Von der Muse ungeküsst: Thalias neuer Oyo II im Test

Thalia hat zur Weihnachtsaison einen neuen WiFi-Reader mit Touch-Screen auf den Markt gebracht – der Oyo II soll mit schnellerem Prozessor, mehr Speicherplatz und besserem Kontrast einige Scharten des Vorgängermodells auswetzen. Zum Preis von 119 Euro wird der 6-Zoller sowohl online wie auch über die Thalia-Filialen vor Ort verkauft. Als Weihnachtsgeschenk lohnt sich der Oyo II aber nur bedingt. Denn die Performance des von Medion produzierten Gerätes kann immer noch nicht überzeugen. Das Touch-Screen reagiert viel zu träge, oft passiert sekundenlang gar nichts. Für viele anspruchsvollere Funktionen reichen Prozessorleistung und/oder Firmware offenbar nicht aus. Auch der Kontrast kann mit anderen aktuellen E-Ink-Readern nicht mithalten. Ob Sony Reader, Kobo Touch oder Kindle – technisch ist der Oyo der Konkurrenz unterlegen.

Trojanisches Weihnachtsgeschenk

Der Kindle-Reader ist ein trojanisches Weihnachtsgeschenk, findet E-Book-Pionier und Spiegel-Autor Jürgen Neffe. Das High-End-Gerät werde von Amazon geradezu verramscht, das aber mit Kalkül: die wachsende Zahl der Kindle-Besitzer würde schließlich auf Dauer die Marktmacht des Online-Buchhändlers stärken. Eine Art trojanisches Weihnachtsgeschenk ist aber auch Thalias Oyo II, wenngleich mit umgekehrtem Effekt. Nach einer Serie von Pannen beim Vorgängermodell hätte man eigentlich ein technisch weitgehend überarbeitetes Konzept erwartet. Doch bereits optisch ist alles beim alten geblieben – Thalias Oyo Nummer zwei kommt mit identischem Gehäuse auf den Markt. Wie bisher gibt’s nur vier externe Tasten zur Steuerung, neben dem Ein- und Ausschaltknopf findet man am rechten Displayrand den Home-Button und zwei Umblättertasten. Die Außenmaße des Readers liegen mittlerweile deutlich über denen von vergleichbaren 6-Zoll-Lesegeräten, gleiches gilt für das mit 260 Gramm etwas hohe Gewicht. Die Schnittstellen des Oyo findet man an der Unterkante – neben einem Einschub für Speicherkarten gibt es einen Mikro-USB-Port sowie eine Kopfhörerbuchse.

Langer Marsch zum Lesevergnügen

Die Inbetriebnahme des Oyo II stellt den Kunden vor einige Hürden. Einfach einschalten und lesen geht nämlich nicht. Vorher muss das Gerät via W-LAN registriert werden – die Prozedur beinhaltet ggf. auch das Anlegen eines Kundenaccounts. Theoretisch kann man das auf der virtuellen Tastatur des Touch-Screen-Readers erledigen. Doch das flackernde Display und vor allem die langsame, oft auch ausbleibende Reaktion des Touch-Screens macht die Eingabe der Kundendaten zur Qual. Empfehlenswert ist deswegen der Umweg über den Browser eines Desktop-PCs. Gleiches gilt für die Eingabe der Zahlungsinformationen, ohne die man im E-Store auch keine kostenlosen Titel herunterladen kann. Immerhin ist die Einrichtung des Oyo II in der beigelegten Schnellstartanleitung sehr schön dokumentiert („In fünf Schritten zu Ihrem Lesevergnügen“).

