US-Buchmarkt: Jedes zweite E-Book ist ein Herzschmerz-Roman, & meistens ein Indie-Titel

romance-anteil-buchmarkt-usaDass der E-Book-Markt von populären Genres beherrscht wird, ist ja fast schon eine Binsenweisheit. Wie stark aber alleine ein einziges Genre — nämlich „Romance“, also der gute alte Herzschmerz-Liebesroman — ein ganzes Geschäftsfeld prägt, überrascht dann doch. Der via Hugh Howeys „Author Earnings Report“ bekannte „Data Guy“ (übrigens wie Howey hauptberuflich als Autor unterwegs) legte auf dem jährlichen Treffen des US-Autorenverbandes „Romance Writers of America“ jetzt beeindruckende Zahlen vor: demnach ist mit 45 Prozent Anteil fast jedes zweite in den USA verkaufte E-Book der (freilich breitgefächerten) „Romance“-Kategorie zuzuordnen. Im Print-Sektor sind es dagegen (laut Nielsen) gerade mal 4 Prozent.

„Huge, but grossly under-reported“

Das bedeutet: 90 Prozent aller Herzschmerz-Titel werden digital vertrieben, und ein Großteil des Umsatzes geht an Indie-Autoren, die via Amazons KDP & insbesondere Kindle Unlimited veröffentlichen — denn bekanntlich beherrscht Amazon in den USA drei Viertel des E-Book-Marktes. Die Konzentration des Marktes auf Amazon und die Self-Publishing-Autoren wiederum führt zu einer statistischen Verzerrung — „Data Guy“ zufolge werden mehr auf diese Weise mehr als zwei Drittel der verkauften Herzschmerz-Titel von den traditionellen Branchenbarometern gar nicht erfasst. (O-Ton Data Guy: „Romance is huge, but grossly under-reported“).

Jeden Tag 300.000 Downloads

Und dabei handelt es sich nicht um Peanuts — jeden Tag werden bei Amazon.com mehr als 300.000 Romance-Schmöker heruntergeladen, mehr als 260 Millionen Dollar Tantiemen werden in diesem Bereich jedes Jahr an insgesamt 30.000 AutorInnen ausgeschüttet. Knapp 2.000 Autoren verdienen auf diese Weise zwischen 10.000 und 100.000 Dollar pro Jahr, etwa 400 Autoren erzielen sogar zwischen 250.000 und einer Million Dollar per annum.

Erfolgsfaktoren für Romance

Die Einnahmen verteilen sich nicht nur sehr ungleich über das Feld der Autoren, sondern auch sehr ungleich über die einzelnen Subgenres, je nachdem, was gerade trendet, aktuell etwa „New Adult & College“, „Romantic Comedy“, „Military“(!), „Sports“, etc. Wie erfolgreich ein Buch ist, hängt zudem von vielen weiteren Faktoren ab, neben Pricing auch Serialisierung, Veröffentlichungsrate oder Verleih-/Flatrateoption.

Wie stark ist Indie-Romance in Deutschland?

Die große Frage dürfte hier natürlich mal wieder sein: inwieweit lässt sich so etwas auf den deutschen E-Book-Markt übertragen? Wie stark liegen die offiziellen Branchenstatistiken daneben? Im Bereich Belletristik hatten E-Books auf Basis der vom Börsenverein bereitgestellten Informationen im Jahr 2015 einen Marktanteil von 13 Prozent — liegt der Anteil tatsächlich schon viel höher, wenn man den Romance-Schlupf berücksichtigt?

(via The Digital Reader/AuthorEarnings.com

From the Backlist, with Love: Random House startet Romance-Portal

sinnlicheseitenMan kann Buchblogger für sich bloggen lassen, man kann aber auch selbst ein Buchmarketing-Portal eröffnen: Random House macht mit „Sinnliche-Seiten.de“ jetzt beides. Denn für die neue Adresse rund um Herzschmerz-Geschichten schreiben nicht nur die zwei „hauptamtlichen“ Journalistinnen Vera Sophie Stegner und Ingeborg Trampe sowie die Autorin Sophie Andresky – über das kürzlich ebenfalls von der Verlagsgruppe gestartete „Bloggerportal“ werden auch Stimmen aus der Leserinnen-Community eingebunden. Nicht fehlen dürfen zudem neben Lektüretipps und Lesefutter rund ums Thema Liebe natürlich auch ein Newsletter und regelmäßige Gewinnspiele.

„Auf die Backlist aufmerksam machen“

Das Ziel scheint klar: Buchmarketing für Print & E-Book aus den hauseigenen Katalogen von Goldmann, Heyne, Blanvalet, Diana etc. Am Ende landet man nicht nur bei Klappentext und Leseprobe, sondern erhält auch Kauflinks in Richtung Amazon oder Mybookshop. Bei Random House selbst sieht man Sinnliche Seiten vor allem als Content-Plattform: Es gehe darum, die „Romance-Leserschaft auf unsere Backlist aufmerksam machen und neue Käuferschichten zu erreichen“, zitiert Buchreport Rita Bollig, seit 2014 als Digital-Strategin bei der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlagsgruppe.

Lesefestival Lit.Love als Parallelaktion

Demselben Zweck soll übrigens auch das von Random-Haus-Verlagen organisierte Lesefestival „Lit.Love“ dienen, das im November in München stattfindet. Mission Statement: Fans und Leserinnen von Frauenromanen haben dort „Gelegenheit, ihre Lieblingsautorinnen live zu erleben, sie persönlich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen“. Das Romance-Portal wird natürlich die Lit.Love-Events ebenfalls featuren.

Reaktion auf Indie-Konkurrenz?

Solche Aktivitäten darf man wohl auch als Reaktion auf den Self-Publishing-Boom werten, der gerade bei populären Genres etablierten Verlagen das Wasser abgräbt – doch zumindest haben die Bertelsmänner den Trend erkannt. Was man nicht zuletzt daran sieht, dass Sinnliche Seiten auch auf ein Gemeinschaftsprojekt von Random House und BoD verlinkt: Twentysix, ein … Self-Publishing-Portal.