„At first, kill the press“: New York Times bald nur noch sonntags in Papierform?

nyt-app-nowÜber die in den USA beliebte Quartalszahlen-Vergleicheritis mag man denken, was man will, im Fall der NYT bestätigen die aktuell vorliegenden Ergebnisse letztlich nur den allgemeinen Trend: und der geht – in Sachen Print & Anzeigengeschäft – deutlich nach unten. Die Kehrseite der digitalen Erfolgsstory – mehr als 2 Mio. Digital-Only-Subskribenten – ist nämlich die kontinuierliche Aushöhlung des traditionellen Papier-Standbeins. Auflagenzahlen wie auch die mit den werktäglichen Ausgaben realisierten Anzeigenerlöse schmelzen dahin wie westantarktische Gletscher.

Zeitungskrise ist „nur“ eine Print-Krise?

An wohlfeilen Ratschläge herrscht kein Mangel, besonders weitgehende Tipps verteilte jetzt Journalismus-Experte Frédéric Filloux in seinen populären „Monday Notes“ (sozusagen die „Fuchsbriefe“ der US-Tech-Branche): stellt die Druckerpresse ab, bis auf die Sonntagsausgabe, und konzentriert euch auf die digitale Expansion außerhalb der USA.

Wahnsinn oder Methode? Nun ja. Fünfzig Prozent der Print-Umsätze, so schätzt Filloux, würden ohnehin am Wochenende gemacht. Und überhaupt: Wenn man schwarze Zahlen nur schreiben könne durch regelmäßige Abopreiserhöhungen, sei das ein eindeutiges Indiz für ein sterbendes Geschäftsmodell.

Internationale Digi-Expansion als Cash-Cow

Die eigentliche Cash-Cow, so Filloux, sei dagegen noch gar nicht so richtig gemolken worden: nur 14 Prozent der 2 Millionen Digital-Only-Abonnenten kämen aus dem internationalen Ausland, und das Wachstum betrug hier zuletzt 80 Prozent. Weiter so auf diesem Wege, empfiehlt Filloux, denn dieser Bereich werde auch zunehmend interessanter für Werbetreibende.

Gibt’s in Zukunft also nur noch die NYT am Sonntag, als edel gestaltetes Upmarketing-Produkt, und ansonsten nur Bits und Bytes? Und vor allem: wie nah ist diese Zukunft? Ganz so nah wohl doch nicht, das gibt selbst Filloux zu. Denn die Print-Kultur in den Köpfen der Blattmacher sei einfach noch zu stark.

„Trump Bump“ treibt Digitalerlöse der NYT: 275.000 neue Digi-Abos in drei Monaten

nyt-profitiert-vom-trump-bumpErfolgreich sein heißt ja nicht, dass man schon das Optimum erreicht hätte: zehn Millionen Digital-Abonnenten hat sich die New York Times als Ziel gesetzt, um endgültig vom Print-Geschäft unabhängig zu werden. Klingt total unrealistisch? Nun ja: Die erste Million wurde bereits vor zwei Jahren erreicht. Und schwupps, jetzt sind es schon 1,6 Millionen Digital-Only-Subskribenten. Schuld ist vor allem der „Trump Bump“ seit dem Herbst 2016, also der heißen Phase des US-Wahlkampfs. Im vierten Quartal kamen dem aktuellen Geschäftsbericht zufolge 275.000 neue Digi-Leser hinzu. Im Jahr 2016 ingesamt mehr als 500.000 neue Abonnenten.

„Real journalism. Like nowhere else.“

Zahlen, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss, denn das sind mehr Digital-Leser, als viele andere große Tageszeitungen überhaupt bisher erreichen konnten. Im Zeitalter von „Fake News“ und „Alternative Facts“ — siehe „Bowling Green Massacre“ — hat seriöse Berichterstattung in den USA offenbar deutlich an Mehrwert gewonnen, und viele Leser vertrauen am Ende des Tages vor allem dem Traditionsblatt am East River. Die Onlineausgabe wirbt mittlerweile auch explizit mit ihrem Image: „Real journalism. Like nowhere else“ heißt es zum Beispiel derzeit auf der Titelseite der Online-Ausgabe.