Zu Hause auf dem Home-Screen

Im ausgeschalteten Zustand zeigt der Oyo eine Bildschirmschoner-Grafik an. Bei Aktivierung fährt das Gerät in wenigen Sekunden hoch. War vor dem Ausschalten ein E-Book geöffnet, gelangt man automatisch auf die gerade gelesene Seite zurück. Das Home-Screen („Startseite“) ist übersichtlich mit grafischen Elementen gestaltet. Die obere Hälfte zeigt vier Miniaturcover aus der E-Bibliothek an sowie in einem zusätzlichen Bereich den zuletzt gelesenen Titel. Die untere Hälfte des Home-Screens führt zum Thalia-Shop sowie zu Einstellungen, Extras (u.a. Webbrowser, Audioplayer) sowie zu den „Nachrichten“. Denn via W-Lan empfängt der Oyo aktuelle Buchempfehlungen sowie den Thalia-Newsletter. Unter „Einstellungen“ kann man die Häufigkeit des Screen-Refreshs einstellen („Häufigkeit der Bildschirmaktualisierung“). Weniger Screen-Refreshs sorgen für längere Akkulaufzeit.

Lesen auf dem Touch-Screen

E-Books im epub-Format werden problemlos angezeigt, PDF-Dateien dagegen lassen sich durch eine fehlende Reflow-Funktion nicht komfortabel lesen. Die Leseansicht lässt sich komplett über das Touch-Screen steuern. Umgeblättert wird per Fingerwisch (alternativ mit den Umblätter-Tasten), das doppelte Antippen einzelner Worte aktiviert die Wörterbuch- und Lexikon-Funktion. Neben dem Langenscheidt-Wörterbuch Deutsch/Englisch bzw. Englisch/Deutsch ist das Konversationslexikon von wissen.de vorinstalliert. Der Aufruf der jeweiligen Artikel dauert jedoch viel zu lange, somit ist gar nicht direkt feststellbar, ob das Antippen überhaupt registriert wurde. Nicht viel besser funktionieren einfache Menüfunktionen wie etwa das Ändern der Schriftgröße oder die Auswahl des Schriftfonts. Wählt man eine neue Fontart, friert das Display bis zu fünfzehn Sekunden lang ein. Das Schreiben von Anmerkungen im Rahmen der Lesezeichenfunktion ist ebenfalls nicht ganz so einfach – denn die virtuelle Tastatur reagiert viel zu träge auf die Eingaben. Dazu kommen störend flackernde Screen-Refreshs, bei denen die Tastatur für Sekundenbruchteile komplett verschwindet.

Drahtlos im Thalia-Shop

Zu den großen Vorteilen des Oyo-Readers gehört der integrierte E-Store. Der Thalia-Shop ist grafisch schön gestaltet und inhaltlich gut aufbereitet. Tipps von einzelnen Thalia-Buchhändlern und Leser-Rezensionen erleichtern die Auswahl der Lektüre. Der Seitenaufbau dauert allerdings selbst bei guter Netzanbindung deutlich zu lange. Im Unterschied zum Kindle- oder Kobo-Store lassen sich leider auch keine Leseproben herunterladen. Über das „Extra-Menü“ kann man sich via Webbrowser auf die Suche nach E-Books gehen oder eine Google- oder Wikpedia-Recherche tätigen. Doch auch hier geht alles nur in Zeitlupe, vom Scrollen durch eine Seite bis zum Einzoomen in den Text. Ein wirkliches Surferlebnis kommt dabei nicht auf. Weitere Extra-Funktionen sind der Audio-Player, eine Notizbuch-Funktion sowie ein Bildbetrachter.

“Einfach genial lesen“

Dem selbst gesetzten Motto „einfach. genial. lesen“ wird Thalias Oyo II im Kern tatsächlich gerecht. Denn die Lektüre selbst funktioniert gar nicht mal so schlecht. Sobald es aber um mehr als nur Umblättern geht, fällt das Gerät weit hinter vergleichbare Modelle zurück. Die kaum teureren Touch-Screen-Reader von Kobo oder Sony bieten nicht nur besseren Kontrast als das SiPix-Display des Oyo II, sondern prompt reagierende Benutzeroberflächen, die wirklich das Gefühl von direkter Interaktion zwischen Mensch und Reader aufkommen lassen. Manches wird beim Oyo II vielleicht durch neue Firmware-Updates noch zu verbessern sein, doch wer nicht für 119 Euro zum Beta-Tester werden möchte, sollte vorerst besser auf den Kauf des neuen Oyos verzichten. Wer auf Touch-Screen verzichten kann, bekommt mit dem Kindle 4 deutlich mehr Komfort für weniger Geld. Legt man zehn oder zwanzig Euro drauf, bekommt man mit dem Kobo-Touch oder der neuen Sony Reader Touch Edition Lesegeräte in die Hand, die im vollen Umfang halten, was Thalias Oyo bisher leider größtenteils nur verspricht.

