Für mehr Sichtbarkeit im Buchhandel: MVB schnürt Marketing-Paket für Self-Publisher

mvb-marketing-paket-buchhandelZur Buchbranche gehören Buchhändler, Verlage und … Self-Publisher natürlich. Dem trägt mittlerweile auch MVB — also die Marketing-Tochter des Börsenvereins — verstärkt Rechnung. Schon bisher warb das Unternehmen für die Möglichkeit, ISBN-Nummern zu erwerben und Indie-Titel in das VLB einzutragen. Pünktlich zur Buchmesse wurden nun zwei spezielle Marketing-Pakete für Self-Publisher geschnürt, berichtet Selfpublisherbibel.

Neben der Option, Einträge ins Verzeichnis lieferbarer Bücher und das Adressbuch des deutschsprachigen Buchhandels (AdB) vorzunehmen, enthält das Paket auch einen Premium-Eintrag in die digitale Vorschau VLB-Tix wie auch Print-Anzeigen und Online-Buchtipps in den jeweiligen Ausgaben des Börsenblatts, dazu kommt noch ein „Schnupper-Abo“ des Börsenblatts.

Je nachdem, ob der VLB- und AdB-Eintrag dabei sein soll oder nicht, kostet das Paket 595 oder 490 Euro. Die regulären Preise (gelten ab 1. Januar 2019) liegen bei 773 bzw. 688 Euro. Ganz schön teuer! Ob bei solchen Preisen nicht doch herkömmliche Direktmarketing-Maßnahmen — etwa Lesungen in Buchhandlungen oder überhaupt die direkt Kontaktaufnahne zu lokalen Buchhändlern zwecks Titel-Listung — die günstigere und effektivere Lösung sind?

Megaseller von morgen: MVB & Self-Publisher-Verband suchen bestes selbstverlegtes Buch des Jahres 2017

selfpublishing-preis-2017Vorhang auf für den Deutschen Selfpublishing-Preis: erstmals wollen in diesem Jahr die Börsenvereins-Tochter MVB und der Selfpublisher-Verband das „beste selbstveröffentlichte Buch in deutscher Sprache“ küren. Neben der Auszeichnung durch eine siebenköpfige Fachjury wird es auch einen Publikumspreis geben, der aus den im ersten Schritt erfolgten Shortlist-Nominierungen (insgesamt zehn Titel) ermittelt wird.

„Professionell, innovativ, erfolgreich“

“Wir suchen ein gutes Buch, das jeder Buchhändler gern verkaufen würde“, so Mitveranstalter Matthias Matting vom Selfpublisher-Verband. „Die Preisträger sollten ein hervorragendes Beispiel dafür liefern, wie Selfpublisher im besten Fall arbeiten: professionell, innovativ, erfolgreich, zielgruppengerecht und sprachlich ausgezeichnet“. Idealerweise entdecke man auf diese Weise den Bestseller von morgen. Dotiert ist der Platz auf dem Siegertreppchen mit einem Preisgeld von 10.000 Euro. Zudem erhalten der Gewinner und alle Shortlist-Kandidaten ein umfangreiches Paket an Buchmarketing-Leistungen.

Verfügbarkeit im Buchhandel ist Voraussetzung

Auf der Webseite www.selfpublishing-preis.de können unabhängige Autorinnen und Autoren noch bis zum 31. Juli deutschsprachige Titel aller Genres als pdf-Datei einreichen. Akzeptiert werden selbstverlegte Bücher, die nach dem 29.05.2016 erschienen sind. Weitere Voraussetzung ist die Verfügbarkeit im Buchhandel, in diesem Fall nachgewiesen durch ISBN-Nummer und einen Eintrag im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB).

