Flatrate-Blase geplatzt: Scribd beendet „All you can read“-Angebot

scribd-beendet-lese-flatrateNun hat es also auch Scribd erwischt. Anders als Lese-Flatrate-Pionier Oyster wird das „Youtube für Texte“ zwar nicht von Google geschluckt, sondern als Webplattform auch weiterhin existieren. Mit der E-Book-Flatrate allerdings ist nach letzten Anpassungsversuchen jetzt endgültig Schluss: die zahlenden Mitglieder können ab März nur noch drei E-Books und ein Audio pro Monat aus einer begrenzten Bestseller-Bibliothek lesen, außerdem gibt es „unbegrenzten“ Zugang zu einer limitierten, „rotierenden Sammlung“ handverlesener Buchempfehlungen der Scribd-Redaktion. Die monatliche Mitgliedsgebühr beträgt auch weiterhin 8.99 Dollar.

„We’ve worked hard to strike the right balance between providing our members with high-quality books and achieving long-term sustainability“, heißt es auf dem Scribd-Blog. Mit anderen Worten: einer Horde von lektürehungrigen Viellesern zu einem begrenzten Preis unbegrenzten Zugang zu bieten, gleichzeitig aber den Verlagen bzw. Autoren für jeden auch nur zu 10 Prozent angelesenen Titel den vollen Handelspreis zu erstatten, lohnt sich nicht. Betroffen sind vom Ende der echten E-Book-Flatrate laut Scribd angeblich „nur 3 Prozent“ der zahlenden Mitglieder.

War „All you can read“ also nur ein mittelfristiger Irrweg für die Book People? Nein, Nate Hoffelder (The Digital Reader) hat wohl recht: E-Books im Abo sind nicht tot, aber die Blase ist endgültig geplatzt („subscription ebooks aren’t completely dead, but the bubble has burst“). Und wie so oft heißt in der Buchbranche der globale Gewinner: Amazon. Obwohl mit „Kindle Unlimited“ Mitte 2014 deutlich später eingestiegen als alle anderen, wird der internationale Markt in Sachen Lese-Flatrate nun von Jeff Bezos beherrscht.

Ob der Service made in Seattle jetzt schon Gewinne abwirft, ist eine ganz andere Frage — aber einer besucherstarken Plattform wie Amazon ist zuzutrauen, am Ende die Quadratur des Flatratekreises zu schaffen: eine sehr große Zahl an Abonnenten zu gewinnen, unter denen die Horde der Vielleser dann nur einen vergleichweise geringen Anteil ausmacht, der die Profite nicht gefährdet. Spannend bleibt zuletzt auch der deutsche Markt: hier startete Kindle Unlimited noch etwas später, und es gibt bis auf weiteres starke Mitbewerber, siehe etwa Skoobe oder Readfy.

(via The Digital Reader & Scribd)

Auster dicht, Perlen weg: E-Lese-Flatrate von Oyster wird eingestellt, Google übernimmt

oyster-ebook-storeDas Leben des Buchhändlers ist ein langer, ruhiger Fluss, manchmal. Wenn’s um E-Book-Streaming geht, gleicht es aber eher dem Wildwasser-Rafting. Der Markt der „unbegrenzten“ Mietlektüre zum monatlichen Festpreis ist gerade in den USA heiß umkämpft, die Margen knapp. Nach nur zwei Jahren hat es jetzt Oyster erwischt. Der smarte All-you-can-read-Pionier stellt seinen Service ein, die bei den Nutzern beliebte Oyster-App wird in wenigen Monaten Geschichte sein.

In Grund und Boden gelesen

Schlecht geht’s derzeit bekanntlich auch dem E-Book-Abo von Scribd, besonders viel gelesene und viel gehörte Romance- und sonstige Titel sind aus dem Programm verschwunden. Für beide Anbieter ging die Kalkulation Flatrate-Preis kundenseitig kassieren und vollen Preis für jedes angelesene E-Book an die Content-Lieferanten ausschütten offenbar auf Dauer nicht auf.

The Winner is: A… Google

Zu den lachenden Dritten gehört nicht nur Amazons Kindle Unlimited, sondern auch Google: die Oyster-Gründer Andrew Brown und Willem Van Lancker, CEO Eric Stromberg sowie ein Teil des Teams wechseln zu Google Play Books. Was die Vermutung nahelegt, dass demnächst auch Google eine Lese-Flatrate starten könnte.

