PUF trifft Espresso: In Paris öffnet Europas erste Print-On-Demand-Buchhandlung

puf-librarie-paris-espresso-book-machineAls 1999 die berühmte Pariser Verlagsbuchhandlung PUF nach fast 100 Jahren schließen musste, war das ein trauriger Tag nicht nur für das Quartier Latin. Nun sind „Les Presses Universitaires de France“ wieder da, nur einen Steinwurf entfernt von der alten Location, und mit deutlich mehr Titeln im Angebot auf deutlich weniger Fläche. Genauer gesagt: 3 Millionen Titel auf 80 Quadratmetern.

Espresso Book Machine druckt jedes lieferbare Buch

Des Rätsels Lösung: im Zentrum des Ladens werkelt eine Espresso Book Machine von „On Demand Books“, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Sie druckt in wenigen Minuten aus Coverdatei (farbig) und Layoutdatei (schwarzweiß) jedes als elektronischen Vorlage vorrätige Buch, sowohl aus dem PUF-Verlagskatalog wie auch aus dem allgemein lieferbaren POD-Angebot.

Schnelldruck mit Xerox-Technik

Weltweit sind schon mehr als 100 Espresso Book Machines auf XEROX-Basis im Einsatz, in Frankreich standen dagegen erst ganze fünf. Jetzt sind’s also sechs: „Das ist die erste komplett digitale Buchhandlung in Europa, die ausschließlich Print-On-Demand verkauft“, so PUF-Leiter Frederic Meriot gegenüber der Nachrichtenagentur AP. „Ein Modell für die Zukunft, in der Digital und Paperback Hand in Hand arbeiten“. (Anmerkung: „Kontinentaleuropa“ meint Meriot wohl. Denn in London gibt’s auch schon eine P-O-D-Buchhandlung mit Espresso-Book-Maschine.)

Zwischen 40 und 800 Seiten geht alles

Möglich sind Formate von 11×18 bis 20x28cm, bei einer Zahl zwischen 40 und 800 Seiten. Während die Maschine das gewünschte Buch druckt, trinken die Kunden entspannt einen Kaffee. Ganze 60 Käufer waren am 12. März, dem Eröffnungstag da, damit sich der Laden rentiert, müssen im Durchschnitt aber lediglich 15 Titel vor Ort produziert werden, so Meriot.

Rocketbook für die Vitrine: erstes europäisches E-Reading-Museum in Paris geplant

ebook-museum-paris-labo-de-leditionDie Geschichte des elektronischen Lesens ist jetzt museumsreif: im Pariser Quartier Latin startet mit dem Projekt „Petit musée de la lecture numérique“ einer der ersten Versuche weltweit, historische E-Reading-Technologie zu konservieren und auszustellen. Als Standort dient zunächst eine Fläche im Startup-Inkubator- und Coworking-Space „Labo de l’édition“, die nach und nach mit Hardwarespenden von privaten Anwendern und Partnern aus der Industrie gefüllt werden soll. Federführend ist dabei Elizabeth Sutton, Branchenberaterin in Sachen E-Books und Gründerin der Agentur IDBOOX:

„Dieses Projekt hat grundlegende Bedeutung, denn wir müssen uns im Rahmen der Digitalisierung unseres literarischen Erbes auch die Erinnerung an die Werkzeuge erhalten, die uns das Lesen der Inhalte ermöglichen“, so Sutton in einem Presse-Statement.

Für Nicolas Rodelet, den Leiter des Labo de l’édition, hat der verschlungene Pfad vom Buch zum Byte auch viel mit den Lernprozessen heutiger Verlags-Startups zu tun: „Die Geschichte der elektronischen Lesegeräte, die zunächst scheitern, dann schließlich doch Teil unserer Kultur werden, zeigt uns, wie komplex Innovationsprozesse verlaufen“.

Nicht nur Klassiker wie Sony Bookman, Rocketbook oder PDAs von HP werden die Vitrinen im Labo de l’édition füllen, viele E-Ink-Geräte, Smartphones und Tablets dürfte man dort bald ebenfalls finden — die E-Reader-Sammlung soll nämlich die technologische Entwicklung von den Anfängen bis ins Jahr 2014 abdecken. Die literarische Grande Nation kann dort dann auch mit ein paar technologischen Meilensteinen Flagge zeigen: etwa dem „Cybook 2003“ aus dem Jahr 1998, entwickelt mit Unterstützung der Schriftsteller (!) Jacques Attali und Erik Orsenna. Genausowenig fehlen dürfen natürlich die immer noch unter dem Namen „Cybook“ vermarkteten E-Reader des bis heute aktiven Cytale-Nachfolgers Bookeen…

(via Teleread & IDBoox.com)

Kindle-à-Gogo: Amazon eröffnet Pop-Up-Kioske in Pariser Shopping Malls

kindle-pop-up-store-in-parisWenn man schon keine Herrenboutique mit dem Papst in Wuppertal eröffnet, wie wäre es dann mal mit einem Kindle-Kiosk mit Jeff Bezos in Paris? Genau das gibt’s am Rand der französischen Hauptstadt jetzt tatsächlich (nur ohne Jeff Bezos in personam), denn mitten in zwei populären Shopping Malls hat das US-Unternehmen in diesen Tagen Pop-Up-Kioske eröffnet.

Der Zweck des spontanen Budenzaubers ist klar: An den edel holzvertäfelten Comptoires in La Défense und Le Chesnay soll während der verkaufsstarken Weihnachtsaison die Kindle-Modellreihe vom Basis-Reader bis zu Kindle Voyage und Kindle Fire Tablet promotet werden, und zwar sieben Tage die Woche. Die Ausführung des Mini-Projektes hat die italienische Agentur Target zusammen mit dem Pariser Start-Up Coephe Retailbox übernommen, das sich auf den „commerce ephemère“ in Einkaufszentren spezialisiert hat.

Wenn auch keine Eintagsfliegen, so bedeuten die beiden Kioske also definitiv nicht der Einstieg ins stationäre Geschäft, wie Amazon ihn gerade in Seattle testet: Ende Januar werden die französischen Pop-Up-Kioske wieder demontiert – sie sind also eher Teil der Amazonschen Experimentierfreude, die uns u.a. auch schon Kindle-Automaten an Flughäfen beschert hat.

Doch auch die ephemere Paris-Präsenz für das Kindle kann wohl nicht schaden, denn auf dem Publikumsmarkt haben E-Books jenseits des Rheins erst einen mageren Umsatzanteil von 3 Prozent ergattert. Was nicht heißen soll, dass sich das Pop-Up-Konzept nicht auch in Deutschland lohnen würde… vielleicht in Sichtweite einer Thalia- oder Hugendubel-Filiale? Das Medienecho wäre sicher schon mal garantiert.

(via The Digital Reader/defense-92.fr/sitesdesmarques)

Abb.: defense-92.fr