Indie-Literatur besser vermarkten

Denn genau darum geht’s am Ende auch — Indie-Titel sollen mehr Präsenz im klassischen Buchhandel erhalten: „Bei der Vermarktung qualitativ hochwertiger Titel gibt esnoch ungenutzte Potenziale, die wir mit dem Deutschen Selfpublishing-Preis aufzeigen und ausschöpfen möchten“, so Sandra Schüssel von den MVB Labs. Der Self Publishing-Organisatoren würden sich als „Mittler zwischen engagierten Autoren, Buchhandlungen und Lesern“ verstehen.

Buch ohne Handel ab 2017: Börsenverein macht Buchhandel.de zum Projektmuseum

buchhandel-macht-dichtWer den lokalen Buchhändler seiner Wahl auch bei Online-Käufen unterstützen möchte, hat es bald wieder etwas schwerer: denn auf der Buy-local-affinen Buchhandelsplattform Buchhandel.de gibt’s ab 31. Januar 2017 zwar noch Titelinfos aus dem VLB, aber keine Bücher oder E-Books mehr zu erwerben. Damit entfällt auch die Möglichkeit, beim Shoppen eine der mehr als 800 Partnerbuchhandlungen als Bezugsadresse anzugeben.

Nach Libreka schon die zweite Pleite

Die von der Börsenvereins-Tochter MVB betriebene Plattform war 2014 als Nachfolge-Projekt des glücklosen Endkundenportals Libreka an den Start gegangen — schaffte es jedoch genauso wenig, genügend Umsatz zu generieren, zuletzt lag das Jahresergebnis bei nur mageren 600.000 Euro. Nachdem ein letzter Rettungsversuch in den letzten Monaten fehl schlug, zogen die Betreiber nun erneut den Stöpsel. Damit scheitert wohl auch endgültig der Plan der Buchhandels-Lobbyisten, mit Bordmitteln eine unabhängige Branchen-Adresse im Web zu schaffen, die gegen Amazon bestehen kann.

Wie schafft man mehr Sichtbarkeit?

Die unabhängigen Buchhhändler werden sich somit auch in absehbarer Zukunft zwischen zwei Wegen entscheiden müssen: entweder sie investieren herzhaft in eine eigene Verkaufsplattform, oder sie übernehmen ein Whitelabel-Baukastensystem, wie es u.a. von Barsortimentern (Libri, KNV) oder Mittelständlern wie SoftLevel Communication („Buchhandelsweb.de“) angeboten wird. Am eigentlichen Problem freilich ändert sich nichts: zwischen den Großen mehr virtuelle Sichtbarkeit für die Kleinen zu schaffen bleibt eine Herausforderung…

(via Buchreport.de)

Affiliate für lau: Buchhandel.de hofft auf Blogger – Provisionen gibt’s nicht

Wie schafft man eine unabhängige Branchen-Plattform für den Buchhandel, die gegen Amazon bestehen kann? Wie es nicht geht, hatte die Börsenvereins-Tochter MVB mit dem Projekt Libreka vor längerer Zeit schon mal ausprobiert. Seit Herbst 2014 wird unter buchhandel.de ein neuer Anlauf in Richtung Endkunde gemacht – derzeit noch in der Betaphase. Grafisch aufgehübscht, technisch auf der Höhe der Zeit, und mit einem klaren Ziel: die virtuelle Kundschaft soll beim Online-Shoppen von Büchern und E-Books den Buchhändler vor Ort unterstützen können.

Kooperationspartner gesucht

Als Kooperationspartner hofft der Börsenverein neben Buchhandlungen (derzeit ca. 500), Verlagen und Bibliotheken dabei zukünftig auch auf Blogger. Einfaches Verlinken auf Titel aus dem Gesamtkatalog mit mehr als zwei Millionen Produkten ist für Website-Betreiber durch das Einfügen der ISBN-Nummer bereits jetzt möglich (nach dem Muster http://www.buchhandel.de/buch/ISBN). Ähnlich wie Buchhändler es schon jetzt auf ihrer Website machen können, sollen Blogger demnächst aber auch Buchcover-Dateien in ihre Blogs einbinden können.