Flatrate-Markt in USA stagniert

Durchaus möglich, dass Google auch den Rest von Oyster gekauft hat (entsprechende Gerüchte über einen Käufer kursieren jedenfalls) und den ursprünglichen Laden komplett dicht macht. Ob ein neuer Service gegenüber Amazon Chancen hätte, bleibt abzuwarten: in den USA stagniert nach Jahren des Wachtums der Anteil der Flatrate-Abonnenten mittlerweile bei 15 Prozent der Buchkäufer.

Und was passiert in Deutschland?

Mehr Marktdynamik dürfte dagegen noch in Deutschland schlummern, wo Kindle Unlimited noch etwas später startete als die hiesigen First Mover Skoobe und Readfy. Amazons größter Konkurrent in spe hat die Karten ohnehin noch nicht auf den Tisch gelegt: wird die Tolino-Allianz nach Readern, Tablets und Self-Publishing-Portal auch Amazons Flatrate klonen? Möglicherweise auch nur noch eine Frage der Zeit…

(via The Digital Reader & Buchreport)

Telefonbuch über alles: Wird E-Reading bald zum reinen Phone-Reading?

vom-ereading-zum-phone-readingKlassische E-Reader sind ja als Haupt-Umsatztreiber schon seit einer Weile abgeschrieben, demnächst könnte dem Tablet (zumindest als Lesegerät) ein ähnliches Schicksal drohen: „Die Zukunft des E-Reading findet auf dem Smartphone statt. Man wird auf dem Smartphone lesen, und man wird auf Papier lesen“, zitierte das Wall Street Journal letzte Woche Judith Curr, Chefin des Simon & Schuster-Imprints Atria Books. Schaut man sich an, wie groß die Displays bei den Smartphone-Marktführern Samsung (Galaxy-S-Reihe) und Apple (iPhone 6 sowie iPhone 6 Plus) jetzt schon sind, klingt das gar nicht mal nach einer so steilen These.

Zahl der Smartphone-Leser steigt

Die WSJ kann den absehbaren Trend aber auch ganz gut mit Nielsen-Daten zum Leseverhalten untermauern: In nur wenigen Jahren hat in den USA die Zahl der Smartphone-Leser stark zugenommen – jeder zweite (54 Prozent) schmökert mittlerweile ab und zu auf iPhone & Co., vor drei Jahren waren es erst 24 Prozent. Mitterweile lesen 14 Prozent der Smartphone-Nutzer ausschließlich auf dem Gerät, 2012 waren es erst 9 Prozent.

Dazu kommt natürlich noch: in den Vereinigten Staaten besitzt fast schon jeder ein Smartphone, mit 64 Prozent der Erwachsenen nähert sich das Land der Vollaustattung (Pew Research prognostiziert 80 Prozent für 2019) der Bevölkerung mit hochmobilen Lesegeräten, mit denen man nicht nur überall lesen, sondern auch von überall aus E-Books shoppen kann.

Mitnahme-Effekt

Oyster-Mitgründer Willem Van Lancker hatte für das WSJ zu diesem Thema einen klugen Satz parat: „Das beste Lesegerät ist das, was man dabei hat.“ Lesen per Smartphone erfordere keine Vorausplanung – offenbar ein entscheidendes Kriterium auch bei der Nutzung der Flatrate-App: jeder zweite Oyster-Kunde liest auf dem Smartphone. Auch Amazon scheint das bereits zu spüren: die Kindle-App, so hat das WSJ erfahren, wird häufiger auf iPhone 6 oder iPhone 6 Plus genutzt als auf dem iPad.

Muss Literatur für’s Mini-Screen oberflächlich sein?

Doch was wird aus der Literatur, wenn man sie nicht auf ein sechs-, sieben-, acht- oder neun-Zoll Display zwängt, sondern auf ein vier- oder fünf-Zoll-Display? Zwingt die kleine Oberfläche zur großen Oberflächlichkeit in Stil und Aufmachung? Ist das Lesen auf dem Smartphone am Ende die „Antithese zur vertieften Lektüre“?

Dazu findet man noch einen sehr klugen Satz im WSJ-Artikel: „Die Leute sollten sich keine Gedanken darüber machen, wie die Leute lesen, sondern froh sein, dass sie lesen“, sagt Anna Todd, eine Bestseller-Autorin, deren Erfolg sich auf die Storytelling-Plattform Wattpad gründet. Was via Wattpad veröffentlicht wird, landet sogar in neun von zehn Fällen auf dem Touch-Screen eines Mobilgerätes.

