Testleser gesucht, Testleser gefunden: Jellybooks startet Kooperation mit Social Reading-Plattform Lovelybooks

jellybooks-sucht-testleserReader Analytics weiß, was Leser wollen – denn diese Methode macht das Leserverhalten transparent. Solange es genügend (Test-)leser gibt, die entsprechende Daten liefern, versteht sich. Auf der Suche nach selbigen hat sich das auf „RA“-Software spezialisierte Unternehmen Jellybooks nun mit der Social Reading-Plattform Lovelybooks verbündet — was vor allem kleineren Verlagen zu Gute kommen dürfte, die selbst keine Testleser-Community zur Hand haben, um zum Beispiel anstehende Neuerscheinungen schon mal vorab zu testen.

Erste Testlesekampagne startet im April 2018

Mit mehr als 400.000 registrierten Lesern bietet Lovelybooks eine gute Grundlage, Testlesekampagnen zu starten. Wie Buchreport berichtet, soll bereits im April die erste Aktion starten — angepeilt sind pro Kampagne etwa 500 LeserInnen. Zum Vergleich: Auf der Testlese-Plattform Jellybooks selbst sind zur Zeit etwa 5.000 LeserInnen aktiv und nutzen auf ihrem Smartphone oder Tablet die mit Analyse-Code angereicherten epub-Leseproben innerhalb kompatibler E-Reading-Apps.

Die Aufmerksamkeit verrinnt wie die Wurst im Spind

Messen lassen sich u.a. Werte wie die sogenannte „Aufmerksamkeitsdiffusion“ — mit anderen Worten, die Quote der LeserInnen, die von Seite zu Seite von der Stange gehen, weil sie das Buch nicht genügend fesselt. Spanend für Verlage ist natürlich auch die Frage der Lesegeschwindigkeit, die leseaktiven Tages- und Nachtzeiten, oder etwa die Weiterempfehlungs-Rate. A/B-Tests mit unterschiedlichen Titeln oder Covern sind natürlich auch möglich.

Lektüre-Gelee für gläserne Leser: Jellybooks macht das Testlesen zum Geschäftsmodell

jellybooks-sucht-testleserTestleser gesucht: für viele Self-Publisher ist es längst selbstverständlich, neue Texte erstmal mit Hilfe der Leser-Community auszutesten und vor der endgültigen Veröffentlichung noch Änderungen vorzunehmen. Nicht selten finden auch regelrechte Votings statt, um das passende Cover zu finden. Unter dem Begriff „Reader Analytics“ entwickelt sich das Austesten von neuen Titeln vor der eigentlichen Veröffentlichung aber auch in der Verlagsbranche zum lukrativen Geschäftsmodell. Bestes Beispiel: Jellybooks — siehe auch das aktuelle Interview mit Jellybooks-Gründer Andrew Rhomberg auf Buchreport. Der Dienstleister arbeitet zum einen mit einer in E-Books eingebetteten Tracking-Software auf Javascript-Basis, die das Leseverhalten von Testlesern auswertet, zum anderen mit Leserbefragungen.

Tausche E-Book gegen Lesedaten

Am Ende weiß der jeweilige Verlag dann nicht nur, wie schnell die Lektüre vonstatten geht und wieviele Leser die Lektüre abbrechen, sondern erfährt auch etwas über die Zufriedenheit, und ob Leser das Buch weiterempfehlen würden. Nicht zuletzt wird auch ermittelt, ob den Lesern zufolge das Cover zum Buch passt. Für den Verlag hat die Zusammenarbeit mit Jellybooks auch den Vorteil, das keine eigenen Testleser gesucht werden — die melden sich nämlich freiwillig auf jellybooks.de, um an kostenlose Leseexemplare zu kommen: „Das Buch wird vom Sponsor (Verlag oder Autor) zur Verfügung gestellt. Du musst es nur lesen und am Ende von jedem Kapitel den ‚Lesedaten senden‘ Button klicken“, lautet der Claim.

„Verlage schenken dir jetzt Aufmerksamkeit“

Sicherlich stimmt der häufig zu hörende kritische Einwand: „Wenn ein Online-Service umsonst ist, bist du das Produkt“ hier ganz besonders — private Lektüre sieht wohl etwas anders aus. Interessanterweise werden die gläsernen Leser aber auch noch mit weiteren Incentives versorgt: „Autoren und Verlage schenken dir jetzt Aufmerksamkeit“, heißt es da zum Beispiel, und: „Du hast Einfluss, wie diese Bücher veröffentlich werden“. Das gilt natürlich, cum grano salis, für alle anderen Formen der Markt- und Konsumenten(aus-)forschung ebenfalls, ohne dass man wirklich von „Mitbestimmung“ reden würde. Immerhin geht die Transparenz bei Jellybooks in beide Richtungen: die Nutzer der Plattform können auf ihre Lesedaten frei zugreifen, und sich so zugleich auch ein Bild über ihr eigenes Leseverhalten machen.

Voraussetzung ist übrigens, das die E-Lese-App sowohl epub3- wie auch Javascript-kompatibel ist, aus diesem Grund sind viele gängige Apps wie Tolino, Kobo, Aldiko oder Bluefire-Reader nicht zum Testlesen und Datenversenden geeignet, iBooks, Bookvia oder Bookshelf dagegen funktionieren.