German Hacker-Angst vs. NFC: An der Kasse bleibt das Smartphone meist noch in der Tasche

nfc-logo„Das Smartphone ist dank der NFC-Technologie ideal geeignet, um bargeldlos zu bezahlen“, lobt Bitkom-Präsident Achim Berg. Und liefert im nächsten Halbsatz gleich einen Grund frei Haus, warum die Deutschen trotzdem nicht mehrheitlich ihr Mobilgerät am Point of Sale zücken: „Ebenso wie beim kontaktlosen Bezahlen mit Kreditkarte lässt sich der Rechnungsbetrag in Sekundenschnelle begleichen“ — ay, there’s the rub! Denn das laut einer aktuellen Bitkom-Studie drei von fünf Smartphone-Nutzern im Laden nie mit ihrem Telefon zahlen, hat sehr viel damit zu tun, dass man längst auch mit Kredit- und Debitkarten berührungslos zahlen kann.

„Deutsche beim Geld traditionell konservativ“

Allerdings ist das in anderen Ländern natürlich auch so, und trotzdem gibt es zum Beispiel in Skandinavien eine weitaus größere Akzeptanz für das Bezahlen per Smartphone an der Ladenkasse. Die Deutschen haben offenbar — anders als beim Online-Einkauf — psychologische Hemmungen, den ubiquitären Begleiter auch als Portemonnaie zu benutzen: Tatsächlich geben fast zwei Drittel „Sicherheitsbedenken“ an, sie befürchten, „Hacker könnten auf diese Weise auf ihr Konto zugreifen“. Dagegen schiebet nur etwa ein Drittel technische Gründe vor — das Bezahlen mit dem Smartphone „dauere zu lange“.

„Wenn es um Geld geht, sind die Kunden in Deutschland traditionell sehr vorsichtig und eher konservativ eingestellt“, kommentiert Berg das Phänomen. Zugleich bleibt er optimistisch, was die Smartphonisierung der stationären Einkaufswelt betrifft: Man erlebe derzeit, wie sich die Finanz- und Bankenlandschaft grundlegend verändere — und das werde auch die Art und Weise beeinflussen, wie wir im Geschäft bezahlen.

Vertrauen in Internet-Konzerne wächst

Sprich: es drängen nicht nur große Internet-Konzerne auf den Markt für Bezahldienstleistungen, sondern auch zahlreiche „Fintech“-Startups. Und interessanterweise wären bereits vier von zehn Bundesbürgern bereit, ihre Bankgeschäfte via Apple, Google oder Amazon zu tätigen. Das könnte in Zukunft noch lustig werden, so à la „Kommt ein Kunde in die Buchhandlung und fragt: Kann ich auch mit Amazon Pay zahlen?“

Nook erhält NFC-Chip: Barnes&Noble-Kunden bezahlen in der Buchhandlung bald via E-Reader

Gedruckte Bücher in der Buchhandlung mit dem E-Reader oder Lese-Tablet bezahlen? Für Barnes&Noble-Kunden könnte das bald zum Alltag gehören. „Wir werden NFC-Chips in unsere Nooks einbauen“, kündigte B&N-Chef William Lynch gerade in einem Interview mit Fortune an. Die Near-Field-Communication ermöglicht das berührungslose Übertragen von Daten im Nahbereich, und gilt allgemein als Königsweg für das elektronische Bezahlen mit Mobilgeräten. Mit der Integration von NFC wäre die größte US-Buchhandelskette erneut dem Hauptkonkurrenten Amazon um eine Nasenlänge voraus. Erst vor wenigen Wochen hatte Barnes&Noble den Nook Simple Touch neu aufgelegt – dank GlowLight-Feature eignet sich das Gerät nun auch zur Lektüre im Dunkeln.

„Wir werden auch Bücher mit NFC-Chips ausstatten“

Mit den NFC-Chips lassen sich zugleich auch Verbraucherinformationen auf physischen Produkten platzieren, also etwa Büchern: „In Zusammenarbeit mit Verlagen können wir es so einrichten, dass Hardcover-Bücher ebenfalls einen NFC-Chip enthalten, der alle Buchbesprechungen unseres Web-Portals BN.com enthält. Hat man dann den Nook-Reader dabei, kann man somit alle wichtigen Informationen über ein Buch direkt auf dem Nook lesen und den Titel nahtlos bezahlen.“ Einen vergleichbaren Ansatz brachte bereits der in Deutschland von Libri vertriebene Acer LumiRead mit. Mit einer kleinen Kamera auf der Rückseite konnte man ISBN-Strichcodes auf Buchcovern einscannen und online nach Produktdaten suchen. Genauso wie das Einscannen von QR-Codes sind solche Verfahren aber langsamer und fehleranfälliger als der Datenaustausch via NFC.

Innovationsschub durch Kooperation mit Microsoft

Die Attraktivität von Barnes&Noble-Filialen dürfte das neue Feature noch einmal deutlich erhöhen – schon bisher konnten Nook-Besitzer dort via WLAN kostenlos in E-Books hineinschmökern. Als Zielgruppe für Papiermedien sind die E-Leser alleine schon deshalb interessant, weil sie durchaus auch an gedruckter Lektüre interessiert sind: „Wie haben die Erfahrung gemacht, dass Nook-Käufer insgesamt mehr Bücher kaufen. Ihre Kaufkraft verschiebt sich zwar in Richtung E-Books, doch sie kaufen eben auch noch gedruckte Bücher“, so Lynch gegenüber Fortune. Hintergrund des aktuellen Innovationsschubs ist die gerade bekanntgegebene Allianz zwischen B&N und Microsoft, die 300 Millionen Dollar in die Kassen der finanziell klammen Buchhandelskette spült. Neben einer Nook-App für Windows 8 könnte das Zusammengehen von Buchmachern und Software-Schmiede bald Self-Publishing-Autoren sogar die Möglichkeit eröffnen, Office-Dokumente direkt im Nook Book-Store zu veröffentlichen.

Abb.: Barnes&Noble