Abb.: Daz Smith (cc-by-2.0)

„Das Amazon der nächsten 10 Jahre“: Oyster ergänzt Flatrate mit E-Book-Verkauf

oyster-ebook-storeDie Flatrate-App Oyster galt bisher als das Netflix für Bücher – nun nimmt das Unternehmen Kurs auf ein eher traditionelles Geschäftsfeld: den en-detail-Verkauf von Lesestoff. Via Website und App kann man seit dieser Woche bei Oysterbooks auch E-Books kaufen. Mit anderen Worten: Oyster ist jetzt eine Buchhandlung.

Oyster dealt mit den Big Five

„With our new ebook store, virtually any book you can think of is available on Oyster, including all new releases and pre-orders“, heißt es im Oyster-Blog – was man natürlich als dezenten Hinweis auf das Grundproblem aller Flatrates lesen darf. Denn man bekommt eben nie alle Bücher, sondern je nach den bestehenden Deals mit großen Verlagen immer nur einen Ausschnitt der auf dem freien Markt lieferbaren Lektüre.

Die kluge Auster möchte nun noch mehr Perlen verkaufen – und hat zu diesem Zweck den ganz großen Deal mit den „Big Five“ des US-Buchbusiness gemacht, u.a. mit HarperCollins, dort lobt man Oyster als „innovativen Player der Branche“. Ein Lob nicht ohne Hintergedanken. Wenn demnächst die Lieferverträge zwischen HarperCollins und Amazon neu ausgehandelt werden müssen, könnte die Kooperation mit Oyster der eigenen Position mehr Kawumm verleihen.

„Nächste Stufe der E-Books zünden“

Ähnlich egostark wird bei Oyster die Werbetrommel für das neue Vertriebsmodell gerührt. „Amazon hat den Weg für E-Books geebnet“, so Oyster-Kogründer Willem van Lancker gegenübrer Business Insider. „Wir möchten das Amazon der nächsten zehn Jahre sein. Unser Unternehmen soll für E-Books die nächste Stufe zünden.“

Tatsächlich geht Oyster ab wie eine Rakete, seitdem der Service 2013 von den Ex-Googlern Van Lancker und Andrew Brown sowie dem Ex-Ebayer Eric Stromberg gegründet wurde. Mittlerweile lesen die Nutzer der Oyster-App mehr als 100 Millionen Seiten pro Monat. Der neue Claim von Oyster klingt auch irgendwie nach Jeff Bezos: „You’ll never have to go anywhere else to get a book, because everything you’re looking for is on Oyster.“

Discoverability als Vorteil

Das eigene Angebot, so schallt es aus der PR-Abteilung der Flatrate-Molluske, sei auch viel benutzerfreundlicher organisiert, z.B. mit Best-of-Listen, Amazon dagegen biete dagegen eher die nüchterne Logistik eines großen Warenhauses.

Einen kleinen Haken hat die Sache natürlich trotz aller Discoverability-Optimierungen der Oyster-Macher: wenn man nicht nur Bücher, sondern Rasenmäher, Gummistiefel oder Windeln bestellen möchte, muss man eben doch „woanders“ hinsurfen. Und die meisten US-Kunden wissen natürlich genau, wo das ist. Bücher bekommt man „dort“ auch…

(via Business Insider)

[Aktuelles Stichwort] E-Book-Flatrates: all you can read für eine Handvoll Euros


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

E-Book-Flatrates erlauben gegen eine feste monatliche Abonnement-Gebühr die temporäre Nutzung digitalen Contents, meist im Rahmen von speziellen >>Apps für Mobilgeräte bzw. Browser-Apps für den Desktop. Einen ersten Boom haben solche Angebote im Musik-Business erlebt, als 2008 der schwedische Streaming-Dienstleister „Spotify“ an den Start ging, eine parallele Erfolgsgeschichte begann zur selben Zeit im Bereich von Filmen und TV-Serien mit den Aktivitäten des US-Anbieters „Netflix“. Bei E-Book-Flatrates kann die Lektüre in der Regel sowohl online wie offline stattfinden.

Obwohl E-Books wenig Bandbreite benötigen und problemlos komplett heruntergeladen werden können, sind umfassende Angebote im Bereich von elektronischer Literatur erst deutlich später auf den Markt gekommen als in anderen Branchen. Hauptgrund ist die zögerliche Haltung vieler großer Verlage, während kleinere Anbieter vor allem im englischen Sprachraum schon seit längerem mit Flatrates experimentieren (z.B. Baen Books, Safari Books/O’Reilly).

