„Bei Netflix abgeguckt“: Bastei Lübbe startet 2016 eigene E-Book-Flatrate

bastei-lübbe-homepageMit einer E-Book-Flatrate will die Kölner Verlagsgruppe Bastei Lübbe den Vorsprung als Marktführer bei E-Book-Belletristik ausbauen. Bereits ab 2016 werden deutsche Leser digitale Romanserien und Audiobooks zum Preis von 5 Euro pro Monat abonnieren können. „Das haben wir uns ein bisschen von Netflix abgeguckt“, so Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack am Dienstag gegenüber dem Handelsblatt. Ähnlich wie beim deutschen Flatrate Startup Readfy soll es zudem ein kostenloses, werbefinanziertes Angebot geben.

Für den Aufbau einer eigenen Flatrate greift Bastei Lübbe tief in die Tasche. Zwischen 15 und 20 Millionen Euro soll neben dem Content selbst für den Aufbau einer eigenen Plattform sowie das Marketing aufgewendet werden. Geplant sind auch Lese- und Hörstreams auf Englisch, Spanisch sowie Mandarin. Schafft es das börsennotierte Unternehmen, bis 2020 die laut Handesblatt anvisierten 24 Millionen Nutzer zu erreichen, könnte sich der Gesamterlös von derzeit knapp 100 Millionen auf 200 Millionen Euro verdoppeln.

Die geplante E-Book-Flatrate von Bastei Lübbe fügt sich nahtlos in die bisherige Digital-Strategie ein: schon 2012 ging die Verlagsgruppe unter dem Label „Digital First“ mit originären Digi-Novel-Serien an den Start. Ähnlich wie TV-Serien sind diese Serien in Staffeln angelegt und eignen sich gut für Streaming-Angebote. Im letzten Jahr folgten mit der Übernahme der Self-Publishing-Community BookRix und dem E-Book-Store Beam eBooks zwei Zukäufe, die den Aufbau einer eigenen Plattform erleichtern.

Außerdem macht sich Bastei Lübbe auf die Suche nach geeigneten Marketing- und Distributionspartnern – auf dem Radar haben die Kölner dem Handesblatt zufolge nicht zuletzt das große Vorbild Netflix selbst. Was wohl auch keine schlechte Idee ist, denn die Bastei-Lübbe-Flatrate wird in Deutschland mit gut etablierten Platzhirschen konkurrieren müssen: neben Kindle Unlimited sind hier mit Skoobe und Readfy schon längst deutsche Startups aktiv.

Bestseller-Vorhersage: Netflix nutzt File-Sharing-Hitparade – Vorbild für Buchbranche?

Das beste Mittel gegen Datenpiraten ist die Flatrate – das haben Streaming-Dienste wie Spotify (Musik) oder Netflix (Video) bereits bewiesen. Der endgültige Beweis im Buchsektor steht noch aus, dafür gibt’s schon mal eine weitere schöne Idee zum Nachmachen: um zu erfahren, welche Serien beim Netzpublikum besonders angesagt sind, schaut der Streaming-Dienst Netflix ganz einfach auf die Download-Statistiken von BitTorrent-Netzwerken. „Wenn wir Serien einkaufen, achten wir darauf, was auf den Piraten-Plattformen gut läuft“, so Kelly Merryman, bei Netflix zuständig für die Content-Akquise. Dass Netflix etwa in den Niederlanden in diesen Tagen mit einer Serie wie „Prison Break“ an den Start geht, hat insofern einen besonderen Grund: „Prison Break ist auf den File-Sharing-Plattformen außergewöhnlich populär“, so Merryman.

Auch aus anderen Gründen scheint das Netflix-Management nicht ganz unglücklich mit dem eigenwilligen Download-Verhalten der Crowd zu sein: „Sicherlich gibt es immer Torrent-Downloads, und zwar überall auf der Welt, doch das erzeugt teilweise überhaupt erst die Nachfrage“, so Netflix-CEO Reed Hastings. Der Streaming-Dienst setzt darauf, dass Serien-Junkies irgendwann zum professionellen Anbieter wechseln, um komfortabler konsumieren zu können: „Netflix ist viel einfacher als das Herunterladen von BitTorrents. Man muss sich nicht mit Dateien herumärgern, man klickt nur kuckt“, so Hastings. Die Strategie scheint aufzugehen: in Kanada etwa sank der BitTorrent-Traffic um 50 Prozent, seitdem Netflix dort vor drei Jahren den Betrieb aufnahm. Ähnlich wirkt offenbar Spotify – für Länder wie die Niederlande , in denen der Musikstreaming-Dienst bereits seit 2010 präsent ist, liegen vergleichbare Daten vor.

Prinzipiell dürften solche Mechanismen auch im bestseller-gesteuerten Buchmarkt wirken – dort werden wichtige Teile des Umsatzes mit literarischen Blockbustern von „Harry Potter“ bis „50 Shades of Grey“ generiert, deren elektronische Versionen auch längst in der File-Sharing-Szene zirkulieren. Allerdings fehlen bisher noch mit Netflix oder Spotify vergleichbare legale Flatrate-Angebote. Neu angetretene Flatrate-Apps wie Oyster und eReatah locken in den USA zwar mit niedrigen Monatsraten, konnten bisher jedoch nur eine Minderheit der großen Verlage ins Boot zu holen. Noch magerer sieht’s in Deutschland aus – zumal die einzige überhaupt ernstzunehmende Plattform Skoobe nun auch noch die kostenlose Testphase abgeschafft hat. Man hat den Eindruck: viele Verlage wollen ihre Bestseller nicht via Flatrate „verramschen“. Doch damit erreichen sie am Ende nur das Gegenteil. Die am meisten piratisierte TV-Serie ist nicht zufällig „Game of Thrones“ – der produzierende Sender HBO weigert sich, die Streaming-Rechte an Netflix zu verkaufen.

(via torrentfreak.com)