Tagesspiegel wird zum Berliner „Tut uns leid“-Medium: Paywall für Premium-Content angekündigt

tagesspiegel-plant-paywallDie Berliner Morgepost hat sie kürzlich abgeschafft, der Tagesspiegel führt sie jetzt ein: mit Hilfe einer Bezahlschranke für Online-Angebote will das schwächelnde „Leitmedium“ der Hauptstadt wieder profitabler werden. Das Holtzbrinck-Blatt hält sich dabei an das Vorbild der Schwestergazetten Handelsblatt und Zeit. „Die erfolgreiche Entwicklung und stetige Steigerung der E-Paper-Auflage zeigt, dass bei den Leserinnen und Lesern des Tagesspiegels die Bereitschaft vorhanden ist, für digitale Inhalte Geld zu bezahlen“, hofft jedenfalls Florian Kranefuß, Sprecher der Geschäftsführung. Konkret heißt das bisher: Der Tagesspiegel hatte im letzten Quartal knapp 23.000 zahlende E-Paper-Abonnenten, die verkaufte Auflage insgesamt lag bei 113.000 Exemplaren.

Metered-Modell auf dem Vormarsch

Wie die große Mehrheit unter den laut BDZV knapp 200 Paid-Content-Nachrichtenseiten hierzulande will offenbar auch der Tagesspiegel auf des „Metered Modell“ setzen, sprich: Freemium. Mit einer solchen Mischung aus kostenlosen Inhalten und Premium-Angeboten haben inzwischen u.a. die SZ („SZ Plus“), die Zeit („Z+) und der Spiegel („Spiegel Plus“) gute Erfahrungen gemacht. Allesamt allerdings Publikationen mit überregionaler Leserbasis, im Unterschied zum Berliner Blatt, das jenseits der Hauptstadt kaum wahrgenommen wird.

Wie hält man die Leser bei der Stange?

Damit das Paid Content-Modell auf dem hart umkämpften Berliner Zeitungsmarkt tatsächlich aufgeht, müsste das Premium-Angebot spannendes regionales Storytelling enthalten – ganz unmöglich scheint das ja nicht. Allerdings sind ja Konkurrenz-Titel wie Morgenpost, Berliner Zeitung, Neues Deutschland und taz auch nicht untätig, und größtenteils unbeschränkt zu konsumieren, von eigeblendeten Appellen an die Zahlungs- und Verantwortungsbereitschaft der Leser mal abgesehen.

(via Meedia & Tagesspiegel(http://www.tagesspiegel.de/medien/journalismus-im-netz-die-gunst-des-geldverdienens/20929548.html)

NYT Now App: kuratierter Content, ab jetzt ohne Paywall

nyt-app-nowLetztes Jahr startete die New York Times mit „NYT Now“ eine preisgünstige iPhone-App für Einsteiger. Jetzt wurde das Experiment beendet, zumindest was die Bezahlschranke betrifft. NYT Now bietet eine mehrmals täglich aktualisierte Auswahl von Artikeln aus der Redaktion, garniert mit handverlesenem Content von Medienpartnern wie The Guardian oder Engadget. Bisher konnte man die App ohne monatliches Abo zum Preis von acht Dollar nur eingeschränkt nutzen, nach zehn Artikeln war Schluss.

„Metered Access“ als Königsweg

Die altehrwürdige „Graue Lady“ experimentiert schon seit längerem mit ihren Paywalls. Via „Metered Access“ lassen sich z.B. auch mit der regulären iPhone- und iPad-App der NYT zehn Texte pro Monat gratis konsumieren. Die Methode wirkt: Viele Leser geben zwischen 15 und 35 Dollar monatlich aus, um unbegrenzten Zugang zu Nachrichten, Blogs und zusätzlichem Premium-Content aus dem NYT-Universum zu erhalten.

