VLB-Tix, ansonsten nix? Digitale Verlagsvorschau als Zwangsbeglückung erzürnt die Buchbranche

vlb-tix-sonst-nixEine „vollständige Marktübersicht über nahe zu alle deutschsprachigen Novitäten“ will VLB-Tix bieten – und erleichtert zudem die Recherche, das Bestellen von Leseexemplaren und den „Novitäteneinkauf“. Das von der Börsenvereins-Tochter MVB bereitgestellte Angebot funktioniert so gut, dass große Verlage drauf und dran sind, die früher gewohnte gedruckte Programmvorschau abzuschaffen — doch als unlängst Random House tatsächlich „Digital Only“ für 2019 ankündigte, hagelte es postwendend Branchen-Protest. Kein Wunder…

Denn gehört zum Print-Buch nicht irgendwie auch die Print-Vorschau für Buchhändler, Journalisten und nicht zuletzt auch interessierte Leser? Welche Botschaft in punkto Wertigkeit/Wertschätzung transportiert man als „traditioneller“ Verlag, wenn man nur noch digital für Papierprodukte wirbt? In einer Buchreport-Umfrage lehnten fast drei Viertel der befragten Buchhändler den Vorstoß des Großkonzerns ab, der über 40 Verlagslabels betrifft. Aber auch mehr als 70 Prozent der Verlage wollen so weit zumindest jetzt noch nicht gehen.

Doch größere Verlage und auch Buchhandelsketten goutieren den Verzicht auf gedruckte Verlagsvorschauen durchaus. So hat Hugendubel gerade angekündigt, den Novitäteneinkauf ab Herbst 2018 ausschließlich über VLB-TIX durchzuführen — die Printvorschauen bei den Verlagen werde man abbestellen. Ein erster Schritt zur großen Wende? „Wenn Buchhändler VLB-TIX flächendeckend einsetzen, werden auch die Verlage nachziehen“, zitiert die dazu veröffentlichte MVB-Pressemitteilung den Vertriebsleiter eines mittelständischen Verlagshauses. Tatsächlich planen bereits viele Verleger die Umstellung auf VLB-Tix und sonst nix, auch wenn sie bisher ihre Frühjahrs- und Herbstprogramme noch“crossmedial“ promoten.

Read’n’Go: mehr soziale Reichweite mit „interaktiven“ Leseproben?

read-and-go-interaktive-leseprobeWie kann man literarische Texte — die nun mal vor allem eins sind: Texte — für das Online-Publikum schmackhaft machen, und zum Teilen in den sozialen Netzwerken verleiten? Ein beliebter Weg waren bisher Buch-Trailer: doch die müssen schon sehr gut gemacht sein, um eine nennenswerte Zahl von Likes zu erhalten. Die auf eine jugendliche Zielgruppe konzentrierten Random House-Verlage cbj und cbt setzen jetzt unter dem Label „read’n’go“ auf „interaktive“, d.h. durchklick- und scrollbare Leseproben“ mit eingestreuten Illustrationen und Animationen.

„Glüht wie heiße Schokolade“

An zwei Beispielen kann man das bereits ausprobieren: die Seiten für Jay Ashers „Dein Leuchten“ sowie Jandy Nelsons „Ich gebe dir die Sonne“ sind bereits online. Die Leseproben sind jeweils in einzelne „Slides“ aufgeteilt, zunächst Cover vor angepasstem Hintergrund, dann ein kurzer Anreißer mit vielversprechender Überschrift („Romantisch wie eine heiße Schokolade vorm Kaminfeuer“, „Dieses Buch glüht wie die Sonne selbst“).

read-and-go-leseprobe

Ein bisschen wie Textadventure

Zwischen den Textausschnitte werden dann wiederum Slogans und Motti vor vielsagenden Fotostrecken präsentiert, alles sehr stimmig, fast wie in einem der webbasierten Textadventures, die ja auch gerade wieder in Mode kommen. Im Fall von Jandy Nelson kann man sich auch „entscheiden“, ob man den Beginn der Story aus der Perspektive von Noah oder Jude lesen möchte. Ansonsten habe ich aber keine Verzweigungen finden können. Das „interaktive“ beschränkt sich insofern auf’s Voranklicken.