Digital-Boom gleicht Printverluste zum Teil aus

Das Pringeschäft der NYT dagegen ist immer noch mächtig auf Talfahrt, im letzten Jahr gingen die Anzeigenerlöse mit der gedruckten Ausgabe dem Unternehmen zufolge um 16 Prozent zurück. Das konnte auch durch das starke Wachstum im Digital-Bereich nur zum Teil ausgeglichen werden — insgesamt knickten die Werbeeinnahmen im letzten Jahr um 9 Prozent ein. Ein internes Memo (der „2020 Report“) forderte jetzt schon Umstrukturierungen im Redaktionsbereich, insbesondere die noch stärkere Fokussierung auf die digitalen Ausgaben.

(via Meedia)

Nur keine Sentimentalitäten: New York Times wirft Comic-Bestsellerlisten raus

nyt-wirft-comic-bestseller-liste-rausMan denkt ja immer, Comics seien längst Kulturgut, voll akzeptiert und arriviert, erst recht überm großen Teich, egal ob als E-Comic oder gedruckt, egal ob „Graphic Novel“ oder populäre Serie. Bester Beweis — bisher, leider ab Februar nicht mehr — die New York Times. Im Jahr 2009 hatte das Blatt nämlich Comic-Bestseller-Listen eingeführt, parallel zum Kinostart von „Watchmen“, und mit dem Ritterschlag-Argument: „Comics have finally joined the mainstream“.

„Experiment fand keinen Anklang bei Lesern“

Neben mehr als einem Dutzend diverser Bestseller-Listen für Sachbücher und Belletristik gab es seitdem drei Comic-Rankings: Hardcover Graphic Novels, Softcover Graphic Novels, sowie Mangas. Ab Februar 2017 ist damit aber schon wieder Schluss — die Graue Lady baut ihre Ressorts und Bericht-Strukturen um, und dabei hat’s u.a. auch die Comics erwischt.

Laut NYT sei das ohnehin nur ein „Experiment“ gewesen, und die Comic-Rankings hätten „keine große Zahl von Lesern erreicht bzw. keinen großen Anklang gefunden“. Eine weitergehende Begründung blieb aus — es werden im Netz aber eine Menge Vermutungen herumgereicht. Darunter das Problem, überhaupt repräsentative Verkaufszahlen aus der oft noch sehr subkulturellen und versprengten Comic-Szene zu sammeln.

Repräsentative Zahlen für Comics Mangelware

„Es gibt keine öffentlich zugänglichen Zahlen, der Superstore comiXology ist intransparent, und der wichtigste Datensammler Comichron zählt nur die Lieferungen an Comic-Shops, nicht die Verkäufe“, fasst etwa Vulture zusammen.
Das wiederum dürfte es für Comics auch schwieriger machen, in die generellen Bestseller-Listen zu gelangen, in denen sie nach Auskunft der NYT prinzipiell durchaus auftauchen können, entsprechende Verkaufszahlen vorausgesetzt.

Fokus auf alternativen Mainstream

Davon mal ganz abgesehen wollen natürlich nicht alle Leser immer nur die üblichen Superhelden vorgesetzt bekommen — genau hier wirkte die Besten-Auslese der NYT als Korrektiv, so Vulture: „Branchenbeobachter haben schon seit längerem darauf hingewiesen, dass die Bestseller-Listen der Times typischerweise nicht von Superheroes, sondern von Young Adult-Titeln dominiert wurden, insbesondere mit weiblichen Protagonisten aus der Feder von „Ghosts“-Erfinderin Raina Telgemeier“. Die Perspektive auf den alternativen Mainstream im Comic-Sektor droht nun aus dem Fokus zu geraten…

(via Vulture.com & Comicsbeat.com)

