[Aktuelles Stichwort] E-Book-Piraterie – Fluch oder Segen für die Buchbranche?


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

E-Book-Piraterie bezeichnet die illegale Verbreitung urheberrechtlich geschützter elektronischer Bücher im Internet, insbesondere über >>Download-Plattformen und Tausch->>Foren, als Technik zur dezentralen Distribution werden dabei in der Regel >>BitTorrents genutzt. Von E-Book-Piraterie betroffen sind vor allem klassische Verlage, in zunehmendem Maße allerdings auch Selfpublisher.

Kein Teil von E-Book-Piraterie ist etwa die kostenlose Verbreitung von >>gemeinfreien Werken (vgl. auch: >>„Public Domain“), deren Schutzfristen abgelaufen sind, wie auch die Verbreitung von Werken im Rahmen von nicht-exklusiven Lizenzen (vgl. >>Creative Commons).

Das deutsche >>Urheberrecht schützt digital veröffentlichte Werke grundsätzlich im selben Maß wie gedruckte Werke vor nicht autorisierter Verbreitung. Zusätzlichen Schutz sollen technische Maßnahmen bieten, die das Anfertigen von Kopien verhindern (>>Digital Rights Management/DRM). In der Praxis sind sie jedoch wirkungslos, da alle bisherigen DRM-Standards umgangen werden können und bereits eine einzige DRM-freie Kopie ausreicht, um einen Titel über Download-Plattformen weltweit zu verbreiten.

Ähnlich wie zuvor im Musik-Business haben Raubkopien die Nachfrage nach aktuellem digitalem Lesestoff bereits befriedigt, bevor legale Kopien überhaupt im Umlauf waren, insbesondere in den Jahren vor 2010, als Verlage sich gegenüber E-Publishing noch abwartend verhielten. Die Digitalisierung gedruckter Bücher durch die E-Book-Piraten fand dabei mit Hilfe der selben Scanner-Technik und >>OCR-Software statt, die mittlerweile auch von Verlagen zur nachträglichen Digitalisierung von älteren >>Backlist-Titeln genutzt wird.

Der im Bereich immaterieller Güter eigentlich irreführende Begriff Piraterie wird einerseits von der Content-Industrie als politischer Kampfbegriff benutzt (vgl. auch den Begriff Raubkopie), um gesetzliche Maßnahmen zur lückenlosen Überwachung des Datenverkehrs und zur konsequenten Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen durchzusetzen, andererseits bezeichnen sich aber auch die Copyrightgegner selbst als Piraten, um damit an die Debatte um Sharing-Kultur und digitale Gemeingüter anzuknüpfen.

Auch wenn das Verleihen, Verschenken oder Wiederverkaufen von E-Books (>>First-Sale-Doktrin) bisher eher unüblich ist, betrifft der Kauf (bzw. bezahlte >>Download) von neuen E-Books en detail ähnlich wie bei gedruckten Büchern nur einen vergleichsweise kleineren Teil der Text-Zirkulation, da sich neben dem Bereich gemeinfreier Klassiker oder creative-commons lizensierten E-Books etwa mit Onleihe und Flatrates zahlreiche neue Nutzungsarten bzw. Geschäftsmodelle etablieren.

Die ökonomischen Auswirkungen von E-Book-Piraterie (>>Ersatzrate) lassen sich nur schwer beziffern, da gerade Vielleser, die Download-Plattformen nutzen, oft parallel zu den besten Kunden legaler Online-Buchhändler gehören, und unbekanntere Autoren in punkto >>Discoverability vom kostenlosen Angebot ihrer Titel durchaus profitieren.

Teilweise kooperieren unabhängige Autoren mit Download-Plattformen, um ihren Titeln eine höherer Reichweite zu ermöglichen, manche Download-Plattformen bieten zu diesem Zweck auch spezielle Promotion-Möglichkeiten an.

Literaturhinweis:

Matt Mason, The Pirate’s Dilemma. How Youth Culture Reinvented Capitalism (2008), E-Book-Download via thepiratesdilemma.com (Pay-what-you-want).