Es geht um’s teilen…

Aber immerhin: da die Leseproben-Landingpages super responsiv gemacht sind und auf Screens jeglicher Größe funktionieren, kann sie den jeweiligen Link gut über die sozialen Netzwerke verteilen (es gibt zu diesem Zweck auch E-Mail, Facebook und Whatsapp-Buttons) und sich mit den „Freunden“ darüber „austauschen“. Vielleicht war ja auch das mit „interaktiv“ gemeint!?

(via boersenblatt.net)

Mit freundlicher Empfehlung: Random House startet „Buchgeschenkefinder.de“

buchgeschenkefinderUnd wieder ein neues Buchempfehlungs-Portal, diesmal aus dem Hause Random House: mit dem „Buchgeschenkefinder“ (BGF) möchten die Bertelsmänner die vorweihnachtlichen Fahndung nach Geschenkideen in Sachen Print und E-Book erleichtern, und damit natürlich zugleich den saisonalen Buchverkauf der Verlagsgruppe anfeuern. Vorbild ist die Web-App „Flipper“ von Penguin Random House — anders als Flipper erhält man beim deutschen BGF aber Kauflinks, die zu traditionellen Buchhandelsketten wie auch Verlags-Shops führen, nicht nur in Richtung Amazon.

Mini-Psychotest ermittelt Lesetypen

Recht ähnlich verläuft dagegen der Auswahlprozess — nur die Zahl der Alternativen ist geringer. Sollen Erwachsene beschenkt werden, trifft man in fünf Schritten jeweils Entweder-Oder-Entscheidungen bei der Frage: Welche Eigenschaft passt zu ihr oder ihm? Zum Beispiel: Ästhetisch oder Fantasievoll? Liest zur Entspannung oder Wissensdurstig? Abenteuerlustig oder Schätzt das Vertraute?

Buchauswahl lässt sich weiter verfeinern

Am Ende präsentiert der BGF eine Typen-Einschätzung, die an das Ergebnis eines Mini-Psychotests erinnert, so etwa „Die Romantikerin“, „Der Empathische“ oder „Der Zeitreisende“. Die dazu gelieferte Buchauswahl lässt sich dann durch das Anwählen weiterer Themen verfeinern, zum Beispiel „Lesefreude“, „Gänsehaut“, „Infotainment“ etc. — wohl am Ende immer der beste Weg, um etwas passendes zu finden.

Kinderbücher je nach Altersgruppe finden

Bei Kindern funktioniert der BGF auf etwas andere Weise, nach der Angabe einer Altersgruppe kann man jeweils aus altersgemäßen Themenbereichen wählen, bei Kindern ab 10 Jahren zum Beispiel „Coole Mädchen“, „Tierische Freundschaften“ oder „Liebenswerte Nerds“. Die Zahl der vorgestellten Titel für Kinder ist eher begrenzt, aber durchaus brauchbar.

(via Buchreport)

From the Backlist, with Love: Random House startet Romance-Portal

sinnlicheseitenMan kann Buchblogger für sich bloggen lassen, man kann aber auch selbst ein Buchmarketing-Portal eröffnen: Random House macht mit „Sinnliche-Seiten.de“ jetzt beides. Denn für die neue Adresse rund um Herzschmerz-Geschichten schreiben nicht nur die zwei „hauptamtlichen“ Journalistinnen Vera Sophie Stegner und Ingeborg Trampe sowie die Autorin Sophie Andresky – über das kürzlich ebenfalls von der Verlagsgruppe gestartete „Bloggerportal“ werden auch Stimmen aus der Leserinnen-Community eingebunden. Nicht fehlen dürfen zudem neben Lektüretipps und Lesefutter rund ums Thema Liebe natürlich auch ein Newsletter und regelmäßige Gewinnspiele.