Bald eine Million Digi-Abos

Das Interesse an der inhaltlich begrenzten „Schnupper-App“ NYT Now hielt sich dagegen sehr in Grenzen. Gerade mal geschätzte 20.000 Abonnenten konnte man in den letzten 12 Monaten gewinnen. Das war offenbar nicht genug, viele Leser haben wohl auch schlicht ihr bestehendes Abo „downgegradet“. Die Zahl der Digital-Only-Abonnenten insgesamt wird bei der NYT wohl noch in diesem Quartal die Millionenmarke erreichen.

NYT Now nicht für Android

Mit der neuen Strategie dürfte man auch mit „NYT Now“ deutlich mehr Leser erreichen, zumindest innerhalb der Apple-Gemeinde. Denn anders als die normalen NYT-Apps gibt’s „Now“ noch nicht für Android-Geräte. Einen kleinen Haken hat die Sache aber auch auf dem iPhone, die jetzt kostenlose App wird über die Einblendung von Anzeigen gegenfinanziert. Erhältlich ist sie auch im deutschen App Store.

Ende der Paywall in Sicht? Erste US-Blätter verabschieden sich von Bezahlschranke

Nomen est omen: der Branchenblog „Newspaper Death Watch“ beobachtet schon seit 2007 das Sterben der nordamerikanischen Tageszeitungen – oder positiver ausgedrückt den Kampf um’s Überleben. Doch nicht alle Survival-Techniken scheinen zu funktionieren. Paywalls zum Beispiel: San Francisco Chronicle und Dallas Morning Star wollen NDW zufolge ihre erst vor kurzem gestarteten Bezahlschranken für Online-Inhalte wieder abschaffen – offenbar waren die Leser dieser Regionalzeitungen nicht bereit, das Modell mitzutragen.

Völlig verabschieden möchten sich die Blattmacher von Paid Content jedoch nicht – so gibt’s den SF Chronicle auch in Zukunft gleich zweimal: auf SFGate.com kann man die meisten Inhalte kostenlos lesen, auf der Anfang 2013 eigens gelaunchten Premium-Domain SFchronicle.com erhalten Abonnenten ein E-Paper, das zu 100 Prozent der gedruckten Ausgabe entspricht. Die normalen Online-Inhalte lassen sich dort aber ebenfalls ohne Einschränkung lesen. Merkwürdige Strategie!

Ganz ähnlich macht es aber schon seit 2011 der Boston Globe – siehe die frei zugängliche Webpräsenz boston.com und die Premium-Site BostonGlobe.com. Doch auch in diesem Fall scheint sich die Doppel-Moppel-Strategie nicht wirklich auszuzahlen, es wird gemunkelt, die Paywall werde beim Globe bald ebenso fallen. Tasächlich scheinen Metered-Access-Modelle, die keine Domain-Splittung erfordern, deutlich besser zu funktionieren, zumindest bei überregionalen Blättern wie der New York Times.

Auch die Washington Post hatte im Frühjahr angekündigt, von regelmäßigen Online-Lesern zukünftig einen Obulus zu verlangen, in diesem Fall, wenn das Taxameter mehr als 20 Artikel pro Monat anzeigt. Außerdem war von einer gebührenpflichtigen iPad-App die Rede. Inzwischen hat bekanntlich Amazon-Chef Jeff Bezos die kriselnde Gazette aufgekauft – und seinerseits Experimente angekündigt.

Abb.: flickr/anitakhart

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“: Welt.de-Paywall geht an den Start

Was kostet die Welt? Für treue Online-Leser in Zukunft mindestens 6,99 Euro pro Monat. Denn im Rahmen von Springers „Premium“-Initiative senkt sich bei welt.de ab Mitte Dezember die Bezahlschranke – zum ersten Mal bei einer überregionalen deutschen Tageszeitung. Vorbild ist dabei das „metered-Access“-Modell der New York Times. Nur wer mehr als 20 Seiten pro Monat aufruft, wird zur Kasse gebeten. „Wir haben nicht die Absicht, eine Mauer zu errichten“, betonte bei der Präsentation des Konzeptes denn auch Romanus Otte, seines Zeichens „General Manager Digital“ bei der Welt-Gruppe. So unüberwindbar wie die Berliner Mauer, in deren Schatten die Springer-Zentrale gebaut wurde, ist die Paywall der Welt tatsächlich nicht – die Verweise von Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken werden nämlich nicht mitgezählt, gleiches gilt für „Klickmonster“ (vulgo: Bildergalerien) und eingebette Videos.

