Keine Feier ohne Thalimayer: Was die Mini-Megafusion für den deutschen Buchhandel bedeutet

thalimayerDie wohl wichtigste Meldung des Jahres 2019 kam kurz nach Neujahr: „Megafusion“ zwischen Thalia und der Mayerschen Buchhandlung – Deutschlands größte verbliebene Kette und der größte regionale Filialist schließen sich zusammen. Die Rechnung lautet: 300 Filialen plus 55 Filialen gleich 355 Filialen. Entfallen soll durch den Zusammenschluss nämlich vorerst kein Standort – hieß es jedenfalls von beiden Seiten. Ob am Ende an allen Standorten das Firmenschild Thalia prangen wird, ist dagegen zumindest fraglich. Noch steht natürlich auch noch die Genehmigung durch das Bundeskartellamt aus, doch angesichts des immer noch breit aufgestellen Markts mit großen Playern wie Hugendubel und Weltbild sowie kleineren Regionalketten wie Osiander sollte nichts dagegen sprechen.

Die Angst vor Amazon geht weiter um

Hinter der Fusion steht selbstverständlich, wie bei vielen Buchhandels-Entwicklungen der letzten zehn Jahre, niemand anderes als Amazon, für das Deutschland der zweitwichtigste Auslandsmarkt ist. Das Unternehmen betreibt zwar bisher keine eigenen Buchhandlungen auf deutschem Boden, bewegt sich aber umsatzmäßig — soweit man das überhaupt vergleichen kann — als Online-Buchhändler auf Augenhöhe mit dem neuen „Thalimayer“-Konstrukt. Da beide Fusionspartner auch Mitglied der Tolino-Allianz sind, haben sie wiederum ein starkes Bein im deutschen E-Book-Markt und können gemeinsam dem Kindle-Universum Paroli bieten.

Druck im Buchhandel erhöht sich

Ohnehin hatte sich Thalia nach der Übernahme durch Herder als „Botschafter für geistige Nahrung“ bereits neu aufgestellt und kräftige in neue Marketingkonzepte investiert – was viele als ein branchenweites Signal verstanden. Ob die nun verkündete Fusion allerdings dem traditionellen Buchhandel guttut, ist wiederum eine ganz andere Frage — denn Thalimayer konkurriert vor Ort natürlich auch mit den sonstigen Filialisten und unabhängigen Buchhandlungen, wenn auch nicht über den Buchpreis. Und so titelte die Wirtschaftwoche wohl zu recht: „Die Fusion von Thalia und Mayersche wird den Druck im Buchhandel weiter erhöhen“. Fortsetzung folgt. Schnappt sich Hugendubel jetzt Osiander? Oder kauft Amazon doch noch Weltbild? Selbst wenn sich manche Befürchtungen in punkto disruptiver Buch(handels-)Apokalypse nicht bewahrheitet haben: Die nächsten zehn Jahre dürften wohl für die Branche genauso spannend werden wie die letzten zehn Jahre.

Kurs auf 50% Marktanteil: Tolino-Allianz jetzt inklusive Mayerscher & Osiander

tolino-self-publishingDer E-Book-Markt in Deutschland wird zukünftig noch stärker von zwei Parteien beherrscht: Amazon und Tolino – wobei die vor zweieinhalb Jahren gestartete Buchhandels-Allianz ab 2016 endültig die Nase vorn haben dürfte. Denn nach langen Verhandlungen sind nun auch die regional verankerten Ketten Mayersche und Osiander mit an Bord.

Regional heißt in diesem Fall aber nicht marginal: Unter den Top Fünf der großen deutschen Buchhändler nehmen die beiden inhabergeführten „Indies“ vom Umsatz her betrachtet Platz vier und fünf direkt hinter Thalia, Weltbild und Hugendubel ein, ihr Anteil am Umsatz der Top 5 liegt knapp über 10 Prozent.

Der letzte Woche bekannt gegebene Deal gibt der Tolino-Allianz jetzt zum einen mehr Kawumm in der Fläche: das Netz der angeschlossenen Buchhandlungen mit Tolino-Reader-Verkauf & Beratung steigt auf mehr als 1.800 Filialen. Vor allem aber steigt erneut der Marktanteil der Gran-Tolino-Koalition im deutschen E-Book-Geschäft.

