Klassiker sind berechenbar: Project Gutenberg bestätigt Zipfsches Gesetz

Zipf-VerteilungWenn man literarischen Texten mit statistischen Methoden zu Leibe rückt, geht’s meist darum, was sie voneinander unterscheidet. Z.B. um herauszufinden: was ist die Geheimformel für einen Bestseller? Manchmal ist aber viel interessanter, was Texte miteinander verbindet: zum Beispiel das Zipfsche Gesetz. Das besagt schlicht und einfach: das häufigste Wort in einem Text kommt doppelt so oft vor wie das zweithäufigste, das zweithäufigste doppelt so oft wie das dritthäufigste, und so weiter. Formuliert wurde es schon in den 1930er Jahren vom us-amerikanischen Linguisten George Kingsley Zipf.

Ultimative Probe mit 30.000 Texten

Bisher war es im Rahmen einzelner Studien aber immer nur mit Textkorpora überprüft worden, die höchstens ein Dutzend Texte umfassten. Dabei gibt es ja im Web-Zeitalter längst viel größere Textmengen — im Bereich der Literatur zum Beispiel die mehr als 30.000 gemeinfreien Werke von Project Gutenberg. Forscher des katalanischen „Centre de Recerca Matematicá“ haben nun die gigantische Klassiker-Bibliothek genutzt, um das Zipfsche Gesetz auf die ultimative Probe zu stellen (siehe: Large-Scale Analysis of Zipf’s Law in English Texts, PLOS ONE (2016)). Und siehe da: es funktioniert.

Auch Shakespeare gehorcht Zipf

Mit anderen Worten: Auch Shakespeare, Melville oder Dickens haben sich in punkto Häufigkeitsverteilung offenbar unbewusst an das Zipfsche Gesetz gehalten (das übrigens verwandt ist mit der Pareto-Verteilung bzw. dem Pareto-Prinzip). Lässt man besonders seltene Worte bei der Analyse außen vor, verläuft die Wortverteilungskurve von 55 Prozent aller Project Gutenberg-Texte perfekt im Rahmen der von Zipf vorhergesagten Abfolge. Und das übrigens auch unabhängig von der Textlänge — die variierte im Gutenberg-Korpus zwischen 100 und einer Million Worte.

„Auch wenn Literatur als eine der höchsten Ausdrucksformen von kreativer Freiheit gilt, können nicht einmal die ganz großen Autoren der Tyrannei des Zipfschen Gesetzes entkommen“, so der an der Studie beteiligte Mathematiker Alvaro Corral.

(via phys.org)

Abb.: Von Berklas, CC BY-SA 2.5

Mockingbird-Plugin für Chrome: Im Kindle-Store suchen, bei Project Gutenberg lesen

mockingbird-fuer-chromeBeim Showrooming in der Buchbranche heißt der Gewinner nicht immer Amazon. Das wissen wir spätestens, seitdem clevere Browser-Erweiterungen den umfangreichen Katalog des Online-Riesen für verschiedenste Zwecke hacken, sei es um die Lektüre letztlich dann bei der nächsten Bibliothek auszuchecken, bei Konkurrenz-Flatrates zu lesen, oder via Bit-Torrents aus dem Datenhafen der Piraten zu klauben (Projekt „Pirates of the Amazon“).

Mockingbird verweist auf Project Gutenberg

Etwas Spott ist immer dabei, beim Mockingbird-Plugin für Chrome auch schon im Namen. In diesem Fall lenkt die spottende Drossel den Leser per Pop-Up auf kostenlose Klassiker-Versionen bei Project Gutenberg, sowohl E-Books wie auch, soweit vorhanden, Audiobooks. In der Public-Domain-Bibliothek gibt’s ja nicht nur Freebies im epub- und PDF-Format, sondern auch im Kindle-Format. Wer möchte, kann die Schmöker sogar direkt im Browser lesen — für die HTML-Versionen gibt’s zudem ein Chrome-Plugin namens „Readable Project Gutenberg“, dass für schönere und komfortablere Seitenansichten sorgt.

Kein Mock-Up, aber mehr als ein Statement?