„Auf die Backlist aufmerksam machen“

Das Ziel scheint klar: Buchmarketing für Print & E-Book aus den hauseigenen Katalogen von Goldmann, Heyne, Blanvalet, Diana etc. Am Ende landet man nicht nur bei Klappentext und Leseprobe, sondern erhält auch Kauflinks in Richtung Amazon oder Mybookshop. Bei Random House selbst sieht man Sinnliche Seiten vor allem als Content-Plattform: Es gehe darum, die „Romance-Leserschaft auf unsere Backlist aufmerksam machen und neue Käuferschichten zu erreichen“, zitiert Buchreport Rita Bollig, seit 2014 als Digital-Strategin bei der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlagsgruppe.

Lesefestival Lit.Love als Parallelaktion

Demselben Zweck soll übrigens auch das von Random-Haus-Verlagen organisierte Lesefestival „Lit.Love“ dienen, das im November in München stattfindet. Mission Statement: Fans und Leserinnen von Frauenromanen haben dort „Gelegenheit, ihre Lieblingsautorinnen live zu erleben, sie persönlich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen“. Das Romance-Portal wird natürlich die Lit.Love-Events ebenfalls featuren.

Reaktion auf Indie-Konkurrenz?

Solche Aktivitäten darf man wohl auch als Reaktion auf den Self-Publishing-Boom werten, der gerade bei populären Genres etablierten Verlagen das Wasser abgräbt – doch zumindest haben die Bertelsmänner den Trend erkannt. Was man nicht zuletzt daran sieht, dass Sinnliche Seiten auch auf ein Gemeinschaftsprojekt von Random House und BoD verlinkt: Twentysix, ein … Self-Publishing-Portal.

Service von A bis Z: Random House & BoD starten „Self-Publishing-Verlag“ TWENTYSIX

twentysix-der-self-publishing-verlagSelf-Publishing für „ambitionierte“ Autoren will das neue Portal TWENTYSIX bieten, eine Kooperation der Verlagsgruppe Random House und Books on Demand (BoD). Ein cleverer Deal, denn mit der Gründung des „Selfpublishing-Verlags“ bündeln der Verlagsriese und Deutschlands führender Self-Publishing-Dienstleister ihre Kräfte: während BoD Technik und Logistik beisteuert, lockt die Promotion-Maschine von Random House als besonderes Incentive für vielversprechende Indie-Talente.

Lektoren auf Talent-Suche

„TWENTYSIX-Autoren haben die Chance, von Verlagen der Verlagsgruppe Random House entdeckt zu werden“, verspricht die aktuelle Pressemitteilung – Lektoren würden „Neuerscheinungen prüfen“, um „potenzielle neue Autoren zu entdecken“. Auch für das obere Mittelfeld kann sich die Veröffentlichung via TWENTYSIX lohnen, denn vielversprechende Self-Publisher können von einer Jury aus Lektoren und Marketing-Experten beider Partner für „exklusive Verlagsservices“ nominiert werden. Solche kostenlosen Angebote können „Autoren-Coachings, die Produktion von Buchtrailern oder weitere Werbemaßnahmen umfassen“.

Zwischen Verlag & Self-Publishing

Mit solchen Talentscout- und Qualitätsfilterelementen bewegt sich TWENTYSIX ähnlich wie das Droemer/Knaur-Startup neobooks oder Amazon Publishing ganz bewusst in der Grauzone zwischen traditionellem Verlag und neuen, unabhängigen Formen des Publizierens: „Twentysix ist das ideale Angebot für Autoren, die sich auch im Self-Publishing eine Anbindung an einen Verlag wünschen“, umschreibt BoD-Geschäftsführer Gerd Robertz die erhoffte Zielgruppe.

Angebot ähnelt dem von BoD

Mit „26|Basic“ (E-Book-only, Null Euro), „26|Plus“ (39 Euro) und „26|Premium“ (199 Euro) stehen Autoren bei TWENTYSIX drei Angebote zur Auswahl, um ihr Buch als E-Book und in gedruckter Form zu veröffentlichen – wobei der Leistungsumfang größtenteils den bisherigen BoD-Paketen gleicht, die von BoD E-Book (Null Euro) über BoD Classic (19 Euro) bis zu BoD Comfort (249 Euro) reichen. Nicht mit enthalten ist beim alten BoD-Modell aber das Coverdesign, das man bisher für 99 Euro hinzubuchen musste, auch ist TWENTYSIX spendabler bei gedruckten Freiexemplaren.

