Für eine Handvoll Promille: Amazon zahlt Self-Publishern 0,006 Dollar pro gelesene Seite

fuer-eine-handvoll-promilleSeit Anfang Juli gilt bei Kindle Unlimited sowie der Kindle Leihbibliothek ein neues Vergütungssystem: Autoren werden nicht mehr pro (an-)gelesenem Buch, sondern pro tatsächlich gelesener Seitenzahl vergütet. Was das konkret bedeutet, lässt sich einer E-Mail entnehmen, die Amazon dem Guardian zufolge gerade den am Flatrate-Modell teilnehmenden Self-Publishern geschickt hat.

1,9 Milliarden Seiten wurden im Juni 2015 gelesen

Im Monat Juni hätten demnach die Leser etwa 1,9 Milliarden Seiten konsumiert. Da Amazon jeweils einen festen Betrag zur Verfügung stellt – derzeit 11 Millionen Dollar – der pro Monat an die Autoren ausgeschüttet wird, lässt sich recht einfach errechnen, wieviel pro Seite dabei herausspring: 11 Millionen geteilt durch 1,9 Milliarden, und das ergibt: 0,006 Dollar, umgerechnet etwa 0,0054 Euro, deutlich weniger als 1 Cent.

Beim Pay-Per-Download-Prinzip sprangen dagegen zuletzt 1,30 Dollar pro Buch heraus, egal ob nun jede Seite gelesen wurde oder nur die zur Anrechnung notwendige Mindestanzahl. Um denselben Betrag nach dem neuen System zu erreichen, müssten pro Buch fast 220 Seiten gelesen werden, rechnet der Guardian vor (nämlich: 1,30 geteilt durch 0,006 gleich 216,66).

„Wer liest ein Kochbuch von vorne bis hinten?“

Viele Autoren seien mit diesem neuen Abrechnungssystem unzufrieden, so der Guardian. Casey Lucas, eine freie Lektorin, die für Self-Publisher arbeitet, gab gegenüber der Zeitung an, sie habe bereits sechs Kunden verloren. Das Schreiben würde sich für sie nach einem Verlust von „60 – 80 Prozent der Tantiemen“ nun nicht mehr lohnen.  Gerade Autoren, die kürzere Werke produzierten, etwa Kinderbücher oder Sachbücher, würden besonders unter der Neuregelung leiden: „Wer liest ein Kochbuch von vorne bis hinten durch?“, fragt Lucas.

Letzlich, so argumentiert der Guardian zu recht, gebe es aber wohl zugleich Gewinner und Verlierer, denn schließlich habe sich die insgesamt ausgeschüttete Summe nicht verändert.

Abb.: Robbie Biller (cc-by-2.0)