Pappe for the People: NYT verteilt 1 Mio. VR-Brillen an Print-Abonnenten

nyt-verteilt-google-cardboard-brille-an-print-abonnentenWas hat virtuelle Realität mit Zellstoff zu tun? Eine ganze Menge: mehr als 1 Mio. Abonnenten der gedruckten New York Times (NYT) erhalten bald per Post eine Google-Brille mit Pappe-Fassung. Der als „Google Cardboard“ vermarktete VR-Adapter ergibt kombiniert mit iPhone oder Android-Phone eine Art Oculus Rift für Arme – dieser 360-Grad-Rundum-Blick ist notwendig, um die vom New York Times Magazin produzierte 3D-Reportage „The Displaced“ anschauen zu können, die Anfang November an den Start geht. Passend zur allgegenwärtigen Refugee-Krise wird darin das Schicksal von drei Flüchtlings-Kindern aus Syrien, Süd Sudan und der Ukraine dargestellt.

Rundumblick soll Empathie erzeugen

„Im Kontext internationaler Berichterstattung hat das großes Potential“, kommentiert NYT-Magazin-Herausgeber Jake Silverstein, „denn dabei geht es ja darum, unseren Lesern Nachrichten und Geschichten von fernen, unzugänglichen Orten nahezubringen“. Mit der immersiven Video-Technik könne man das Publikum nun mitten ins Geschehen stellen und auf neue Weise Empathie mit Themen und Personen erzeugen.

Um den in Zusammenarbeit mit dem VR-Startup Vrse produzierten 360-Grad-Streifen auch wirklich im Panorama-Modus anschauen zu können, müssen die bebrillten Leser auf ihrem Smartphone zuvor noch eine spezielle VR-App der NYT installieren, die parallel zum Filmstart online geht. Eine 2D-Version von „The Displaced“ wird aber ebenfalls via NYT-Homepage und Youtube veröffentlicht.

Vertriebsnetz der NYT als VR-Booster

Schon bisher kooperiert die altehrwürdige NYT nicht nur mit Google, sondern auch mit Facebook, Twitter & Co. – zumindest um Online-Inhalte auf optimale Weise zu den Lesern zu bringen. Doch so hybrid wie jetzt war bisher wohl kein Projekt: „Die große Ironie dabei ist: um mehr als einer Millionen Menschen die neueste Storytelling-Technologie zu liefern, werden hier eine 164 Jahre alte Print-Zeitung und ihr immer noch beeindruckendes Vertriebsnetz benutzt“, so NYT-Vizechefin Meredith Kopit Levien.

Da ist wohl auch was dran – aber wenn’s hilft, warum nicht. Das Wired-Magazin spricht wohl zu recht vom „big mainstream moment“ für das Thema Virtuelle Realität. Wenn dieser Durchbruch gelingt, dürften nicht nur Zeitungsverlage davon profitieren…

(via Teleread & ReadWrite)

NYT Now App: kuratierter Content, ab jetzt ohne Paywall

nyt-app-nowLetztes Jahr startete die New York Times mit „NYT Now“ eine preisgünstige iPhone-App für Einsteiger. Jetzt wurde das Experiment beendet, zumindest was die Bezahlschranke betrifft. NYT Now bietet eine mehrmals täglich aktualisierte Auswahl von Artikeln aus der Redaktion, garniert mit handverlesenem Content von Medienpartnern wie The Guardian oder Engadget. Bisher konnte man die App ohne monatliches Abo zum Preis von acht Dollar nur eingeschränkt nutzen, nach zehn Artikeln war Schluss.

„Metered Access“ als Königsweg

Die altehrwürdige „Graue Lady“ experimentiert schon seit längerem mit ihren Paywalls. Via „Metered Access“ lassen sich z.B. auch mit der regulären iPhone- und iPad-App der NYT zehn Texte pro Monat gratis konsumieren. Die Methode wirkt: Viele Leser geben zwischen 15 und 35 Dollar monatlich aus, um unbegrenzten Zugang zu Nachrichten, Blogs und zusätzlichem Premium-Content aus dem NYT-Universum zu erhalten.