„Es geht einfacher“: Auch Random House verzichtet auf hartes DRM

random-house-setzt-auf-soft-drmEndlich ist es soweit: Adobe Digital Editions ist von den Top 3 der deutschen Publishing-Landschaft auf’s Abstellgleis geschoben worden. Erst letzten Monat hatte nach Bonnier auch die Holtzbrinck Publishing Group den Verzicht auf hartes Digital Rights Management (DRM) verkündet – nun wollen sich plötzlich auch die Bertelsmänner dem neuen Marktstandard namens Digitales Wasserzeichen anschließen.

Watermarking ab Oktober

Um den Umgang mit E-Books zu erleichtern, ermögliche die Verlagsgruppe Random House ihren Vertriebspartnern ab 1. Oktober, E-Books „auch mit Soft-DRM“ anzubieten, heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung. Zu den 45 Buchverlagen unter dem Dach der Verlagsgruppe gehören u.a. Blanvalet, DVA, Heyne, Goldmann und Luchterhand.

„Erhöht die Kundenzufriedenheit“

„Wir wollen das Interesse am digitalen Lesen weiter fördern und es Lesern möglichst einfach machen, E-Books zu lesen“, erklärt Frank Sambeth, CEO der Verlagsgruppe. Der Verzicht auf den harten Kopierschutz erleichtere Lesern wie auch Vertriebspartnern den Umgang mit E-Book-Dateien und erhöhe die Kundenzufriedenheit.

„Softes DRM ist Branchenkonsens“

Mit der Umstellung auf das digitale Wasserzeichen „schließen wir uns einem immer breiter werdenden Branchenkonsens an“, so Sambeth weiter. Random House zufolge bleibt ein Schutz gegen Missbrauch aber auch weiterhin notwendig – mit Hilfe von Soft DRM und weiteren Maßnahmen werden man auch in Zukunft „aktiv gegen Urheberrechtsverstöße“ vorgehen.

Abb.: Fen Labalme (cc-by-2.0)

Booktube: Penguin spendiert Londoner U-Bahn-Passagieren drahtlose Gratis-Lektüre

Summer of PenguinZum achtzigsten Verlagsjubiläum bringt Penguin unterirdische elektronische Texte in Umlauf. Wobei „unterirdisch“ sich hier natürlich nicht auf die Qualität beziehen soll: im Zusammenarbeit mit dem Tube-Betreiber Transport for London und Virgin Media startete gestern nämlich eine mobile Website namens „Summer of Penguin“, deren Inhalt sich speziell an die Fahrgäste der Londoner Tube richtet.

Die grafisch aufwändig gestaltete Landing-Page ähnelt selbst einem U-Bahnfahrplan: per Fingertipp können Passagiere sich auf ihrem Smartphone von Station zu Station bewegen. Die Auswahl wird täglich mit neuen literarischen Haltepunkten ergänzt.

Penguin-Digital-Managerin Hannah Telfer zufolge sind darunter zum Beispiel Ausschnitte aus Werken von Harper Lee, John Cleese und Terry Pratchett, die man auf diese Weise neuen Leserschichten näher bringen möchte.

„Diese Kooperation bringt das geschriebene Wort jenseits der Buchseiten in Kontakt mit Reisenden im Londoner Underground, und feiert die Stories und Ideen die Penguin in den letzten 80 Jahren geformt haben, genauso natürlich die tollen Talente die wir als Teil von Penguin Random House heutzutage veröffentlichen“, so Telfer.

Die Gratis-Aktion im Untergrund läuft vom 3. bis zum 28. August, der „Summer of Penguin“ setzt damit fort, was Anfang des Jahres mit den gedruckten „Little Black Classics“ begann: seit damals wurden 80 klassische Penguin-Books mit jeweils 80 Seiten zum Preis von 80 pence in Umlauf gebracht.

