Modular macht Schule: XO Infinity – Baustein für Baustein vom Tablet zum Laptop

XO-Infinity-modulares-Laptop-KonzeptMobil wie eine klassische Schiefertafel, technisch so mächtig wie ein moderner PC – die „One Laptop per Child“-Initiative hatte schon bisher, anders als der Name es vermuten lässt, ein ebenso robustes wie vielseitiges Tablet für den Schulgebrauch am Start. Mit dem „XO Infinity“ könnte nun ein modular aufgebautes Gerät hinzukommen, das eher in die Kategorie „sowohl als auch“ fällt: es lässt sich nach und nach vom Tablet zum vollwertigen Laptop erweitern, etwa durch das Hinzufügen einer Tastatur, einer WiFi-Schnittstelle oder durch das einfache Aufrüsten der CPU. Die einzelnen „Bausteine“ soll angeblich auch ein vierjähriges Kindergarten-Kind wie Legosteine zusammensetzen können.

Lernen, die Dinge selbst zusammenzusetzen

Der Impuls zur Modularisierung des OLPC-Konzepts kommt von „One Education“, dem australischen Ableger des ursprünglich von M.I.T.-Prof Nicholas Negroponte angestoßenen Projekts. „Wir möchten den Kindern beibringen, dass sie nicht nur einfache Konsumenten sind, sondern dass sie tatsächlich selbst die Dinge zusammensetzen können“, so Infinity-Projektleiter Rangan Srikhanta gegenüber dem „Sydney Morning Herald“. Ähnliches plant Google unter dem Namen „Ara“ für das Smartphone der Zukunft, und auch beim XO Infinity geht es nicht nur um individuell konfigurierbare Hardware, sondern ebenso um die Umweltbilanz: „Alle Geräte die man auf dem Markt sieht, gerade Tablets, sind fest zusammengeklebt“, so Srikhanta. „Fällt ein Teil aus oder soll ausgewechselt werden, wirf man normalerweise das ganze Gerät weg und kauft ein Neues.“

E-Ink-Variante für das Display?

Spannend aus Sicht des elektronischen Lesens ist beim modularen Aufbau natürlich auch die Möglichkeit, aus verschiedenen Display-Varianten zu wählen, nicht nur was die Auflösung, sondern auch die Display-Technik betrifft. Schon das Laptop XO-4 hatte Dual-Screen-Eigenschaften, im reflexiven Schwarz-Weiß-Modus ließ es sich auch problemlos bei Sonnenlicht benutzen. Auch für das XO Infinity sind wieder verschiedene Displays geplant, denkbar scheint in diesem Rahmen eine E-Ink-Variante, zur Verfügung gestellt von einem Drittanbieter.

Geräte-Lebensdauer von zehn Jahren

Abgesehen davon verlängert ein einfach austauschbares Display natürlich die Lebensdauer des gesamten Gerätes. Das XO Infinity soll Schüler während ihrer gesamten Primarschulzeit begleiten, es ist auf eine Gerätelebenszeit von zehn Jahren ausgelegt, gegenüber vier Jahren beim XO-Laptop. Flexibel wird das XO Infinity auch beim Betriebssystem sein, von Windows über Android oder Sugar bis zu Linux soll alles möglich sein. Das aktuelle OLPC-Laptop X0-4 wird derzeit nicht mehr weiterentwickelt, das neue Baustein-Konzept von „One Education“ wird demnächst u.a. mit Anschubhilfe durch eine Crowdfunding-Kampagne in die heiße Phase gehen.

Neues 100-Dollar-Tablet XO-3 soll Schulbücher & Laptops ersetzen

Es ist ein später Triumph der One-Laptop-per-Child-Foundation: mit dem X0-3 präsentiert die gemeinnützige Organisation auf der CES in Las Vegas ein ebenso vielseitiges wie preisgünstiges Tablet für den Bildungssektor, das vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern zum Einsatz kommen soll. Ausgestattet wird das X0-3 mit 1 Gigahertz Marvell-Prozessor, 8-Zoll-Touch-Screen-Display, 512 MB Speicher sowie Front- und Rückseitenkamera. Als grafische Benutzeroberfläche dient Android oder das auf Linux basierte Sugar. In Gegenden ohne Stromversorgung hilft eine spezielle Kurbel für die notwendige Energie – eine Minute Muskeleinsatz soll für zehn Minuten Betrieb reichen. Außerdem gibt es ein Solar-Panel, das zugleich als Cover genutzt werden kann.