Warum sie das tun sollen, ist natürlich eine ganz andere Frage, denn ein allgemeines Affiliate-Programm ist bisher offenbar nicht geplant. Während die Partnerbuchhändler den Buchlinks ihre MVB-Kennummer zur Identifizierung hinzufügen, um auf diesem Wege z.B. beim E-Book-Verkauf Provisionen von bis zu 20 Prozent zu erhalten, gehen die Blogger in der bisherigen Planung leer aus.

Nicht nur Amazon macht’s besser

Nicht nur Amazon, sondern auch große deutsche Buchhändler wie Thalia, Weltbild oder Osiander sorgen dagegen schon lange mit Affiliate-Programmen dafür, dass mehr potentielle Kunden von anderen Websiten aus auf ihre Portale gelockt werden. Das Affiliate-Programm von Amazon ist dabei besonders beliebt – lässt es sich doch äußerst einfach einrichten und benutzen.

Hier könnte auch die Chance für buchhandel.de liegen, denn ob das Konzept der Branchenplattform am Ende aufgeht, hängt von der realisierbaren Endkunden-Reichweite ab – und genau daran ist bekanntlich Libreka gescheitert. Das Nachfolge-Konzept ist laut MVB-Geschäftsführer Ronald Schild ohnehin nur als „Ergänzung zu den individuellen Shops der Buchhändler“ gedacht. Doch irgendwoher muss der Traffic ja auch in diesem Fall kommen…

Abb.: Sameer Vasta/Flickr (cc)

Nolino statt Tolino: Deal zwischen Indies & Reader-Allianz geplatzt – Chance für alternative Plattform LOG.OS?

Der Buchhandel in Deutschland bleibt auch weiter gespalten: die Großen wie Weltbild oder Thalia setzten auf das cloudbasierte Tolino-Konzept, die unabhängigen Buchhändler müssen sehen, wo sie bleiben. Denn Verhandlungen zwischen der Gran Tolino-Koalition und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels bzw. seiner Marketing-Tochter MVB sind endgültig gescheitert. Am Ende hakte es offenbar vor allem am Geld – nach Informationen von Buchreport sollten die Indies für ihr Entreebillet die stolze Summe von einer Million Euro investieren, und hätten trotzdem nur sehr eingeschränkte Mitspracherechte besessen. Auch den exklusiven Content-Bezug über die Bertelsmann-Plattform Pubbles wollten viele unabhängige Buchhändler nicht akzeptieren.

„Chance gegen Kindle&Co. bietet nur Software-Strategie“

Doch braucht man überhaupt den Über-Reader? Viele Indies bieten nach anfänglichen Versuchsballons mittlerweile überhaupt keine Geräte in ihren Läden an, und setzen statt dessen lieber auf einen gut gemachten Online-Auftritt. So macht es etwa Ocelot-Gründer Frithjof Klepp, den der geplatze Tolino-Deal nicht wirklich überrascht: „Das ist ein starkes und unübersehbares Signal, dass die Hardware-Strategien gescheitert sind“, kommentiert Klepp gegenüber E-Book-News. Der Buchhandels-Entrepreneur hat viel Geld und Arbeit in die Entwicklung einer maßgeschneiderten Website gesteckt (siehe den E-Book-News-Bericht zum Launch) – und sieht darin den Königsweg für die gesamte Branche: „Eine Chance gegen Kindle & Co. wird der unabhängige Buchhandel nur mit flexiblen, technisch sauberen Softwarelösungen haben, die den Kunden in verschiedener Weise an seine Marke bzw. seine Buchhandlung binden.“

„Zeit von Top-Down-Lösungen ist vorbei“

Auf dieser Basis kann sich Klepp auch durchaus eine gemeinsames Plattform-Modell für die deutschen Indie-Buchhändler vorstellen: „Wichtig ist bei allen möglichen Lösungen und Überlegungen, dass nicht mehr Top-Down sondern von der Praxis-Seite her Lösungen erdacht und umgesetzt werden.“ Ähnlich sieht das auch Onkel&Onkel-Verleger Volker Oppmann – und bezieht gegenüber E-Book-News auch die Leser in seine Kritik bisheriger Ansätze mit ein: „Das Problem auf allen Seiten: Es fehlt an einem schlüssigen Konzept, das konsequent an den Bedürfnissen des Endkunden ausgerichtet ist. Gleichzeitig muss es die Kräfte der Branche effektiv bündeln, indem es den einzelnen Menschen hilft, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und in einen inhaltlichen Dialog mit dem Kunden zu treten.“

Kommt statt Tolino jetzt LOG.OS?

