Premiere für Kindle Paperwhite II: Pre-Order für neue Version startet

Große Bühne für das neue Kindle Paperwhite – für die zweite Generation des Glowlight-Readers hat Amazon die Startseite frei gemacht, wie üblich in Form eines offenen Briefes von Jeff Bezos an seine Kunden. Ab sofort kann man es zum Preis von 129 Euro vorbestellen, offizieller Start ist am 9. Oktober. Revolutionäre Neuerungen sind allerdings nicht zu vermelden: es mag zwar „das beste Kindle, den wir je entwickelt haben“ (O-Ton Bezos) sein. Doch letztlich wurde nur optimiert, was es schon letztes Jahr gab. „It’s an ultra-refined version of what was already the most refined product in its category“, urteilte etwa Time-Techblogger Harry McCracken in einem ersten Hands-On-Bericht.

Mehr Kontrast, mehr Touch, mehr Prozessorpower

Der einzige echte Mangel des Vorgängermodells war eine ungleichmäßige Ausleuchtung durch das Glimmerlicht – dieses Problem wurde nun durch bessere Lichtführung behoben. Auf dem Weg zum perfekten E-Paper ist man zudem wieder einen kleinen Schritt vorangekommen: „Schärfere Kontraste und verbesserte Lichtstreuung lassen Weiß weißer und Schwarz schwärzer erscheinen“, verspricht die Pressemitteilung. Verbessert wurde auch die Touchscreen-Abtastung: „Die neue Touch-Technologie nutzt ein um 19% engmaschigeres Touch-Grid“ – das ermöglicht präzisere Fingergesten. Last not least sorgt ein um 25 Prozent schnellerer Prozessor für mehr Komfort beim Öffnen und Umblättern von E-Books.

Smartlookup schlägt Worte bei Wikipedia nach

Soviel zur Hardware. Die gewohnte Benutzeroberfläche wurde aber ebenfalls verbessert – etwa mit der „Pageflip“-Funktion: durch die Einblendung einer zusätzlichen Seitenansicht kann man im Text vor- oder zurückblättern oder gleich von Kapitel zu Kapitel springen, ohne die aktuell aufgeschlagene Seite zu verlieren. Das neue „Smart-Lookup“ ermöglicht es, Begriffe innerhalb des Wörterbuchs auch in der Wikipedia nachzuschlagen, ohne den Browser bemühen zu müssen (natürlich nur, so lange man online ist). Wer gerne fremdsprachige Texte liest, wird sich wohl über den integrierten Wortschatz-Trainer freuen. Nachgeschlagene Worte werden gesammelt und lassen sich über eine „Karteikarten-Ansicht“ auch abfragen.

„Im Gegensatz zu Tablets angenehm“

Ein paar Sticheleien gegen die Konkurrenz kann sich Amazon auf der offiziellen Produktseite übrigens auch mal wieder nicht verkneifen: es gibt zum Thema Spiegelung bei Sonnenlicht ein schönes Vergleichsfoto von Kindle und iPad. Außerdem findet man dort die Bemerkung, dass neue Kindle Paperwhite sei 30% leichter als das iPad mini. Dazu kommt aber auch unfreiwillige Selbstkritik – sogar farblich hervorgehoben wird der bemerkenswerten Satz: „Im Gegensatz zu Tablets wurde der Kindle Paperwhite dazu entwickelt, das Lesen so angenehm wie möglich zu gestalten“. Das trifft natürlich auch auf Amazons „Lesetablet“ Kindle Fire zu.

Pre-Order für Leser: E-Books & Hardcover von „ungebundenen“ Autoren

Bei einem Direkt-Publishing-Projekt namens „Unbound“ denkt man zunächst an „ungebundene“ Taschenbücher. Doch bei der britischen Crowdfunding-Plattform geht es darum, die Bindung von Autoren an Verlage zu lösen. „Books are now in your hands“ lautet der Claim. Ob ein Buch fertig geschrieben wird, liegt in den Händen der Leser. Prominente Unterstützung erhielt Unbound bereits von Terry Jones – der Monty-Python-Autor ist mit dem Projekt „Evil Machines“ dabei, einer Sammlung von technikkritischen Short Stories. Jeder Unterstützer erhält direkten Zugang zur „Author’s Shed“, also zur virtuellen Autorenwerkstatt. Je nach Spendenhöhe bekommt man zudem am Ende die E-Book- oder Hardcover-Ausgabe geliefert, weiter oben auf der Skala winken spezielle Goodies. Vorausgesetzt natürlich, das globale Spendenziel wird erreicht.