Oyo II (Thalia.de)


Display

6 Zoll SiPix Touch-Screen, 600×800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

260 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Speicher

4 Gigabyte intern, max. 32 Gigabyte extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM)

Audio-Features

MP3-Player, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Preis

119 Euro (Thalia)

Oyo II ist da – Thalia startet nächste E-Reader-Generation

Multichannel, nächster Akt: nach dem Oyo der ersten Generation und der Oyo App startet heute Thalias neuer E-Reader Oyo II. Dank schnellerem Prozessor, mehr Speicherplatz und besserem Kontrast könnte das WiFi-fähige Touch-Screen-Gerät einige Scharten des Vorgängermodells auswetzen. Nach technischen Problemen mit der im Herbst 2010 gestarteten WiFi-Version des Oyo I hatte Thalia den Start der 3G-Version zuvor bis in den August 2011 verschoben. Der neue Oyo II kommt zum Preis von 119 Euro auf den Markt. Verkauft wird der Reader online auf thalia.de & buch.de sowie über bundesweit mehr als 200 Thalia-Buchhandlungen.

Außen wie gehabt, innen runderneuert

Einfach und komfortabel lesen, und das in allen Lebenslagen: das Promo-Video für Thalias Oyo II betont ganz im Stil ähnlicher Produktionen von Barnes&Noble oder Amazon die Strategie der Buchhandelskette, um möglichst viele Kunden an die elektronische Lektüre heranzuführen. Optisch zeigt sich das Gerät unverändert, abgerundete Form wie weiße Gehäusefarbe sind ebenso geblieben wie die breiten Bedientasten am rechten Display-Rand. Das Gewicht liegt leicht über der ersten Generation, mit 260 Gramm wiegt der Oyo II etwas mehr als die neuesten Modelle von Sony oder Amazon. Verbessert hat sich allerdings der Kontrast – denn mit einem SiPiX-Display der zweiten Generation kommt Thalias Reader nun näher an die Qualität von Pearl-E-Ink heran. Ein flotterer Prozessor dürfte zudem die Bedienung der Touch-Screen-Menüs erleichtern und für rasantere Seitenwechsel sorgen.

Screen-Refresh-Rate veränderbar

Umgeblättert wird wie auch bisher entweder per Tastendruck oder mit einem Fingerwisch auf dem Touch-Screen. Die Leseansicht ist komfortabler geworden – neben sieben (statt zuvor sechs) Schriftgrößen kann man nun auch zwischen 6 Schrifttypen wählen. Ähnlich wie beim Kobo-Reader lässt sich beim neuen Oyo II die Häufigkeit des Screen-Refreshs einstellen. Das schwarze Flackern beim Umblättern löscht den Bildschirminhalt komplett, braucht aber auch mehr Strom als das einfache Überschreiben. Ohne Screen-Refresh stellen sich andererseits „Ghosting-Effekte“ ein, schemenhafte Reste der vorherigen Seite bleiben im Hintergrund sichtbar. Gut, wenn der Leser selbst entscheiden kann, was ihm wichtiger ist. Ein- oder ausschalten lässt sich auch der Lagesensor, der für die automatische Ausrichtung des Textes ins Hoch- oder Querformat sorgt.