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

Neue Studie: Verzicht auf DRM fördert Backlist-Umsatz um 30%

Tim O’Reilly hat’s ja schon immer gewusst: „Obscurity is a far greater threat than piracy“, formulierte im Jahr 2005 der Gründer von O’Reilly Media sein Unverständnis gegenüber DRM. Seinem eigenen Verlag brachte der Verzicht auf Kopierschutz dann sogar dreistellige Wachstumsraten im E-Book-Bereich. Skeptikern fiel dazu vor allem ein, solche Ergebnisse würden sich aber nicht auf eine gesamte Branche übertragen lassen. Eine aktuelle Studie scheint nun O’Reillys These zu bestätigen: Laurina Zhang (Universität Toronto) hat darin den Zusammenhang von Strategien zum Umgang mit geistigen Eigentum und dem Long Tail in der Musikindustrie untersucht. Die Musikindustrie selbst hat letztlich diese Studie ermöglicht, denn die Major Labels verzichteten zwischen 2007 und 2009 eins nach dem anderen auf Digital Rights Management (EMI zuerst, dann folgten Sony, Universal & Warner).

Es gibt also eine klare Trennung zwischen vorher & nachher. Das interessante Ergebnis: rechnet man andere Effekte heraus, stiegt in der Post-DRM-Ära der Umsatz mit digitaler Musik generell um 10 Prozent. Bei Backlist-Titeln stieg der Umsatz dagegen sogar um 30 Prozent, während sich bei Topsellern keine Auswirkungen feststellen ließen. Die Erklärung für diesen Effekt ist einfach: wenn Musik problemlos zwischen Nutzern weitergeben werden kann, steigt die „Discoverability“ von einzelnen Alben wie auch von kompletten Diskographien eines Interpreten. EMI war wohl genau aus diesem Grund auch der First Mover – denn im Unterschied zu den anderen Labels ist bei EMI der Anteil an Long-Tail-Alben besonders groß, der Anteil an Topsellern besonders klein.

Die Studie dürfte gerade auch für die Buchbranche lehrreich sein, wird hier doch bisher im Zusammenhang mit Piraterie & DRM vor allem die „Ersatzrate“ diskutiert, also potentielle Verluste, die dadurch entstehen sollen, dass Kunden auf den Kauf einzelner E-Books verzichten, weil sie auf diversen Plattformen auch gratis zu haben sind. Was dabei gerne vergessen wird: Zugleich gibt es auch eine „Zusatzrate“, also zusätzliche E-Book-Käufe, die durch das Entdecken neuer Titel und neuer Autoren via Filesharing generiert werden. E-Book-Piraterie könnte also letzlich eher dazu führen, Umsatzverluste aufzufangen, die durch DRM und damit die verminderte Discoverability von Backlist-Titeln entstehen.

Mit anderen Worten: wenn es die Piraten nicht gäbe, müsste der Buchhandel sie erfinden…

(via Torrentfreak)

Großes B & drei Sternchen: Boox.to als Voldemort der Buchbranche?

Piraten sind immer gut für einen Scoop, gerade am Ausgang des Sommerlochs. Doch Tagesspiegel und ZEIT online wollten es in diesen Tagen wohl wirklich wissen – sie interviewten via E-Mail nicht nur „Spiegelbest“, seines Zeichens E-Book-Pirat & Betreiber von boox.to, der größten illegalen Download-Plattform für elektronische Bücher in Deutschland. Die Gazetten wagten es dann auch noch, das branchenweit gefürchtete Tetragramm des Grauens gedruckt wie auch online voll auszuschreiben: B-O-O-X.

Die Reaktion ließ dann auch nicht lange auf sich warten: „Anders als üblich, wird die Plattform nicht anonymisiert, sondern interessierte Nutzer erfahren in dem Artikel den Klarnamen und somit auch die URL“, kritisierte der Branchenblog B*********, allerdings nicht ohne selbst auf den inkriminierten Artikel zu verlinken. Potentielle Nutzer, so die vor diesem Hintergrund nicht wirklich schlüssige Argumentation, würde man mit dem Bericht inklusive Namensnennung überhaupt erst auf die Plattform aufmerksam machen.

Mindestens ebenso unangenehm dürfte natürlich der Inhalt des Interviews gewesen sein. Schließlich begründet „Spiegelbest“ darin das Engagement seines Teams mit den überhöhten E-Book-Preisen: „Es fehlt ein attraktives digitales Angebot der Verlage. Kein Verlag verdient mit E-Books Geld. Warum nicht? Es liegt immer am Anbieter, nie am Kunden“. Sich selbst stilisieren die Piraten dagegen als einen Teil der Lösung: „Die Verlage haben nicht erkannt, dass sie es nicht mit Ladendieben, sondern mit einer neuen Art Verlag zu tun haben. Wir sind ein gefährlicher Konkurrent. Wir verkaufen unser Produkt für null Euro“.

