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Die fünf wichtigsten E-Lese-Nachrichten des Jahres 2014

Preview: Die wichtigsten E-Lese-Nachrichten des Jahres 2014

Quo vadis, Buchbranche? Die Zeit zwischen den Jahren ist eine perfekte Gelegenheit für den Blick nach vorn. Mit genügend Feuerzangenbowle gelingt sogar mehr als nur eine vage Trend-Prognose – die fünf wichtigsten E-Lese-Nachrichten des Jahres 2014 liegen E-Book-News deswegen schon jetzt vor (Redaktionsschluss war 31.12.2013). Wer wissen will, warum Buchreport im Februar 2014 „Keine Feier ohne Mayer“ titelt, mit wem Jeff Bezos den Tag des Buches 2014 in einer Benediktinerabtei am Appenin verbringt oder welchen Scoop die bisher völlig unbekannte Enthüllungsplattform SkipiLeaks kurz vor der Frankfurter Buchmesse 2014 landet, erfährt im Folgenden alle Details.

1.) Tolino überflügelt Kindle, Amazon übernimmt Weltbild

„Tschakka Tolino!“, jubelt Thalia-Geschäftsführer Michael Busch im tropisch heißen Juli 2014 auf der Titelseite einer großen deutschen Boulevardzeitung. Mit 51 Prozent Marktanteil am E-Book-Geschäft überflügelte die Tolino-Allianz schon im zweiten Quartal 2014 deutlich den Hauptkonkurrenten Amazon. Jeff Bezos ist nicht böse, er weiß: das defizitäre Filialnetz hängt den großen deutschen Ketten wie ein Mühlstein am Hals. 2014 wird das Jahr der Entscheidung. In der Sommerpause munkelt der FAZ-Wirtschaftsteil (O-Ton: „Händler der elften Stunde“) über die Alternativen geordnete Insolvenz, rettende Fusion der schwächelnden deutschen Marktführer oder den Einstieg eines internationalen Players nach dem Vorbild Waterstones. Und wartet en passant mit einer brisanten Insider-Information auf: schon am 23. April 2014 sei es in der Bibliotheksruine einer Benediktinerabtei an den Hängen des Appenin zu einem geheimen Treffen zwischen Amazon-Chef Bezos und Robert Zollitsch gekommen, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz. Einziger Tagesordnungspunkt: die Übernahme von Weltbild.

2.) Schafft ein, zwei, viele Ocelote: Indie-Buchhandel boomt

Den unabhängigen Buchhändlern geht es dagegen wieder deutlich besser – u.a. dank gelungenen Online-Relaunches, die dem Endkunden in punkto Einkaufserlebnis endlich mehr bieten als nur ein notdürftig kaschiertes Warenwirtschaftssystem mit thematischer oder chronologischer Sortierung. Mindestens ebenso wichtig sind aber auch neue Konzepte für die Buchläden vor Ort, vom Design über die Vernetzung in der lokalen Community bis hin zur individuellen Auswahl. Immer mehr Neueinsteiger orientieren sich dabei online wie offline am Berliner Best Practice-Beispiel Ocelot. Dessen Gründer Frithjof Klepp denkt bereits eine Nummer größer: bei einem Google-Hangout mit Fachjournalisten kündigt er während der IFA 2014 die erste Filialgründung an – wieder in Zusammenarbeit mit einer Stadtteilbibliothek.

3.) Lux, Log.Os & Co.: Der dritte Weg im E-Business

Zumindest vorübergehend eröffnen alternative Glowlight-Reader wie der Pocketbook Touch Lux für die Indies dabei gerätetechnisch einen dritten Weg zwischen Amazon und Tolino. Längst ist aber vielen Beteiligten klar: auf Dauer hilft gegen die Closed-Shop-Systeme der großen Player nur ein ebenso übergreifendes wie unabhängiges Plattform-Konzept wie das von Onkel & Onkel-Verleger Volker Oppmann angeschobene Projekt Log.Os – „eine Möglichkeit, wie im Netz Geld verdient werden kann, ohne dass der freie Fluss der Informationen gestört wird“. Schon bei der Kick-Off Konferenz für Log.Os am 1. Februar 2014 trifft man in der westberliner Akademie der Künste nicht ganz zufällig auch zahlreiche Vertreter regionaler Buchhandelsketten. „Keine Feier ohne Mayer“, titelt Buchreport.

4.) Von CC bis WTF: DRM-Verzicht ist erst der Anfang

Neben den Verkauf kopiergeschützter E-Books treten 2014 immer stärker alternative Säulen, vom kommerziellen Flatrate-Abo über die öffentliche Bibliotheks-„Onleihe“ bis hin zum temporären Gratis-Marketing. Eine wachsende Zahl kleiner Verlage setzt ohnehin auf DRM-freie E-Books. Im Vorfeld der Leipziger Buchmesse kündigt der erste große Publikumsverlag Anfang März 2014 an, komplett auf hartes DRM zu verzichten. Viele Indie-Autoren gehen schon einen Schritt weiter, sie nutzen alternative Lizenzen von Creative Commons bis What the Fuck, um durch maximale Reichweite des E-Books die Print(-On-Demand)-Version zu vermarkten. Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse landet die Enthüllungsplattform „SkipiLeaks“ Ende September 2014 einen echten Scoop. Der Börsenverein hält angeblich eine Studie zurück, der zufolge die freie Zirkulation von E-Books ohne DRM im Backlist-Bereich bis zu 30 Prozent höhere Umsätze beschert. Besonders pikant: Buchpiraten werden darin als „heimliche Umsatztreiber der Branche“ bezeichnet.