Bald eine Million Digi-Abos

Das Interesse an der inhaltlich begrenzten „Schnupper-App“ NYT Now hielt sich dagegen sehr in Grenzen. Gerade mal geschätzte 20.000 Abonnenten konnte man in den letzten 12 Monaten gewinnen. Das war offenbar nicht genug, viele Leser haben wohl auch schlicht ihr bestehendes Abo „downgegradet“. Die Zahl der Digital-Only-Abonnenten insgesamt wird bei der NYT wohl noch in diesem Quartal die Millionenmarke erreichen.

NYT Now nicht für Android

Mit der neuen Strategie dürfte man auch mit „NYT Now“ deutlich mehr Leser erreichen, zumindest innerhalb der Apple-Gemeinde. Denn anders als die normalen NYT-Apps gibt’s „Now“ noch nicht für Android-Geräte. Einen kleinen Haken hat die Sache aber auch auf dem iPhone, die jetzt kostenlose App wird über die Einblendung von Anzeigen gegenfinanziert. Erhältlich ist sie auch im deutschen App Store.

NYT hat’s geschafft: Zu 54% leserfinanziert dank Digi-Abos

Zeitungsabos? Kann man denn davon leben? Vor zehn Jahren hätte man da bei der New York Times noch den Kopf geschüttelt: No, sir! Damals trugen die Leser gerade mal 25 Prozent zum Umsatz bei. Das hat sich inzwischen radikal geändert, insbesondere nach Einführung der Paywall: die Zeitung ist erstmals in ihrer Geschichte leserfinanziert, wie die NYT diese Woche bekannt gab, tragen Abos der gedruckten Ausgabe wie auch digitale Abos mit 54 Prozent mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes.

„The Atlantic“ hat dazu jetzt eine interessante Grafik veröffentlicht: ab Mitte der Nuller Jahren brechen die Anzeigenerlöse rasant ein, in sechs, sieben Jahren haben sie sich halbiert. Das Geld wanderte fast komplett zu Google & Co., während Zeitungen selbst online kaum Geld mit Advertising verdienen. Soviel zum Thema Zeitungskrise. Seit den Jahren 2010 (iPad-Launch) und 2011 (Einführung des Metered-Paywall-Prinzips bei der NYT) wächst die Umsatzkurve der Digi-Abos dann aber mindestens ebenso steil nach oben. Seit 2012 überrundet die Digi-Abo-Kurve schließlich die Anzeigenerlös-Kurve, und dürfte im nächsten Jahr dann wohl auch die Print-Abo-Kurve schneiden.

Damit ist der NYT-Gruppe also schon jetzt gelungen, wovon Zeitungsverlage in Deutschland von Springer bis taz bisher nur träumen dürfen: die graue Lady hat den Umbruch im Anzeigengeschäft mehr oder weniger kompensiert, und dabei ein ganzes Stück Unabhängigkeit gewonnen.

Ähem. Mal abgesehen davon, dass die Rettung im Jahr 2009, dem Höhepunkt der Krise, nur mit einem 250-Millionen-Dollar Kredit des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim gelang. Der Einfluss des nach Bill Gates zweitreichsten Mannes der Welt wächst weiter, allerdings kontrolliert die Eigentümerfamilie Ochs-Sulzberger immer noch zwei Drittel der Aufsichtsratsposten…

Abb.: Flickr/Dom Dada (cc)

Nicht nur Zweitverwertung: New York Times startet neue E-Book-Reihen

Der entscheidende Rettungsanker für die kriselnde Zeitungsbranche sind E-Books wohl nicht. Doch immerhin bieten sie die Möglichkeit, den Lesern einen zusätzlichen Service anzubieten. Wie das gehen kann, zeigt jetzt die New York Times – immerhin verfügt das Blatt auch noch über die größte Redaktion aller US-Zeitungen, kann also aus dem Vollen schöpfen. Schon in der Vergangenheit hatte die „Graue Lady“ mit E-Book-Formaten experimentiert, nun gehen gleich zwei E-Book-Reihen an den Start. Die „E-Singles“ bieten Reportagen und Hintergrundberichte zu Themen wie Kultur, Sport, Wirtschaft, Wissenschaft oder Gesundheit. Um Zweitverwertung geht es in diesem Fall allerdings nicht. Die in Kooperation mit dem E-Publishing-Startup Byliner produzierten E-Book-Singles enthalten Material, das vorher noch nicht auf den Seiten der New York Times zu lesen war.