Brechen die Besucherzahlen bei Welt.de ein?

Doch trotz aller Schlupflöcher will man bei der digitalen „Welt“ prinzipiell nicht mehr nur auf Anzeigenkunden setzen: „Bei den Werbeerlösen sind wir bereits sehr erfolgreich, nun wollen wir die Vertriebserlöse als zweite Säule ausbauen“, so Jan Bayer, Vorstand WELT-Gruppe und Technik. Zugleich rechnet man aber mit deutlichen Einbußen bei den Besucherzahlen, was natürlich einen negativen Einfluss auf die Werbeerlöse haben dürfte. Bisher liegt Welt.de mit knapp 40 Millionen Visits pro Monat im Ranking der wichtigsten Nachrichten-Portale nach Bild.de, Spiegel Online und Chip auf Platz vier. Die Paywall schließt die letzte Lücke im Ökosystem der Tageszeitung – denn schon bisher wurden kostenpflichtige Apps für Smartphones und Tablets angeboten. Das Mindestangebot von 6,99 Euro pro Monat umfasst neben dem Online-Zugang via Browser auch die Smartphone-App, wer auch die Tablet-App lesen möchte, zahlt 12,99 Euro. Was die Welt-Macher den Lesern aber am liebsten verkaufen würden, ist das Kombi-Abo Digital plus gedruckte WamS – mit einem strategischen Pricing von 14,99 Euro pro Monat.

Gedruckte Ausgabe nur noch „Abfallprodukt“

Seit dem Relaunch von welt.de (vorher: „Welt-Online“) und der Ausrichtung der Redaktion auf „online-first“ hat sich die Gewichtung zwischen Print und Digital ohnehin stark verschoben: „Kurz vor Feierabend wird zwar noch eine Zeitung gedruckt, doch das ist eher ein Abfallprodukt dessen, was für welt.de sowieso geschrieben wurde. Eine Papierausgabe für all die treuen Abonnenten, die noch nicht gestorben sind“, lästerte erst vor kurzem Jürn Kruse in der taz, die selbst auf ein freiwilliges Bezahlmodell setzt („Paywahl“). Außerdem müssen die Journalisten im Berliner Newsroom zusammenrücken – denn in Zukunft wird dort (Stichwort: „Zentralredaktion“) nicht nur die „Welt“ produziert, sondern auch der Mantelteil des defizitären Hamburger Abendblattes. Ob die Paywall-Strategie von Welt.de aufgeht, dürfte also nicht nur über das Schicksal von Springers journalistischem Flaggschiff entscheiden.

Abb.: Screenshot

„Pay-Wahl“ statt Pay-Wall: taz testet freiwillige Bezahlschranke

Andere Blätter machen kräftig Miese (FR), machen gleich dicht (FTD), oder verbarrikadieren sich hinter Bezahlschranken (Springer). Die Online-taz dagegen hält auch weiter am Prinzip „Kostenlos, aber nicht umsonst“ fest – immerhin spülte die freiwillige „taz-zahl-ich“-Kampagne seit Anfang 2012 knapp 40.000 Euro in die Kasse der alternativen Tageszeitung. Die Produktion der Online-Ausgabe schlägt allerdings mit mindestens 600.000 Euro pro Jahr zu Buch – die via Lastschrift, PayPal oder Flattr gespendete Summe trägt also bisher nur wenig mehr als fünf Prozent der Ausgaben. Ein guter Grund für die Macher der taz, seit kurzem eine neue Krautfunding-Strategie auszuprobieren – in Form einer über jedem zehnten Artikel aufpoppenden Pseudo-Paywall. Im Unterschied zu echten Bezahlschranken lässt sie sich jedoch wegklicken: „Statt einer Paywall bauen wir also eher eine Pay-wahl“, so Aline Lüllmann (taz.de).

