„Kunde soll die Wahl haben“: Amazon erwägt Flagship-Bookstore in Berlin

amazon-flagship-store-bald-auch-in-berlinAmazons Einstieg ins stationäre Geschäft – siehe Seattle –– soll offenbar kein Einzelfall bleiben: mittlerweile erwägt der nicht-mehr-nur Online-Händler sogar, eine erste Buchhandlung in Berlin zu eröffnen. Das legt Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber in einem heute veröffentlichten Interview mit dem Tagesspiegel nahe: „Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“, so Kleber. „In keiner anderen deutschen Stadt haben wir in so vielen Bereichen investiert, sind wir so breit vertreten und haben wir so viel vor.“ Das gedruckte Buch sei immer noch ein wichtiges Standbein für das Unternehmen, und man wolle dem Kunden die Wahl überlassen, ob er offline oder online einkauft.

Deutschland ist Amazons wichtigster Auslandsmarkt

Doch Berlin als Standort direkt nach dem gerade erst eröffneten Flagship Store in Seattle – wie wahrscheinlich ist das wirklich? Tatsächlich ist Deutschland mit einem zweistelligen Milliarden-Umsatz (2014: 11,9 Mrd. Dollar) für Amazon insgesamt der wichtigste Auslandsmarkt, im Versandhandel mit Büchern machten die Amerikaner mit ihrer deutschen Online-Dependance letztes Jahr einen geschätzten Umsatz von 2,4 Mrd. Dollar. Da könnte also auch offline einiges gehen… Zumal klar ist: Ähnlich wie beim Testballon in Seattle könnte Amazon auch hierzulande auf jede Menge Kundendaten zurückgreifen, um ein maßgeschneidertes Angebot aus tatsächlichen und potentiellen Bestsellern zusammennzustellen.

Hauseigene Imprints würden profitieren

Auch die Bücher der hauseigenen Amazon-Imprints könnte man mit Hilfe eines eigenen Filialnetzes wohl reibungsloser in den stationären Buchhandel bringen – zuletzt hatte schon der Aufdruck „Kindle Storyteller Award“ auf dem nicht einmal von Amazon selbst, sondern von Bastei Lübbe produzierten Titel „Paradox“ für einen Aufschrei in der Branche gesorgt, manche Buchhändler weigerten sich sogar, das Buch in ihr Programm aufzunehmen. Vielleicht zu früh gefreut: neben der Umarmung beherrscht Amazon eben auch die Umgehung traditioneller Strukturen perfekt.

(via Buchreport)

Abb.: Amazon.com, Seattle

Premiere in Seattle: Amazon eröffnet weltweit erste stationäre Buchhandlung

amazon-books-in-seattleZwanzig Jahre lang hat der klassische Buchhandel Amazon als „Online-Konkurrenz“ kennen und fürchten gelernt – ab heute beginnt eine neue Lernphase: auf dem Uni-Campus von Seattle eröffnet das Unternehmen an diesem Dienstag mit „Amazon Books“ den ersten regulären Offline-Bookstore. Selbst bei Amazon.com wird noch mal extra darauf hingewiesen, dass es bei Amazon Books nicht um ein virtuelles Projekt geht: „Hier öffnen sich keine metaphorischen Türen – diese hölzernen Türen sind der Eingang zu unserem neuen Store in Seattles University Village“.

Alle Cover frontal aufgestellt

Auf knapp 500 Quadratmetern erwarten die ersten Kunden zwischen 5.000 und 6.000 verschiedene Titel. Theoretisch hätte wohl weitaus mehr Lesestoff in den Laden gepasst. Doch anders als bisher im Buchhandel üblich soll in den hölzernen Regalen kein Buch dem Betrachter seinen Rücken zudrehen – zumindest nicht, wenn es ohne Leiter erreichbar ist.

Reviews & Verkaufsdaten von Amauzon.com genutzt

Bei der Titelauswahl verlässt sich Amazon vor allem auf die online gesammelten Kundendaten, tatsächliche Bestseller werden ebenso gelistet wie potentielle Bestseller, die bereits viele gute Reviews erhalten haben. Neben den Covern sind kleine Info-Tafeln angebracht, auf denen man das Rating sowie ausgewählte Review-Zitate findet.

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Jeff Bezos empfiehlt … McKenzie Bezos

Außerdem werden „Staff-Favourites“ präsentiert, zum Start persönliche Empfehlungen von Amazon-Chef Jeff Bezos, übrigens inklusive eines Romans aus der Feder seiner schriftstellernden Gattin MacKenzie Bezos. In Amazons weltweit erster stationärer Buchhandlung arbeiten insgesamt 15 Angestellte, darunter sowohl ausgebildete Buchhändler wie auch normale Verkäufer.

Amazon Imprints nicht erhältlich

Interessant finde ich auch, was „Amazon Books“ nicht bietet: so müssen Titel von Amazons eigenen Imprints offenbar draußen bleiben (vielleicht, um noch buchhändlerischer zu erscheinen?). Bei Amazon.com bestellte Waren kann man in der Buchhandlung ebenfalls nicht abholen, dafür dienen auch weiterhin spezielle „Pick-Up-Locations“.

Völlig verholzt ist „Amazon Books“ dann aber auch wieder nicht, die Kindle-Modellpallette vom Reader bis zum Tablet kann man dort natürlich ausprobieren und auch kaufen.

(via The Next Web & Seattle Times)