Aus für den High-End-Reader: Plastic Logic stoppt QUE-Projekt

plastic-logic-que-e-readerDer QUE kommt nicht mehr: Plastic Logic hat sein ambitioniertes E-Reader-Projekt gestoppt. Nachdem im Juli bereits sämtliche Vorbestellungen annulliert worden waren, verkündete das Unternehmen jetzt das endgültige Aus für das 11-Zoll-Gerät mit Touch-Screen und WLAN/UMTS. Je nach Modell sollte der monochrome E-Ink-Reader zwischen 649 und 799 Dollar kosten. Nun müssen High-End-Nutzer auf die nächste QUE-Generation warten – immerhin will Plastic Logic im E-Reader-Business bleiben.

Reader-Branche im Umbruch: „Die Marktsituation hat sich dramatisch geändert“

Verschoben ist nicht aufgehoben, heißt es so oft. Im E-Reader-Business gilt das aber nur bedingt. Zu oft wurden bereits Lesegeräte angekündigt, die sich letztlich als Vaporware erwiesen. Bestes Beispiel ist der txtr-Reader des gleichnamigen Berliner Startups – angekündigt wurde er für Weihnachten 2009, doch bis heute existiert lediglich eine txtr-App, der Reader lässt auf sich warten. Die QUE-Kunden zumindest müssen jetzt nicht mehr warten. „Die Marktsituation hat sich dramatisch verändert, und nach den bisherigen Verzögerungen bei der Produktion macht es keinen Sinn mehr, die erste Generation unsere Lesegeräte noch an den Start zu bringen“, so Plastic Logic -Chef Richard Archuleat in einer Pressemitteilung. Ähnlich wie beim txtr-Reader hatte man für die Verzögerung Qualitätsmängel vorgeschoben – doch es dürfte sich angesichts des iPad-Schocks, unter dem die gesamte Branche sowie auch die Geldgeber stehen, wohl auch um taktisches Verhalten gehandelt haben.

E-Reader-Blues in Dresden: Was wird nun aus dem Standort „Silicon Saxony“?

Für die Entwicklung des elektronischen Lesens dürfte der Verlust aber wohl verschmerzbar sein. Denn mit dem QUE-Reader von Plastic Logic scheitert ein Projekt, das vor allem auf Business-Kunden abzielte. Mit 8,5 mal 11 inches entsprach das Display des Lesegerätes exakt dem amerikanischen Bürostandard (“Letter”-Format). Neben dem problemlosen Umgang mit Dokumenten im Word- oder PDF-Format sollte der QUE auch den direkten Draht zum E-Mail-Account, Kalender & ToDo-Liste ermöglichen. Die Qualität ließ sich Plastic Logic einiges kosten. Die Produktion siedelte das kalifornische Unternehmen in seinem Dresdner Werk an – man setzte also auf “Silicon Saxony” statt auf “Silicon Valley” bzw. “made in China”. Nach Informationen von iPadinside soll dieses Werk vorerst wohl erhalten bleiben. Das könnte jedoch auch vom Willen zukünftiger Geldgeber abhängen. Einer Meldung der Financial Times zufolge ist Plastic Logic in Gesprächen mit Rusnano, einem staatseigenem Nanotechnologie-Unternehmen mit Sitz in Moskau. Voraussetzung für eine finanzielle Beteiligung wäre allerdings die Ansiedlung der Produktion in Russland.

Vaporware für Premium-Kunden: Plastic Logic verschiebt Start des Que-Readers auf unbestimmte Zeit

vaporware-que-reader.gifVaporware gibt’s offenbar auch im Premium-Bereich – Plastic Logic hat den Start des Que-Readers erneut verschoben. Selbst Vorbestellungen wurden annulliert. Das 11-Zoll-Gerät mit Touch-Screen und WLAN/UMTS war erstmals Anfang 2010 auf der CES in Las Vegas präsentiert worden. Je nach Modell sollte der monochrome E-Ink-Reader zwischen 649 und 799 Dollar kosten.

Der Que-Reader sollte die Regeln der Branche verändern – und ein neues Hochpreis-Segment etablieren

Apples Tablet eilte von Anfang an der Ruf als „Game Changer“ voraus – und tatsächlich scheint das iPad die Regeln der E-Reader-Branche nachhaltig zu verändern. Bisher war das vor allem im Mittelfeld zu merken. Von Sony über Amazon bis zu Barnes&Noble reagierten Mitbewerber zuletzt mit drastischen Preissenkungen. Noch kritischer ist die Lage für Lesegeräte, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Das Berliner Startup txtr hält seinen gleichnamigen Reader weiterhin zurück, dem niederländischen Hersteller iRex haben die Banken gerade den Geldhahn zugedreht. Mit Plastic Logic steht nun aber ausgerechnet ein E-Ink-Projekt vor dem Aus, das selbst die Regeln der Branche verändern wollte – durch die Etablierung eines Hochpreis-Segments für Business-Kunden. Verkaufen wollte man den Que-Reader u.a. über das Filialnetz von Barnes&Noble. Dessen E-Store sollte auch für drahtlosen Lesestoff sorgen.

