Apple im Club der Bezahlfreunde: iBooks, iTunes, App Store akzeptieren jetzt PayPal

apple-akzeptiert-paypal-zahlungenWas hat der iBook-Store, was der Kindle Shop noch nicht hat? Ganz einfach: PayPal. In Deutschland und einem knappen Dutzend weiterer Länder können Apple-Kunden ab sofort nämlich ihre E-Books auch mit dem (schlapp übersetzt) „Bezahlfreund“ erwerben. Gleiches gilt für Einkäufe im App Store, bei Apple Music oder iTunes. Das teilte der ursprünglich mal von eBay gegründete Zahlungsdienst heute via Firmenblog.

Inklusive PayPal One Touch-Option

Kunden mit einer neuen oder bestehenden Apple-ID müssen dazu „PayPal“ als Zahlungsmethode in ihren Kontoeinstellungen auswählen. Auf iPhone, iPad, iPod touch und Desktop-Mac funktioniert dies über die Einstellungen für App Store, Apple Music, iTunes oder iBooks. PC-Nutzer können diese Änderung via iTunes vornehmen. Gleichzeitig steht auch die Komfort-Option „PayPal One Touch“ zur Verfügung, auf diese Weise bleiben PayPal-Kunden eingeloggt und sparen sich bei Einkäufen über die Apple-ID die wiederholte Passworteingabe.

PayPal hierzulande beliebter als Kreditkarten

Paypal hat in Deutschland 17 Millionen Nutzer, der Umsatzanteil im Onlinehandel liegt bei knapp 18 Prozent – das reicht nur für Rang drei, davor liegen Zahlung per Lastschrift (20 Prozent) und Zahlung auf Rechnng (30 Prozent). Weit abgeschlagen dagegen die Kreditkarte – sie erreicht gerade mal 12 Prozent (Zahlen laut EHI Online-Payment-Studie 2017).

Im E-Book-Sektor wird PayPal als Zahlungsoption von den meisten E-Stores außerhalb der Amazon-Welt angeboten, auch Nutzer der Tolino-Reader bzw. Tolino-Apps können neben Kreditkarte oder Lastschriftverfahren bereits via PayPal zahlen.

PayPal sorgt für E-Book-Zensur: SmashWords muss Katalog säubern

Nicht nur Whistleblower oder Filehoster können Probleme mit PayPal bekommen – der Online-Finanzdienstleister nutzt seine Macht mittlerweile auch, um völlig legal erhältliche Inhalte aus dem Web zu verbannen. Jüngstes Beispiel ist SmashWords. Von PayPal mit einem Ultimatum bedroht, musste die Self-Publishing-Plattform ihre AGB in wenigen Tagen ändern und zahlreiche E-Books mit erotischen Inhalten aus dem Verkehr ziehen. Die gesamte Plattform ist technisch eng mit PayPals Bezahlsystem verwoben, sowohl was den Buchverkauf wie auch die Ausschüttungen an Autoren betrifft. Somit hatte das Unternehmen keine Alternative, als sich dieser Form von nicht-staatlicher Zensur aus rein moralischen Gründen zu unterwerfen. Der erste Verfassungszusatz (First Amendment) der US-Verfassung schützt zwar vor Zensur, aber nur, wenn sie von staatlicher Seite aus erfolgt. Auch klassische Gatekeeper wie Apple oder Amazon haben ihre Macht bereits für inhaltliche Eingriffe missbraucht, neben E-Books waren dabei auch Apps betroffen.

Moral versus Fantasie

PayPals oberste Sittenwächter haben sich offenbar auf ganz bestimmte Bereiche eingeschossen: „Their hot buttons are bestiality, rape-for-titillation, incest and underage erotica“, schreibt SmashWords-Gründer Mark Coker in einer Mail an Autoren und Verleger. Fragen des guten Geschmacks dürfe man aber nicht mit dem Recht auf freie Rede vermischen: „Wenn wir anderen die Kontrolle darüber erlauben was wir denken und schreiben, geraten wir auf abschüssiges Gelände. Fiktion beruht auf Fantasie. Sie ist nicht real. Ich war immer der Meinung, Autoren fiktionaler Geschichten und ihre Leser sollten die Freiheit haben, im Geiste die unterschiedlichsten Themen zu erforschen“. Aus der Perspektive der Imagination sei es kein großer Unterschied, ob es nun um erotische Geschichten gehe, um einen Thriller, der uns in den Kopf eines Terroristen versetzt oder um eine Horror-Story aus Sicht eines Axtmörders bzw. seines Opfers.

Autoren fehlen Ausweichmöglichkeiten

Obwohl Coker selbst ein vehementer Gegner jeder Form von Zensur ist, musste er sie jetzt selbst ausüben – und Autoren bitten, bestimmte Texte, die unter PayPals Ausschlusskritieren fallen, aus dem SmashWords-Katalog zu entfernen. „Es ist für uns einfach nicht machbar, zu einem anderen Payment-Anbieter zu wechseln. Selbst wenn ein passener Anbieter existieren würde, wäre die Zeit dafür einfach zu kurz gewesen.“ Doch auch für viele Autoren gibt es leider kaum vergleichbare Ausweichmöglichkeiten in Sachen Distribution. SmashWords ist in den USA neben Amazons KDP-Programm die wichtigste Self-Publishing-Plattform. Self-Publisher können ihre Texte als Word-Doc hochladen und in verschiedene DRM-freie E-Book-Formate konvertieren. Sie erhalten 85 Prozent Tantiemen und können Pricing und Vertriebskanäle selbst bestimmen. Erst vor wenigen Tagen hatte der SmashWords-Blog stolz verkündet, erstmals seien mehr als 100.000 Titel im Angebot. Dank PayPal sind es nun wohl schon wieder ein paar weniger.

(via TechCrunch & Digital Reader)

Abb.: flickr/Isaac Mao