„Kopiert alle meine Werke!“: Bestseller-Autor Paulo Coelho fordert Leser zur Piraterie auf

Paulo Coelho ist ein Mann der klaren Worte, auch in Sachen Copyright: „Piraten der Welt, vereinigt euch und kopiert alles, was ich jemals geschrieben habe!“, forderte der brasilianische Bestseller-Autor Mitte Januar in einem Blog-Artikel zum Thema Anti-SOPA-Protest. Vor wenigen Tagen rief Coelho nun erneut: „Welcome to download my books for free“. Anlass dazu bot eine Aktion des BitTorrent-Dienstes PirateBay. Die schwedischen Daten-Freibeuter forderten prominente Künstler dazu auf, ihre Werke durch kostenlose Versionen zu promoten, die über das unter der Piratenflagge segelnde Peer-to-Peer-Netzwerk verbreitet werden sollten. Als besonderes Incentive winkte den Kreativen ein direkter Link von der Piratebay-Startseite.

Für den Autor von Romanen wie „Der Alchimist“, „Die Hexe von Portobello“ oder „Aleph“ war die Teilnahme quasi Ehrensache. Schließlich betrieb er bereits zwischen 2005 und 2009 eine Seite namens „PirateCoelho“, die zur Verbreitung seiner Romane auf Internet-Tauschbörsen maßgeblich beitrug. Nun könnte man meinen, jemand wie Coelho sollte sich das Verschleudern seiner Produkte auch leisten können. Schließlich gilt der preisgekrönte Romancier als einer der zehn meistverkauften Autoren weltweit. Die Gesamtauflage seiner Publikationen soll mittlerweile mehr als 140 Millionen Exemplare betragen. Doch für Coelho selbst ist die Piraterie in den letzten Jahren tatsächlich unverzichtbarer Teil des Business-Modells geworden: „Der Verkauf meiner gedruckten Bücher steigt, seit dem meine Leser sie auf Peer-to-Peer-Seiten verbreiten“, schreibt er auf seinem Blog.

Das beste Beispiel sei der Erfolg seines Klassikers „Der Alchimist“ in Rußland. Als der Roman dort im Jahr 1999 herauskam, gab es aus Papiermangel nur eine 3000er Auflage. Kurz darauf stellte Coelho dann eine von ihm in den Untiefen des Webs aufgespürte „Raubkopie“ der russischen Version selbst an prominenter Stelle online. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen. Nach dem Abflauen der russischen Wirtschaftskrise verkaufte sich die Print-Version hervorragend. Bereits 2002 waren mehr als 12 Millionen „Alchimisten“ in kyrillischen Lettern über die Ladentische gewandert. Später, so Coelho, hätten ihm viele Russen erzählt, dass sie erst durch die kostenlos im Internet zirkulierenden E-Books überhaupt auf das Werk aufmerksam wurden.

Für Coelho steckt dahinter ein allgemeines Prinzip: „Je öfter wir einen Song im Radio hören, desto größer wird unser Verlangen nach der CD. Mit der Literatur ist es dasselbe“, schlussfolgert der abwechselnd in Rio de Janeiro und dem französischen Tarbes lebende Autor. „Piraterie kann als Einführung in das Werk eines Künstlers funktionierten. Wenn man seine Einfälle gut findet, möchte man sie nach Hause tragen. Eine gute Idee braucht keinen Kopierschutz.“ Zum Glück funktioniert die brasilianische Variante der Selbstpiratisierung auch ohne Piratebay. Denn nach dem das von der Unterhaltungsindustrie gegen die Gründer des BitTorrent-Dienstes angestrengte Urteil Anfang Februar 2012 rechtskräftig wurde, ist die Seite PirateBay.org vorläufig nicht mehr erreichbar. Coelho-Fans wird das nicht stören – sie können sich ja (abgesehen von Alternativ-Domains) an den Autor selbst wenden.

Abb.: flickr/Vanessa Pike-Russell

Schweiz pro Internet-Freiheit: Musik- und Filmdownloads bleiben straffrei

Jeder dritte Schweizer lädt Musik, Filme oder E-Books kostenlos herunter – etwa über Online-Tauschbörsen oder One-Click-Hoster. Für den Eigenbedarf ist das bei den Eidgenossen legal („Eigengebrauchsschranke“). Da sich die Unterhaltungsindustrie jedoch über Einnahmeverluste beklagte, gab der Bundesrat eine Untersuchung „zur unerlaubten Werknutzung über das Internet“ in Auftrag. Das Ergebnis dürfte international für Aufsehen sorgen: nachteilige Auswirkungen auf das kulturelle Schaffen konnten nämlich nicht festgestellt werden. Die Nutzer von Tauschbörsen geben auch weiterhin den selben Betrag für Kultur-Konsum aus. Gesetzlicher Handlungsbedarf, so der Bundesrats-Bericht, bestehe deswegen nicht. Ohnehin sei wegen der Masse der Downloads die gerichtliche Durchsetzung von Urheberrechtsverletzungen im traditionellen Sinn nicht mehr möglich. Den Bundesratsbericht kann man auf der Website des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements herunterladen.

