Digital-Exzess: deutsche Uni-Bibs stecken bereits 64 Prozent ihres Erwerbungs-Etats in elektronische Medien

bibliothek-im-wandelFast zwei Drittel ihres Erwerbungsetats (64 Prozent) investieren deutsche Uni-Bibliotheken mittlerweile in elektronische Medien, Gedrucktes macht im Budget dagegen nur noch etwas als ein Drittel aus (36 Prozent). Das berichtet der Informationsdienst Library Essentials unter Berufung auf eine aktuelle Studie. Doch nicht nur durch diese quantitative Verschiebung an der Oberfläche kommt Print im Wissenschaftssektor unter Druck: denn für „Erwerb, Katalogisierung und Bereitstellung der teuren elektronischen Ressourcen [ist] im Mittel deutlich weniger Aufwand zu betreiben als für den (aufwändigen) Einzelerwerb von gedruckten Materialien“, so Libess-Herausgeber Rafael Ball im Editorial der aktuellen Ausgabe.

Digitale Verlags-Pakete minimieren den Aufwand

So ermögliche etwa der Bezug von kompletten Verlags-Paketen mit E-Books und/oder E-Zeitschriften, viel Geld für viele Inhalte mit minimalen Aufwand auszugeben. Mittlerweile zeige sich deswegen ein eklatantes Missverhältnis im Hinblick auf die Ressourcen, die für Beschaffung und Bereitstellung von Print-Medien aufgewendet werden müssten, ohne das man eine vergleichbare Informationsmenge dafür erhalte.

Was wird aus den gedruckten Beständen?

Durch Open-Access werde das Problem sogar noch verschlimmert — denn dadurch „entfällt der komplette Aufwand für Auswahl, Beschaffung und Vermittlung der nun freien digitalen Open-Access-Inhalte“, so Ball. Werden sich Bibliotheken und Personal bald „an den verbleibenden Printmedien festklammern, um daraus eine Restlegitimation abzuleiten“? Gute Frage…

(via pubiz.de & libess.de)

Abb.: wsilver/Flickr (cc-by-2.0)

Open Access als Pflicht, das geht nicht? Professoren-Klage landet vor dem BVG

open-access-konstanzIst Open Access grundgesetzwidrig, wenn es als verpflichtendes Prinzip gilt? Mit dieser Frage werden sich demnächst die Richter des Bundesverfassungsgerichts beschäftigen dürfen. Anlass ist eine sehr proaktive Auslegung des im Urheberrecht seit 2014 eingefügten „Zweitveröffentlichungsrechts“ bei wissenschaftlichen Texten durch die Uni Konstanz. Die Uni möchte ihre Mitarbeiter nämlich zwingen, Zeitschriftenbeiträge grundsätzlich ein Jahr nach Erstpublikation im uni-eigenen Digital-Portal „KOPS“ (Konstanzer Online-Publikations-System) frei zugänglich zu machen — vorausgesetzt, die dargestellten Forschungsergebnisse wurden mindestens zu 50 Prozent mit öffentlichen Mitteln finanziert.

Soll-Regelung im Landeshochschulgesetz

Rückendeckung gibt dabei auch das Hochschulgesetz des Landes Baden-Württemberg. Dort heißt es nämlich, die Hochschulen „sollen die Angehörigen ihres wissenschaftlichen Personals durch Satzung verpflichten, das Recht auf nichtkommerzielle Zweitveröffentlichung nach einer Frist von einem Jahr nach Erstveröffentlichung für wissenschaftliche Beiträge wahrzunehmen“, soweit diese Beiträge „im Rahmen der Dienstaufgaben“ enstanden seien.

Profs fürchten „Zwangsvergemeinschaftung“

Open Access als Zwang, das fanden viele Professoren nicht so lustig, und starteten eine Normenkontrollklage vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim. Ihr Argument: die uni-interne Regelung verletze die im Grundgesetz garantierte Freiheit der Wissenschaft (GG Artikel 5: „Forschung und Wissenschaft sind frei“). Sie kritisierten die „Zwangsvergemeinschaftung“ ihres geistigen Eigentum und sahen sich gegenüber anderen Standorten im Nachteil, falls Fachzeitschriften nun Aufsätze von Konstanzer Forschern nicht mehr veröffentlichen sollten. Die Mannheimer Richter entschieden nun, den Fall zur Prüfung nach Karlsruhe weiterzuleiten.

