Ich wär so gerne stationär… Bitteschön: Amazon Books ist in den USA die achtgrößte Buchhandelskette

amazon-books-in-seattleFrohes Neues Jahr! Für den Start gleich mal eine doppelt positive Nachricht: „Nein, Amazon ist noch immer nicht unter den fünf größten Buchhandelsketten“. Das gilt nicht nur für die USA, auf die diese Headline von The Digital Reader gemünzt ist, sondern auch für Deutschland. Denn hier hat Amazon Books überhaupt noch keine eigenen Läden. Und selbst wenn in 2018 in Berlin, München, Hamburg oder sonstwo welche entstehen sollten, wird zumindest in den nächsten vier, fünf Jahren wohl eine solche Klarstellung hierzulande nicht nötig sein. (Es sei denn, Droege International verkauft Weltbild zwischenzeitlich doch an Jeff Bezos…)

Im Jahr 2017 mussten mehr als 400 Filialen schließen

In den USA ist die Sache dagegen nicht ganz so einfach, dort hat das Unternehmen bereits 16 eigene Buchläden an den Start gebracht, was in der darbenden Buchbranche dann zwar nicht für die Top Fünf, aber immerhin für die Top Ten reicht. Entstanden war die anderslautende „Fake News“ interessanterweise im Sommer 2017 durch Publishers Weekly, nachdem eine ganze Reihe von Ketten schließen musste, die u.a. Bücher verkauften, neben Book World auch die Family Christian Stores sowie Hastings Entertainment, insgesamt mehr als 400 Filialen.

Platz vier für Bezos? Hier irrte die New York Times…

Am Ende schrieben dann aber auch die Top Checker von der New York Times: „Here is one way to measure the upheaval in bookselling: Replacing Book World as the fourth-largest chain, Publishers Weekly says, will be a company that had no physical presence a few years ago.“ Zum Glück gibt’s ja Nate Hoffelder, und der hat noch mal nachgezählt: Nein, es gibt neben Barnes & Noble, Books-a-Million und Halfprice Books auch noch recht ansehnliche Ketten namens Deseret Books, Lifeways, Hudson Bookseller sowie Seagull Books. Fazit: Amazon erreicht in den USA „nur“ Platz acht.

Abb.: Amazon.com, Filiale in Seattle

„The day the Kindle died“: Amazon löscht kritisches E-Book zum Thema Bestseller-Ranking

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Neue Zensur-Vorwürfe gegenüber Amazon: das Unternehmen soll zeitweise einen E-Book-Ratgeber aus dem Programm genommen haben, der sich kritisch mit dem Amazon-Verkaufsrang auseinandersetzt. In „The Day the Kindle died“ beschreibt Thomas Hertog ausführlich, wie es ihm gelang, durch fleißiges Rezensieren, aber auch downloaden einen seiner Titel an die Spitze der betreffenden Bestseller-Kategorie zu bringen. Mittlerweile ist „The Day the Kindle died“ wieder im Kindle-Store aufgetaucht – allerdings ohne Kundenbewertungen.

In 45 Tagen zum Amazon-Bestseller

Zwei geradezu mystische Größen regieren den Erfolg von Internet-Autoren, zum einen Googles Page-Rank, zum anderen das Bestseller-Ranking im Amazon-Store. Die Einstufung von Websites durch die Methoden der „Search Engine Optimization“ (SEO) ist in gewissen Maßen beeinflussbar, was zu einer Flut von Experten-Tipps und ständig aktualisierten Ratgebern geführt hat. Der Weg zum Bestseller-Titel schien dagegen ebenso klar wie steinig: man muss möglichst viele Bücher verkaufen. Wie der US-Autor Thomas Hertog feststellen musste, gibt es jedoch auch Seitenwege, die weitaus schneller zum Erfolg führen. In nur 45 Tagen gelang es ihm, seinen im Jahr 2009 erschienen Finanzratgeber „Wealth Hazards“ an die Spitze der Kategorie „Personal Finance/Budgeting“ zu bringen.

Kundenrezensionen als Katapult für’s Ranking

Der Trick war recht simpel: Hertog hatte fleißig Rezensionen geschrieben und diese wiederum als „hilfreich“ bewertet. Zudem kaufte er einfach zahlreiche Versionen seines E-Books zum Preis von 11,47 Dollar selbst – was offenbar eine lohnenswerte Investition sein kann. Das Kindle-E-Book überholte sogar große Namen wie Donald Trump – obwohl Hertog von seinem eigenen Titel nur 39 Exemplare wirklich an Dritte verkauft hatte. Nun stand er selbst ganz oben im Kindle Store. Das wurde aber auch der Tag, an dem für Hertog das Kindle als Institution endgültig gestorben war – und zugleich die Geburtsstunde des nächsten Titels: „The Day the Kindle died“: „The Kindle experience died because Amazon failed to communicate openly with its customers and explain to them the inaccuracies in Amazon’s use of sales rankings, bestseller lists, customer reviews“, heißt es in der Einleitung.

Der Tag, an dem die Kritik aus dem Kindle-Store verschwand

Amazons eigener Anspruch ist es eigentlich, jedes Buch verfügbar zu machen, unabhängig vom Inhalt: „the good, the bad and the ugly“, wie es Jeff Bezos einmal formuliert hat. An anderer Stelle ließ man gar verlauten: „Amazon believes it is censorship not to sell certain books simply because we or others believe their message is objectionable.“ Doch bei Hertogs Schmähschrift zog man die Notbremse: wie der britische Guardian berichtet, wurde das Anfang Dezember erschienene Buch um den Jahreswechsel aus dem Programm genommen. Neben „The Day the Kindle died“ verschwand auch „Wealth hazards“. Mittlerweile sind beide Titel wieder im Kindle Store zu haben – die Kundenzrensionen wurden allerdings gelöscht, die Bestseller-Position korrigiert. Amazons Ruf dürfte die Aktion nicht verbessert haben. Spätestens, seitdem im Sommer 2009 über Nacht Ausgaben von George Orwells „1984“ auf den Kindle-Readern gelöscht wurden, befindet sich das Unternehmen im Fadenkreuz der Kritik. Das ungebremste Wachstum der Kindle-Community hat allerdings die Gatekeeper-Funktion noch weiter verstärkt.