„Zu hohes E-Book-Pricing der Verlage schadet den Autoren“

Viele Leser ärgern sich über zu hohe E-Book-Preise. Doch eigentlich sollten sich auch die Autoren ärgern, findet Mark Coker. Der Gründer des Self-Publishing-Portals Smashwords hat nämlich eine interessante Rechnung aufgemacht: übertriebenes Pricing verrringert nicht nur die Reichweite, weil eben weniger Bücher verkauft werden. Es gibt in vielen Fällen sogar einen finanziellen Schaden – denn wenn sich mit einem niedrigeren Preis deutlich mehr elektronische Bücher verkaufen lassen, ist am Ende auch der Gewinn höher. Bei einem E-Book-Umsatzanteil von bald 30 Prozent auf dem US-Buchmarkt würden somit viele Autoren durch überteuerte E-Book-Versionen am Ende Minus machen.

Optimaler Preis liegt offenbar bei 2,99 Dollar

Den negativen Effekt habe zuletzt eine Untersuchung von Smashwords-Statistiken bestätigt: „Überraschenderweise zeigte sich, dass E-Books zum Preis von 2,99 Dollar im Durchschnitt den Autoren mehr Einnahmen (Profit pro Exemplar, multipliziert mit den Verkaufen Exemplaren) brachte als E-Books mit einem Preis von 6,99 Dollar und darüber. Vergleicht man den Preis von 2,99 Dollar mit 9,99 Dollar, erzielen Autoren mit dem niedrigeren Preis ein bisschen mehr Geld, und erreichen zugleich vier mal so viele Leser“, so Coker in einem Gastbeitrag für The Digital Reader. Im Vergleich zu Büchern, die mehr als zehn Dollar kosten, erziele ein Schwellenpreis von 2,99 Dollar sogar sechs mal so viele Leser.

Branding braucht eine hohe Reichweite

Das bedeutet dann natürlich klare Vorteile für Self-Publishing-Autoren, die den Preis selbst festlegen können, und im Umkehrschluss darf gelten: „Autoren, deren Bücher von klassischen Verlagen zu überhöhten Preisen verkauft werden, sind gegenüber Indenpendent-Autoren extrem benachteiligt, wenn es darum geht, den eigenen Namen zur Marke zu machen.“ Denn für erfolgreiches Branding muss man eben so viele Menschen wie möglich erreichen. Self-Publishing scheint dafür zweifelsohne besser geeignet zu sein. Mal ganz abgesehen davon, dass die Tantiemen bei traditionellen Verlagen ohnehin nicht sehr üppig ausfallen.

Wo liegt der „sweet spot“ bei deutschen E-Books?

Mark Cokers Erkenntnisse über den „sweet spot“ beim E-Book-Pricing dürften sich sehr gut auf den deutschen Buchmarkt übertragen lassen. Denn schließlich sind elektronische Bücher in Deutschland durch Verlagspolitik, Buchpreisbindung wie auch Mehrwertsteuer besonders teuer. Die spannende Frage wäre dabei natürlich, wo genau im Euroland der optimale Preis-Punkt liegt. Wahrscheinlich wohl irgendwo zwischen 0,99 Cent und 3,99 Euro. Ein guter Indikator dafür ist bereits die aktuelle Bestseller-Liste von Amazons Kindle-Store. Denn gegen viele Sonderangebote – darunter oft auch KDP-Titel von Indie-Autoren – können sich klassische Bestseller in den Top 100 nur sehr schwer durchsetzen. Die Rankings von Portalen wie Thalia oder Libri, die bisher kein eigenes Direkt-Publishing-Programm betreiben, sehen dagegen völlig anders aus, die Durchschnittspreise sind weitaus höher.

Abb.: Smashwords