Oppmann empfiehlt den Buchhändlern deswegen, die Zukunft des Buches selbst in die Hand zu nehmen – und hat zu diesem Zweck das Projekt LOG.OS ins Leben gerufen, ein basisdemokratisch organisiertes, offenes Plattform-Konzept, das sich als alternatives „Betriebssystem für Literatur“ versteht. Momentan existiert LOG.OS freilich nur als Konzept, vorangetrieben durch einen Verein, der sich erstmal um die Akquise des notwendigen Startkapitals kümmert. Das könnte nach dem Scheitern der ganz großen Tolino-Allianz jetzt vielleicht etwas einfacher werden: denn der „Wunsch des unabhängigen Buchhandels nach einer E-Book-Plattform besteht weiter“, ließ gestern MVB-Chef Ronald Schild verlauten. Man werde in den kommenden Wochen „in einen Dialog mit Vertretern der Branche treten“, um Lösungs-Szenarien für den E-Book-Verkauf im unabhängigen Buchhandel zu finden.

Abb.: Fotomontage

„Vorsicht, Buchfälscher“: Börsenverein plant automatische Textmanipulation als DRM-Variante

„Wir verbrennen Montag Molière, Dienstag Dostojewski, Mittwoch Klaus Mann, Freitag Faulkner, Samstag und Sonntag Schleiermacher und Sartre.“ Na, kommt euch dieses Zitat aus „Kelvin 451“ bekannt vor? Okay, zugegeben, wir haben den Wortlaut ein klitzekleines bisschen verändert. Und auch den angeblichen Titel. Aber nur, um festzustellen, ob ihr es uns nicht gleich per Copy & Paste klaut. So machen wir das ab jetzt immer. Wir möchten schließlich die Nutzer von E-Book-News zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Content anhalten und vor illegaler Weitergabe und Nutzung abschrecken – schließlich geht es um verdammt viel Geld. Wir nennen dieses Verfahren „SiDiM“, „Silent Digital Manipulation“, oder ganz einfach auch „Waterboarding“. Nein, entschuldigung, eigentlich sollte das SiDiM doch jetzt abgeschaltet sein. Also noch mal: Wir nennen es ganz einfach „Watermarking“.

„Textuelle Wasserzeichen“ als DRM-Alternative?

Klingt nach Satire? Ist leider eher Realsatire: Denn eine unheilige Allianz aus der Börsenvereinstochter MVB, dem Fraunhofer Institut, der Universität Darmstadt und weiteren Partnern arbeitet zur Zeit tatsächlich an einem Projekt namens „Sichere Dokumente durch individuelle Markierung“ (SiDiM). Neben unsichtbaren Markierungen, wie man sie bereits im Rahmen von „Social DRM“ kennt, sollen dabei auch „textuelle Wasserzeichen“ zum Einsatz kommen. „Hierbei werden E-Books individualisiert, indem textliche Änderungen am Originaltext vorgenommen werden, die für den Benutzer nicht zu erkennen sein sollen“, beschreibt das Börsenblatt dieses Verfahren. Jeder Käufer erhält somit ein „völlig individuelles Buch“. Was jeweils verändert wird, entscheiden automatische Algorithmen.