Wohlgemerkt geht’s hier natürlich um das Original-Project Gutenberg, nicht den deutschen Ableger. Deswegen funktioniert das Plugin zwar auch durchaus auf Amazon.de, deutsche Titel wird man aber nur sehr wenige finden. Mal abgesehen davon, dass die meisten englischsprachigen Klassiker ja auch längst „offiziell“ im Amazon-Katalog als Null-Cent-Download bereitstehen.

Insofern ist die spottende Drossel in der Browserzeile vielleicht kein Mock-Up, aber doch wohl vor allem ein neckisch-häckisches Statement gegen den übermächtigen Bücherriesen, der ja gerne andere umarmt und disintermediiert. Vielleicht wirkt die Software ja aber auch als eine Inspiration für ein deutsches Buy-Local-Plugin, dass tatsächlich in den Schauraum des Buchhändlers an der Ecke führt? Mal abwarten.

Erst mal wird nur folgendes passieren: Mockingbird soll es bald auch in einer Version für Firefox geben, außerdem soll die Browser-Extension zukünftig auch im Katalog von Amazons Hörspiel-Tochter Audible wie auch im E-Store von Barnes & Noble die Public-Domain-Rosinen aus dem Katalog picken können.

(via The Digital Reader & Goodereader)

25 Prozent Longseller: Die 100 besten Bücher aller Zeiten – aus der Sicht von 1898 (inkl. E-Lese-Links)

Welche Bücher sind wirklich wichtig? Neben „objektiven“ Bestseller-Rankings geben subjektive Auswahl-Listen da oft viel bessere Hinweise. Manchmal sind solche Tipps sogar ziemlich nachhaltig – ein gutes Beispiel ist eine Top-100-Liste von 1898, die kürzlich das Times Literary Supplement ausgegraben hat. Verfasst hat sie damals der Journalist sowie Bronte- und Napoleon-Kenner Clement K. Shorter für eine Zeitschrift namens „The Bookman“. Eine Grundregel bei der Auswahl war: nur ein Titel pro Autor. Bei knapp 25 Titeln und somit 25 Autoren lag die Shorter-Longlist tatsächlich bis heute richtig. (Siehe untige Liste)

Was wohl auch damit zu tun hat, dass manche ältere Titel schon damals Klassiker waren. Zwei Romane, darunter Cervantes‘ Don Quixote, stammen aus dem 17. Jahrhundert, das 18. Jahrhundert ist mit etwas mehr als einem Dutzend zeitloser Romane wie Defoes „Robinson Crusoe“, Swifts „Gulliver“ oder Voltaires „Candide“ und einer ordentlichen Portion Gothic Novel vertreten, Vathek, Castle of Otranto, Mysteries of Udolpho. Im 19. Jahrhundert tauchen dann immer mehr Romane auf, die heute wohl nicht mal mehr Anglisten kennen. Valentine Vox? Emilia Wyndham? John Halifax, Gentleman? Reuben Sachs? The Cloister and the Hearth? Nicht jeder Bestseller ist auch ein Longseller…

Naturgemäß sind Kontinentaleuropäer eher wenig vertreten, und wenn, dann kennt man sie meistens, vor allem die französischen Autoren von Alphonse Daudet über Gustave Flaubert bis zu Eugène Sue. Wären die viktorianischen Top 100 jedoch alles, was von der deutschen Literatur noch übrig ist, tjaaa, das ergäbe schon ein skurriles Bild. Neben Goethes „Wilhelm Meister“ findet man auf der Liste lediglich zwei historische Romane, nämlich Wilhelm Hauffs „Lichtenstein“ und Viktor von Scheffels „Ekkehard“, sowie Gustav Freytags Realismus-Klassiker „Soll und Haben“. Zu den Auswahlkriterien gehörte allerdings, dass die Autoren bereits tot sein mussten – sonst hätten es vielleicht auch große Namen wie Fontane oder Raabe auf die Liste geschafft.