Die „offensiv beworbene Möglichkeit des Zahlens von Kleinbeträgen“ (O-Ton taz.de) trägt offenbar erste Früchte: in wenigen Tagen zückten mehr als 1000 Leser die virtuelle Geldbörse. Manchen ging die Aktion jedoch ganz schön auf den Keks, denn die Popup-Paywahl unterscheidet nicht zwischen normalen Usern und bereits aktiven Unterstützern. Nach zahlreichen Beschwerden aus der taz-Community wurde deswegen ein Extra-Button hinzugefügt: Wählt man ab jetzt die Option „Ich zahle bereits regelmäßig“ aus, verschwindet die Paywall komplett, jedenfalls, solange der jeweilige Cookie gültig ist. Tatsächlich nimmt die taz mittlerweile den Löwenanteil der Spenden durch regelmäßige Zahlungen per Lastschrift ein. Im Durchschnitt zahlen User für dieses freiwillige Abo 5 Euro pro Monat.

Bei mehr als einer Million regelmäßigen Lesern von taz.de könnte dieses Modell theoretisch sogar eines Tages kostendeckend sein. Zumindest, wenn parallel die Zahl der regulären ePaper-Abonnements gesteigert werden kann, die den kompletten Inhalt der Print-Ausgabe bieten (derzeit: 3.500 ePaper-Abos gegenüber 45.000 Print-Abos). Hier liegt sogar eine Chance – denn die taz war immer schon ein zu drei Vierteln leserfinanziertes Blatt. In der Zwischenzeit wird die Digital-Sparte wohl auch für die alternative Tageszeitung ein Zuschussgeschäft bleiben. „Bisher war das Internet für die Zeitungsverlage ein einziger Irrtum“, beklagte sich im letzten Jahr noch taz-Geschäftsführer Kalle Ruch. In Zukunft setzt die taz übrigens verstärkt auf Kombi-Abos – vor allem die Bündelung von gedruckter Wochenend-Ausgabe (inklusive „Sonntaz“) und täglichem ePaper (16,90 Euro pro Monat) dürfte für viele Leser attraktiv sein.

Abb.: Screenshot

NYT, FT & Co: Dank Paywall auf dem Weg von der anzeigen- zur leserfinanzierten Zeitung?

Die altehrwürdige New York Times hat erneut eine historische Wegmarke erreicht: im zweiten Quartal 2012 brachten erstmals die Leser mehr Geld in die Kasse als die Anzeigenkunden. Nicht nur durch erhöhte Copy-Preise für die Printausgabe, sondern vor allem durch digitale Abos. Während die Anzeigenerlöse erneut um 6 Prozent sanken, konnte die NYT mit dem Verkauf des Contents selbst satte 8 Prozent mehr Umsatz erzielen. „Wahrscheinlich ist es die erste Zeitung [in den USA], die diese Linie überschritten hat“, schätzt Newsonomics-Experte Ken Doctor. „Das ist ein interessanter Augenblick“.

Metered Access: manchmal profitable Lösung

Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat dabei offenbar die Bezahlschranke – regelmäßige Leser werden seit letztem Jahr bei nyt.com zur Kasse gebeten. Relativ schnell brachte der „metered“-Access-Ansatz knapp 300.000 zahlende Abonnenten, doch Ende 2011 ebbte der Zustrom merklich ab. Immerhin hat die NYT inzwischen aber knapp 500.000 Digi-Abos verkaufen können.