An die breitere Öffentlichkeit gelangten diese Pläne erst durch eine Umfrage – die SiDiM-Macher präsentierten Anfang Juni 15 kurze Textbeispiele, deren textuelle Veränderungen man auf einer Skala von „Sehr störend“ bis „Nicht unterscheidbar“ markieren kann. Neben eher harmlosen Bindestrich-Variationen reichen die Veränderungen bis hin zu Wortänderungen wie „inkonstant“ gegenüber „nicht konstant“ und veränderten Reihenfolgen bei Aufzählungen wie etwa „Blei, Gold, und Silber“ versus „Gold, Silber und Blei“. Letzteres Beispiel stammt übrigens aus einem Text von Sigmund Freud.

„Um das Buch zu retten, zerstören wir es“

Der Textzerstörungstrieb der SiDiM-Macher führte dann schnell zu weitaus mehr Feedback als nur Kreuzchen in Umfragebögen – zu recht empörten sich zahlreiche Journalisten und Blogger (nicht nur) aus der Buchbranche. Besteht der einzige Schutz für literarische Texte jetzt nur noch darin, sie vor den Lesern zu schützen, aber nicht vor den Eingriffen einer Maschinenlogik, der die Reihenfolge „Krieg und Frieden“ oder „Frieden und Krieg“ schnurzpiepe ist? Dann sind wir im Kampf gegen Copyright-Verletzungen jetzt bei der strategischen Logik des Vietnamkriegs angekommen („Um die Stadt zu retten, mussten wir sie zerstören“).

In diese Lage hat sich die Branche allerdings selbst manövriert, nämlich durch das Ignorieren des Medienwandels. Das Wachstum im digitalen Sektor wird nicht nur durch störendes Adobe-DRM und hohe Preise ausgebremst, sondern auch durch das Zurückhalten von Titeln. Die neuesten Zahlen des Börsenvereins belegen: Noch immer ist die Hälfte der Backlist gar nicht als E-Book lieferbar, gleiches gilt für mehr als ein Viertel der Neuerscheinungen. Kein Wunder, dass sich die Nachfrage am Markt vorbei entwickelt (ähnlich, wie es vor iTunes bei MP3s passiert ist) – und anders als etwa in den USA der E-Book-Verkauf die sinkenden Absätze im Print-Bereich nicht kompensieren kann.

„Vorsicht Buch“ oder „Burn after reading?“

Der Buchhandel, diesen Eindruck hatte man schon bisher, versteht sein eigenes Geschäft nicht mehr. Nun kommt noch ein ganz anderer Verdacht hinzu – er versteht auch das Kulturgut Buch nicht mehr. Sonst hätte von Anfang an klar sein müssen, warum willkürliche Eingriffe in den Text von vorneherein ein absolutes No-Go sind. Dass Ingenieure und Software-Entwickler einer rein instrumentellen Vernunft gehorchen, mag vielleicht nicht zu ändern sein. Dass aber der Börsenverein des Deutschen Buchhandels über seine Marketing-Tochter MVB die Manipulation von Buchtexten unterstützt, um die Leser zu kontrollieren, ist ein Skandal. Von wegen, „Vorsicht, Buch“. Die Denke geht längst in Richtung „Burn after reading“.

Abb.: Screenshot

„Buchhandelsreader“ von 4 bis 8 Zoll: MVB präsentiert Liro Mini, Liro Color II, Liro Tab

Die MVB verstärkt ihr Engagement im E-Reader-Sektor: auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte die Börsenvereins-Tochter mit dem Liro Mini nicht nur einen neuen E-Ink-Reader im 4-Zoll-Format, im Tablet-Sektor wurde ebenfalls deutlich aufgestockt. Neben einem Nachfolgemodell des sieben-Zollers Liro Color („Liro Color II“) kann man über den unabhängigen Buchhandel nun auch ein 8-Zoll-Lesetablet mit XGA-Auflösung (1024×768 Pixel) erhalten. Beide Touch-Screen-Modelle laufen mit Android 4.0 und bieten nun erstmals auch via Play Store den direkten Zugang zu Googles App-Universum. Wie bisher ist der vorinstallierte E-Book-Store auf den Buchhändler personalisiert, bei dem das Lesegerät erworben wurde, und ermöglicht den Bouquinisten 20 Prozent Umsatzbeteiligung. Vorbestellbar sind die neuen Modelle ab jetzt, die Auslieferung beginnt im November.