(via The Drum & Penguin)

„Shades of Grey“ pusht Bertelsmann-Umsatz, E-Book-Anteil schon bei 20%

Die Stärkung des Kerngeschäfts hat sich der Bertelsmann-Konzern vorgenommen, zugleich aber die forcierte digitale Transformation – und das scheint sehr gut zu funktionieren. Perfektes Beispiel dafür ist die Konzerntochter Random House. Die weltgrößte Verlagsgruppe erreichte 2012 ein Umsatzplus von 22,5 Prozent (Gesamtkonzern: plus 4,5 Prozent), gepusht vor allem durch Megaseller wie die „Shades of Grey-Trilogie“. Zwischen März und Dezember des vergangenen Jahres verkaufte sich die SM-Schmonzette der britischen Autorin E L James mehr als 70 Millionen mal – als Taschenbuch, Hörbuch und E-Book. Das gab der Konzern heute auf seiner jährlichen Bilanzpressekonferenz in Berlin bekannt.

„Shades of Grey“ mag zwar die am schnellsten verkaufte Buchserie der Firmengeschichte darstellen, doch es gab auch noch weitere Hits. Auf dem besonders umsatzstarken US-Buchmarkt kamen Titel der Verlagsgruppe Random House im Jahr 2012 insgesamt 33 mal auf Platz Eins der NYT-Bestsellerliste, darunter Lee Childs Thriller „A Wanted Man“, Rod Stewarts Autobiografie „Rod“ sowie „Private Games“ von James Patterson. Zum Erfolg der Buchsparte trug der Ausbau des E-Book-Katalogs auf inzwischen mehr als 47.000 Titel ebenso bei wie die Buchverleih-App Skoobe: insgesamt liegt der E-Book-Anteil nun bereits bei 20 Prozent, verkündet Bertelsmann.

Hier gilt natürlich: Tendenz weiter steigend. Denn zum einen hat Bertelsmann kräftig in die Tolino-Allianz investiert, und verfügt damit über eine eigene, cloudgestützte Geräteplattform für elektronische Bücher. Zum anderen wird 2013 die Fusion zwischen Random House und der Buchsparte von Pearson vollzogen, der neue Verlagsgigant soll dann „Penguin Random House“ heißen. Im US-Geschäft konnte Penguin bereits für das Jahr 2011 einen E-Book-Anteil von 20 Prozent verzeichnen. Letztlich geht es bei diesem Mega-Merger natürlich auch darum, die Position der Großverlage gegenüber einem noch mächtigeren Giganten zu stärken: Amazon.

Abb.: Flickr/twicepix (cc)

E-Book-Rechte: Random House gibt Ansprüche auf Backlist-Titel auf

random house e-book-rechte styron.jpgDie Front bei E-Book-Rechten beginnt zu bröckeln. Mit Random House hat erstmals ein großer US-Verlag Ansprüche auf ältere Titel aus der Backlist aufgegeben. In diesem Fall hat Autor William Styron selbst nichts mehr davon – Random House einigte sich mit den Erben des im Jahr 2006 verstorbenen Pulitzer-Preisträgers. Die E-Book-Versionen von Bestsellern wie „Sophie’s Choice“ oder „Confessions of Nat Turner“ werden nun bei Open Road Media erscheinen, begleitet von einer multimedial aufbereiteten Online-Angeboten.

Es geht mal wieder um die Frage: ist ein E-Book auch ein Buch?

Bei E-Book-Rechten geht es um Big Money. Random House beeilte sich deswegen, die Entscheidung im Fall von Styron als Ausnahme hinzustellen. Tatsächlich hatte der Verlag erst im Dezember 2009 in einem Schreiben gegenüber Literaturagenten klargestellt, das Random-House-Autoren keine Rechte an Dritte vergeben dürften. Streitpunkt ist die allgemein gehaltene Formulierung „in book form“, die sich in älteren Autorenverträgen findet. Sind darunter auch E-Books zu verstehen? Viele Autoren meinen: nein. Ähnliche Diskussionen gibt es auch in Deutschland – vor allem bei der Frage der Buchpreisbindung. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat Ende 2008 sein Rechtsverständnis auf elektronische Bücher ausgeweitet, Hörbücher jedoch ausgenommen.