“Umsätze bei Film, Musik und Games stabil“

Interessanterweise kommen die Autoren des Schweizer Urheberrechtsberichts zum selben Urteil wie auch viele andere kritische Beobachter der internationalen Download-Szene: nichts genaues weiß man nicht. „Während ein Teil der Rechteinhaber die technische Entwicklung für erhebliche Verluste verantwortlich macht, haben andere angegeben, dass in ihrem Bereich die Umsätze seit Jahren stabil geblieben seien“, wird die Sichtung von Fachliteratur und Expertisen zusammengefasst. Speziell in der Schweiz seien die Umsätze in den Bereichen Film, Games und Musik in den letzten Jahren konstant geblieben bzw. entsprechend der allgemeinen Entwicklung des Bruttosozialprodukts gewachsen. Allerdings würden die Konsumenten ihr Budget anders nutzen als früher: „Sie konsumieren zwar Musik als solche aus dem Internet zu sehr geringen Kosten, verwenden aber in der Folge die so erzielten Einsparungen für Konzerte und Merchandising.“ Ähnliches gelte für die Vermarktung von Filmen: „Nach einem starken Boom Ende der 90er Jahre ging der Absatz von Filmen auf VHS und DVD in den letzten Jahren zurück. Demgegenüber ist der Umsatz an den Kinokassen konstant bis leicht steigend“. Auch die Umsätze mit Computerspielen seien trotz des Tauschbörsen-Booms ungebrochen. Ein Grund für stabilisierende Effekte der Gratis-Downloads wird im „Antesten“ von Content gesehen: „Ein Teil der Tauschbörsennutzer entscheidet sich in der Folge bewusst für einen Kauf“.

Abmahnungen und Netzsperren „eher wirkungslos“

Eine Verschärfung des bisherigen Urheberrechtsschutzes in der Schweiz wird aber im Bundesratsbericht aus ganz pragmatischen Gründen abgelehnt: „Die Masse der Rechtsverletzungen verunmöglicht eine gerichtliche Durchsetzung in traditioneller Weise. Sie würde [für die Schweiz] allein für den Musikbereich die Berufung von etwa 170 ausschliesslich für solche Rechtsverletzungen zuständigen Staatsanwälten bedingen“. Abgelehnt wird zudem die Praxis, Nutzer abzumahnen und bei mehrmaligen Verstößen mit Netzsperren zu bestrafen („Three-strikes“-Regel). In Frankreich etwa ist dafür eine eigens eingerichtete Behörde (HADOPI) zuständig, die bereits tausende Abmahnungen verschickt hat. Die Eidgenossen zeigen sich dem französischen Modell gegenüber gegenüber äußerst skeptisch: „Bei objektiver Betrachtung scheint dieser Ansatz eher wirkungslos geblieben zu sein“. Die ebenfalls diskutierte Überwachung bzw. Filterung des Traffics durch die Provider sei zudem nicht nur ziemlich teuer, sondern würde bei flächendeckender Durchsetzung die Verbindungsgeschwindigkeit beeinträchtigen und datenschutzrechtliche Probleme aufwerfen. Netzsperren, so warnt der Schweizer Bericht, würden möglicherweise sogar gegen internationales Recht verstoßen.

“Veraltete Strukturen nicht künstlich aufrechterhalten“

Zusätzlich erschwert wird die Ahndung von illegalen Downloads nicht zuletzt auch durch das mangelnde Unrechtsbewußtsein der Nutzer. Viele seien sich beim alltäglichen Umgang mit Kopieren, Downloaden und Streamen gar nicht mehr bewusst, was erlaubt ist und was nicht. Außerdem würden viele traditionelle Normen der Gutenberg-Galaxis von den Digital Natives nicht mehr als verbindlich betrachtet. „Das Urheberrecht wird inzwischen dermassen stark als Hindernis für den Zugang zur Kultur empfunden und dessen Legitimität in einem Ausmass angezweifelt, dass die Piratenpartei die Befreiung der Kultur vom Urheberrecht gar als Punkt in ihr Parteiprogramm aufgenommen hat“, fassen die Autoren des Bundesratsberichts die aktuelle Situation zusammen. Letzlich setzen die Schweizer offenbar darauf, dass sich die Gesetze der Internetökonomie mit der Zeit schon für den nötigen Ausgleich sorgen werden: „Dem Markt ist die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu regulieren, um zu vermeiden, dass veraltete Strukturen künstlich aufrechterhalten bleiben.“ Ein Grund für die zur Schau gestellte Coolness gegenüber dem Strukturwandel dürfte natürlich auch geographischer Natur sein – betroffen sind vor allem große Produktionsfirmen außerhalb der Schweiz.