Die ab 2013 zum Preis von 2,99 Dollar angebotenen Kurzstrecken-Texte („meant to be read in one sitting“) sind via Kindle-Store, iBooks sowie B&N verfügbar, die Einnahmen werden zwischen der NYT und Byliner geteilt. In einer der ersten geplanten Ausgaben untersucht NYT-Autor David Leonhardt, wie sich die letzten Präsidentschaftswahlen, die Sparpolitik wie auch die Verhandlungen in Sachen „Fiscal Cliff“ auf die US-Ökonomie auswirken. Solche E-Books würden ein „Aktualitäts-Feeling vermitteln, und Amazon verkauft Millionen von ihnen“, so NYT-Redakteur Gerald Mazorati gegenüber dem Nieman Journalism Lab. „Auch unsere Journalisten haben den Eindruck, dass man damit experimentieren sollte.“ Die Zukunft sieht man bei der NYT offenbar im „Multiplattform-Journalismus“ – manche Stories werden dabei auch exklusiv in Buchform erscheinen.

Bei der neuen Serie „TimesFiles“ dagegen handelt es sich um Dossiers, die aus bereits publizierten NYT-Artikeln zusammengestellt wurden, klassische Zweitverwertung also. Kooperationspartner ist in diesem Fall die auf multimediale E-Books spezialisierte E-Publishing-Plattform Vook. Wie groß die Spannbreite der „TimesFiles“ sein wird, zeigt bereits ein Blick auf die derzeit erhältlichen Titel – das Themenfeld reicht von Artischocken-Rezepten über die Iran-Contra-Affäre bis zu Filmkritiken zum Frühwerk von Steven Spielberg. Die Dossiers werden zum Preis von 1,99 Dollar via Kindle-Store, iBooks sowie B&N angeboten.

Abb.: Screenshot

NYT, FT & Co: Dank Paywall auf dem Weg von der anzeigen- zur leserfinanzierten Zeitung?

Die altehrwürdige New York Times hat erneut eine historische Wegmarke erreicht: im zweiten Quartal 2012 brachten erstmals die Leser mehr Geld in die Kasse als die Anzeigenkunden. Nicht nur durch erhöhte Copy-Preise für die Printausgabe, sondern vor allem durch digitale Abos. Während die Anzeigenerlöse erneut um 6 Prozent sanken, konnte die NYT mit dem Verkauf des Contents selbst satte 8 Prozent mehr Umsatz erzielen. „Wahrscheinlich ist es die erste Zeitung [in den USA], die diese Linie überschritten hat“, schätzt Newsonomics-Experte Ken Doctor. „Das ist ein interessanter Augenblick“.

Metered Access: manchmal profitable Lösung

Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat dabei offenbar die Bezahlschranke – regelmäßige Leser werden seit letztem Jahr bei nyt.com zur Kasse gebeten. Relativ schnell brachte der „metered“-Access-Ansatz knapp 300.000 zahlende Abonnenten, doch Ende 2011 ebbte der Zustrom merklich ab. Immerhin hat die NYT inzwischen aber knapp 500.000 Digi-Abos verkaufen können.

Andere Blätter brauchen deutlich länger, um einen Stamm an zahlenden Online-Lesern aufzubauen. Mit einem ähnlichen Paywall-Konzept hat es etwa die Financial Times geschafft, seit 2009 insgesamt 300.000 digitale Abonnenten zu gewinnen. Auch bei dem Londoner Blatt werden wohl noch in diesem Jahr die Vertriebseinnahmen erstmals die Anzeigenerlöse überholen.