Zumindest auf das Interview reagierte die Branche dann aber ähnlich, wie man es schon von Verstößen gegen die Buchpreisbindung gewohnt ist – die unliebsame Konkurrenz soll mit juristischen Schritten gestoppt werden: B********* zufolge wurde bei der Staatsanwaltschaft Hamburg bzw. Berlin Anzeige gegen die Redaktionen erstattet, da diese „Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung“ geleistet hätten. Neben der Namensnennung auch dadurch, dass für „die Vorteile des illegalen Angebotes“ geworben wurde.

Hoffnung auf Erfolg macht sich der anonyme Anzeigerstatter aber offenbar selbst nicht – es sei eine „Prinzipiensache mit wenig Aussicht auf Erfolg“. Um diese Andeutung voll zu goutieren, muss man natürlich wissen: Das Prinzip, das der Prinzipiensache offensichtlich entgegensteht, heißt Pressefreiheit. Die umfasst nämlich nach geltender Rechtssprechung auch die Nennung von Namen und Verlinkungen, wenn sie „einzelne Angaben des Beitrags belegen oder diese durch zusätzliche Informationen ergänzen sollen“.

Pikanterweise war der Anlass für ein entsprechendes Urteil eine Klage der Musikindustrie gegen Heise Online (danke an Stefan von Phantanews für den Tipp!) – das Portal hatte in einem Artikel auf eine Website verwiesen, die Cracking-Software zur Umgehung von Kopierschutz anbietet. Das zeigt: Nicht nur bei DRM und File-Sharing, sondern auch beim Journalisten-Bashing kopiert die Buchbranche offenbar eins zu eins die erfolglosen Strategien der Musikbranche. (Übrigens zeigt bereits ein Blick auf das Börsenblatt, dass die Namensnennung von Piratenplattformen branchenintern auch bei den Book People durchaus üblich ist.)

Abb.: Flickr/Fu Man Jew (cc)

Französische Comic-Piraten scannen mehr als 30.000 Titel ein – Verlagsbranche profitiert davon

Franzosen lieben ihre BDs (= „Bande Dessinée“) über alles. Der Comic-Anteil am nationalen Buchmarkt beträgt outre-Rhin satte 15 Prozent. So verwundert es kaum, dass die bunten Bildergeschichten im Land von Asterix, Gaston Lagaffe oder Lanfeust de Troy auch zu den am meisten raubkopierten Genres gehören. Doch die jetzt im Vorfeld des internationalen Comic-Festivals von Angoulême präsentierten Zahlen zeigen erstmals en detail, wie proaktiv und gut vernetzt die Subkultur der Peer-to-Peer-Piraten wirklich ist. Die in der Region Paris ansässige Monitoring-Behörde Le MOTif („Observatoire du livre et de l’écrit en Ile-de-France“) geht von 30 – 50.000 eingescannten Comics aus, von denen bis zu 10.000 einem breiterem Publikum zugänglich seien.

Die Aktivitäten der Scan-Szene erreichen fast schon industrielle Strukturen: in der Regel arbeiten die Raubkopierer in Teams von bis zu 100 Personen. Dabei geht es offenbar vor allem um die Selbsthilfe von passionierten Comic-Fans. Denn 58 Prozent der betroffenen Titel waren zum Zeitpunkt ihrer Verbreitung über Internet-Tauschbörsen oder Streaming-Portale weder digital noch im Print in Frankreich lieferbar. Die Comic-Piraten befriedigen also eine Nachfrage, für die es noch kein entsprechendes Angebot gibt. Doch auch andere Elemente der Copycat-Kultur dürften Kritikern illegaler Downloads dabei deutlich den Wind aus den Segeln nehmen. Denn bei Mangas etwa sind die Raubkopierer sogar als Übersetzer tätig – aktuelle japanische Serien landen somit ohne große Verzögerung auf dem franzöischen Markt, manchmal sogar mit erklärenden Fußnoten. Weltweit kommt die Grande Nation beim Manga-Konsum nach Nippon auf Platz zwei.