5.) Agents of Change: Krautpublisher & Kindle-Millionäre

Zu den wesentlichen Agents of Change der Buchbranche gehören auch im Jahr 2014 die Self-Publishing-Autoren. Als sich die wichtigsten Vertreter der Indie-Szene am 14. April 2014 in Würzburg zum ersten deutschen Self-Publishing-Day treffen, ist das Pressecho groß. Zeitgleich wird nämlich bekannt, dass eine hiesige Autorin dank ihrer verkaufsstarken historischen Liebesromane in den exklusiven Club der Kindle-Auflagenmillionäre aufgenommen wurde. Im deutschen Sprachraum ein absolutes Novum. Doch das Indie-Geschäft dreht sich längst nicht mehr nur um E-Books – immer öfter finanzieren clevere Autoren auch Printauflagen über Pre-Order-Kampagnen auf Crowdfunding-Plattformen à la Startnext, und erzielen dabei nicht selten 20.000 Euro und mehr. Nach dem Vorbild des US-Pendants Kickstarter eröffnet Startnext im Herbst 2014 unter dem Namen „Bookstarter“ eine eigene Krautpublishing-Plattform. Zu den ersten Projekten gehören auch Kampagnen von Verlags-Startups wie Dotbooks, Mikrotext und Shelff.

[Hinweis: Wie bei allen Visionen auf der Basis von Feuerzangenbowle lässt sich das tatsächliche Eintreten der vorhergesehenen Ereignisse in der Zukunft weder garantieren noch ausschließen.]

Abb.: Flickr/Lorenia (cc)

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Hineinschmökern per Preview-Widget: Weltbild kooperiert mit Google Books

weltbild-preview-buchvorschauDigitales Klappentext-Lesen war gestern – auch bei Weltbild.de kann man nun dank Preview-Widgets in zahlreiche Bücher „hineinschmökern“. Deutschlands zweitgrößter Online-Buchhändler bietet die Buchvorschau nach eigenen Angaben bei über 250.000 Titeln. Um möglichst viele Previews bieten zu können, kooperiert Weltbild nicht nur mit Libreka und der Bertelsmann-Tochter BIC Media, sondern auch mit Google Books.

Das Widget macht’s möglich: Sneak-Previews helfen bei der Kaufentscheidung


Immer mehr Bücher werden zum E-Book – zumindest teilweise. Und das liegt nicht nur an der Google Buchsuche. Während Previews in Deutschland erst nur bei Comicverlagen üblich waren, bieten nun auch die meisten Online-Buchhändler für ihr Sachbuch- und Belletristikprogramm eine digitale Buchvorschau an. Während viele Händler insgesamt oft mit mehreren Millionen lieferbarer Titel aufwarten können, ist die Zahl der Previews allerdings noch begrenzt – denn die Konvertierung der Backlist in elektronische Formate hat gerade erst so richtig begonnen. Weltbild.de setzt deswegen nun offenbar auf die Bündelung des Contents aus verschiedenen Quellen – und kooperiert neben Libreka mit zwei großen Playern im Print- und E-Book-Business: BIC-Media und Google. Die Bertelsmann-Tochter BIC Media liefert die ursprünglich für Random House entwickelte Insight-Software – Kunden von libri und hugendubel dürfte das auf dieser Grundlage laufende Preview-Widget bereits bekannt sein. Die Buchvorschau zeigt die Seiten im Original-Layout – maximal 20 Prozent des Textes lassen sich so am Bildschirm lesen. Außerdem gibt es eine Suchfunktion. Das gewisse Plus bietet bei Weltbild.de die Kooperation mit Google – bei bestimmten Titeln öffnet sich nämlich ein grafisch etwas anders gestaltetes Fenster: die Google Preview. Das „Hineinschmökern“ klappt nun insgesamt bei etwa 250.000 Titeln – darunter auch zahlreichen englischsprachigen Ausgaben.

Das Online-Angebot in Deutschland bleibt bis auf weiteres zersplittert


Für den Internet-Kunden ist die Lage wird die Lage allerdings immer verwirrender: welcher Online-Händler bietet eigentlich was? Manche Titel gibt es nicht nur als E-Book und Audiobook, sondern auch als iPhone-App. Andere wiederum nur in der Print-Version, und wenn man Glück hat, mit Online-Preview. Wieder andere Titel präsentieren sich auf den Buchhandels-Portalen nur mit Coverfoto und Klappentext. Auch Weltbild muss da trotz aktueller Fortschritte bei mehr als einer Million Titel immer noch passen. Während in den USA große Player wie Amazon, Google oder Barnes&Noble auch in digitaler Form sehr umfangreiche Sortimente vorhalten, ist die Lage auf dem deutschsprachigen Markt zwar etwas weniger monopolistisch, dafür aber auch weitaus chaotischer. Auch Projekte wie etwa Libreka, die Online-Plattform des deutschen Buchhandels, sind noch weit davon entfernt, die hiesige Leselandschaft umfassend in elektronischer Form widerszuspiegeln. Den besten Überblick zum aktuellen Angebot kann man sich immer noch an nicht-virtuellen Orten verschaffen – in den realen Buchhandlungen. Dort kann man schließlich die Nase in jedes beliebige Buch stecken – von der ersten bis zur letzten Seite.