Otto sagt „Tschüss“ zum Print-Katalog, Amazon schmeißt zum Weihnachtsgeschäft erstmals die Druckerpresse an

otto-versand-websiteQuelle gibt’s sowieso nicht mehr, Neckermann druckt seit 2012 keine Kataloge mehr (und gehört seitdem zum Otto-Versand), nun stellt auch der Otto Versand selbst auf Digital um — ab 2019 soll der Hauptkatalog nicht mehr in Papierform erscheinen, teilte der Hamburger Handelskonzern diese Woche offiziell mit. „Unsere Kunden haben den Katalog sukzessive selbst abgeschafft, weil sie ihn immer weniger nutzen und schon längst auf unsere digitalen Angebote zugreifen“, so Bereichsvorstand Marc Oppelt. Mittlerweile bestellen nämlich 95 Prozent der Kunden online. Die gute Nachricht lautet also: Otto hat den Wechsel zum Onlinehändler längst geschafft, umsatzmäßig liegt das Unternehmen direkt hinter Amazon und direkt vor Zalando.

Print-Katalog als Imagekiller?

Digitalisierungsopfer ist also nur der Katalog, nicht der Otto Versand — der Papierstapel sei zuletzt ohnehin nur noch ein „740 Seiten starker Imagekiller“ gewesen, ätzte das Handelsblatt zum Abschied. Nicht gerade nett nach einer fast siebzig Jahre währenden Erfolgsgeschichte, die im Jahr 1950 mit einem 14-seitigen handgebundenen Heftchen in 300er Auflage begann. Zur Hochzeit des Kataloghandels steckte das Unternehmen zweistellige Millionen-Beträge in den Druck des Katalogs. Schon in den 1990er Jahren wagte sich Otto dann ins Internet, der endgültige Abschied der Kunden vom Katalog begann aber erst mit dem Smartphone-und Tablet-Zeitalter. Inzwischen kaufen 50 Prozent der Kunden mobil ein.

„Gelungene Transformation“

Bei Otto selbst hält sich insofern die Nostalgie auch in Grenzen, die Pressemitteilung zum Abschied vom Katalog war hanseatisch knapp mit „Tschüss!“ überschrieben. Die Umstellung auf Digital Only sehen die Hamburger als „letztes Zeichen einer gelungenen Transformation“, die ansonsten weltweit kein anderer Katalogversender in dieser Form geschafft habe. O-Ton Marc Oppelt: „In Deutschland reden wir von der Digitalisierung oft so, als wäre diese etwas Störendes. Wir meinen dagegen: Sie ist das Beste, was uns passieren konnte und eine riesige Chance für die Wirtschaft.“ Als reiner Onlinehändler sei man nun erfolgreicher als man es zu Zeiten des Hauptkatalogs je hätte sein können.

Bald Spielzeug-Katalog von Amazon?

Kleiner Nachtrag: Amazon.com soll ironischerweise gerade planen, zum US-Weihnachtsgeschäft erstmals Kataloge zu drucken und millionenfach in Geschäften auszulegen wie auch an Kunden zu verschicken, und zwar speziell im Spielzeug-Segment. Was wiederum mit der Toys’r’us-Pleite zusammenhängt — denn für die Kids in Amerika war das Erscheinen des Katalogs der Traditionsmarke bisher einer der Höhepunkte des Jahres.

Buch gekauft, Lesegerät gemietet: Otto Now verleiht bald Tablets, Smartphones & Co.

otto-verleiht-tabletsDer zweitgrößte Online-Händler nach Amazon heißt in Deutschland … na!? Otto. Früher auch mal als Otto Versand bekannt. Die Hamburger sind schon seit 1995 mit otto.de am Start, 1997 ging der komplette Katalog online, inzwischen werden 40 Prozent des Umsatzes sogar von Mobilgeräten aus gemacht. „Transformation vom Kunden her“ lautet die Strategie, und der nächste Schritt dabei: „Otto now“ – eine Plattform zum Mieten von Haushaltsgeräten und Elektronik.

„Einfach alles. Einfach mieten.“

„Wir glauben, dass Konsumenten zukünftig auch physische Produkte auf Zeit mieten möchten und dies genauso einfach und sorgenfrei sein sollte, wie Musik zu streamen oder Car Sharing zu nutzen“, so Marc Opelt vom Otto Bereichsvorstand Vertrieb. Deswegen sei jetzt ein guter Zeitpunkt, um die Bereitschaft der Konsumenten für solche Mietangebote zu testen.

Otto now will auch Early Adopter ansprechen

Neben Fernsehern, Waschmaschinen oder Kaffeevollautomaten wird man via Otto now ab Oktober auch mobiles High-Tech wie Smartphones, Tablets, Spielekonsolen oder Drohnen mieten können. Auf diese Weise will Otto speziell auch junge Early Adopter ansprechen, die immer gerne das neueste technische Gadget nutzen möchten. Teil des Leasing-Deals ist ein Rundum-Service inklusive Wartung und kostenloser Reparatur, die Mindestmietdauer bei allen Produkten soll drei Monate betragen.

Warum nicht auch High-End-Reader vermieten?

Interessant aus E-Reading- Perspektive: Mit Tablets und Smartphones sind ja bei Otto Now ohnehin schon mal potentielle E-Lese-Geräte mit dabei, aber sicherlich würde auch der Verleih von klassischen E-Readern aus dem höherpreisigen Segment Sinn machen (z.B. die neuen 8-Zoller von Kobo oder Pocketbook).

(via ebook-fieber.de & Newsroom Otto.de)