Erstes OLPC-Gerät, das wirklich nur 100 Dollar kostet

OLPC-Gründer Nicholas Negroponte hat mit dem X0-3 endlich sein selbst gesetztes Ziel erreicht – nun existiert also tatsächlich ein alltagstaugliches Lese- und Arbeitsgerät für Schulkinder zum Preis von 100 Dollar. Mehr als eine Million Exemplare des Vorgängermodells OLPC-1 kamen zwar seit 2008 in zahlreichen Ländern zum Einsatz, die 100-Dollar-Grenze wurde dabei jedoch deutlich verfehlt. Schon lange vor dem iPad-Start hatte sich OLPC dann vom Laptop-Konzept verabschiedet. Zwischenzeitlich war ein Dual-Touch-Screen-Modell geplant, das sich hochkant wie ein Buch benutzen liess, aber via virtueller Tastatur auch in ein klassisches Laptop verwandelt werden konnte. Eine ähnliche Konzeptstudie von Microsoft („Courier“) führte dann zum vorläufigen Aus – und zum Kurswechsel in Richtung Tablet. Charakteristisch für das XO-1-Laptop waren neben dem grün-weißen Gehäuse die ausklappbaren WLAN-Antennen-Ohren. Bei den Konzeptstudien des OLPC-Tablet war die Antenne in einer stylischen Plastikschlaufe versteckt, die auch zum Tragen des Gerätes benutzt werden konnte.

De-Luxe-Variante sogar mit Pixel Qi-Display

Die ersten Bilder aus dem Vorfeld der CES zeigen dagegen ein ingesamt kompakteres Gerät. Neben der 100-Dollar-Variante mit normalem TFT-Display soll es auch ein X0-3 mit konstrastreichen, aber stromsparendem Pixel-Qi-Display geben, das besonders für den Gebrauch bei Tageslicht geeignet ist. Allerdings nur gegen Aufpreis. Der Stromverbrauch des Tablets wurde im Vergleich zur Laptop-Version ingesamt von 4 Watt auf 2 Watt gesenkt. Beim Endkunden in Europa oder den USA wird das XO-3-Tablet vorerst wohl nicht ankommen. Doch gab es bereits beim XO-1 ein spezielles Bonusprogramm namens „Give 1 Get 1“, bei dem man etwa über Amazon zum Preis von 399 Dollar ein Gerät spendete und das andere selbst erhielt. Knapp 100.000 Menschen nahmen daran teil. Neben klassischem Fundraising könnte die OLPC-Stiftung auch diesmal auf ein solches Incentive setzen.

(via netbooknews & theverge)

Schicker als das Apple-Tablet: FuseProject’s neue Designstudie für das 100-Dollar-Laptop

e-reader olpc xo-3 negroponte design laptop child 100 Dollar.jpgEs klingt wie ein Weihnachtsmärchen: die neue Design-Studie XO-3 des One-Laptop-per-Child-Projekts (OLPC) zeigt ein Gadget, das selbst ein Apple-Tablet in den Schatten stellt. Nur halb so dick wie ein iPhone, ein Touch-Screen-Display mit 8,5 mal 11-Zoll-Größe, keine Knöpfe oder Tasten mehr. Designer Yves Behar: „Wichtigstes optisches Element ist der mediale Content“. Ein echter Hingucker ist auch der anvisierte Preis: 75 Dollar.