Paywall als potentielle Killer-App

Allerdings scheinen sich Paywall-Konzepte am Ende nicht für alle Zeitungen auszuzahlen. Ausgerechnet Rupert Murdochs iPad-Only-Projekt The Daily steht nun offenbar vor dem Aus. Nach 18 Monaten wurde zwar die magische Schwelle von 100.000 Abonnenten erreicht, doch das Blatt macht immer noch Minus. Die finanziell ohnehin angeschlagene News Corp zog nun die Notbremse – ein Drittel der Redaktion wurde gefeuert.

Ein grundsätzliches Problem von Paywalls ist offenbar das begrenzte Budget der Leser – kaum jemand wird am Ende für mehr als ein News-Angebot zahlen wollen. Noch schwieriger wird es, wenn das normale Online-Angebot einer Zeitung kostenlos zu haben ist. So musste etwa die im Netz frei zugängliche Huffington Post nach kurzer Zeit den Versuch aufgegeben, mit dem Verkauf einer HuffPo-App zusätzliche Gewinne zu machen.

Ob eine Paywall sinnvoll ist oder nicht, hängt aber zugleich auch von der potentiellen Reichweite einer Zeitung ab. Der britische Guardian etwa verzichtet bewusst auf eine Bezahlschranke – und setzt stattdessen auf steigende Werbeeinnahmen im Online-Bereich. Das dürfte jedoch bis auf weiteres ein Wettlauf mit der Zeit bleiben – trotz Wachstumszahlen von 26 Prozent bei digitalen Anzeigerlösen schreibt das Blatt immer noch rote Zahlen.

Abb.: NS Newsflash/Flickr

New York Times so digital wie nie: E-Paper überholt Print-Ausgabe

Die New York Times betritt publizistisches Neuland – in den letzten sechs Monaten überstieg die Zahl der digitalen Abonnements erstmals die Print-Auflage. Dem „Audit Bureau of Circulations“ (ABC) zufolge lag zwischen Oktober 2011 und März 2012 die Zahl der verkauften E-Paper-Versionen wochentags bei 807.000, die durchschnittliche gedruckte Auflage erreichte dagegen lediglich 780.000 Exemplare. Dabei zählte die ABC sämtliche Digi-Abos zusammen, vom PDF über die Kindle-Version bis zur NYT-App auf Tablet oder Smartphone. Mit eingerechnet wurden zudem alle Abonnenten der Print-Ausgabe, die parallel die für sie kostenlose elektronische Ausgabe nutzen.

Paywall sorgt für Abo-Boom

Hintergrund dieser Entwicklung ist die forcierte Print-to-Online-Strategie des finanziell klammen Blattes. Seit letztem Jahr wurden regelmäßige Leser der NYT-Website spätestens nach zwanzig Seitenaufrufen pro Monat zur Kasse gebeten, im März 2012 senkte die „graue Lady“ die Bezahlschwelle auf nur noch zehn Seitenaufrufe. Das „metered access“-Modell stieß auf harsche Kritik der Web-Community, zahlte sich aber für den Verlag aber offenbar aus. Mehr als 450.000 elektronische Abos wurden inzwischen verkauft: „Fast eine halbe Million Internetnutzer zahlen, um Zugang zur digitalen Ausgabe der New York Times und der International Herald Tribune zu erhalten“, freute sich zuletzt NYT-Chef Arthur Sulzberger. Allerdings dürfte es nach dem anfänglichen Boom nun schwieriger werden, die Zahl der Digi-Abos noch weiter zu erhöhen – der Zuwachs hat sich seit Ende 2011 deutlich verlangsamt.

