Schulbuch-o-mat sammelt 10.000 Euro für erstes cc-lizensiertes Biologiebuch

Spannendes Finish, und dann Punktlandung: das Crowdfunding-Projekt Schulbuch-o-mat ist nach knapp zweieinhalb Monaten finanziert! Unter dem Motto „Freies Netzwissen rein – offenes eSchulbuch raus“ wollen Heiko Przyhodnik und Hans Hellfried Wedenig das erste freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren: „ohne Verlage, ohne Urheberrecht, alles frei zu verwenden und zu kopieren“. Dafür setzen die Projektinitiatoren einerseits auf die Creative Commons-Lizenz (CC-BY), andererseits auf die Kraft der Crowd. Die hat sich bereits bewährt: Auf der Spendenplattform Startnext.de wurden in den vergangenen Wochen knapp 10.000 Euro von mehr als 200 Supportern gesammelt. Für die Krautfunding-Szene ein nicht alltäglicher Betrag – die meisten Kampagnen auf deutschen Plattformen haben deutlich niedrigere Zielmarken.

In der Pilotphase des Schulbuch-o-maten wird nun als erstes ein Biologiebuch für die Klassenstufe 7/8 realisiert, und zwar „lehrplankonform“. Das heißt: die meisten Inhalte können bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I Verwendung finden. Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Projekts wird die Online-Plattform Schulbuch-o-mat – dort sollen die einzelnen Inhalte gesammelt und der Publikationsprozess koordiniert werden. Eine Vorabversion ist bereits seit Dezember online: unter der Adresse www.oer.io können cc-lizensierte Texte, Fotos, Grafiken und Animationen hoch- und auch heruntergeladen werden.

Als Software-Grundlage für die gemeinschaftliche Online-Erstellung des Bio-Schulbuches dient zukünftig das Autorensystem LOOP, programmiert von oncampus, einer E-Learning Tochter der FH Lübeck. Während der Spendenkampagne konnte Schulbuch-o-mat zahlreiche neue Kooperationspartner gewinnen. Neben engagierten Bio-LehrerInnen gehört dazu auch Apple-Profi Dirk Küpper, der in Kooperation mit einem Düsseldorfer Gymnasium eine iBooks-Version entwickeln möchte. Das Berliner Unternehmen equeo plant zudem, eine eigene App für ausgewählte Inhalte des Bio-Schul-E-Books zu entwickeln, unter anderem als Quiz und Lernkartei. Eins haben wir jetzt schon gelernt: die Kombination von Crowdfunding und Creative Commons könnte in Deutschland Schule machen.

Abb: Screenshot

„Free in/free out“: Schulbuch-o-mat will freie Schul-E-Books schaffen

„Freies Netzwissen rein – offenes eSchulbuch raus“ – nach diesem Motto möchte das Projekt Schulbuch-o-mat das erste freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren: „ohne Verlage, ohne Urheberrecht, alles frei zu verwenden und zu kopieren“, versprechen die Macher Heiko Przyhodnik und Hans Hellfried Wedenig – und setzen zu diesem Zweck einerseits auf die Creative Commons-Lizenz (CC-BY), andererseits auf Crowdfunding via Startnext. Als Pilotphase ist dort gerade eine Spendenkampagne angelaufen, mit der ein Biologiebuch für die Klassenstufe 7/8 realisiert werden soll, und zwar „lehrplankonform“. Das heißt: die meisten Inhalte könnten bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I verwendet werden. Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Projekts wird die Online-Plattform Schulbuch-o-mat, um die einzelnen Inhalte zu sammeln und den Publikationsprozess zu koordinieren.

„Das Schulbuch ist in die Jahre gekommen“, wissen die beiden Schulbuch-o-mat-Erfinder aus eigener Erfahrung. Biologielehrer Heiko Przyhodnik etwa ärgerte sich immer wieder darüber, „dass vorhandenes Lehrmaterial oft veraltet ist und somit der aktuelle Stand der Biologie nur mit viel eigenem Engagement und enormen Zeitaufwand verbunden ist.“ Sobald Pädagogen statt mit Schere und Papier mit Copy-Paste arbeiten, lauern zudem juristische Fallstricke – nicht umsonst wollten Fachverlage sogar einen „Schultrojaner“ in Umlauf bringen, um digitalen Coypright-Verletzungen auf die Spur zu kommen. Der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Hans Hellfried Wedenig vergleicht für seine Doktorarbeit momentan die Einführung von digitalen Schulbüchern in Deutschland, Südkorea und den USA. Seine Forderung: das „öffentlich verfügbare Wissen gerade den jungen Menschen altersgerecht, verantwortungsvoll, interessant, frei und vor allem zeitgemäß zu servieren“.

Das ebenso crowdfinanzierte wie crowdgesourcte Bio-Buch soll modular aufgebaut sein, verschiedene Aufgaben für verschiedene Lernniveaus enthalten, Tests, multimediale Grafiken und Filme. „Zehntausende freie Schulmaterialien stehen auf Hunderten Webseiten verstreut im Netz“, so Przyhodnik und Wedenig. „Diese Materialien möchten wir nutzen.“ Dabei hoffen sie nicht nur auf die Mitarbeit von LehrerInnen und Fachleuten: „Alle, Lehrer, Schüler, Eltern, partizipieren bei der Entstehung und Weiterentwicklung des Buches und bestimmen somit letztlich auch über die Art, wie sie lernen wollen.“ Als Systembasis wäre neben Open-Source-Plattformen wie Booktype oder booki dabei auch ein auf Schulbücher spezialisiertes Framework wie „eLesson Markup Language“ denkbar – bei der Auswahl soll wiederum die Crowd mitentscheiden.

Der Kostenrahmen ist vergleichsweise bescheiden – 10.000 Euro haben die Schulbuch-o-mateure für das freie eBiobuch veranschlagt. Der Löwenanteil (6000 Euro) soll als Spende an das Wiki-Fachportal „Biologie“ gehen, betrieben vom Verein „Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet“ (ZUM), sowie an den am Ende ausgewählten gemeinnützigen Systempartner (Booktype/Sourcefabric, FLOSS Manuals Foundation/Booki oder eLML/Uni Zürich). Für Honorare und Betriebskosten sind 4000 Euro eingeplant. Während des Startjahres will man sich zudem auch aktiv nach öffentlichen und privaten Förderungsmöglichkeiten umsehen, um eine langfristige Finanzierung von Schulbuch-o-mat zu garantieren. Da das Endprodukt kostenlos erhältlich sein wird, beschränken sich die „Incentives“ der aktuellen Crowdfunding-Kampagne auf symbolische Dankeschöns.

Abb.: Screenshot