Und das bei einer recht guten Ausgangsbasis: Denn schon Ende 2014 lag der Marktanteil der Tolino-Allianz nach dem Einstieg von Libris Plattform ebook.de (gehört seit 2015 zu Hugendubel) der GfK zufolge bei 45 Prozent, ein paar Punkte vor Amazon. Mit der Mayerschen und Osiander an Bord könnte nun der Online-Riese hierzulande noch weiter abgehängt werden, ein Marktanteil von 50 Prozent für Tolino klingt realistisch.

Damit hat die Tolino-Allianz endgültig die strategische Wende geschafft, denn der Anfang wurde von zahlreichen Mißerfolgen überschattet: erste Verhandlungen mit den unabhängigen Buchhändlern waren krachend gescheitert, der Tolino-Store der Telekom machte kurz nach dem Start wieder dicht, dann zog der Bertelsmann-Club die Notbremse, dazu kam noch die Krise beim wichtigen Stützpfeiler Weltbild.

Doch spätestens wenn im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse die neue Generation der Tolino-Reader vorgestellt & der jüngste Deal mit den Indies abgefeiert wird, dürfte all das wohl endgültig der Vergangenheit angehören. Statt dessen kann sich die Tolino-Allianz jetzt darauf konzentrieren, die letzte Scharte im Konkurrenzkampf mit Amazon auszuwetzen: beim E-Reader-Marktanteil liegt Tolino man nämlich immer noch deutlich hinter dem Kindle.

(via Boersenblatt.net & Buchreport.de)

Post-Tolino-Syndrom: Auch Osiander setzt auf Pocketbook Touch Lux

Es tut sich was jenseits von Weltbild und Thalia: nachdem die Ausweitung der Tolino-Allianz auf den unabhängigen Buchandel krachend gescheitert ist, avanciert der Glowlightreader Pocketbook Touch Lux zur Indie-Alternative Nummer eins. Nach der Mayerschen – Deutschlands drittgrößter Kette – setzt nun auch die Osiandersche Buchhandlung auf eine gebrandete Version des 6-Zollers mit direktem Draht zum Osiander-E-Store & zu willkommenen E-Book-Provisionen. Das in Tübingen beheimatete Unternehmen mit knapp zwei Dutzend Filialen im süddeutschen Raum zählt laut Buchreport-Ranking zu den Top Ten der hiesigen Buchhändler, und konnte zuletzt gegen den Branchentrend leichte Zuwächse verzeichnen.

Einkauf im E-Store per Monatssrechnung

Zum Geheimnis des Erfolgs der 398 Jahre vor Amazon gegründeten Buchhandlung gehört seit jeher eine starke Serviceorientierung, und auch der Mut, dabei ganz eigene Wege zu gehen, wie etwa die umweltschonende Auslieferung von Büchern per Fahrradkurier in Städten wie Tübingen, Heilbronn oder Frankfurt am Main zeigt. Der Osiandersche E-Reader selbst unterscheidet sich technisch zunächst einmal aber nicht von den Modellen, die auch die Mayersche oder andere Indie-Buchhändler via Umbreit anbieten – vom Download im Osiander.mobile-Store bis zur automatischen Cloud-Synchronisation und dem Zugriff auf gekaufte Titel via unabhängige E-Lese-App (z.B. Bluefire) ist das Angebot identisch. Deswegen setzt Osiander beim Kaufvorgang selbst an, und bietet den Kauf auf Monatsrechnung im Bankeinzugsverfahren an. Das sei „in Deutschland derzeit einzigartig“, so die Pressemitteilung.

Auch andere Pocketbook-Modelle im Angebot

Mit 139 Euro müssen die Kunden allerdings auch bei Osiander für den Pocketbook Touch Lux etwas tiefer in die Tasche greifen als für vergleichbare Modelle von Amazon oder der Tolino-Allianz. Wer auf Glowlight verzichten kann, kommt aber alternativ auch günstiger weg: Neben dem Pocketbook Touch Lux hat Osiander auch preiswertere Pocketbook-Modelle im Portfolio, nämlich das Pocketbook Touch 622 (99 Euro, inklusive WLAN/Osiander.mobile-Store ) sowie das Pocketbook Basic 613 (ohne WLAN).

Abb.: Screenshot