Print lebt noch: Mehrheit der Deutschen glaubt an gedruckte Tageszeitung, Robo-Journalismus stößt auf Skepsis

print-optimismusDer Blick aufs Smartphone ersetzt die Lektüre der Zeitung, ein mobil gestreamtes Web-Video die TV-Nachrichten? Zumindest was die Print-Presse betrifft, möchte eine knappe Mehrheit der Bundesbürger vorläufig nicht an das Ende der traditionellen Medien glauben. Im Rahmen einer repräsentativen Statista-Studie im Auftrag von nextMedia.Hamburg stimmte nur eine Minderheit von 43 Prozent der Aussage zu, „Printmedien sind in zehn Jahren tot“. 57 Prozent dagegen hielten das für unwahrscheinlich.

Generation Smartphone sieht Print kritischer

Schaut man sich den harten Kern der Generation Smartphone an, sieht das allerdings etwa pessimistischer aus: die unter 30jährigen prognostizieren mit knapper Mehrheit die Ablösung von Print-Produkten durch … digitalen Content auf dem mobilen Screen. Was auch sonst. Interessantes Detail: geht es um gedruckte Fachmagazine, glauben auch die Teens und Twens noch mehrheitlich ans mittelfristige Überleben des bunt bedruckten Papiers. Extrem pessimistisch sind sie jedoch bei Nachrichtenmagazinen, Boulevardblättern oder Kundenmagazinen. Und immerhin jeder zehnte aller Befragten gab an, Ende der 2020er Jahre werde überhaupt kein Print-Produkt mehr relevant.

Robo-News: Mehrheit für Kennzeichnungspflicht

Neben neuen Erlebnisformen wie Virtueller oder Erweiterter Realitiät (VR/AR) und neuen Kanälen vom Podcast bis zum Messenger-Dienst werden sich in den nächsten Jahren auch die Produktionsformen verändern — Stichwort: Roboterjournalismus. Noch sind aber beinahe die Hälfte der Deutschen der Meinung, dass sich diese Technologie nicht durchsetzen wird, jeder vierte lehnt automatisch erstellte Nachrichten komplett ab. Das große Problem ist mangelndes Vertrauen in die künstlichen Journalisten: 43 Prozent der Befragten halten Robo-News für unglaubwürdig. Und sogar 91 Prozent fordern die Kennzeichnung solcher durch Algorithmen erstellten Artikel.

Zeitung lesen im Selbstfahr-Auto?

Eine potentiell gute Nachricht gibt es im übrigen aus dem Zukunfts-Sektor des Autonomen Fahrens: immerhin jeder fünfte gibt an, die Zeit im Auto dann mit dem Nachrichtenkonsum verbringen zu wollen, in welcher Form auch immer. Unterhaltung steht allerdings für die meisten im Vordergrund, ein Drittel der Studienteilnehmer würde in der drahtlos vernetzten Fahrgastzelle am liebsten Musik hören, Bewegtinhalte anschauen oder ein Buch lesen. Das dann hoffentlich auch noch von einem Autor aus Fleisch und Blut geschrieben wurde…

Kennzeichnungspflicht für Robo-Journalismus? Journalisten meinen ja, Zeitungsverleger: nein

robo-journalismus-kennzeichnungspflichtBisher müssen ja eher die (Online-)Leser dann und wann versichern: „Ich bin kein Roboter!“, und zum Beweis mal zwei plus zwei zusammenzählen, mal ein alphanumerisches Captcha lösen. In Zukunft dürfte sich eher die umgekehrte Frage stellen: Wer hat das geschrieben, Mensch oder Maschinen? Denn aus den Randspalten von Sportteilen, Börsentabellen und Wetter-Rubriken marschieren die Robo-Journalisten Schritt für Schritt und Seite für Seite voran in Richtung Aufmacher. Bisher eher unbemerkt, denn gekennzeichnet werden viele dieser automatisch erstellten „Robotertexte“ nicht.

„Quellentransparenz ist unabdingbar“

Das Medienmagazin Journalist (herausgegeben vom Deutschen Journalisten-Verband, DJV) hat sich jetzt mal in der Branche umgehört (siehe die August-Ausgabe des Magazins), und siehe da: in der Zunft scheint sich eine qualitative Mehrheit für die Kennzeichnung all jener Inhalte abzuzeichnen, die von Algorithmen zusammengedengelt wurden. Für die stellvertretende DJV-Vorsitzende Kathrin Konyen ist diese Form von „Quellentransparenz“ für die vierte Gewalt der Demokratie namens Journalismus „unabdingbar“, sie plädiert für spezielle Robojourni-Kürzel entsprechend den bisherigen Agenturkürzeln. Auch Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats, ist aus „presseethischen“ Gründen für die Kennzeichnung.

„Kennzeichnung ist Sache der Verlage“

Zurückhaltend gibt sich lediglich der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger – man solle die Entscheidung den einzelnen Verlagen überlassen, so die BDZV-Pressesprecherin Anja Pasquay. Was ja irgendwie verständlich ist: diejenigen, die teure Journalisten aus Fleisch und Blut möglichst mit preiswerten Robo-Skribenten ersetzen wollen, sehen es locker, die Redakteure, Journalisten und deren Standesvertreter, um deren Kragen es letztlich geht, sind für klare Regeln.
Noch spannender wäre jetzt natürlich die Frage: Was denken eigentlich die Leser?

(via Presseportal.de)

Abb.: k rupp (cc-by-2.0)