„Götterfunke“-Saga startet: Marah Woolfs Romantasy jetzt als Verlagsware im Buchhandel

marah-woolf-crossmarketing-kampagneDas nennt man wohl ganz groß rauskommen: „Endlich: Die Bücher der Romantasy-Bestseller-Autorin auch in Ihrer Buchhandlung“, wirbt eine doppelseitige Anzeige in einem Börsenblatt-Sonderheft für die neue „Götterfunke“-Reihe von Marah Woolf. Als Selfpublisherin war sie mal gestartet, 2015 folgte dann der Verlagsvertrag mit der Oetinger-Tochter Dressler. Am 20. Februar erscheint nun mit „Liebe mich nicht“ Band 1 der Götterfunken (früherer Arbeitstitel: „Prometheus“) als E-Book und Hardcover auf klassischem Wege — bis 2018 folgen dann Teil 2 und 3.

Bereits Millionenauflage mit E-Book-Version

In der Anzeige wendet sich Woolf in einem kurzen handschriftlichen Brief direkt an BuchhändlerInnnen: „Die Bücher, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe und die über eine Million Mal gelesen wurden, fanden ihren Weg hauptsächlich digital zu meinen Leserinnen. Das wird sich nun ändern. Meine Fans können es jedenfalls kaum erwarten, dieses Buch in Ihrem Geschäft zu finden, es anzufassen und daran zu schnuppern.“

Premium-Pricing für „Götterfunken“

Nicht nur von der Aufmachung her, auch preislich sind die neuen Bände deutlich als typische Verlagsware erkennbar — die Hardcover-Version geht für satte 18,99 Euro über den Ladentisch (und erreicht dort natürlich eine andere bzw. erweiterte Zielgruppe) , die Kindle-Version für prohibitive 14,99 Euro. Bisher kosteten Woolfs selbst verlegte E-Books deutlich weniger — Bände der FederLeicht-, BookLess- und MondSilberLicht-Saga gibt’s im Kindle-Shop für 3,99 Euro, die Taschenbuch-Versionen ab 8,99 Euro.

[Indie-Lounge] „Das wichtigste im Autorenberuf: Den Lesergeschmack treffen“ – Marah Woolf im Interview

Heute zu Gast in der Indie-Lounge: Marah Woolf, die am liebsten Geschichten im Bereich Romance Fantasy schreibt. Die mit ihrer Familie in Edinburgh lebende Self-Publisherin hat mit ihrer erfolgreichen MondSilberLicht-Saga schon mehrere internationale Verlage auf sich aufmerksam gemacht und freut sich über eine Übersetzung sogar ins Koreanische. Das erste Buch der Saga hat vor 731 Tagen die Top 100 erobert und ist immer noch gelistet. Gerade aktuell ist die BookLessSaga, die besonders Freunde guter Bücher interessieren wird.


„Mein Arbeitstag ähnelt dem anderer berufstätiger Mütter“


Marah, du feierst herausragende Erfolge, deine Bücher werden in mehrere Sprachen übersetzt – aber du hast als berufstätige Mutter mit drei Kindern begonnen. Wie schafft man so was?

So, wie jede Mutter, die von 8.00 bis 17.00 Uhr arbeiten geht und nebenher ihre Kinder großzieht und einen Haushalt führt – mit Organisation. Ich glaube nicht, dass sich mein Arbeitstag so groß von dem anderer berufstätiger Mütter unterscheidet. Wenn meine Kinder in der Schule sind, arbeite und schreibe ich und nachmittags sind der Haushalt und die Kinder dran. Natürlich bin ich in meiner täglichen Arbeit viel flexibler und vor allem kann ich wahrscheinlich deutlich kreativer sein ☺. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass ich auch einen Mann habe, der mich ganz viel unterstützt. Wenn ich mal keine Lust habe, gehe ich in den Garten und zupfe Unkraut, das hätte ich in meinem Angestelltenleben in der Bank nicht machen können.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Ich würde sagen, das ist wahrscheinlich mehr als ein Acht-Stunden-Job. Die Zeit vormittags nutze ich meist zum Schreiben und abends, wenn die Kinder im Bett sind, beantworte ich noch viel Mails und so weiter.

Jeder kennt dich – oder ziemlich viele tun es, aber du warst auch mal eine unbekannte Anfängerautorin. Was hast du getan, damit deine Bücher von den Lesern entdeckt werden?

Ich werde immer mal wieder nach der ultimativen Idee gefragt, dabei gibt es die gar nicht. Ich habe einfach ein Buch geschrieben, das offenbar sehr vielen LeserInnen gefallen hat. Ich denke, dass das das Wichtigste am Beruf der Autorin ist – den Lesergeschmack zu treffen. Alles, was man dann noch macht, ist im Grunde buntes Beiwerk – jedenfalls für uns Selfpublisher, die wir nicht die Möglichkeiten haben, unsere Bücher sehr sichtbar zu präsentieren. Wir sind davon abhängig, dass die Leser uns entdecken und weiterempfehlen. Da können Preisaktionen helfen, die ich persönlich aber nicht einsetze. Mein Fokus liegt auf der Leserbindung und dafür betreibe ich offensiv meinen Facebook-Account und meine Website.