„NYT wird zur globalen Medien-Marke“

Der finanzielle Effekt hält sich zudem in Grenzen: „Das digitale Abonnement bringt der NYT-Verlagsgruppe ungefähr 100 Millionen Dollar pro Jahr ein. Ein gutes Ergebnis, aber nicht genug, um die NYT zu retten“, so etwa Ken Doctor (Newsonomics.com) gegenüber LeMonde. Denn die Anzeigenerlöse der gedruckten Ausgabe befinden sich weiter im freien Fall, und erstmals sanken auch die Online-Werbeeinnahmen. Für Ken Doctor gibt es aber keine Alternative zum eingeschlagenen Weg: „Die NYT ist keine New Yorker Tageszeitung mehr, sondern eine globale Medien-Marke, die weltweit vor allem digital konsumiert wird, auf dem PC-Bildschirm ebenso wie auf dem Tablet. Die Hauptkonkurrenten heißen jetzt CNN, BBC oder NewsCorp.“ Die große Frage bleibt natürlich, wie sich diese Entwicklung in Gewinne verwandeln lässt.

Abb.: flickr/Dom Dada

New York Times verschärft Paywall – es gibt aber zahlreiche Hintertürchen

Was für ein schöner Sonntag, der 18. März – vor allem für die Paid Content-Fraktion. Denn pünktlich zum ersten Geburtstag der New York Times-Paywall verkündete das Blatt neue Regeln für die kostenlose Nutzung der Website: „Ab April können alle Nutzer von NYTimes.com monatlich zehn Artikel kostenlos lesen (inklusive Slideshows, Videos u.a. Formate)“. Bisher wurde man erst nach 20 Artikeln pro Monat zur Kasse gebeten. Mit dieser Maßnahme will das finanziell klamme Unternehmen offenbar den Cash-Flow anregen. Wie die NYT zugleich bekannt gab, konnte man bisher knapp 450.000 zahlende Digital-Abonnenten gewinnen. In letzter Zeit hatte der Zuwachs an zahlenden Online-Kunden allerdings stark nachgelassen – als Reaktion wird nun das kostenlose Angebot verknappt.

Offizielles Workaround: Google & Social Media-Links

Um die Netzgemeinde nicht völlig zu vergrätzen, gibt es allerdings wie bisher zahlreiche Ausnahmen. „Leser die auf NYT-Artikel über Links aus E-Mails, Suchmaschinen, Blogs oder Social-Media-Portalen gelangen, werden auch weiterhin die jeweiligen Inhalte aufrufen können, selbst wenn sie ihr monatliches Lese-Limit erreicht haben. Bei manchen Suchmaschinen wird sich der Zugang auf fünf Artikel pro Tag beschränken“, teilte die NYT mit. Wer die 35 Dollar für ein 30-tägiges Digi-Abo sparen möchte, hat aber sogar noch weitaus mehr Möglichkeiten, die Paywall der New York Times zu umgehen. Zahlreiche Workarounds in Form von Bookmarklets und Skripten für den Browser können mit ein paar Klicks installiert werden.

Inoffizielles Workaround: Bookmarklets & Skripte

Zu den wichtigten gehören das NYTClean Bookmarklet sowie das NY Times Paywall User Script. Besondere technische Fähigkeiten sind dafür nicht nötig. Das Bookmarklet zieht man nach Aufruf der Projektwebsite ganz einfach in die Lesezeichen-Leiste des Browsers. Sobald sich beim Aufruf eines Artikels die Bezahlschranke senkt, klickt man auf das Bookmarklet, wodurch vereinfacht ausgedrückt der Besuchszähler wieder auf Null gesetzt wird. Ähnlich funktioniert das „NY Times Paywall User Script“. Um dieses Instrument einzusetzen, müssen Firefox-Nutzer zuvor das Add-On Greasemonkey installieren, Safari-Nutzer brauchen Greasekit. Wer mit Chrome surft, kann dagegen auf UserScript.org direkt „install“ anklicken. Eine weitere, direkte Alternative für Googles Browser ist – nomen est omen – der „New York Times Paywall Smasher“.

(via Teleread & Lifehack)

Abb.: flickr/B.K.Dewey