Andere Blätter brauchen deutlich länger, um einen Stamm an zahlenden Online-Lesern aufzubauen. Mit einem ähnlichen Paywall-Konzept hat es etwa die Financial Times geschafft, seit 2009 insgesamt 300.000 digitale Abonnenten zu gewinnen. Auch bei dem Londoner Blatt werden wohl noch in diesem Jahr die Vertriebseinnahmen erstmals die Anzeigenerlöse überholen.

Paywall als potentielle Killer-App

Allerdings scheinen sich Paywall-Konzepte am Ende nicht für alle Zeitungen auszuzahlen. Ausgerechnet Rupert Murdochs iPad-Only-Projekt The Daily steht nun offenbar vor dem Aus. Nach 18 Monaten wurde zwar die magische Schwelle von 100.000 Abonnenten erreicht, doch das Blatt macht immer noch Minus. Die finanziell ohnehin angeschlagene News Corp zog nun die Notbremse – ein Drittel der Redaktion wurde gefeuert.

Ein grundsätzliches Problem von Paywalls ist offenbar das begrenzte Budget der Leser – kaum jemand wird am Ende für mehr als ein News-Angebot zahlen wollen. Noch schwieriger wird es, wenn das normale Online-Angebot einer Zeitung kostenlos zu haben ist. So musste etwa die im Netz frei zugängliche Huffington Post nach kurzer Zeit den Versuch aufgegeben, mit dem Verkauf einer HuffPo-App zusätzliche Gewinne zu machen.

Ob eine Paywall sinnvoll ist oder nicht, hängt aber zugleich auch von der potentiellen Reichweite einer Zeitung ab. Der britische Guardian etwa verzichtet bewusst auf eine Bezahlschranke – und setzt stattdessen auf steigende Werbeeinnahmen im Online-Bereich. Das dürfte jedoch bis auf weiteres ein Wettlauf mit der Zeit bleiben – trotz Wachstumszahlen von 26 Prozent bei digitalen Anzeigerlösen schreibt das Blatt immer noch rote Zahlen.

Abb.: NS Newsflash/Flickr

New York Times so digital wie nie: E-Paper überholt Print-Ausgabe

Die New York Times betritt publizistisches Neuland – in den letzten sechs Monaten überstieg die Zahl der digitalen Abonnements erstmals die Print-Auflage. Dem „Audit Bureau of Circulations“ (ABC) zufolge lag zwischen Oktober 2011 und März 2012 die Zahl der verkauften E-Paper-Versionen wochentags bei 807.000, die durchschnittliche gedruckte Auflage erreichte dagegen lediglich 780.000 Exemplare. Dabei zählte die ABC sämtliche Digi-Abos zusammen, vom PDF über die Kindle-Version bis zur NYT-App auf Tablet oder Smartphone. Mit eingerechnet wurden zudem alle Abonnenten der Print-Ausgabe, die parallel die für sie kostenlose elektronische Ausgabe nutzen.

Paywall sorgt für Abo-Boom

Hintergrund dieser Entwicklung ist die forcierte Print-to-Online-Strategie des finanziell klammen Blattes. Seit letztem Jahr wurden regelmäßige Leser der NYT-Website spätestens nach zwanzig Seitenaufrufen pro Monat zur Kasse gebeten, im März 2012 senkte die „graue Lady“ die Bezahlschwelle auf nur noch zehn Seitenaufrufe. Das „metered access“-Modell stieß auf harsche Kritik der Web-Community, zahlte sich aber für den Verlag aber offenbar aus. Mehr als 450.000 elektronische Abos wurden inzwischen verkauft: „Fast eine halbe Million Internetnutzer zahlen, um Zugang zur digitalen Ausgabe der New York Times und der International Herald Tribune zu erhalten“, freute sich zuletzt NYT-Chef Arthur Sulzberger. Allerdings dürfte es nach dem anfänglichen Boom nun schwieriger werden, die Zahl der Digi-Abos noch weiter zu erhöhen – der Zuwachs hat sich seit Ende 2011 deutlich verlangsamt.