Umgekehrt hat solch ein Club der garantiert mausetoten Dichter aber einen entscheidenden Vorteil: alle Werke gehören längst der Public Domain an, und tatsächlich sind auch fast alle via Project Gutenberg bzw. Internet Archive als E-Text frei zugänglich (siehe die verlinkten Titel). Der zusätzliche Charme der Top 100 von 1898: Bei 75 Prozent vergessener Autoren kann man durchaus die eine oder andere Entdeckung kann machen. Lohnenswert für lange Winternächte könnte etwa z.B. Michael Scotts Seefahrt-Abenteuer „Tom Cringle’s Log“ sein, Catherine Crowes Kriminalgeschichte „Susan Hopley“ oder auch William Morris‘ sozialistische Sci-Fi-Story „News from Nowhere“. Durchaus lesbar dürfte auch der eine oder andere historische Roman sein, etwa „Valerius“ von John Gibson Lockhart – dem Geschmack der Zeit folgend gehören ohnehin viele Titel auf Shorters Liste diesem Genre an…

Chronologische Liste



1. Don Quixote – 1604 – Miguel de Cervantes

2. The Holy War – 1682 – John Bunyan

3. Gil Blas – 1715 – Alain René le Sage

4. Robinson Crusoe – 1719 – Daniel Defoe

5. Gulliver’s Travels – 1726 – Jonathan Swift

6. Roderick Random – 1748 – Tobias Smollett

7. Clarissa – 1749 – Samuel Richardson

8. Tom Jones – 1749 – Henry Fielding

9. Candide – 1756 – Françoise de Voltaire

10. Rasselas, Prince of Abyssinia – 1759 – Samuel Johnson

11. The Castle of Otranto – 1764 – Horace Walpole

12. The Vicar of Wakefield – 1766 – Oliver Goldsmith

13. The Old English Baron – 1777 – Clara Reeve

14. Evelina, Or, the History of a Young Lady’s Entrance into the World
 – 1778 – Fanny Burney

15. Vathek – 1787 – William Beckford

16. The Mysteries of Udolpho – 1794 – Ann Radcliffe

17. Caleb Williams; Or, Things as They Are – 1794 – William Godwin

18. The Wild Irish Girl – 1806 – Lady Morgan

19. Corinne – 1810 – Madame de Stael

20. The Scottish Chiefs – 1810 – Jane Porter

21. The Absentee – 1812 – Maria Edgeworth

22. Pride and Prejudice – 1813 – Jane Austen

23. Headlong Hall – 1816 – Thomas Love Peacock

24. Frankenstein – 1818 – Mary Shelley

25. Marriage – 1818 – Susan Ferrier

26. The Ayrshire Legatees – 1820 – John Galt

27. Valerius – 1821 – John Gibson Lockhart

28. Wilhelm Meister – 1821 – Johann Wolfgang von Goethe

29. Kenilworth – 1821 – Sir Walter Scott

30. Bracebridge Hall – 1822 – Washington Irving

31. The Epicurean – 1822 – Thomas Moore

32. The Adventures of Hajji Baba of Ispahan – 1824 – James Morier

33. The Betrothed (I Promessi Sposi)– 1825 – Alessandro Manzoni

34. Lichtenstein – 1826 – Wilhelm Hauff

35. The Last of the Mohicans. A narrative of 1757 – 1826 – Fenimore Cooper

36. The Collegians – 1828 – Gerald Griffin

37. The Autobiography of Mansie Wauch – 1828 – David M. Moir

38. Richelieu – 1829 – G. P. R. James

39. Tom Cringle’s Log – 1833 – Michael Scott

40. Mr. Midshipman Easy – 1834 – Frederick Marryat

41. Le Père Goriot – 1835 – Honoré de Balzac

42. Rory O’More – 1836 – Samuel Lover

43. Jack Brag – 1837 – Theodore Hook

44. Fardorougha the Miser – 1839 – William Carleton

45. Valentine Vox, the Ventriloquist – 1840 – Henry Cockton

46. Old St. Paul’s – 1841 – Harrison Ainsworth

47. Ten Thousand a Year – 1841 – Samuel Warren

48. Susan Hopley – 1841 – Catherine Crowe

49. Charles O’Malley, The Irish Dragoon – 1841 – Charles Lever

50. The Last of the Barons – 1843 – Bulwer Lytton

51. Consuelo – 1844 – George Sand

52. Amy Herbert – 1844 – Elizabeth Sewell

53. Adventures of Mr. Ledbury – 1844 – Elizabeth Sewell

