Adobe statt Atari: Breakout-Klon lässt sich in PDF-Dokument spielen

breakout-klon-im-pdf-dokumentWer in einem E-Book zwischen den Zeilen liest (bzw. hinter den Zeilen), wird viel Code entdecken — der normalerweise, genauso wie bei einer klassischen Webseite, vor allem zur gewünschten Darstellung von Text und Bildern dient. Man kann aber auch sehr viel mehr machen mit den Werkzeugen, die E-Book-Formate zur Verfügung stellen — wie Omar Rizwan jetzt gezeigt hat, lässt sich ein PDF-Dokument sogar in ein Videospiel verwandeln.

„Bizarre Menge an PDF-Funktionen“

Die offiziellen, 1.310 Seiten langen PDF-Spezifikationen von Adobe würden geradezu eine „bizarre Menge an Funktionen“ dokumentieren, schreibt Rizwan in den Erläuterungen seines Hacks auf Github. Darunter seien Embedded Flash, Audio und Video-Anmerkungen, viele mathematische Funktionen, vor allen Dingen aber auch JavaScript. Die meisten PDF-Reader unterstüzten solche Features allerdings in der Regel nicht, alleine schon aus Sicherheitsgründen. Mit zwei wichtigen Ausnahmen: Adobes offizieller PDF-Viewer, und … Googles Chrome-Browser. Der erlaubt nämlich zumindest das Ausführen von Javascript-Elementen in der PDF-Ansicht.

„PDF is itself a historical document“

Das hat Rizwan ausgenutzt: Mit Hilfe von farbigen Textfeldern, speziellen Skripten, die die Mausposition, Kollisionen von Textelementen erkennen & weiteren Hacks gelang es ihm, einen veritablen Breakout-Klon zu programmieren, der sich tatsächlich im Online-PDF spielen lässt, wenn auch nicht besonders flüssig. Aber darum geht’s ja auch nicht — das PDF-Game ist eher ein Machbarkeits-Experiment, das die Besonderheiten dieses mächtigen, auch für E-Books genutzen Formates herausstellt. „PDF is itself a kind of historical document. You can see generations of engineers, adding things that they needed in their time, while trying not to break anything already out there“, zitiert Rizwan den legendären Coder Don Hopkins, früher mal für Sun Microsystems unterwegs.

Die Macht im Code ist stark…

PDF stehe damit, so Hopkins weiter, ironischerweise in der direkten Tradition von PostScript, das es ja eigentlich ablösen sollte, denn PostScript sei zu „expressiv“ gewesen, sprich: eine vollwertige Programmiersprache. Tatsächlich gab es in den 1980er Jahren mit NeWS sogar ein Fenster-System, das auf PostScript basierte (als „Display Postscript“ kam es in Steve Jobs NeXT-PCs zum Einsatz) — womit sich der Kreis zu Rizwans Breakout-Klon im Browserfenster schließt. Denn auf PostScript-Basis wurden in diesem Rahmen u.a. auch … Browser dargestellt…

Kleine Anmerkung: Natürlich hat JavaScript in E-Books auch einen realen Nutzwert — im Rahmen des epub-Standards sorgt es z.B. für interaktive Funktionen, siehe das Beispiel der „Doppeltexte“.

(via The Next Web)

VG-Wort Tantieme nur für DRM-freie E-Books im PDF-Format?

Je mehr Medien, desto mehr Tantiemen, könnte man denken. Stimmt aber leider nicht ganz – zumindest, wenn es um Ausschüttungen der VG Wort an E-Book-AutorInnen geht. Denn wie Buchreport erfahren hat, gibt’s für elektronische Titel im weit verbreiteten Standard-Format epub bisher überhaupt keine reguläre Vergütung. „E-Books können momentan nur gemeldet und vergütet werden, wenn es sich um nicht kopiergeschützte PDF-Dokumente handelt“, teilte die Verwertungsgesellschaft dem Branchenblog auf Anfrage mit. Während epubs vor allem im Bereich der Unterhaltungsliteratur und für Mobilgeräte genutzt werden, finden E-Books im PDF-Format vor allem noch im Sach- und Fachbuchbereich Verwendung – in den meisten Fällen mit Adobe DRM geschützt.

Die Grundregel Nummer Eins lautet bei der VG Wort dagegen: nur wenn ein Werk kopiert werden kann, lässt sich mit der Geräteindustrie über entsprechende Abgaben (der berühmte „Kopierpfennig“) verhandeln. Hartes DRM soll aber genau das verhindern – und verhindert damit zugleich auch die Möglichkeit, Tantiemen der Verwertungesellschaft einzustreichen. Für ein Sach- oder Fachbuch mit mehr als 100 Seiten werden bei der VG Wort immerhin satte 800 Euro ausgeschüttet. In die lange Liste von Argumenten gegen Kopierschutz darf man also getrost auch den Punkt „Kopierpfennig“ aufnehmen. Allerdings verhält sich die VG Wort gegenüber mobilen elektronischen Lesegeräten ohnehin sehr zurückhaltend, u.a. offenbar deshalb, weil nicht klar sei, ob mit solchen Gadgets überhaupt „vergütungsfähige Privatkopien erstellt werden können“.

