dauert aber noch an.

Weiterverkauf in Europa

In Europa scheinen sich die Redigi-Macher bessere Voraussetzungen zu erhoffen, vielleicht auch Rückendeckung für den US-Streit. Hier hatte der Europäische Gerichtshof im Juli ein grundlegendes Urteil gefällt. Für Software hatte er entschieden: Sie darf auch dann weiterverkauft werden, wenn sie als Download erworben wurde. So das Urteil im Fall Oracle vs. Usedsoft. Dahinter steckt der Streit, ob der sogenannte Erschöpfungsgrundsatz auch für die digitale Welt gilt. Er besagt, dass sich das Verbreitungsrecht der Rechteinhaber „erschöpft”, wenn ein Produkt rechtmäßig in den Verkehr gebracht wurde. Gilt er auch für digitale Inhalte, könnten Rechteinhaber und Store-Betreiber nicht verbieten, die Dateien weiterzuverkaufen.

Im EuGH-Urteil ging es aber um einen Sonderfall, da es für Software eigene Regelungen und eine spezielle EU-Richtlinie gibt. Die Argumentation lässt sich zwar der Idee nach auf Musik, Filme und andere digitale Inhalte übertragen, aber das bleibt umstritten. Klarheit würden erst weitere Urteile bringen. In Deutschland hatte die Linkspartei Anfang des letzten Jahres einen Gesetzentwurf vorgestellt, der den Weiterverkauf digitaler Downloads ausdrücklich erlauben sollte. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kritisierte das Vorhaben gegenüber iRights.info (PDF). Der Erschöpfungsgrundsatz sei nicht anwendbar, Käufer von E-Books würden nicht das Recht erwerben, sie auch weiterzuverkaufen.

Wie Redigi funktioniert

Redigi erlaubt es den Nutzern, ihre MP3-Dateien über eine Software auf die Plattform hochzuladen. Das Unternehmen betont, dass es sich dabei um einen privaten Cloud-Speicherplatz der Nutzer handele – in den USA ist das ein weiterer Aufhänger der Auseinandersetzung. Nach eigenen Angaben prüft Redigi dann, ob es sich tatsächlich um legal gekaufte Dateien handelt. Nur diese würden zum Weiterverkauf akzeptiert und lokale Kopien entfernt. Vom Cloud-Speicher aus können die Songs dann verkauft werden, indem der Dateibesitzer umgeschrieben wird. Der Streit zwischen Redigi und der Musikindustrie macht sich neben dem Weiterverkaufsrecht daran fest, ob auf diesen Zwischenschritten Urheberrechte verletzt werden.

Den Urhebern der gehandelten Musikstücke verspricht Redigi dabei seit Sommer einen Anteil von 20 Prozent an den Einnahmen ihrer Titel, sofern sie sich dafür registrieren. Redigi selbst behält eine Provision bei jedem Verkauf ein. Wer auf der Plattform Dateien verkauft, bekommt zunächst kein Geld ausgezahlt, sondern Gutscheine für den eigenen Store oder für Apples iTunes.

Falls Redigi die Ankündigung umsetzen kann, dürften wohl auch noch weitere Gerichtstermine folgen. Am Ende würde aber klar sein, welche Regeln beim Verkauf von digitalen Gütern gelten. Sie könnten noch für einigen Wirbel sorgen.

Autor&cc-Lizenz: David Pachali
Originalartikel erschienen auf irights.info

Abb.: flickr/Simon Collison (cc)

Tablet toppt E-Reader: Beim Wiederverkaufswert hat iPad gegenüber Kindle die Nase vorn

Bei digitalen Gadgets ist es wie mit Gebrauchtwagen. Schon während der ersten zwölf Monate erleiden sie einen beträchtlichen Wertverlust. Doch gerade Apple-User wissen, es gibt da gewisse Unterschiede. Nicht nur hippe MacBooks, sondern auch iPads sind auch aus zweiter Hand noch recht teuer. Das bestätigen nun auch Daten des US-Elektronik-Resellers Gazelle. Während ein iPad sich nach einem Jahr durchschnittlich zum halben Neupreis verticken lässt, müssen sich Kindle-Besitzer auf einen Wertverlust von 75 Prozent einstellen. Insgesamt soll die Wertverlustkurve bei Amazons Lesegeräten 22 Prozent schneller in den Keller gehen als bei Apple-Tablets. Das zweieinhalb Jahre alte Kindle Keyboard wird auf Second-Hand-Portalen wie etwa Craigslist im Schnitt für 16 Dollar gehandelt – der ursprüngliche Preis lag bei 139 Dollar.

Eine wichtige Rolle spielen dabei natürlich auch die unterschiedlichen Ausgangsniveaus. Amazon verkauft seine E-Reader bereits ab 79 Dollar, die Basisversion eines iPads kostet immerhin noch 500 Dollar. Bei der Markteinführung kostete das iPad 2 genausoviel wie das iPad 1, Amazon dagegen drückte die Preise für das Kindle in den letzten Jahren drastisch nach unten. „Die häufigen Preisrutsche beim Kindle in Kombination mit vielen neuen Modellen tragen deutlich zum reduzierten Wiederverkaufswert bei“, so Gazelle-Manager Anthony Scarsella gegenüber CNN. „Das ist ganz ähnlich wie bei Android-Smartphones (viele Modelle, viele Preisanpassungen) im Vergleich zum iPhone (wenige Modelle, stabile Preise). Das iPhone behält ein Jahr nach der Markteinführung noch 60 Prozent seines Wertes, während selbst die besten Android-Phones nur 40 Prozent behalten.“

Spannend dürfte die Entwicklung des Wiederverkaufswertes beim Kindle Fire werden. Das zum Neupreis von 199 Dollar angebotene Android-Tablet schließlich direkt mit Apples iPad Da Amazons neuer Flachrechner aber erst vor vier Monaten an den Start ging, liegen noch keine Daten über den Verkauf aus zweiter Hand vor. In Deutschland sind selbst klassische Kindle-Reader wie etwa das Kindle 3 (Wifi-Version) übrigens auch gebraucht deutlich teurer als in den USA, auf Auktionsportalen wie Ebay oder Hood lassen sich Preise zwischen 60 und 80 Euro erzielen (Neuwert: 119 Euro). Was sowohl an der späteren Markteinführung liegen dürfte wie auch in Verbindung damit an der insgesamt geringeren Zahl zirkulierender Geräte überhaupt.

Abb.: flickr/scurzuzu