54. Sybil, Or, The Two Nations – 1845 – Lord Beaconsfield (a. k. a. Benjamin Disraeli)

55. The Three Musketeers – 1845 – Alexandre Dumas

56. The Wandering Jew – 1845 – Eugène Sue

57. Emilia Wyndham – 1846 – Anne Marsh

58. The Romance of War, or: The Highlanders in Spain – 1846 – James Grant

59. Vanity Fair – 1847 – W. M. Thackeray

60. Jane Eyre – 1847 – Charlotte Brontë

61. Wuthering Heights – 1847 – Emily Brontë

62. The Vale of Cedars – 1848 – Grace Aguilar

63. David Copperfield – 1849 – Charles Dickens

64. The Maiden and Married Life of Mary Powell – 1850 – Anne Manning

65. The Scarlet Letter – 1850 – Nathaniel Hawthorne

66. Frank Fairleigh – 1850 – Francis Smedley

67. Uncle Tom’s Cabin – 1851 – H. B. Stowe

68. The Wide Wide World – 1851 – Susan Warner (Elizabeth Wetherell)

69. Nathalie – 1851 – Julia Kavanagh

70. Ruth – 1853 – Elizabeth Gaskell

71. The Lamplighter – 1854 – Maria Susanna Cummins

72. Dr. Antonio – 1855 – Giovanni Ruffini

73. Westward Ho! – 1855 – Charles Kingsley

74. Debit and Credit (Soll und Haben) – 1855 – Gustav Freytag

75. Tom Brown’s School-Days – 1856 – Thomas Hughes

76. Barchester Towers – 1857 – Anthony Trollope

77. John Halifax, Gentleman – 1857 – Dinah Mulock (a. k. a. Dinah Craik)

78. Ekkehard – 1857 – Viktor von Scheffel

79. Elsie Venner – 1859 – O. W. Holmes

80. The Woman in White – 1860 – Wilkie Collins

81. The Cloister and the Hearth – 1861 – Charles Reade

82. Ravenshoe – 1861 – Henry Kingsley

83. Fathers and Sons – 1861 – Ivan Turgenieff

84. Silas Marner – 1861 – George Eliot

85. Les Misérables – 1862 – Victor Hugo

86. Salammbô – 1862 – Gustave Flaubert

87. Salem Chapel – 1862 – Margaret Oliphant

88. The Channings – 1862 – Ellen Wood (a. k. a. Mrs Henry Wood)

89. Lost and Saved – 1863 – The Hon. Mrs. Norton

90. The Schönberg-Cotta Family – 1863 – Elizabeth Charles

91. Uncle Silas – 1864 – Joseph Sheridan Le Fanu

92. Barbara’s History – 1864 – Amelia B. Edwards

93. Sweet Anne Page – 1868 – Mortimer Collins

94. Crime and Punishment – 1868 – Feodor Dostoieffsky

95. Fromont Junior – 1874 – Alphonse Daudet

96. Marmorne – 1877 – Adolphus Segrave (P. G. Hamerton)

97. Black but Comely, Or, The Adventures of Jane Lee – 1879 – G. J. Whyte-Melville

98. The Master of Ballantrae – 1889 – R. L. Stevenson

99. Reuben Sachs – 1889 – Amy Levy

100. News from Nowhere; Or, An Epoch of Rest – 1891 – William Morris

(via OpenCulture)

Abb.: Flickr/Maguis & David (cc)

Praxistipp: E-Books von Project Gutenberg direkt in die Dropbox laden & loslesen

Für kostenlose E-Book-Klassiker ist das bereits 1971 gegründete „Project Gutenberg“ immer noch eine gute Anlaufstelle, auch wenn Konkurrenzprojekte wie das „Internet Archive“ inzwischen deutlich mehr elektronischen Lesestoff vorhalten. In Sachen Cloud-Anbindung sind die Gründerväter der E-Text-Bewegung ihren Enkeln jetzt sogar einen Schritt voraus: denn bei Project Gutenberg (nicht zu verwechseln mit dem deutschen „Projekt Gutenberg“!) lassen sich neuerdings die epub- und mobi-Versionen elektronischer Bücher per Mausklick direkt auf das persönliche Account der Cloudspeicher-App Dropbox laden. Die E-Books sind somit auf allen mobilen Geräten verfügbar, auf denen die kostenlose Dropbox-App installiert worden ist, man kann sie dann (im Fall von mobi-Dateien) direkt mit der Kindle-App öffnen. Mit Hilfe des Dropbox-Automators von Wappwolf lässt sich das jeweilige E-Book sogar direkt auf den Kindle-Reader schicken. E-Book-News zeigt, wie’s geht…