(via irights.info)

Knowledge Unlatched, oder: Open Access weltweit für Wissenschafts-Titel

knowledge-unlatchedKU muss nicht „Kindle Unlimited“ bedeuten, schon seit 2012 gibt’s in England die Kooperative „Knowledge Unlatched“ — sie will das Open-Access-Modell von Zeitschriften auf Bücher ausweiten. Das heißt: Bibliotheken finanzieren die Publikation ausgewählter E-Book-Titel aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften und erhalten dafür dann die Zugangsrechte. In diesem Jahr wird zum viertel Mal ein (diesmal 350 Titel zählendes) E-Book-Bündel geschnürt – und einer internationalen Biblotheken-Bieterrunde angeboten.

Direkt nach einem erfolgreichen „Pledge“ sind die Titel (bisher knap 500) nicht nur innerhalb der teilnehmenden Bibliotheken selbst, sondern auch weltweit für alle Menschen mit Internet-Zugang DRM-frei herunterladbar – siehe den Hathi Trust und die „Directory of Open Access Books“ (oapen.org). Über Geolocation-Daten lässt sich die Nutzung sehr genau verfolgen. Beispielsweise zeigt sich, dass nur etwa 15 Prozent der Downloads innerhalb von Bibliotheken stattfinden – die Rolle der Bücherspeicher bei der Wissensvermittlung geht also weit über die Mauern der Institutionen selbst hinaus.

Mehr als 1.000 mal wurde im Durchschnitt bisher auch jeder Titel via oapen.org downgeloadet. Eine interaktive Weltkarte auf knowledgeunlatched.org zeigt Zugriffe von Punta Arenas im südlichen Argentinien bis hin zu Nuuk in Grönland. Schwerpunkte sind neben der US-Westküste und Mitteleuropa auch in Brasilien, Indien, Indonesien, China, Japan und Australien zu erkennen. Das passt, lautet das Ziel von KU doch erklärtermaßen: „By building a sustainable market for Open Access books, readers in all markets, including the world’s poorest, can gain the widest possible access to high-quality scholarship.“

(via pubiz.de)

Streit um Open Access: Elsevier laufen die Redakteure davon

elsevier-streit-um-open-accessDer Streit um Open Access hat einen neuen Höhepunkt erreicht: dem weltgrößten Wissenschaftsverlag Elsevier ist auf einen Schlag die komplette Zeitschriften-Redaktion von „Lingua“ abhanden gekommen – insgesamt drei Dutzend Sprachwissenschaftler werden nun unter dem Titel „Glossa“ ein unabhängiges Open-Access-Journal gründen.

Der redaktionelle Exodus ist offenbar die Reaktion auf die Weigerung von Elsevier, in Zukunft sämtliche Online-Inhalte der Zeitschrift im Rahmen von Open Access kostenlos anzubieten. Die normalen Abo-Gebühren für wissenschaftliche Zeitschriften seien inzwischen so hoch, dass viele Universitäten sich die Kosten nicht mehr leisten könnten, kritisiert der bisherige Lingua-Herausgeber Johan Rooryck.

Das Problem dabei: Die Ergebnisse von mit öffentlichen Mitteln geförderter Forschung bleiben somit immer öfter für die wissenschaftliche Öffentlichkeit unsichtbar, und wo sie doch zugänglich sind, bescheren sie den großen Verlagen satte Renditen zu Lasten ohnehin knapper Bibliotheksbudgets. Elsevier etwa erreichte 2014 eine Gewinnspanne von 37 Prozent.

Der Verlag verteidigt sich trotzdem mit dem Argument, eine 100-prozentige Open Access-Strategie sei ökonomisch „nicht nachhaltig“, die Scientific Community hält kräftig dagegen: „What is ’sustainable‘ for Elsevier is unsustainable for universities“, so Martin Paul Eve (Open Library of Humanities).