Abb.: flickr/tom-b

Adobe lockert DRM-Schutz: E-Books in Zukunft beliebig oft vom Nutzer kopierbar?

Adobe lockert DRM Kopierschutz Ebooks bald einfacher kopierbar Bild_flickr_Brenda Starr.jpgAdobes DRM für E-Books könnte für Nutzer in Zukunft komfortabler werden. Angeblich ist als neuer Standard ein Passwortschutz geplant. Mit einer individuellen Nutzer-ID wäre dann jedes E-Book beliebig oft vom Besitzer kopierbar. Die Verlagsbranche fordert dagegen, auch weiterhin selbst zwischen „hartem“ und „weichem“ Digital Rights Management auswählen zu können.

Bremst Adobe die Dynamik des E-Book-Marktes aus?


Die meisten E-Book-Käufer lernen das Format epub nur in Verbindung mit Adobe kennen – denn das Software-Unternehmen sorgt für das Digitale Rechte Management, kurz DRM. Nichts schreckt die Buchbranche mehr als die Vorstellung von massenhaften Raubkopien, die in Internetforen kursieren. Die mit Adobes DRM versehehen elektronischen Bücher lassen sich deswegen ausschließlich auf einer begrenzten Zahl von Geräten installieren. Lesen kann man sie ohnehin nur, wenn die Firmware des E-Readers Adobe Digital Editions unterstützt. Adobe wurde deswegen vorgeworfen, die Dynamik des E-Book-Marktes auszubremsen. Nun hat das Unternehmen offenbar auf diese Vorwürfe reagiert: einem Bericht der Online-Zeitschrift Computerworld zufolge soll der Kopierschutz in Zukunft gelockert werden.

Bisher ist nach sechs Kopien Schluss mit lustig…

Die aktuelle Adobe Content Server-Software (Version 4) erlaubt die Installation des E-Books auf bis zu 12 Geräten – sechs mobilen E-Readern und Handhelds sowie sechs Desktop-Computern. Das große Problem dabei: es durften nur auf den Namen des E-Book-Käufers registrierte Geräte sein. Somit konnte man im Unterschied zum echten Buch ein E-Book nicht an Freunde oder Verwandte weitergeben. Jetzt schlägt Adobe eine andere Lösung vor: die Authentifizierung soll zukünftig über ein Passwort laufen. Das E-Book wird dabei vom Käufer auf einem Adobe ID Account registriert. Jeder, der den richtigen Benutzernamen und Passwort eingibt, könnte das E-Book lesen – auf jedem beliebigen Gerät.

Digitales Wasserzeichen als kostengünstige Alternative?

Vertreter der Verlagsbranche fürchten nun aber, ähnlich wie bei gecrackter Software könnten E-Books zusammen mit den Adobe ID-Daten über das Internet illegal verbreitet werden. Sie fordern deshalb, dass auch die neue Content-Server-Software die Wahlmöglichkeit zwischen „hartem“ und „weichem“ Kopierschutz lässt. David Rothman von TeleRead forderte dagegen den völligen Verzicht auf bisherige DRM-Methoden. Als Alternative plädierte er gegenüber Computerworld für „social DRM“ wie das digitale Wasserzeichen, das beispielsweise den Namen des E-Book-Käufers untrennbar mit den E-Book-Daten verbindet. „Social DRM blockiert die Verbreitung nicht direkt, sondern nutzt in einem positiven Sinn den sozialen Druck der Peer Group.“ Auch in Deutschland beginnt man umzudenken – so hatte etwa Libreka-Chef Roland Schild vor kurzem den Umstieg aufs digitale Watermarking gefordert. Die Internet-Plattform des deutschen Buchhandels würde diesen Service sogar umsonst anbieten – während für den normalen DRM-Schutz via Adobe pro E-Book 20 Cent Lizenzgebühren fällig werden.

Auch Piraten lesen gerne: Raubkopierer entdecken das E-Book

Immer mehr E-Books werden illegal aus dem Internet heruntergeladen. Einem Bericht des WAZ-Portals „Der Westen“ zufolge haben bereits viele Online-Tauschbörsen Rubriken für Raubkopien elektronischer Bücher angelegt, in denen tausende Titel zur Verfügung stehen. Damit steuert der E-Book-Handel offenbar auf eine Klippe zu, von der die Musikindustrie schon seit längerem ein Lied singen kann. Viele Menschen sind nach wie vor nicht bereit, für einen Download den selben Preis zu zahlen wie für einen realen Tonträger. Leser denken da offenbar nicht anders… (mehr …)