In der Download-Ansicht auf Project Gutenberg findet man seit kurzem eine neue Spalte: neben dem Dateityp und Dateigröße wird nun bei epubs und mobis ganz rechts auch ein blauer Dropbox-Button angezeigt. Ein Klick auf den Button startet den automatischen Download in die Dropbox-App, zur Bestätigung wird eine kurze Meldung eingeblendet („The file was sent to your Dropbox Folder“). Nutzt man den Gutenbergschen Dropbox-Button zum ersten Mal, muss man vorher allerdings noch schnell den Zugriff auf Dropbox erlauben – zudem stimmt man zu, dass automatisch ein neues Verzeichnis namens „gutenberg“ erstellt wird, in dem die Downloads landen. Öffnet man nun das betrefende Verzeichnis auf Smartphone oder Tablet, lässt sich das E-Book per Fingertipp mit der passenden E-Reader-App öffnen. Die Nutzung von Dropbox ist bis zu einem Speicherlimit von derzeit 4 Gigabyte kostenlos – das reicht für eine Menge Lesestoff.

Wer direkt auf dem Kindle Paperwhite oder einem anderen Kindle-Reader loslesen möchte, sollte eine weitere App nutzen, die ebenfalls mit Dropbox zusammenarbeitet: den Dropbox-Automator von Wappwolf. Mit dem Automator kann man für einzelne Ordner Regeln aufstellen, z.B.: Wenn eine neue Datei in diesen Ordner verschoben wird, schicke sie per E-Mail an meinen Kindle-Reader. Jeder Kindle-Reader besitzt nämlich eine individuelle E-Mail-Adresse, die man entweder im Amazon-Kundenaccount unter „Mein Kindle“ findet oder direkt auf dem Gerät im Menü „Einstellungen“. Als erstes wählt man im Wappwolf-Dialog „Choose a Folder“ das Verzeichnis „gutenberg“ in der eigenen Dropbox aus, als zweites wählt man die Option „Send to Kindle“ und gibt Kindle-Adresse und Absenderadresse ein. Die Option „Convert to kindle-format“ sollte man deaktivieren, denn bei Projekt Gutenberg gibt’s ja fertige mobi-Dateien.

Abb.: Screenshots

To Dodo-Liste erfüllt: Project Gutenberg hat bereits 40.000 Bücher digitalisiert

Nicht nur Google digitalisiert alte Bücher – das Project Gutenberg widmet sich sogar schon seit mehr als vierzig Jahren der Verbreitung gemeinfreier Lektüre in elektronischer Form. Anfangs eher langsam, denn die ersten E-Texte wurden einfach abgetippt. So etwa die Bill of Rights, die Bibel oder Shakespeares Werke. Für die ersten 300 Titel brauchten Projekt-Gründer Michael S. Hart und seine Helfer fast zwanzig Jahre. Dank moderner Scan-Technik und vor allem mit Hilfe des World Wide Webs kam es dann aber zu einem regelrechten Boom, um die Jahrtausendwende umfasste das E-Text-Archiv von Project Gutenberg bereits 10.000 Titel. Nun ist ein weiterer Meilenstein erreicht: ohne großes Tamtam gab der PG-Blog die Nummer 40.000 bekannt.

Bei dem Werk handelt es sich um einen erstmals 1907 publizierten Bildband über ausgestorbene Vogelarten aus der Feder (sic!) des britischen Bankiers und Zoologen Walter Rothschild. Zur Feier des Tages sei uns hier mal der vollständige Titel gegönnt: Extinct birds : an attempt to unite in one volume a short account of those birds which have become extinct in historical times : that is, within the last six or seven hundred years: to which are added a few which still exist, but are on the verge of extinction.

