Für Freischreiber: Freewrite, die Kindle-Schreibmaschine (aka „Hemingwrite“) startet

Freewrite-Marktstart-ablenkungsfreier-Eink-SchreibcomputerDank Smartphone, Tablet, Spielekonsole & Co. ist ein völlig neuer Markt entstanden: ablenkungsfreie Gadgets, die möglichst wenig interaktiv, geräuscharm und ohne Bling-Bling auf dem Bildschirm auskommen. Bestes Beispiel ist das Projekt „Hemingwrite“ – der E-Ink-Schreibcomputer von Designer Adam Leeb und Software-Entwickler Patrick Paul sammelte auf Kickstarter fast 350.000 Euro und mehr als 800 Vorbestellungen ein.

Single-Purpose hat seinen Preis

Das war Ende 2014. Der Markstart sollte dann eigentlich im Herbst 2015 stattfinden, verzögerte sich dann aber noch ein paar Monate, u.a. durch den aufwändigen Herstellungsprozess des Keyboards. Nun ist es endlich soweit: unter dem neuen Markennamen „Freewrite“ kann das Single-Purpose-Gerät seit Anfang der Woche bei „Astrohaus“ bestellt werden — zum Einstiegspreis von 449 Dollar, regulär wird man sogar 549 Dollar berappen müssen.

Freewrite-Kindle-Schreibmaschine

Mechanisch getippt direkt in die Cloud

Dafür bekommt man dann aber auch eine Menge stabile, edel designte High-Tech im Retro-Gewand: Aluminium-Gehäuse, Tragegriff, vollmechanische Cherry-MX-Tastatur, 6-Zoll-E-Inkdisplay mit Glowlight, interner Speicher für eine Millionen Seiten, und nicht zuletzt die Möglichkeit, die getippten Dokumente via WiFi mit Cloud-Speicherdiensten wie Dropbox, Google Drive oder Evernote zu synchronisieren.

Ohne WiFi-Nutzung soll der Akku des 1,8 Kilogramm schweren „Freewrite“ bis zu vier Wochen durchhalten — wenn man täglich nicht mehr als 30 Minuten tippt. Vermarktet wird die Kindle-Schreibmaschine weltweit, lieferbar sind auch europäische Tastaturlayouts, darunter Deutsch, Französisch, Italienisch und Niederländisch.

Hemingwrite: „Kindle-Schreibmaschine“ kombiniert E-Ink-Display & mechanische Tastatur

Tipp, tipp, tipp, Bing! Steinbeck schwörte auf die Hermes Baby, Orwell liebte die Remington Home, Hemingway hatte im Regal immer seine Royal Quiet De Luxe griffbereit. Besonders leicht waren all diese „portablen“ Schreibmaschinen nicht, eins aber hatten sie den Laptops, Netbooks und Tablets unserer Tage voraus: sie waren als Mono-Funktionsgeräte absolut ablenkungsfrei. Man konnte weder Angry Birds mit ihnen spielen noch E-Mails oder den Facebook-Status checken.

Retro-Look à la Speicherschreibmaschine

Adam Leeb und Patrick Paul möchten mit ihrer Konzeptstudie „Hemingwrite“ nun an diese Tradition anknüpfen – gemeinsam haben der Designer und der Software-Entwickler einen Schreibcomputer entworfen, dessen Retro-Optik stark an die mit Display ausgestatteten Speicherschreibmaschinen der frühen Neunziger Jahre erinnert. Als Display dient in diesem Fall allerdings ein 6-Zoll-E-Ink-Bildschirm im Querformat, fast so, als hätte man statt Papier ein Kindle in die Schreibmaschine eingespannt.

Die wichtigsten Funktionen lassen sich mit großen Schalthebeln einstellen. Beim Keyboard setzen Leeb und Paul auf großzügig bemessene, klassische Tastenmodule aus dem Hause Cherry mit fühlbarer Kontaktrückmeldung. Der solchermaßen eingetippte Text landet entweder auf dem integrierten Speicher, läßt sich aber auch via WiFi-Schnittstelle auch direkt bei Google Docs oder Evernote zwischenparken. Das Chassis besteht aus einer Aluminium-Gußform und hat ganz traditionell auch einen ausklappbaren Tragegriff.

Probates Mittel gegen Schreibblockaden?

Wer möche, kann das 1,8 Kilogramm schwere Gadget dank sechs Wochen Akkupower auch à la Thoreau mit in die einsame Waldhütte nehmen, um dort in Ruhe ein Buch zu schreiben oder eine längere Reportage zu Papier zu bringen. Okay, zu elektronischem Paper, nicht zu Papier – was dem Konzept im Vergleich zu Klassikern wie der Brother LW-20 (meine persönliche Fallback-Lösung für Schreibkrisen) fehlt, sind Typenrad, Farbband und Walze. Dafür kann man die Texte auf der LW-20 nur auf 3,5-Zoll-Disketten speichern, auch nicht wirklich komfortabel.

Zielgruppe des konzentrationsfördernden Schreibcomputers von Leeb und Paul sind neben etablierten Edelfedern die „neuen“ Autoren des Internetzeitalters, etwa Blogger und Self-Publisher, die aber ebenfalls oft mit Schreibblockaden zu kämpfen haben: „The maturation of blogging and the ability to self-publish with greater ease than ever before has put writing on the minds of many non-writers. More and more people are discovering that writing is the outlet they have been looking for but can’t seem to find the way to get words on the page“.

Vom Prototypen zum fertigen Produkt

Die ersten Schritte von der Konzeptstudie zum Produkt hat „Hemingwrite“ schon hinter sich – das Medienecho (The Verge, Cult of Mac, Gizmodo) war groß, ein Prototyp war kürzlich auf der Engagdget Expand NY Conference zu sehen, die Seite hemingwrite.com hatte innerhalb von 2 Wochen mehr als 50.000 Besucher. „At this point, both Patrick and I are convinced that there is a market for the Hemingwrite“, heißt es auf dem Projektblog. Nächste Station: Kickstarter?

(via t3n.com)

Abb.: hemingwrite.com