Open Access Light: Fachzeitschrift „Nature“ bietet Nicht-Abonnenten Read-only-Zugang

„Nature“ ist nicht nur die weltweit am meisten zitierte naturwissenschaftliche Zeitschrift, das wöchentlich erscheinende Journal wird online innerhalb der Scientific Community auch besonders häufig geteilt. Bisher allerdings nur sehr inoffiziell: viele Subskribenten schickten Kollegen ganz einfach PDF-Downloads interessanter Artikel, ohne sich um die rigiden Lizenzbestimmungen zu kümmern. Gerade auch die Autoren selbst brachten ihre Artikel so in Umlauf, denn das sogennante „Self Archiving“, also das online stellen des Artikel-Manuskripts, ist erst sechs Monate nach Veröffentlichtung in Nature erlaubt.

Publisher kann Nutzung besser auswerten

Zukünftig wird Nature nun aber einen Open Access-ähnlichen Ansatz verfolgen, man darf per E-Mail, Facebook oder Twitter auf eine Read-Only-Version von Artikeln verlinken, die sich im Webbrowser vermittelt durch das Content Management System „ReadCube“ darstellen lässt, aber keinen Download der Inhalte erlaubt. Vorteil für Macmillan Publishing, den Verlag hinter Nature: die Nutzung der Artikel lässt sich nun leichter statistisch auswerten. Auch wer verlinkt hat, ist feststellbar, denn die mit der Community geteilten Links enthalten automatisch generierte Verweise auf den jeweiligen Abonnenten.

Auch News-Portale & Blogs dürfen verlinken

Für ausgewählte Nachrichten-Portale und Wissenschafts-Blogs wird der Verweis auf Nature-Veröffentlichungen ebenfalls deutlich erleichtert: wenn Nicht-Abonnenten auf einen Artikel-Link klicken, stranden sie ab jetzt nicht mehr an einer Paywall, sondern werden ebenfalls auf eine Read-Only-Version weitergeleitet. Registrierte Nutzer von ReadCube können sich eine E-Bibliothek interessanter Artikel anlegen und zudem Anmerkungen machen. Die gemäßigte Open-Access-Strategie von Nature wird zunächst einmal für ein Jahr getestet. Bei Erfolg könnte sie dafür sorgen, dass auch andere große Zeitschriften – etwa Science – ihre Veröffentlichtungs-Politik reformieren.

(via Sciencemag.org)

Abb.: Screenshot nature.com

[Aktuelles Stichwort] Open Access – goldener Weg zur Wissensgesellschaft?


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

Mit Open Access („offener Zugang“) wird der uneingeschränkte öffentliche Online-Zugang zu Forschungsergebnissen bezeichnet, die vor allem in Form von elektronischen Zeitschriftenartikeln, aber auch als als Abschlussarbeiten, Buchkapitel oder Monographien in digitaler Form vorliegen. Entsprechende Forderungen hat die sogenannte Open-Access-Bewegung bereits parallel zum Internet-Boom der 1990er Jahre erhoben. In der „Berliner Erklärung über offenen Zugang zum wissenschaftlichen Wissen“ haben sich im Jahr 2003 führende deutsche und internationale Forschungsorganisationen zu den Prinzipien von Open Access bekannt.

In der Praxis haben sich vor allem zwei Formen des Open Access etabliert: beim „goldenen Weg“ findet die Erstveröffentlichung in einem Open Acess-Medium mit Peer-Review statt, das online kostenlos zugänglich ist. Idealerweise werden die Inhalte dabei unter eine nicht-exklusive Lizenz wie etwa >>Creative Commons gestellt. Beim „Grünen Weg“ wird der wissenschaftliche Text parallel in einer konventionellen Zeitschrift veröffentlicht und vom Autor oder einer Bibliothek online unter Open-Access-Bedingungen zugänglich gemacht.

Open Access ist als digitale Antwort auf die „Zeitschriftenkrise“ im Bibliothekswesen gedacht – schrumpfende Anschaffungsetats standen einer steigenden Zahl von gedruckten Zeitschriften wie auch steigenden Abonnementsgebühren gegenüber. Die Digitalisierung bot die Chance einer Transformation des bisherigen Systems, das den Steuerzahler doppelt belastete: erst musste Forschung mit öffentlichen Mitteln finanziert werden, um die Ergebnisse über Bibliotheken zugänglich zu machen, floß dann erneut Geld an privatwirtschaftlich organisierte Wissenschaftsverlage.