Holocaust, Sklavenaufstände, Pornographie: Styrons Romane sind auch politisch ein heißes Eisen

Die Entscheidung von Random House dürfte wohl einiges mit der politischen Bedeutung von Styrons Romanen zu tun haben. Geht es doch in „Sophie’s Choice“ um die Geschichte einer Holocaust-Überlebenden und in „Nat Turner“ um einen berühmten Sklavenaufstand dreißig Jahre vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs. Beide Romane lösten öffentliche Kontroversen aus – vor allem wegen äußerst freizügiger Darstellungen, die Styron neben dem Kritikpunkt der Geschichtsverfälschung auch Pornographie-Vorwürfe einbrachten. Styrons Erben sind offenbar bemüht, den Pulitzer-Preisträger auch einem jüngeren Publikum wieder etwas bekannter zu machen – und wollten deswegen die elektronische Aufbereitung des Werks selbst bestimmen.

Multimediales E-Book-Marketing mit Facebook & Twitter

“Ich glaube nicht dass besonders viele junge Leser sich mit dem Werk meines Vaters beschäftigen, wenn sie keine elektronische Version in die Hand bekommen“, äußerte sich Susanna Styron, die älteste Tochter des Autors, gegenüber der New York Times. Open Road will Styrons Werk über das Internet vermarkten. Die E-Books bekommen digitale Coverbilder und werden mit biographischen Informationen ergänzt. Ergänzt wird die Präsentation durch multimediale Elemente, etwa Videoclips mit Interviews, aber auch Briefen, Fotos und anderen Dokumenten aus Styrons Nachlass. Open Road setzt zugleich auch auf Social Media – neben der Website oprenroadmedia.com wird der Content über eine eigene Facebookseite verbreitet, und getwittert wird natürlich auch.

Sony-Reader sei dank: Random House Verlagsgruppe meldet 100.000 verkaufte E-Books

randomhouse.gifNach Libri und textunes gab nun auch Random House Zahlen zum E-Book-Business bekannt: während der letzten 12 Monate hat das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Unternehmen 100.000 E-Books in Deutschland verkauft. Die einzelnen Verlage, zu denen u.a. Heyne und Goldmann gehören, konnten damit offenbar den Absatz im Vergleich zum Vorjahr um das Zwanzigfache steigern. Insgesamt hat die Verlagsgruppe Random House zur Zeit mehr als 2.500 elektronische Bücher im Angebot.

Deutliches Zeichen für den elektronischen Boom: Die Bestseller-Listen von Print & E-Book gleichen sich an


Kommt nach dem E-Book-Hype nun der realwirtschaftliche Boom? Aktuelle Zahlen von Anbietern wie Libri, textunes oder Heubachmedia scheinen das nahe zu legen. Seit dem Marktstart des Sony Readers PRS 505 Anfang 2009 hat das elektronische Lesen offenbar endgültig den Durchbruch geschafft. Fünf- und sechsstellige Verkaufszahlen bei E-Readern wie auch bei E-Books belegen eindeutig eine wachsende Dynamik im deutschen Leseland. Die Veränderungen werden auch bei den Bestseller-Listen deutlich: „Nachdem in den Anfangstagen unsere E-Book-Bestsellerliste von Science Fiction und Fantasy-Titeln geprägt wurde, liegen jetzt unsere aktuellen Print-Bestseller auch bei den E-Books ganz vorne: Helmut Schmidt und Stieg Larsson waren unsere erfolgreichsten E-Book-Autoren im letzten Jahr“, so Frank Sambeth, im Random House-Vorstand verantwortlich für Neue Medien. Für Random House ist diese Dynamik nichts Neues – das seit 1998 zur Bertelsmann Gruppe gehörende globale Verlagsimperium ist schließlich auch am Geschäft mit englischsprachigen Kindle-Books beteiligt. Auf dem Kindle hat Random House bereits im letzten Jahr Wachstumszahlen von 400 Prozent erzielt. Besonderer Umsatztreiber waren Bestseller wie Dan Browns „Lost Symbol“, der im September 2009 an den Start ging. Alleine in der ersten Woche wurden 100.000 elektronische Versionen verkauft…