Liro Color behält alte Display-Auflösung

Produziert werden die MVB-Lesegeräte wie bisher auch schon vom hessischen Hersteller Trekstor. Die in schwarz, pink und blau ausgelieferten 4-Zoll-Reader „Liro Mini“ sind insofern keine Unbekannten, sie erlebten ihr Premiere vor kurzem bereits unter Trekstors eigenem Label „Pyrus Mini“. Genau wie diese Pyrus-Zwerge gelangt auch der Liro Mini für knapp 50 Euro in den Verkauf – nicht schlecht für ein E-Ink-Gerät mit 2 Gigabyte Speicher und nur 111 Gramm Gewicht. Preislich setzt auch die Nachfolgeversion des Liro Color neue Maßstäbe – 89 Euro für ein echtes Android 4.0 Tablet mit immerhin 4 Gigabyte Speicher und 1,2 Gigahertz-Prozessor klingen durchaus verlockend. Leider hat sich jedoch bei der Bildschirmauflösung nichts getan: 800×480 Pixel (vergleichbar dem Weltbild-Tablet von 2011) sind für komfortable Lektüre leider etwas wenig.

E-Book-Absatz via Libreka boomt

Dem Geräte-Absatz über bundesweit mehr als 500 Buchhandlungen scheint das jedoch schon bisher nicht geschadet zu haben – was man u.a. an den E-Book-Umsätzen der MVB-Plattform Libreka! sehen konnte, die 2011 von 50.000 Euro im ersten Quartal bis auf 1,5 Mio. Euro im vierten Quartal stiegen. Bisher gab es natürlich auf dem Liro Ink auch keine Möglichkeit, den vorinstallierten E-Store zu umgehen. In Zukunft wird da wohl eher die Gleichung gelten: je mehr Surftablet, desto diverser die Wege der Kunden. Erst recht wohl beim 8-Zoller Liro Tab, das für 150 Euro angeboten wird – gerade dank blickwinkelflexibler IPS-Technologie und hoher Auflösung für die E-Book-Lektüre dürfte es zugleich deutlich besser geeignet sein als das Liro Ink II. Nicht vergessen sollte man übrigens, dass die MVB mit dem Liro Ink auch noch einen klassischen 6-Zoller mit E-Ink-Display für 69 Euro anbietet.

Abb.: MVB

E-Books im Abo: Buchhandel entdeckt Flatrate als Geschäftsmodell

Flatrate, wir kommen: Die Börsenvereinstochter MVB plant „Miet- und Verleihmodelle für E-Books“, die sowohl auf einzelne Titel wie auch gebündelten Content ausgerichtet sind. Technische Grundlage soll eine Cloud-Reading-App bilden, die von der Plattform Libreka! zur Verfügung gestellt wird. Neben günstigen Abo-Preisen bietet die Online-Lektüre auch mehr Komfort, denn die E-Books sind via Browser auf zahlreichen Mobilgeräten nutzbar, lästiges DRM bleibt also verzichtbar. Ab 2013 könnte der deutsche Buchhandel solchermaßen in das Geschäft mit Flatrates und E-Book-Abonnements einsteigen. Vorgestellt wurde die Rent-A-Book-Variante erstmals während der diesjährigen Buchtage Berlin. Einzelheiten zum Mietmodell und den zu erwartenden Kosten für den Konsumenten sind noch nicht klar: „Gemeinsam mit Verlagen und dem Sortiment wollen wir einheitliche Nutzungsbedingungen erarbeiten“, so MVB-Chef Schild.