Das 100-Dollar-Laptop gibt’s schon – es kostet aber leider 172 Dollar


Es gibt Träume, die werden wahr. Es gibt aber auch welche, die Träume bleiben. Nicholas Negroponte ist ein Profi in beiden Gebieten. Einerseits hat der Schöpfer des 100-Dollar-Laptop-Projekts einen Riesenerfolg gehabt: mittlerweile sind mehr als eine Million seiner speziell auf die Bedürfnisse von Schulkindern in Entwicklungsländern zugeschnittenen Mini-Computer im Umlauf. In Uruguay etwa ist jeder ABC-Schütze zwischen 6 und 12 Jahren mit dem pädagogischen High-Tech-Gadget ausgestattet. Ein echtes Hundert-Dollar-Laptop ist es aber nicht geworden – der aktuelle Preis ist mit 172 Dollar immer noch fast doppelt so hoch wie ursprünglich mal geplant. Und selbst 100 Dollar sind für die Menschen in ärmeren Ländern ein Batzen Geld. Eigentlich sollte im nächsten Jahr ein Nachfolge-Modell auf den Markt kommen, das XO-2, ein reines Touchscreen-Modell, bei dem das Tastenfeld durch einen zweites Display ersetzt worden war. Kurz nachdem Microsoft vor wenigen Wochen das Courier-Tablet präsentierte – Überraschung: mit zwei Touchscreen-Displays – wurde das XO-2 sang und klanglos begraben.

Das XO-3 sollte nicht wie ein Buch aussehen, sondern „more like a sheet of paper“

one laptop per child e-book e-reader xo-3.jpgManche munkelten, dass der wirkliche Grund die hohen Produktionskosten waren. Für Negroponte zählte offiziell jedoch etwas ganz anderes: er wollte mit dem neuen OLPC-Gadget wieder mal zum Trendsetter der Branche werden. Immerhin kann er sich ja ans Revers heften, mit seinem 100-Dollar-Laptop der Netbook-Revolution den Weg bereitet zu haben. Für das XO-3 setzte man sich also ein neues, ambitionierteres Ziel: es sollte nicht mehr wie ein Buch, sondern „more like a sheet of paper“ aussehen. Negroponte versprach folgende Specs: „Komplett aus Plastik, unzerbrechlich, wasserdicht, 1/4 Zoll dick, mit Farbe, reflektivem und transmissivem Display, keine überflüssigen Halterungen oder Öffnungen“. Nicht zu vergessen: ein Killer-Preis von 75 Dollar, Energieverbrauch von nur einem Watt, und Serienreife bis 2012. Die nun vom Forbes Magazin exklusiv präsentierten Bilder sind tatsächlich atemberaubend. „Ich wollte das Wesen des OLPC in neuer Form zum Leben erwecken“, so der FuseProject-Designer Yves Behar, der auch schon das XO-1 entworfen hatte. „Dazu musste ich die optische Komplexität gegen etwas anderes eintauschen, nämlich Taktilität und Nutzerfreundlichkeit, Touch-Funktionalität und Farbe“. Tatsächlich scheint das Gerät eine völlig neue Nutzererfahrung zu bieten – die Maschine selbst verschwindet vor den Augen, nur noch der Bildschirm ist übriggeblieben. „It’s sci-fi tech come real“, begeisterte man sich bereits beim Techie-Blog FastCompany.

Das OLPC-Projekt ist auch ein One-E-Reader-per-Child-Projekt

Das einzige, was den Minimalismus des Gerätes unterbricht, ist eine kleine Schlaufe an einer der Ecken. Mit dem gummierten Metallbändchen soll man das XO-3 quasi am Finger tragen können. WiFi-Fähigkeit versteht sich natürlich von selbst bei diesem Projekt, aber überraschenderweise soll auch der Strom drahtlos gezapft werden – Negroponte plant offenbar die Aufladung der Akkus per Induktionsschleife. Für das Display ist die stromsparende LCD-Technik vom PixelQi im Gespräch – und könnte damit sowohl kontrastreiche E-Paper-Qualitäten bieten wie auch hochauflösende Video-Darstellung. Wie man bei Forbes ganz richtig feststellt, ist das OLPC insofern zugleich auch ein One-E-Reader-per-Child-Projekt. Bei all diese Specs und dem niedrigen Preis denkt man vielleicht eher an ein Weihnachtsmärchen. Doch man darf Negroponte auch nicht unterschätzen -es geht ihm nur um die Realisierung, nicht um das große Geschäft. Die Designstudie soll offenbar einen ähnlichen Effekt erzielen wie die Crunchpad-Kampagne von TechCrunch-Gründer Michael Arrington. Vom „Let’s build it“-Aufruf bis zum ersten Prototypen verging in diesem Fall nur ein knappes Jahr. Arrington wurde allerdings von seinem Geschäftspartner FusionGarage am Ende ausgebootet – das minimalistische Surf-Tablet kommt nun unter dem Namen JooJoo heraus. Bei Negroponte ist der Ideenklau schon jetzt Teil der Strategie – sein wichtigstes Ziel ist ganz einfach, das möglichst bald möglichst viele XO-3s produziert werden – egal von wem: „Wir müssen es nicht unbedingt selbst bauen“, so der OLPC-Erfinder gegenüber Forbes, „Wir müssen nur androhen, es zu tun!“

E-Reader im Schul-Einsatz: Gute Idee, aber bitte mit Touch-Screen!