Crowdfunding plus Pre-Order

Crowdfunding ermöglicht neue Wege im Direkt-Publishing. Im Musik-Business hat sich das Pre-Order-Modell schon seit langem bewährt. Die US-Band Marillion etwa sammelte schon vor zehn Jahren Spenden von ihren Fans ein, um das Album „Anoraknophobia“ zu produzieren. Als besonderes Incentive winkte dabei eine limitierte Sonder-Edition. Etwas hinaus über normale Pre-Order-Modelle geht die britische Plattform „Unbound“. Während es bei Bands zumeist um das Einspielen bereits existierender Songs geht, schlagen Autoren bei Unbound Projekte vor, die noch gar nicht komplett auf’s Papier gebracht worden sind. Schreiben braucht seine Zeit – doch von irgendetwas muss der Künstler dabei natürlich leben. Dafür sorgten bisher Vorschüsse von Verlagen. Bei Unbound gehen dagegen die Leser in Vorleistung.

Wie wäre es mit einer Einladung zur Launch-Party?

Wenn der „Pitch“ des Literaturproduzenten das Gefallen der Crowd findet und genügend Vorbestellungen eingehen, ist die Finanzierung gesichert. Von der Spendensumme gehen 50 Prozent an den Autor, die andere Hälfte fließt in die Produktion von E-Book- und Printausgabe. Als besonderes Incentive warten auf die Spender nicht nur E-Book- (10 £) oder Hardcover-Versionen (20 £), sondern auch die namentliche Nennung im Anhang. „Großspender“ dürfen sich nicht nur über handsignierte Exemplare freuen (ab 50 £), sondern auch über die Einladung zur Launch-Party (ab 150 £) oder zum Launch-Dinner (ab 250 £). Unbound konnte für dieses Modell gleich eine ganze Handvoll prominenter Autoren gewinnen. Neben Monty-Python-Autor Terry Jones ist etwa der für den Booker-Prize nominierte Tibor Fischer dabei, der an einem Doppel-Erzählband mit dem Titel „Crushed Mexican Spiders“ arbeitet. Aber auch so jemand wie Cloud-Spotter Gavin Pretor-Pinney. Der in UK populäre Wolkenbeobachter plant eine interaktive iPad-Version seines Bestsellers „Cloudspotter’s Guide“.

Unbound selbst ist auch ein Autoren-Projekt

Gegründet wurde Unbound von Dan Kieran, Justin Pollard und John Mitchinson – drei Freelance-Autoren, die mit der Bestseller-orientierten Politik großer Verlage nicht mehr einverstanden waren. Warum müssen es immer Celebrity-Biographien sein, das Buch zur Fernsehserien oder ein massenmarktfähiger Thriller? „We think people who love books deserve a say in what does or doesn’t get published. You may not be aware of it, but even best selling authors are beginning to have very restrictive parameters imposed on the kinds of books they get to write“, beklagen die britischen Skribenten in ihrem Mission-Statement. Außerdem gebe der normale Publikationsprozess den Lesern kaum Einblick in die Arbeit des Autors, und verhindere es zudem, eine direkte Beziehung zum Publikum aufzubauen.

Zu Besuch im Schuppen des Autors

Bei Unbound werden die Unterstützer über regelmäßige Updates auf dem Laufenden gehalten. Immerhin hat ja etwa Terry Jones versprochen, seine technikkritischen Short Stories bis Weihnachten 2011 fertig zu stellen. Wer’s genau wissen will, schaut ganz einfach im „Author’s Shed“ vorbei – sobald man auf den Spenden-Button gedrückt hat, erhält man nämlich direkten Zugang zur Autorenwerkstatt. Auf den virtuellen Regalen des Autoren-Schuppens warten neben dem Writer’s Diary und Leserkommentaren auch exklusive Videos und Audio-Dateien. Transparent gemacht wird umgekehrt aber auch die „Horde der Bewunderer“. Denn jeder registrierte Nutzer hat auf Unbound sein eigenes Profil und erscheint auf den Projektseiten in der Reihe der „Supporter“. Terry Jones etwa hat bereits fast hundert potentielle Leser für sich gewinnen können, fehlen noch 2900 weitere, um das gesteckte Ziel zu erreichen.