Man sieht: Der Versuch, auch einen kurzen Titel zu finden, wurde von Baron Rothschild offenbar unterlassen. Das Original erschien in nur 300 handsignierten Exemplaren und enthielt 45 Farbzeichnungen sowie 5 Schwarzweiß-Abbildungen. Das E-Book von Project Gutenberg enthält sämtliche Bildtafeln, darunter auch mehrere „Schnappschüsse“ vom Dodo (Didus cucullatus), dem wohl berühmtesten ausgestorbenen Vogel der Neuzeit („Protects from extinction“, lautet nicht umsonst der Claim des iPad-Hüllen-Spezialisten DodoCase). Wer Speicherplatz sparen möchte, kann aber auch epub- oder Kindle-Versionen herunterladen, die nur den Text enthalten. Online verfügbar war Rothschilds ornithologische Abhandlung übrigens schon etwas länger, denn bereits 2008 wurde das Werk über das „Internet Archive“ verfügbar gemacht, das sich genau wie Project Gutenberg als Non-Profit-Organisation versteht, und bereits mehr als 3 Millionen Bände aus der Public Domain zum Download anbietet.

Abb.: Dodo (Didus cucullatus), Bildtafel 24 aus W. Rothschilds „Extinct Birds“

„Vom Buch zum Byte. Kurze Geschichte des E-Books“ (Preview, Teil 2)

„Geboren am 4. Juli“ könnte man die Geschichte des E-Books überschreiben. Denn genau an diesem Tag im Jahr 1971 tippte der amerikanische Student Michael Hart den Text „Declaration of Independence“ in das Keyboard eines Mainframe-Rechners. Pünktlich zum 41. Geburtstag des E-Books erscheint am 4. Juli 2012 mein neues Buch „Vom Buch zum Byte“. Die spannende Geschichte des elektronischen Lesens von den ersten Buchstaben auf flimmernden PC-Bildschirmen bis zum E-Ink-Zeitalter gibt’s natürlich zum Start exklusiv als E-Book (Multiformat-Paket epub/mobi/PDF). Als kleinen Vorgeschmack veröffentlicht E-Book-News in den nächsten Wochen einen „Vorabdruck“ in mehreren Folgen – der erste Teil („Born on the 4th of July“) ist bereits online, heute gibt’s den zweiten Teil. Alle weitere Infos zum Buch gibt’s auf der Website vom-buch-zum-byte.de

Computer als E-Text-Replikator

Mit der „Declaration of Independence“ als erstem E-Text der Welt war nicht nur technisch, sondern auch konzeptuell der Grundstein für das „Project Gutenberg“ gelegt: wenn alles, was in den Computer eingegeben wurde, sich in unendlicher Zahl vervielfältigen ließ, dann konnte man mit Hilfe dieser „Replikator-Technologie“ so viele Bücher wie möglich für so viele Menschen wie möglich verfügbar machen, und zwar kostenlos. Das enthusiastische „Mission Statement“ lautete:

„Encourage the Creation and Distribution of eBooks“
„Help Break Down the Bars of Ignorance and Illiteracy“
„Give As Many eBooks to As Many People As Possible“

Die unbegrenzte Verbreitung funktionierte freilich nur bei Texten, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt waren. Michael Hart war zwar kein Freund des Copyrights, aber auch kein Datenpirat. Somit bestand und besteht die virtuelle Bibliothek des Project Gutenberg vor allem aus Werken, die vor 1900 geschrieben wurden. Bei technischen Beschränkungen gab sich der Erfinder des E-Books allerdings kompromisslos. Um die elektronischen Texte buchstäblich auf 99 Prozent aller bestehenden und zukünftigen Hardware lesbar zu machen, setzte Hart auf den strengen Standard des ASCII-Codes (American Standard Code for Information Interchange), scherzhaft auch „Plain Vanilla ASCII“ genannt. Kursivierungen, Fettdruck oder Unterstreichungen wurden in Großbuchstaben verwandelt.

Harts ambitioniertes Ziel bestand darin, bis zum Jahr 2000 mindestens 10.000 Bücher zu digitalisieren. Das schien Anfang der Siebziger Jahre reine Utopie, denn die Texte mussten mühsam abgetippt und auf Fehler überprüft werden. Bis 1987 kopierte der Gründer von „Project Gutenberg“ in seinem modernen Skriptorium – zusammen mit fleissigen Helfern – auf diese Weise immerhin mehr als 300 Werke aus dem Bereich der „Public Domain“.