„NYT wird zur globalen Medien-Marke“

Der finanzielle Effekt hält sich zudem in Grenzen: „Das digitale Abonnement bringt der NYT-Verlagsgruppe ungefähr 100 Millionen Dollar pro Jahr ein. Ein gutes Ergebnis, aber nicht genug, um die NYT zu retten“, so etwa Ken Doctor (Newsonomics.com) gegenüber LeMonde. Denn die Anzeigenerlöse der gedruckten Ausgabe befinden sich weiter im freien Fall, und erstmals sanken auch die Online-Werbeeinnahmen. Für Ken Doctor gibt es aber keine Alternative zum eingeschlagenen Weg: „Die NYT ist keine New Yorker Tageszeitung mehr, sondern eine globale Medien-Marke, die weltweit vor allem digital konsumiert wird, auf dem PC-Bildschirm ebenso wie auf dem Tablet. Die Hauptkonkurrenten heißen jetzt CNN, BBC oder NewsCorp.“ Die große Frage bleibt natürlich, wie sich diese Entwicklung in Gewinne verwandeln lässt.

Abb.: flickr/Dom Dada

New York Times verschärft Paywall – es gibt aber zahlreiche Hintertürchen

Was für ein schöner Sonntag, der 18. März – vor allem für die Paid Content-Fraktion. Denn pünktlich zum ersten Geburtstag der New York Times-Paywall verkündete das Blatt neue Regeln für die kostenlose Nutzung der Website: „Ab April können alle Nutzer von NYTimes.com monatlich zehn Artikel kostenlos lesen (inklusive Slideshows, Videos u.a. Formate)“. Bisher wurde man erst nach 20 Artikeln pro Monat zur Kasse gebeten. Mit dieser Maßnahme will das finanziell klamme Unternehmen offenbar den Cash-Flow anregen. Wie die NYT zugleich bekannt gab, konnte man bisher knapp 450.000 zahlende Digital-Abonnenten gewinnen. In letzter Zeit hatte der Zuwachs an zahlenden Online-Kunden allerdings stark nachgelassen – als Reaktion wird nun das kostenlose Angebot verknappt.

Offizielles Workaround: Google & Social Media-Links

Um die Netzgemeinde nicht völlig zu vergrätzen, gibt es allerdings wie bisher zahlreiche Ausnahmen. „Leser die auf NYT-Artikel über Links aus E-Mails, Suchmaschinen, Blogs oder Social-Media-Portalen gelangen, werden auch weiterhin die jeweiligen Inhalte aufrufen können, selbst wenn sie ihr monatliches Lese-Limit erreicht haben. Bei manchen Suchmaschinen wird sich der Zugang auf fünf Artikel pro Tag beschränken“, teilte die NYT mit. Wer die 35 Dollar für ein 30-tägiges Digi-Abo sparen möchte, hat aber sogar noch weitaus mehr Möglichkeiten, die Paywall der New York Times zu umgehen. Zahlreiche Workarounds in Form von Bookmarklets und Skripten für den Browser können mit ein paar Klicks installiert werden.

Inoffizielles Workaround: Bookmarklets & Skripte

Zu den wichtigten gehören das NYTClean Bookmarklet sowie das NY Times Paywall User Script. Besondere technische Fähigkeiten sind dafür nicht nötig. Das Bookmarklet zieht man nach Aufruf der Projektwebsite ganz einfach in die Lesezeichen-Leiste des Browsers. Sobald sich beim Aufruf eines Artikels die Bezahlschranke senkt, klickt man auf das Bookmarklet, wodurch vereinfacht ausgedrückt der Besuchszähler wieder auf Null gesetzt wird. Ähnlich funktioniert das „NY Times Paywall User Script“. Um dieses Instrument einzusetzen, müssen Firefox-Nutzer zuvor das Add-On Greasemonkey installieren, Safari-Nutzer brauchen Greasekit. Wer mit Chrome surft, kann dagegen auf UserScript.org direkt „install“ anklicken. Eine weitere, direkte Alternative für Googles Browser ist – nomen est omen – der „New York Times Paywall Smasher“.