Wörterbuch & Lexikon integriert

Die neue Wörterbuchfunktion erleichtert die Lektüre fremdsprachlicher Texte, vorinstalliert findet man auf dem Oyo II nämlich die elektronische Version des Langenscheidt Wörterbuchs (Deutsch-Englisch & Englisch-Deutsch). Nachschlagen kann man aber auch in den 70.000 Begriffen des mitgelieferten Bertelsmann-Lexikons „Wissen.de“. Wer noch mehr wissen will, dem bleibt immer noch Wikipedia – denn über den integrierten Webbrowser gelangt man ins World Wide Web. Wie das Vorgängermodell ist im übrigen auch der Oyo II ein Hörbuch-Player – dafür sorgt neben der entsprechenden Software eine Kopfhörerbuchse.

Oyo Reader plus Oyo App

E-Books im epub oder PDF-Format lassen sich bequem im integrierten E-Store shoppen, Thalia hat mittlerweile mehr als 300.000 Titel im Angebot. Wer möchte, kann den Einkauf allerdings auch via Smartphone oder Tablet erledigen. Denn erst vor wenigen Monaten hatte Deutschlands zweitgrößte Buchhandelskette mit der Oyo-App den zweiten Eckpfeiler für ein eigenes E-Book-Ökosystem eingeschlagen. Ähnlich wie bei der Kindle-App kann man die persönliche E-Bibliothek zwischen Reader und weiteren Mobilgeräten synchronisieren. Vorausgesetzt, es handelt sich nicht um iPad oder iPhone. Denn die von der Berliner Thalia-Tochter textunes konzipierte App gibt’s anders als die beliebte textunes-App bisher nur für Android-Geräte.

Oyo II (Thalia.de)


Display

6 Zoll SiPix Touch-Screen, 600×800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

260 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Speicher

4 Gigabyte intern, max. 32 Gigabyte extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM)

Audio-Features

MP3-Player, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Preis

119 Euro (Thalia)

Thalia übernimmt textunes: Reading-App & Oyo II angekündigt

Thalia setzt verstärkt auf Multichannel – und bietet E-Books demnächst auch mit einer eigenen App an. Zu diesem Zweck übernahm Deutschlands zweitgrößte Buchhandelskette das Berliner Startup textunes. Die gleichnamige textunes-App bringt elektronische Lektüre schon seit 2009 auf die Displays von iPhone & iPad, und ist mittlerweile auch für Android-Geräte erhältlich. Zusätzlich zum Start der Thalia eReading-App wird es auch einen neuen Reader geben: in Kürze soll mit dem Oyo II ein verbessertes Touch-Screen-Lesegerät auf den Markt kommen.

Aus Multichannel wird Smart Reading

Bei Thalia nennt man die Multichannel-Strategie für E-Books jetzt „Smart Reading“: „Smart Reading heißt für Thalia nicht nur, dass unsere Kunden den Content frei wählen können. Ihnen soll zukünftig auch die Wahl des Endgerätes, auf dem sie digitale Inhalte lesen, überlassen werden”, so Michael Busch, Geschäftsführer der Thalia Holding. Mit dem Angebot einer eigenen App zieht Thalia mit Libri gleich – erst vor wenigen Tagen war die Libri-App für Android im App Store von Samsung gelauncht worden. Auch die E-Reading-App von Thalia soll zunächst nur für Android-Geräte erhältlich sein, eine Version für iOS ist aber in Planung. Neben den bewährten Social-Reading-Features der textunes-App wird es auch eine spezielle Empfehlungs-Funktion geben.

Neuer Oyo II kommt im richtigen Augenblick

Mit der Ankündigung des Oyo II gab es erstmals auch wieder Neuigkeiten über Thalias Reader-Sparte. Der OYO II soll über erweiterte Funktionalitäten, eine verbesserte Prozessorleistung, eine längere Akkulaufzeit und einen höheren Kontrast verfügen. Ob es sich um eine WLAN- oder UMTS-Version handeln wird, ist noch nicht bekannt. Nach verpatzten Firmware-Updates und dem kurzfristig abgesagten Launch einer UMTS-Version des Oyo I kommt die Nachricht vom Oyo II aber auf jeden Fall gerade zur rechten Zeit – schließlich starten in den nächsten Wochen auch Amazon und Kobo ihre neuen Reader.