Den französischen Verlagen ist die „Vorfeldarbeit“ der Piraten offenbar gar nicht so unlieb. Denn Einnahmeverluste werden nicht verzeichnet – ganz im Gegenteil. Nicht nur die Zahl der Raubkopien steigt, sondern auch der Absatz offizieller Printversionen. Gerade die Bestseller am Kiosk oder in der Buchhandlung gehören zu den am meisten via Peer-to-Peer-Netzwerken verbreiteten Inhalten. Vielleicht auch deshalb, weil die Sprechblasen-Piraten auf der anderen Seite des Rheins einen ganz besonderen Ehrenkodex pflegen. Sobald ein Comicbuch kommerziell verlegt wird, ziehen sie die inoffiziellen elektronischen Versionen zurück. Die vorab veröffentlichten Erkenntnisse von MOTiF dürften in der nächsten Zeit für eine Menge Diskussionstoff sorgen. Denn schon vor einiger Zeit musste ausgerechnet Frankreichs Internet-Überwachungsbehörde HADOPI zugeben, dass „Heavy User“ von illegalen Tauschbörsen im Musikbereich zugleich zu den besten Kunden von legalen Anbietern gehören. Nun wird am Beispiel des Comic-Marktes noch deutlicher: Sanktionen wie Netzsperren sind nicht nur sinnlos, sie können sogar zur Bedrohung prosperierender Geschäftsfelder werden.

(via Publishing Perspectives, Les Numériques, Le MOTif)

Abb.: flickr/Terry McCombs

Kampf gegen E-Book-Piraterie: Studie „Gutenberg 3.0“ empfiehlt DRM-Verzicht & Flatrates


Mit dem E-Book-Boom wächst das Piraterie-Problem. Denn illegale Downloads betreffen neben MP3s zunehmend elektronische Bücher. Produziert wird das Problem möglicherweise aber durch die Buch-Branche selbst. Die Studie „Gutenberg 3.0 – Ebook-Piraterie in Deutschland“ jedenfalls nennt als wichtigste Gründe für das abweichende Konsumentverhalten lästiges DRM, überhöhte Preise und mangelnde Verfügbarkeit. Als Rezept empfehlen die Autoren der Studie die Strategien der Musikindustrie: Verzicht auf Kopierschutz und Übergang zu Flatrate-Tarifen. Wer sich bei der Lektüre von „Gutenberg 3.0“ praktische Tipps erhofft, wird aber leider enttäuscht – die Namen der meisten Download-Adressen sind geschwärzt.

Good News am „Tag des geistigen Eigentums“

Zuerst die gute Nachricht: „Die Mehrheit der Bundesbürger hat ein Bewusstsein für geistiges Eigentum“, so BITKOM-Präsidiumsmitglied Volker Smid. Eine aktuelle Umfrage des Branchenverbandes der Informationswirtschaft zeigt aber auch: 14 Prozent der Internetnutzer haben schon mal illegal Musik, Filme oder Software heruntergeladen. Das entspricht 7 Millionen Bundesbürgern. Passenderweise wurden diese BITKOM-Zahlen am Vorabend des 26. April vorgestellt, dem „Tag des geistigen Eigentums“. Was früher nur der Musikbranche Kopfzerbrechen bereitetete, macht dabei nun auch den Buchverlagen Sorgen – denn nicht nur aktuelle E-Book-Bestseller sind als Raubkopien auf Download-Plattformen verfügbar, sondern oft sogar Titel, die offiziell noch gar nicht in elektronischer Form existieren.

E-Book-Downloads als begehrte (Umsonst-)Ware

Filesharing und Peer-2-Peer-Netzwerke spielen laut der „Gutenberg 3.0“-Studie anders als im Musikbereich bei E-Book-Piraterie allerdings nur eine untergeordnete Rolle:

„Als sehr viel bedeutender für die illegale Verbreitung von Ebooks stellen sich sogenannte Direct Downloads Links (DDL) dar: Hier kann das Material von Filehostern wie Rapidshare oder Depositfiles (aktuell etwa 200 Anbieter) direkt auf den eigenen PC geladen werden.“

Nicht umsonst gehörten zu häufgen Suchbegriffe bei Google Wort-Kombinationen wie „ebook rapidshare“ sowie „ebook download“. Da viele User bei solchen Filehostern nur extern verlinkte Dateien herunterladen würden, lasse sich dieser Vorgang „schwer verfolgen“ und bleibe somit „fast immer folgenlos“.