Als Vorreiter auf dem deutschen Publikumsmarkt gilt die Skoobe-App, ein in München ansässiges Joint-Venture von Holtzbrinck und Bertelsmann, das bereits 2011 gelauncht wurde, im Bereich Sach- und Fachbuch das Leipziger Startup >>PaperC. Zu den “First Movers“ auf internationaler Bühne zählt der spanische Anbieter 24symbols.

Mittlerweile sind national (Readfy) wie auch international (Oyster, scribd, etc) zahlreiche Startups im Bereich von umfassenden E-Book-Flatrates aktiv. Mit dem Start von >>„Kindle Unlimited“ ist im Sommer 2014 auch Amazon.com in den literarischen Flatrate-Sektor eingestiegen und bietet damit derzeit den einzigen Flatrate-Service an, der nicht nur auf Tablet oder Smartphone, sondern auch via E-Ink-Reader genutzt werden kann. In Deutschland bietet Amazon im Rahmen eines gebührenpflichtigen Premiumprogramms (>>„Amazon Prime“) mit der >>„Kindle Leihbibliothek“ bisher nur eine sehr limitierte Flatrate für elektronische Bücher an.

Die Rechteinhaber erhalten im Rahmen von Flatrate-Apps eine Vergütung für die Lektüre in der Regel bereits dann, wenn eine Datei geöffnet bzw. eine geringe Textmenge gelesen wurde. Im Fall von Amazon haben Ausleihen über die Flatrate direkten Einfluss auf das Bestseller-Ranking, da sie als normale Verkäufe gezählt werden. Zu den Content-Lieferanten vieler E-Book-Flatrates gehören neben Verlagen auch Self-Publishing-Plattformen, in den USA z.B. Smashwords und Amazons KDP, in Deutschland z.B. epubli und BoD.

Ähnlich wie im Bereich Musik und Video gelten Flatrates auf dem E-Book-Markt als besonders wirksames Mittel zur Bekämpfung illegaler >>Download-Portale. Da in den meisten Fällen Inhalte ohnehin nur innerhalb einer App genutzt werden können, machen solche Flatrate-Angebote auch besondere Kopierschutz- und >>DRM-Maßnahmen überflüssig.


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

Bestseller-Vorhersage: Netflix nutzt File-Sharing-Hitparade – Vorbild für Buchbranche?

Das beste Mittel gegen Datenpiraten ist die Flatrate – das haben Streaming-Dienste wie Spotify (Musik) oder Netflix (Video) bereits bewiesen. Der endgültige Beweis im Buchsektor steht noch aus, dafür gibt’s schon mal eine weitere schöne Idee zum Nachmachen: um zu erfahren, welche Serien beim Netzpublikum besonders angesagt sind, schaut der Streaming-Dienst Netflix ganz einfach auf die Download-Statistiken von BitTorrent-Netzwerken. „Wenn wir Serien einkaufen, achten wir darauf, was auf den Piraten-Plattformen gut läuft“, so Kelly Merryman, bei Netflix zuständig für die Content-Akquise. Dass Netflix etwa in den Niederlanden in diesen Tagen mit einer Serie wie „Prison Break“ an den Start geht, hat insofern einen besonderen Grund: „Prison Break ist auf den File-Sharing-Plattformen außergewöhnlich populär“, so Merryman.

Auch aus anderen Gründen scheint das Netflix-Management nicht ganz unglücklich mit dem eigenwilligen Download-Verhalten der Crowd zu sein: „Sicherlich gibt es immer Torrent-Downloads, und zwar überall auf der Welt, doch das erzeugt teilweise überhaupt erst die Nachfrage“, so Netflix-CEO Reed Hastings. Der Streaming-Dienst setzt darauf, dass Serien-Junkies irgendwann zum professionellen Anbieter wechseln, um komfortabler konsumieren zu können: „Netflix ist viel einfacher als das Herunterladen von BitTorrents. Man muss sich nicht mit Dateien herumärgern, man klickt nur kuckt“, so Hastings. Die Strategie scheint aufzugehen: in Kanada etwa sank der BitTorrent-Traffic um 50 Prozent, seitdem Netflix dort vor drei Jahren den Betrieb aufnahm. Ähnlich wirkt offenbar Spotify – für Länder wie die Niederlande , in denen der Musikstreaming-Dienst bereits seit 2010 präsent ist, liegen vergleichbare Daten vor.