Wie E-Book-Flatrates in der Praxis funktionieren, zeigt seit Anfang 2012 bereits Skoobe, ein Angebot der Verlage Bertelsmann & Holtzbrinck. Wer die gleichnamige App auf iPhone oder iPad installiert, darf zum Abo-Preis von 9,99 Euro monatlich jeweils fünf Titel gleichzeitig ausleihen. Umfangreiche Leseproben ermöglichen auch für Nicht-Abonnenten das Anlesen aller verfügbaren Bücher. Die Titel können auf bis zu drei Apple-Geräten gelesen werden. Ein Offline-Modus erlaubt die Fortsetzung der Lektüre auch ohne aktive Internet-Verbindung. Auch für den MVB-Cloud-Reader soll eine vergleichbare Möglichkeit angeboten werden, und zwar in Verbindung mit einem neuen Trekstor-Reader, der in der zweiten Jahreshälfte 2012 an den Start gehen soll.

Die ökonomische Bedeutung von Flatrate-Angeboten wächst: MVB-Chef Schild verwies selbst darauf, dass etwa der Hörbuch-Anbieter Audible in Deutschland bereits 85 Prozent seines Umsatzes mit Audiobooks im Abo erzielt. Schützenhilfe für die Flatrate gab es auf den Buchtagen zugleich auch von Sascha Lobo: in einer Keynote riet der Alpha-Blogger den deutschen Buchmachern, sich an einen Produktpreis von Null Euro zu gewöhnen, und stattdessen umfassendere Service-Angebote zu lancieren. Das große Vorbild stellt dabei wie so oft Branchenprimus Amazon dar: Premium-Kunden bietet das Unternehmen in den USA gegen eine Jahresgebühr von 79 Dollar neben kostenlosen Streaming-Videos auch mehr als 100.000 E-Books zur Gratis-Ausleihe an.

Abb.: Yinghai/Flickr

„Liro Ink“ voll auf Draht: Börsenverein setzt auf E-Ink-Reader ohne WLAN

Funktioniert fast wie ein WLAN-Reader, braucht aber ein Kabel: mit dem „Liro Ink“ startet die Börsenvereins-Tochter MVB einen neuen Low-Cost-Reader, diesmal mit E-Ink-Display. Der 6 Zoller im abgerundeten, schwarzen Gehäuse ist kein Unbekannter – es handelt sich um eine „rebrandete“ Version von TrekStors „Pyrus“, der bereits auf der letzten Leipziger Buchmesse präsentiert wurde. Anders als das exklusiv über Buchhandlungen vertriebene Low-Cost-Tablet “Liro Color” wird man den „Liro Ink“ unter anderem Namen somit auch im Elektronikfachhandel beziehen können. Im Buchhandel selbst soll der „Liro Ink“ für 69 Euro zu haben sein.

Mit 4 Gigabyte Speicher, einem Gewicht von knapp 200 Gramm und einer Auflösung von 600 mal 800 Pixel ist der Liro Ink durchaus mit anderen aktuellen E-Readern vergleichbar. E-Books shoppen über die MVB-Plattform Libreka! kann man allerdings nur, solange eine USB-Verbindung zu einem PC mit Internet-Anschluss besteht. Bedient wird der Liro Ink über Richtungs- und Auswahlbuttons direkt unter dem Display, am linken und rechten Gehäuserand befinden sich zudem Umblätter-Tasten. Lesen lassen sich mit dem Reader neben E-Books im epub- und PDF-Format auch HTML, RTF und TXT-Dateien. Bei der Lektüre stehen fünf Zoomstufen zur Verfügung. Die Menüführung ist international, wählbar ist u.a. auch Deutsch.

Als besonderes Incentive erhalten Liro Ink-Käufer einen kostenlosen E-Book-Download, dabei können sie wählen zwischen T.C. Boyles „Wenn das Schlachten vorbei ist“, Taavi Soininvaaras „Schwarz“ sowie „Generation Doof“ von Stefan Bonner & Anne Weiß. Außerdem sind auf dem Reader bereits zehn Leseproben vorinstalliert. Für den Buchhandel lohnt sich nicht allein der Verkauf des Lesegerätes selbst, den MVB zum Einkaufspreis von 53,35 Euro anbietet. Für jedes über den Liro Online-Shop heruntergeladene E-Book winkt zudem eine Provision von 20 Prozent. Die Auslieferung des Liro Ink-Readers an den Buchhandel startet Mitte Mai.