Schätzungen zufolge publizierten im Jahr 2012 etwa ein Drittel aller wissenschaftlichen Zeitschriften mit Peer-Review unter Open Access-Bedinugngen. Zu den international erfolgreichsten Open-Access-Projekten gehört PLOS (für Public Library of Science), unter dessen Dach mittlerweile sieben elektronische Open Access-Zeitschriften erscheinen, darunter das renommierte PLOS Biology. Seit dem Start 2003 wurden via PLOS bereits mehr als 100.000 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht.

Weitere Informationen zu Open Access in Deutschland: open-access.net


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

„Abschreiben per Hand ist keine Lösung“: Open Access bleibt Utopie – doch die Wissenschaft braucht ein besseres Urheberrecht

urheberrecht-dritter-korb-e-book-e-journal-open-accessFreien Zugang zum Wissen fordert die Open Access-Bewegung, und hat gute Argumente. Denn Content im Wissenschaftsbetrieb wird zumeist mit öffentlichen Mitteln finanziert. Für die großen Verlage versprechen E-Journals und E-Books in Academia dagegen vor allem eins: Big Money. Höchste Zeit für die geplante Urheberrechtsreform für den Wissenschaftsbetrieb („Dritter Korb“) – denn an den Universitäten ist das elektronische Lesen längst zum Alltag geworden.

Digitaler Überfluss und künstliche Verknappung

Gerade in Prüfungszeiten ist Literatur in der Unibibliothek so knapp wie Tangas – zumindest gedruckte Bücher. Elektronische Kopien kann man dagegen in unbegrenzter Zahl zur Verfügung stellen, zumindest theoretisch. „Informationen können digital problemlos weitergegeben werden, in der Praxis wird das allerdings in den meisten Fällen unterbunden“, so Matthias Spielkamp vom irights.info-Projekt. Wie wenig Spielraum das deutsche Urheberrecht den Universitätsbibliotheken lässt, zeigt das Beispiel der TU Darmstadt. Dort hatten die Bibliothekare begehrte Standardwerke eingescannt. So etwa die „Einführung in die Neuere Geschichte“ des Historikers Winfried Schulze. An Terminals im Lesesaal konnten die Studenten dann den elektronischen Schulze lesen, und sich Ausdrucke machen oder Kopien auf USB-Sticks laden. Dabei berief man sich auf einen Paragrafen im Urheberrechtsgesetz, der es erlaubt, wissenschaftliche Werke „an elektronischen Leseplätzen zur Forschung und für private Studien zugänglich zu machen“.

Die Bibliothek als akademische Pirate-Bay?

Schulzes Verlag fand das nicht lustig. Wurde da die Uni-Bibliothek nicht zur akademischen Pirate-Bay? Die Sache ging vor Gericht, und endete mit einem salomonischen Urteil. Die Terminals seien grundsätzlich erlaubt, befanden die Richter, das Ausdrucken oder Downloaden jedoch nicht. Für Bibliotheksdirektor Hans-Georg Nolte-Fischer ist das kaum akzeptabel: „So macht wissenschaftliches Arbeiten keinen Sinn – dazu gehört schließlich, dass man die Ergebnisse schwarz auf weiß nach Hause tragen kann.“ Mangels technischer Möglichkeiten hätte man in Darmstadt per Hand vom Bildschirm abschreiben müssen. „Wir haben uns entschieden, das Angebot vorerst wieder abzuschalten“, so Nolte-Fischer.