“Legaler Markt geht an Kundenwünschen vorbei“

Produziert wird die Piraterie offenbar von der Industrie selbst. Als Gründe für das Nutzerverhalten nennt die für das irische Consulting-Unternehmen Lisheennageeha Consulting ltd. erstellte Studie nämlich etwa: lästiges DRM, zu hohe Buchpreise, aber auch mangelnde Verfügbarkeit von Inhalten. Die illegalen Seiten konkurrieren nicht einfach nur mit Null-Euro-Preisen, sondern auch mit einem breiteren Angebot:

„Unter den Werken finden sich häufig auch von den ‚Piraten‘ selbst digitalisierte Bücher (meist in hoher Qualität), die offiziell gar nicht als Ebooks angeboten werden. (…) Der legale Markt geht oft an den Kunden und ihren Bedürfnissen vorbei“.

Eine wichtige Rolle bei der Vergrämung von Kunden spielt daneben aber auch die deutsche Buchpreisbindung. Sie stelle „ein nicht unwesentliches Hemmnis für die legale Verbreitung von Ebooks“ dar, denn ein preislicher Wettbewerb zwischen den Anbietern werde dadurch erschwert.

Piraten auch bei Usability weit voraus

Mit der bisherigen Verlagspolitik geht die Studie dementsprechend hart ins Gericht:

„Schlimmer als bei der Musikindustrie ‚erziehen‘ einige Verlage die Nutzer regelrecht dazu, primär auf illegale Angebote einzugehen. Durch die zunehmende private Digitalisierung gibt es häufig schon illegale Ebooks von Werken, von denen die Verlage selbst noch keine digitale Version herausgegeben haben. Offensichtlich wissen viele Verlage nicht, wo die Interessen der Ebook-Nutzer liegen.“

Besser aufgestellt sind die Piraten aber auch bei der Usability. Die Benutzerfreundlichkeit der vorhandenen Online-Shops, so die Autoren der Studie, lasse oft sehr zu wünschen übrig. Ein Urteil, dass zuletzt im Jahr 2010 u.a. auch von der Stiftung Warentest bestätigt wurde. So ist es vielleicht kein Wunder, dass die illegalen Angebote auch bei Suchmaschinen deutlich besser platziert sind als die legalen Buchshops. Die große Beliebtheit spiegelt sich offenbar in besonders starker Verlinkung innerhalb der Community.

Wie real sind die Umsatzverluste durch Piraterie?

Interessant übrigens auch: Viele Nutzer der Piratenware wollen die E-Books offenbar gar nicht lesen, sondern die Letternwüsten nur nach Zitaten durchforsten, vor allem bei wissenschaftlichen Werken. Gerade bei den oft sehr teuren Fachbüchern ist es somit fraglich, ob jeder illegale Download bzw. Zugriff einem realen Verlust in Höhe des normalen Kaufpreises entspricht. Bei der Berechnung allgemeiner Umsatzverluste setzen die Autoren der Studie in einem Rechenbeispiel dann auch eine sehr niedrige „Ersatzrate“ von 1 Prozent an. Trotzdem kommen sie etwa für das Verlagsprogramm von Wiley, wie es beim Filehoster 4shared.com angeboten wird (und wo auch Download-Zahlen angezeigt werden), auf Verluste in Höhe von ca. 200.000 Dollar. Mit den Annahmen der Musik- und Filmindustrie berechnet (Ersatzrate von 10-30 Prozent) käme man dementprechend auf Werte von 2 bis 6 Mio. Dollar. 4Shared wiederum ist allerdings auch nur ein Beispiel von mehr als 200 aktiven Filehosting-Services im E-Book-Bereich.

„Wesentliche Änderung der digitalen Strategie notwendig“

Da nicht nur die Nutzung von E-Readern, sondern auch die Internetnutzung ingesamt stark zunimmt, gehen die Autoren der Studie auch für den deutschen Markt von einem regelrechten Piraterie-Boom im E-Book-Bereich aus. Deswegen stellen sie dann auch die Frage, „ob es in Deutschland überhaupt sinnvoll ist, den Verkauf von Ebooks weiter zu forcieren“. Die Antwort ist ein entschiedenes Ja, aber. Sinnvoll sei das E-Book-Business nämlich nur, wenn es eine „wesentliche Änderung der digitalen Strategie im deutschen Buchwesen“ geben würde. Als Vorbilder könnten dabei internationale wissenschaftliche Verlage dienen, die Universitäten und Bibliotheken bereits „Flatrates“ anbieten würden. DRM halten die Autoren der Studie ohnehin nur noch für kontraproduktiv und „nicht mehr zeitgemäß“. Nicht umsonst habe die Pirateriegeplagte Musikindustrie solche Modelle längst verworfen.