Technisch bot der Que-Reader nichts neues – nur ein paar mehr Zoll auf dem Display

Die Lektüre von E-Books stand bei Plastic Logics Lesegerät allerdings nicht unbedingt im Vordergrund. Das zeigte schon die gewählte Display-Größe. Denn mit 8,5 mal 11 inches entsprach sie haargenau dem amerikanischen Bürostandard (“Letter”-Format). Neben dem problemlosen Umgang mit Dokumenten im Word- oder PDF-Format sollte der QUE auch den direkten Draht zum E-Mail-Account, Kalender & ToDo-Liste ermöglichen. Die Qualität ließ sich Plastic Logic einiges kosten. Die Produktion siedelte das kalifornische Unternehmen in seinem Dresdner Werk an – man setzte also auf „Silicon Saxony“ statt auf „Silicon Valley“ bzw. „made in China“. Mit dem hohen Einstiegspreis von 649 Dollar lag der Que-Reader deutlich über dem großen Amazon Kindle wie auch der Basis-Version des iPads, ohne mehr zu bieten als ein paar Zoll Platz auf dem Display. Dem Wired-Magazin gegenüber verkündete Plastic Logic nun, man wolle den Que-Reader noch einmal technisch überarbeiten, um ihn an den sich rasch wandelnden Markt anzupassen. Die Marktanpassung wird wohl darin bestehen, dass der bisherige Prototyp des Que-Readers komplett ins Technikmuseum wandert. Wirklich konkurrenzfähig dürfte Plastic Logic auch im Hochpreis-Segment nur mit farbigen E-Ink-Displays sein – die auch schon angekündigt sind, allerdings für 2012.

Ein Kessel Buntes für Premium-Kunden: PlasticLogic verspricht farbiges E-Ink für Anfang 2012

plastic-logic-que-e-reader-proreader-farb-display-2012.gifPlasticLogic wagt den Schritt ins farbige E-Ink-Zeitalter: der High-End-Reader QUE wird ab 2012 mit Color-Display verkauft. Ein Prototyp soll bereits funktionsfähig sein. Die monochrome Version des auf Business-Kunden zielenden 10,5-Zoll-Geräts wurde erstmals Anfang 2010 auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Die Auslieferung war für April/Mai 2010 geplant, hatte sich jedoch wegen technischer Probleme auf unbestimmte Zeit verzögert.

Bisher ist auch der monochrome QUE-Reader noch Vaporware

Ein guter E-Reader sollte nicht nur erschwinglich sein – man muss ihn auch kaufen können. Der QUE von PlasticLogic erfüllt bisher leider keine der beiden Bedingungen. Selbst Premium-Kunden, die für den Wifi-fähigen Reader im edlen schwarzen Gehäuse zwischen 649 und 799 Dollar zahlen würden, schauen in die Röhre. Die Marktnische für das Lesegerät im amerikanischen Letter-Format bleibt nämlich bis auf weiteres unbesetzt. Kurz vor dem geplanten Auslieferungstermin teilte Firmenchef Richard Archuleta den Bestellern mit: „We are postponing the first QUE proReader shipments until this Summer in order to fine-tune the features and enhance the overall product experience“.

Im Labor läuft das Farb-Display von Plastic Logic bereits

Doch während PlasticLogic in den Dresdner Werkshallen tjunt und verbessert, sind die Techniker der Entwicklungsabteilung offenbar schon einen Schritt weiter: „Wir haben ein Farb-Display entwickelt, es funktioniert bereits in unserem Labor in Cambridge“, so Entwicklungsdirektor Achim Neu auf dem International Electronics Forum in Dresden. Bis Ende 2011 soll es einen fertigen Prototypen geben, im Jahr 2012 wird man die Serienfertigung beginnen. Ein echter Vorsprung ist das allerdings nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt dürften auch E-Reader anderer Hersteller mit farbigen E-Ink-Displays auf den Markt kommen. Da bereits die monochrome Version des proReaders auf Premium-Kunden zielt, hat Plastic Logic aber zumindest einen Trumpf in der Tasche: ein hoher Einführungspreis ist für dieses Marktsegment kein Problem.