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Alle warten auf den „Dritten Korb“

Genauer gesagt, bis zu einer Reform des Urheberrechts. Denn im Wissenschaftsbereich steht eine Anpassung deutscher Gesetze an eine 2001 erlassene EU-Richtlinie zu Copyright & Co an. Mit dem sogenannten „Ersten Korb“ regelte Rot-Grün 2003 die Online-Nutzung, digitalen Kopienversand oder das sogenannte „Digital Rights Management“. Schwarz-Rot schuf 2008 mit dem „Zweiten Korb“ Regelungen zu Downloads aus Internet-Tauschbörsen, und die Anpassung des Rechts auf Privatkopien. Nun darf sich mit dem „Dritten Korb“ Schwarz-Gelb in den Paragrafen des Urheberrechts verewigen – etwa mit verbesserten Regelungen für das wissenschaftliche Arbeiten im digitalen Zeitalter. Schon bisher profitierte die Alma Mater im „analogen“ Bereich von „Schrankenregelungen“. Sie erlauben es etwa, dass Bibliotheken Bücher ohne die Einwilligung des Verfassers verleihen dürfen. Einer „Schrankenregelung“ des Urheberrechts ist es auch zu verdanken, dass man private Papierkopien von Aufsätzen oder Teilen von Büchern herstellen darf.

“Das Geschäftsmodell im Wissenschaftsbetrieb ist anders“

In anderen Bereichen ist das Recht auf Privatkopien noch immer heiß umstritten – die Musikbranche bezichtigt notorische „Raubkopierer“ sogar als „Verbrecher“. Vor allem die Künstler selbst würden durch Verstöße gegen das Urheberrecht in ihrer Existenz bedroht. Ähnlich argumentieren jetzt offenbar die Wissenschaftsverlage. „Das Geschäftsmodell im Wissenschaftsbetrieb ist aber völlig anders“, widerspricht Matthias Spielkamp von irights.info solchen Vergleichen. „Es geht in den meisten Fällen für die Autoren nicht darum, über Content Geld zu verdienen. Die meisten Wissenschaftsautoren publizieren die Ergebnisse ihrer Arbeit im Rahmen einer staatlich finanzierten Forschungstätigkeit.“ Die Befürworter der „Open Access“-Strategie fordern deswegen einen freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen über das Internet. Um das zu ermöglichen, könnte man etwa Autoren das unabdingbare Recht zur Zweitverwertung zusprechen. Bisher sind Urheber gerade in den Naturwissenschaften in einer Zwickmühle. Wollen sie in namhaften Zeitschriften wie „Science“ oder „Nature“ veröffentlichen, müssen sie sämtliche Rechte abtreten. Veröffentlichen sie dagegen in freien elektronischen Zeitschriften, nimmt sie die Scientific Community nicht für voll.

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“E-Only“-Angebote werden in Bibliotheken zur Regel

Gelesen werden die meisten Artikel und Fachbücher mittlerweile ohnehin auf den Displays von Laptops oder PCs. Die Universitätsbibliothek der TU Darmstadt ist dafür ein gutes Beispiel: „Wir bieten etwa 15.000 elektronische Zeitschriften und mehr als 20.000 E-Books an“, so Hans-Georg Nolte-Fischer. In vielen Fällen sind die Angebote „e-only“, also gar nicht mehr auf Papier verfügbar. Wer online in Datenbanken, elektronischen Zeitschriften oder E-Books recherchieren will, stößt allerdings auf ein Sammelsurium unterschiedlichster Nutzungsbedingungen. Manche Medien darf man nur innerhalb der Bibliotheksräume nutzen, andere sind über eine „Campus-Lizenz“ verfügbar, Ausdrucke oder Downloads sind mal erlaubt, mal verboten. Die Verlage dürften sich mit einer engen Auslegung des Urheberrechts jedoch ins eigene Fleisch schneiden – denn die befürchtete „Kannibalisierung“ der Gutenberg-Galaxis zugunsten elektronischer Formate bleibt offenbar aus. Das gilt nicht nur für Online-Buchhändler wie Amazon, sondern auch für deutsche Bibliotheken: „Nicht nur die elektronische Nutzung von Inhalten nimmt stark zu. Wir konnten in den letzten Jahren auch eine Verdopplung der Buchausleihen verzeichnen“, so Nolte-Fischer.

Autor&Copyright: Ansgar Warner
Fotos: Sven Werk

(Eine leicht gekürzte Fassung dieses Artikels ist in der taz vom 25.09.2010 erschienen)