(via Teleread & Lifehack)

Abb.: flickr/B.K.Dewey

Trotz Paywall: New York Times schreibt weiter Verluste

Die gute Nachricht für die New York Times klingt so: mehr als 325.000 regelmäßige Leser zahlen bereits für den Zugang zur Online-Ausgabe, die sich seit 2011 hinter einer Paywall verschanzt. Der Umsatz durch Verkauf am Kiosk und Abonnements der New York Times-Mediengruppe, zu der auch Blätter wie Boston Globe und International Herald Tribune gehören, wurde damit im letzten Quartal insgesamt um 5 Prozent gesteigert. Doch jetzt die schlechte Nachricht: die erneuten Einbrüche bei den Anzeigenerlösen der Printausgabe konnten damit bei weitem nicht kompensiert werden. Rückgänge von zuletzt 8 Prozent ließen den Jahresverlust 2011 auf 40 Millionen Dollar wachsen.

Bezahlschranke bestraft treue Leser

Die Zeitungskrise schwelt also weiter. Werbeeinnahmen der Zeitungsverlage in den USA erreichten im letzten Jahr sogar den tiefsten Stand seit 1984. Das hat Qualitätseinbußen zur Folge. Neben der NYT musste etwa auch die Washington Post im letzen Jahr erneut zahlreiche Redakteure entlassen. Um wirklich wieder profitabel zu werden, bleibt den großen Blätter auf Dauer wohl nichts anderes übrige als ihre Newsrooms um die Hälfte reduzieren. Ob gerade Paywalls dabei helfen, den Abwärtstrend zu stoppen, bleibt dabei auch weiterhin umstritten. Zwar nutzt etwa die NYT einen „metered Paywall“-Ansatz, der gelegentlichen Lesern bis zu 20 kostenlose Zugriffe pro Monat erlaubt. Doch bleibt der Widerspruch, dass man mit der Bezahlschranke gerade die treuesten und aktivsten Leser verprellt. Beobachter wie Mathew Ingram von GigaOM oder Anthony Ha von TechCrunch fordern deshalb, spezielle Premium-Angebote für die Heavy User zu schaffen.

Konversionsrate für Freemium-Modell zu niedrig

Crowdfunding-Unternehmerin Cynthia Typaldos stellt dagegen in einem Kommentar auf GigaOM grundsätzlich den Sinn der Paywall in Frage. Die Anzahl der neu hinzugekommenen Online-Abos sei beispielsweise von Anfangs 224.000 auf nur noch 43.000 im vierten Quartal 2011 gesunken. Kritisch beurteilt die Kachingle-Gründerin auch die Konversionsrate. Bei 44,8 Millionen Besuchern der NYT-Website und 325.000 Abonnenten insgesamt komme man auf eine Conversion von lediglich 0,7 Prozent. „Freemium-Anbieter wie die NYT brauchen im allgemeinen aber eine Konversionrate von 2 bis 5 Prozent, um finanziell erfolgreich zu sein“. Zum Problem werden könne letztlich aber auch die Zunahme von Paywall-Ansätzen ingesamt: „Leser werden sicherlich nicht für jedes besuchte News-Portal zahlen, schließlich ist ihr verfügbares Budget begrenzt.“

Abb.: flickr/Dom Dada

Das Taxameter tickt: New York Times setzt (erneut) auf Bezahlschranke

new-york-times-paywallArthur Ochs Sulzberger Jr., Herausgeber der The New York Times, kündigt in einem “Brief an unsere Leser” an, dass die Times von heute an wieder hinter einer Bezahlschranke verschwinden wird. Zuerst in Kanada, damit die Times “das Kundenerlebnis feiner abstimmen kann” (”will enable us to fine-tune the customer experience” – auch die NYT ist sich leider längst nicht mehr für dieses Brechreiz hervorrufende PR-Gefasel zu schade), bevor dann am 28. März alle Leser weltweit zur Kasse gebeten bzw. ausgesperrt werden, sobald sie mehr als eine bestimmte Anzahl Artikel gelesen haben.