Fehlstart ins Weihnachtsgeschäft: Liro Color verspätet sich, Rückrufaktion für iRiver HD

Pleiten, Pech und Pannen haben schon einige Reader-Projekte in Deutschland geplagt. Nun hat es pünktlich zum Weihnachtsgeschäft das Lese-Tablet Liro Color wie auch den „Google Reader“ iRiver Story erwischt. Die Auslieferung des Liro Color verzögert sich wegen Lieferschwierigkeiten eines asiatischen Zulieferers um wenige Tage, wie die Börsenvereinstochter MVB laut buchreport mitteilte. In manchen Buchhandlungen wird das Gerät somit erst in der zweiten Dezemberwoche erhältlich sein. Noch ärgerlicher ist die Situation für Buchhändler, die über den Barsortimenter KNV den „Google Reader“ iRiver Story HD verkaufen. Da der integrierte Online-Shop nicht richtig funktioniert, startete KNV eine großangelegte Rückrufaktion. Da inzwischen die zweite, fehlerfreie Charge angekommen ist, werden die Lesegeräte im Laden ganz einfach gegen ein neues Exemplar ausgetauscht.

Die Tücke steckt oft im Detail

„Vaporware“ nennt man Geräte, von denen nichts bleibt als heiße Luft aus PR-Maschinen. Der legenädre txtr-Reader war so ein Fall. Erst verspätete er sich immer wieder – offiziell aus technischen Gründen – dann wurde er irgendwann sang- und klanglos beerdigt. Andere Geräte wie etwa das WePad kommen zwar in Umlauf, können die in sie gesetzten Erwartungen aber nicht im geringsten befriedigen, und werden vom PR-Coup zum PR-Desaster. Vaporware zumindest sind zum Glück für die Buchbranche weder der Liro Color noch der iRiver Story HD. Letzterer wird im Rahmen der Rückrufaktion von KNV zwar als „hochmoderner eBook-Reader mit ausgefeilter Technologie“ bezeichnet. Doch „trotz einer intensiven Testphase“ stellten sich die Fehler leider erst nach der Auslieferung heraus. Ähnlich wie schon bei Oyo I oder LumiRead liegt die Tücke eben oft im Detail, wenn Geräte von Drittherstellern übernommen werden. Eine Alternative ist jedoch nicht in Sicht: anders als große Player wie Amazon oder Barnes&Noble auf der anderen Seite des Atlantiks können sich die eher mittelständisch geprägten Buchhandels-Unternehmen in Deutschland keine In-House-Entwicklung von Lesegeräten leisten.

PR-GAU: Von wegen „Lesen leichgemacht“

Einfache Lieferschwierigkeiten wie beim Liro Color sind dabei noch das kleinere Übel. Im Fall des ansonsten technisch hochwertigen iRiver Story HD ist es die Zuordnung zwischen integriertem E-Store und der jeweiligen Buchhandlung, in der das Gerät gekauft wurde, die nicht funktioniert. Für das von KNV gewählte Beteiligungs-Konzept in Form von Provisionen für das drahtlose E-Book-Shopping war das natürlich katastrophal. Der direkte Umtausch scheint aber immer noch der beste Weg zu sein, um für Abhilfe zu sorgen. Libri wie auch Thalia haben sich in der Vergangenheit eine Menge Ärger mit Firmware-Updates eingehandelt, die mehr Probleme schufen, als sie eigentlich lösen sollten. Die Akzeptanz des elektronischen Lesens wird durch solche Pannen bestimmt nicht gefördert – vor allem, da man nach den Early Adopters jetzt auf Kunden zielt, die nicht mit technischen Details genervt werden möchten. KNV vermarktet den iRiver Story HD online ausgerechnet über die Website „lesen-leicht-gemacht.de“.