Zumindest bei kopierschutzfreien epub-Dateien gilt aber: Kopieren geht nicht nur, es handelt sich auch um eine gängige Praxis, alleine schon, da E-Books mittlerweile auf mehreren Geräten gleichzeitig genutzt werden, etwa E-Reader, Tablet und Smartphone. Mal ganz abgesehen davon, dass selbst im Rahmen von Adobe DRM die jeweilige Lizenz zum Lesen mehr als nur eine Kopie auf einem Gerät erlaubt. Außerdem werden epub-Dateien zunehmend von Bibliotheken genutzt – und auch für die Ausleihe ihrer Werke steht den Urhebern laut Gesetz eine Vergütung zu, die „Bibliothekstantieme“.

Damit Autoren ihre Rechte überhaupt via VG Wort wahrnehmen (lassen) können, sollten die entsprechenden Titel über eine ISBN-Nummer verfügen und über den Buchhandel lieferbar sein. Bei Fach- und Sachbüchern muss zudem die Verbreitung in mindestens fünf öffentlichen Bibliotheken nachgewiesen werden bzw. der Verkauf von mindestens 100 Exemplaren. Urheber im Bereich Belletrisitk erhalten eine Tantieme, die sich an den tatsächlich registrierten Ausleihvorgängen bemisst – pro Checkout gibt’s etwa drei Cent. Im Jahr 2012 gehörten zu den Ausschüttungsempfängern der VG Wort übrigens neben knapp 6000 Verlagen auch mehr als 150.000 AutorInnen.

Abb.: flickr/Uncaino (cc)

Kindle kann jetzt mehr: Amazon spendiert längere Akkulaufzeit & bessere PDF-Darstellung

Kindle-länger-Akkulaufzeit-.gifRechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft gönnt Amazon dem Kindle eine Frischzellen-Kur: ein verbessertes Power-Management sorgt für 85 Prozent längere Laufzeiten. Bisher ging dem Lesegerät nach vier Tagen der Saft aus – nun kann der nächste Ladezyklus auch im aktiven WiFi-Modus eine Woche warten. PDF-Dokumente kann der Reader mit dem Firmware-Update nun auch endlich darstellen.

Besonders benutzerfreunlich war der Kindle 2 bisher nicht…


In punkto Benutzerfreundlichkeit bekam der Kindle oft sehr gute Noten – zuletzt etwa im Test des Computermagazins c’t. Bemängelt wurde aus deutscher Sicht lediglich der fehlende Lesestoff – denn deutschsprachige E-Books gibt’s leider noch nicht. Doch bei näherem Hinsehen war es mit der Benutzerfreundlichkeit auch nicht so weit her: nicht nur, dass der Kindle immer noch nicht mit epub-Dateien klarkommt, obwohl sie längst zum allgemeinen Standard geworden sind. Denn abgesehen vom hauseigenen Format .azw liest Amazons E-Reader nur .txt und Mobipocket-Dateien. Wollte man bisher eine PDF-Datei oder ein html-Dokument auf’s Display des 6-Zoll-Readers bringen, blieb nur eine E-Mail an Amazons Konvertierungs-Dienst. Für einen Dollar pro angefangenem Megabyte wurde die konvertierte Fassung dann direkt auf den Kindle geschickt. Wer sich das Geld sparen wollte, konnte sich die Datei aber auch per E-Mail zurückschicken lassen und dann vom PC via USB auf das Lesegerät übertragen. Das ist jetzt alles etwas einfacher geworden – eine Zoomfunktion oder Text-Reflow für PDFs gibt es allerdings nicht.

Ist der aufgepeppte Kindle jetzt ein „Traum für Gadget-Sammler“?


Benutzerfreundlich ist aber immerhin das Firmware-Update – via UMTS kommt es automatisch auf das Gerät. Wahlweise kann die Firmware aber auch auf den PC geladen und dann via USB aufgespielt werden. Laut heise online dauert der Prozess etwa fünf Minuten. Besonders intensiv hat Amazon nach eigenen Angaben am Power Management gearbeitet – „Power management für die Akkus von mobilen Wireless-Geräten ist ein komlexes technisches Gebiet. Die verlängerte Laufzeit ist das Ergebnis von Testläufen und Programmierarbeit, die sich über sechs Monate erstreckten“. Die Laufzeit soll sich um bis zu 85 Prozent verlängert haben – zumindest im aktiven WiFi-Modus. Ist das Gerät offline, kann mit einer Akkuladung wie bisher zwei Wochen lang gelesen werden. Im Vergleich mit anderen E-Readern ist das gutes Mittelfeld. SPOL erkor den verbesserten Kindle trotzdem spontan zum „Traum für Gadget-Sammler“ – musste jedoch zugleich eingestehen: für die Early Adpoters gibt es keinen Grund zum Jubeln, denn ein Firmware-Update für den „Kindle 1“ wird’s wohl nicht geben.