Prinzipiell dürften solche Mechanismen auch im bestseller-gesteuerten Buchmarkt wirken – dort werden wichtige Teile des Umsatzes mit literarischen Blockbustern von „Harry Potter“ bis „50 Shades of Grey“ generiert, deren elektronische Versionen auch längst in der File-Sharing-Szene zirkulieren. Allerdings fehlen bisher noch mit Netflix oder Spotify vergleichbare legale Flatrate-Angebote. Neu angetretene Flatrate-Apps wie Oyster und eReatah locken in den USA zwar mit niedrigen Monatsraten, konnten bisher jedoch nur eine Minderheit der großen Verlage ins Boot zu holen. Noch magerer sieht’s in Deutschland aus – zumal die einzige überhaupt ernstzunehmende Plattform Skoobe nun auch noch die kostenlose Testphase abgeschafft hat. Man hat den Eindruck: viele Verlage wollen ihre Bestseller nicht via Flatrate „verramschen“. Doch damit erreichen sie am Ende nur das Gegenteil. Die am meisten piratisierte TV-Serie ist nicht zufällig „Game of Thrones“ – der produzierende Sender HBO weigert sich, die Streaming-Rechte an Netflix zu verkaufen.

(via torrentfreak.com)

„All you can read“: mit Oyster startet das erste echte Spotify für E-Books

Wenn’s um Verleihmodelle für E-Books geht, geben sich viele deutsche Verlage immer noch so verschlossen wie eine Auster. Die einzig ernstzunehmende Flatrate-App namens Skoobe bietet vor allem Titel von Holtzbrinck & Random House – also den Verlagen, die das Projekt auch angeschoben haben. Wie es besser gehen kann, zeigt in den USA jetzt das New Yorker Startup Oysterbooks mit seiner Oyster-App: bereits die öffentliche Testphase umfasst mehr als 100.000 Titeln von großen Verlagen wie Harper Collins und Houghton Mifflin Harcourt, aber auch Content der größten US-Self-Publishing-Plattform Smashwords.

Momentan leider noch US-only, iPhone-only

Für 10 Dollar pro Monat bekommt man unbegrenzten Zugang zum gesamten Programm, die zehn zuletzt heruntergeladenen E-Books kann man auch offline lesen. Erste Zielgruppe sind iPhone-Nutzer in den USA, im Herbst soll es dann auch eine iPad-Version der Oyster-App geben. Der Zugang zum Content ist Oyster zufolge weltweit möglich, um die App zu downloaden, muss man derzeit allerdings über Zugang zum US-Appstore verfügen. Und über etwas Geduld. Während der öffentlichen Testphase läuft die Anmeldung nämlich über „Invites“, die über eine Warteliste abgearbeitet werden.

Social Reading wird großgeschrieben

Wie die Screenshots auf dem Oyster-Blog zeigen, haben sich die Macher neben einer schön anzusehenden Benutzeroberfläche auch sehr viele Gedanken über die „Discoverability“ von E-Books gemacht – zum Kernbestandteil der App gehört ein Social-Reading-Stream, der den Lektüre-Status und die Empfehlungen der „Freunde“ zeigt. Die Oyster-Leute nennen das „People Powered Book-Discovery“. Das elektronische Bücherregal wird also endgültig zur literarischen Playlist – neben der Flatrate wohl das wichtigste Element, um aus Oyster tatsächlich das Spotify der Buchbranche zu machen.

Native App statt Browser

Besonders spannend finde ich die Kombination von Flatrate, E-Book-Verleih und Self-Publishing – vergleichbares konnte bisher nur Amazon durch die Koppelung von KDP und Kindle-Leihbibliothek bieten, wenn überhaupt, denn in den Genuss einer echten „All you can read“-Flatrate kommen ja selbst Amazon-Prime-Mitglieder in den USA bisher nicht. Schade aus Sicht der Leser ist nur, dass Oyster genau wie Skoobe auf einer nativen App aufbaut, und nicht auf ein browserbasiertes Konzept setzt, das geräteunabhängig genutzt werden kann. Freuen dürfen sich dagegen Sascha Lobo und Christoph Kappes – denn ihre geplante E-Lese-Plattform „Sobooks“ wird im Browser laufen, und könnte somit technisch gegenüber der App-Konkurrenz die Nase vorn haben.