Das bedeutet:

* Auf der Website NYTimes.com kann man pro Monat 20 Artikel kostenlos lesen (das beinhaltet Slideshows, Videos und andere Inhalte). Danach muss man “digitaler Abonnent” werden und zahlen.
* Auf den Smartphone- und Tablet-Apps wird die “Top News”-Rubrik kostenfrei bleiben. Für alle anderen Inhalte muss man “digitaler Abonnent” werden.
* Alle, die ein Printabo der NYT oder der International Herald Tribune haben, lesen weiter das komplette Angebot kostenfrei.
* Leser, die durch Links bei Suchmaschinen, Blogs und Social Media wie Facebook und Twitter zu einem Artikel kommen, können ihn weiterhin lesen, auch wenn sie bereits ihr Kontingent ausgeschöpft haben. Bei einigen Suchmaschinen wird es ein tägliches Kontingent an Artikeln geben, auf die man über die Suchmaschine zugreifen kann.
* Die Startseite und alle Ressortseiten werden kostenfrei lesbar bleiben.

Drei Gedanken dazu:

1. Es wird spannend sein zu sehen, ob ein Angebot, das auch im Web wirklich einflussreich und gut gemacht ist, seine Leser davon überzeugen kann, für Inhalte zu bezahlen. Der letzte Versuch, Leser davon zu überzeugen, war 2007 gründlich gescheitert. Seitdem ist eine Menge geschehen, aber die Diskussion darüber, ob die Nutzer bereit sind, für Inhalte zu zahlen, ist genauso wenig ausgemacht wie damals.

2. Die Differenziertheit, mit der die NYT Inhalte anbietet (z.B. für Nutzer von Social Networks die Artikel weiter lesbar zu halten), zeugt einerseits davon, wie gut die Times die Dynamiken des Webs verstanden hat. Auf der anderen Seite beruht das Modell dadurch auf einer Art Soli-Prinzip, denn viele Leser werden die Artikel, die sie wirklich dringend lesen wollen, weiter lesen können – z.B. indem sie den Umweg über eine Suchmaschine oder Twitter gehen. Sulzberger schreibt denn auch in seiner Begründung:

Das ist ein wichtiger Schritt, von dem ich hoffe, dass die Leser ihn als eine Investition in die Times sehen – ein Schritt, der unsere Möglichkeiten stärken wird, allen Lesern weltweit auf allen Plattformen hochqualitativen Journalismus anzubieten.

Aber getroffen werden natürlich genau die Stammleser:

Der Umbau wir in erster Linie diejenigen betreffen, die die Inhalte der Times sehr stark nutzen.

Ob gerade diese Stammleser das gut finden und sich so solidarisch zeigen, wie Sulzberger sich das wünscht, ist der spannende, aber auch heikle Kern des Experiments.

3. Wie ausgefeilt ist die Technik? Wenn allein über IP-Adresse und/oder Cookies bestimmt wird, wie viele Artikel bereits gelesen wurden, ist die Kontingentierung leicht zu umgehen. Ich wüsste im Moment nicht, wie es anders funktionieren sollte. Das ist zwar dennoch nervig und aufwändig, aber wann werden die ersten Tools erhältlich sein, die einen die NYT vollständig kostenlos lesen lassen, ohne sich um den Krams selbst kümmern zu müssen? Am 28. März?

Autor & cc-Lizenz: Matthias Spielkamp

Der Originalartikel erschien am 17.3.2011 auf immateriblog.de

Abb.: flickr/Dom Dada