E-Reader-in-der-Schule_Gute Idee aber bitte kein Kindle.gifAmazon macht gute Lobby-Arbeit. Mittlerweile wird in den USA diskutiert, alle Schüler mit einem E-Reader auszurüsten. Natürlich mit mit einem Kindle-E-Reader. Das Democratic Leadership Council fordert nun, unter dem Motto „A Kindle in Every Backpack“ einen Testlauf mit rund 400.000 Schülern durchzuführen. E-Books für die Schule: eine gute Idee. Doch ist der Kindle-Reader dafür geeignet? Technisch ist das Gerät veraltet: längst gibt es Alternativen wie etwa den iRex 1000s, mit denen sich Dokumente auch bearbeiten lassen. Apropos Touch-Screen: das One-Laptop-per-Child-Projekt hat mit dem OLPC XO2 für 2010 ein Gerät mit Dual-Touchscreen angekündigt — gehört die Zukunft vieleicht der Kombination von Laptop und E-Reader?

Die nächste Generation der E-Reader erlaubt das Bearbeiten und Kommentieren von Dokumenten

E-Ink-Displays können bisher nur eins: Texte und — mit Einschränkungen — Bilder schwarz auf weiß darstellen. Die nächste Generation der E-Reader wartet mit einigen technischen Neuerungen auf: schnellerer Seitenaufbau, Farb-Displays und vor allem: Touch-Screens. Das ermöglicht eine wichtige Ergänzung: Informationen auf dem Display lassen sich damit direkt bearbeiten und kommentieren. Im Fall des iRex 1000s etwa wird dazu ein spezieller Stift eingesetzt, der auf dem Display schreiben kann. Die Technik stammt von Wacom, einem Anbieter, der sich auf Stifttabletts spezialisiert hat.

Der perfekte E-Reader für die Schule ist so etwas wie die „Schiefertafel 2.0“

In der Praxis sieht der E-Reader der Zukunft ein wenig aus wie die Schiefertafel 2.0. Der iRex-Hersteller hat dank der Stift-Tablett-Funktion bereits einige Erfolge in Nischenmärkten erzielt: so benutzen viele Piloten den E-Reader als „Electronic Flight Bag“. Sie haben also damit etwa Kartenmaterial und technische Instruktionen immer zur Hand. Nun visiert iRex mit seinen Geräten — die über 10-Zoll-Displays mit 16 Graustufen verfügen — auch den E-Newspaper- und Schulbuchmarkt an. Das einzige Manko der neuen Geräte liegt bisher auf der Software-Seite: offene Standards wie epub werden noch nicht unterstützt.

Aber mal ganz unter uns: Braucht man in der Schule nicht doch eher voll funktionsfähige Laptops?

Ein anderes Gerät hat sich in den Schulen der westlichen Welt bereits seit Jahren etabliert: das normale Laptop. Schulbücher im PDF-Format kann man natürlich so auch sehr gut lesen und gleichzeitig produktiv tätig sein. Gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass E-Reader und Laptop in wenigen Jahren zu einem Gerät verschmelzen. Das zeigt ein Blick auf das für 2010 angekündigte OLPC XO-2 (siehe Foto), die zweite Generation des „100-Dollar-Laptops“ für Entwickklungsländer. Dabei handelt es sich nämlich um ein Dual-Touchscreen-Modell: Die beiden Screens werden in diversen Modi verwendbar sein. Horizontal ergibt sich ein normaler Laptop, der per Touchscreen-Tastatur bedient wird. Vertikal nebeneinander könnten zwei Seiten wie in einem Buch dargestellt werden, und flach aufgeklappt dient das Dual-Touch-Display als großes Tablet, z.B. um Landkarten darzustellen. Das neue Gerät soll übrigens nur 75 Dollar kosten: Wäre doch auch für die „Erste Welt“ was…