(Fortsetzung folgt)

Autor&Copyright: Ansgar Warner
Abb.: Coverausschnitt, Entwurf: Susanne Weiß/weisspunkt.org

Das Tablet der toten Dichter: iBooks integriert Public-Domain-Bibliothek von Project Gutenberg

ipad-project-gutenberg e-book bestseller.gifPunktsieg für Apple – wenige Tage vor dem iPad-Start in den USA wird ein weiterer Content-Deal publik: mit der Integration der Public-Domain-Bibliothek von Project Gutenberg stehen den Nutzern von Apples neuem Tablet mehr als 30.000 E-Book-Klassiker im epub-Format umsonst zur Verfügung. Sparen können iPad-Besitzer offenbar auch bei Bestsellern – viele Top-Titel der US-Rankinglisten gibt es in der Launch-Phase zum Kampfreis von 9,99 Dollar.

Willkommen im E-Book-Club der toten Dichter: 30.000 Gratis-Klassiker für iBooks


Willkommen im E-Book-Club der toten Dichter – mit Apples jüngstem Coup wird das iPad nach Informationen von AppAdvice zum Entreebillet zur klassischen Weltliteratur. Zumindest in den USA, wo iBooks von Anfang an zur Grundaustattung des heißbegehrten Tablet-PCs gehören wird. Möglich macht das Apples Entscheidung, auf den Branchenstandard epub zu setzen – auch die Klassiker von Project Gutenberg gibt es seit einiger Zeit in diesem Format. Deutsche Leser sollten sich allerdings nicht zu früh freuen. Nicht nur, weil iBooks hierzulande erst später starten wird. Denn es geht wohlgemerkt nicht um das „Projekt Gutenberg“, sondern die internationale Variante. Dort findet man zwar auch knapp 700 deutsche Klassiker. Doch der Löwenanteil – mehr als 26.000 Titel – betrifft englischsprachige Titel.

NYT-Bestseller für 9,99 Dollar: Apple bietet Amazon beim E-Book-Pricing kräftig Paroli


Die Nase vorn hat die Apple-Kundschaft jenseits des Atlantiks auch beim Pricing kommerzieller E-Book-Titel. Bei den meisten elektronischen Versionen von Bestsellern etwa aus der New York Times-Auswahlliste hat Steve Jobs etwa für Schwellenpreise gesorgt, die mit Amazon auf Augenhöhe sind. Und das bedeutet: es gibt diese E-Books für 9,99 Dollar. Das überrascht natürlich, denn die großen US-Verlage hatte Apple ja gerade mit dem Versprechen ins Boot geholt, bessere Margen zu garantieren als Amazon. Doch zumindest für die Markteinführung des neuen Tablets wird nun offenbar eine offensive Niedrigpreis-Politik gefahren. Aus deutscher Perspektive bleibt auch diese Episode der E-Book-Wars nur ferner Schlachtendonner – die Buchpreisbindung sorgt nach dem iPad-Launch für Ruhe an der Pricing-Front. Erfreulich für die Verlage – ärgerlich für die Leser, und letztlich auch für Apple. Denn iBooks ist eben als das iTunes für Bücher ausgelegt, ähnlich wie bei iPhone und iPod Touch soll günstiger Content als Kaufanreiz für die Hardware fungieren. Die Auswahl hierzulande wird wohl etwas anders aussehen: entweder 25 Euro für den neuen Sci-Fi-Thriller von Frank Schätzing hinlegen, oder Jules Vernes Reise zum Mond gratis lesen.

World E-Book Fair, oder: Download-Festival für Millionen

Die Messe von morgen braucht keinen festen Ort mehr: im Internet öffnet heute die „World E-Book Fair“ ihre virtuellen Pforten. Das meldeten in den letzten Tagen zumindest zahlreiche deutsche E-Lese-Blogs. Doch eine Buchmesse ist es eigentlich selbst im virtuellen Sinn nicht. Eher eine Art „Download-Festival“, das sehr stark an ein us-amerikanisches Publikum gerichtet ist. Mit der „World E-Book Fair“ gehen prominente E-Bibliotheken wie Project Gutenberg, die World Public Library und das Internet Archive medial in die Offensive. Gemeinsam stellt man zum amerikanischen Nationalfeiertag mehr als zwei Millionen E-Books zum Download bereit. Wohlgemerkt: Die meisten standen auf den jeweiligen Plattformen auch schon zuvor online zur Verfügung. (mehr …)