„Auf Lektoren oder Verleger warten – das würde mich irre machen“


Was schätzt du von all deinen Aktivitäten als Wichtigste ein, die dir am meisten geholfen hat, die Topränge zu erobern?

Wie ich schon in der vorangegangenen Frage gesagt habe – am Wichtigsten ist das Buch selbst. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die sagen: „Es sind aber auch so viele schlechte Bücher in den Bestsellerlisten.“ Das können diese Leute so meinen, aber offenbar empfinden das andere Leser nicht so. Für mich ist es eh nicht entscheidend, ob ein Buch es in die Top 100 schafft, sondern, wie lange es dort bleibt und das wenn möglich noch zu einem vernünftigen Preis.

Du schreibst, dass du glücklich bist, dein „Baby“ ganz allein an die Hand zu nehmen und fit für die Welt zu machen – ganz ohne einen Verlag. Warum ist das so?

Einfach weil ich alles selbst entscheiden kann. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Bei mir muss alles flott gehen. Wenn ich auf einen Anruf oder eine Entscheidung eines Verlages/Lektors wochenlang warten müsste, würde mich das irremachen. Ich bin wahrscheinlich auch nicht so ein totaler Teammensch – weil ich denke, an dem Spruch „viele Köche verderben den Brei“ schon etwas dran ist. Ich möchte einfach meine eigenen Entscheidungen treffen und umsetzen und das möglichst ohne Zeitverzug.

Jetzt haben dich nicht nur die Leser, sondern auch die Verlage entdeckt, zumindest ausländische. Wie ist das passiert? Wie macht man solche Verlage auf sich aufmerksam?

Ich glaube, dass die ausländischen Verlage und Agenturen unseren Buchmarkt ziemlich genau beobachten. Wichtig ist, dass man keine Eintagsfliege ist, sondern kontinuierlich an seinen Büchern und seinem Erfolg arbeitet. Wenn Verlage sehen – da ist eine Autorin, ein Autor – mit dem man eine langfristige Geschäftsbeziehung eingehen kann, dann wird man eben auch interessant. Meine MondLichtSaga wird in den nächsten Jahren in Französisch und Koreanisch erscheinen und gerade ist eine Anfrage eines großen türkischen Verlages eingetroffen. Da bin ich jetzt sehr gespannt, ob das klappt.

Kamen nach dem Gewinn deines Preises auf der Leipziger Buchmesse auch deutsche Verlage auf dich zu? Wie gehst du damit um/wie würdest du damit umgehen?

Ja. Ich glaube fast jeder größere deutsche Verlag, der Bücher in meinem Genre publiziert, hat bei mir für die Rechte meiner Nachfolgewerke angefragt. Es ging hierbei um die BookLessSaga, die mittlerweile komplett erschienen ist und sich gut 70.000 Mal verkauft hat. Damit ist die BookLessSaga in Verkaufszahlen bisher genauso erfolgreich wie die MondLichtSaga zum selben Zeitpunkt. Leider hat sich keiner der Verlage getraut, meine MondLichtSaga in den Buchhandel zu bringen und damit waren die Angebote für mich uninteressant. Ich sage mal, eine Hand wäscht die andere. Ein weiterer Aspekt war, dass wenn ich die Rechte an einen Verlag abgegeben hätte, heute gerade mal der erste Teil der BookLessSaga erschienen wäre. Diese langen Erscheinungsabstände möchte ich meinen Lesern einfach nicht zumuten und auch nicht die unverschämten E-Book-Preise. Im Grunde wären mir fest vereinbarte Marketingaktivitäten und ein festes Marketingbudget für den Buchhandel am Wichtigsten und natürlich, dass ich meine E-Book-Rechte behalten darf. Laut Börsenverein des deutschen Buchhandels werden doch sowieso nur sechs Prozent der deutschen Bücher als E-Books verkauft – dann kann ich das bisschen doch auch behalten☺ Aber der Verlag muss wohl erst noch geboren werden.


„Selbstbestimmt arbeiten bedeutet mehr Lebensqualität“


Was hat sich durch den Erfolg in deinem Leben geändert?

Ich bin selbstbestimmter. Das ist ein ganz großer Zugewinn an Lebensqualität für mich. Ich war schon vor meinem Leben als Autorin selbstständig, aber immer von Kundenwünschen und -ansprüchen abhängig. Heute entscheide ich selbst über mein Produkt – mein Buch. Natürlich überlege ich mir vorher, was meine LeserInnen mögen, aber ich schreibe nie etwas, von dem ich nicht überzeugt bin.

Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Ich habe eine Lektorin und eine Korrektorin. Mit beiden arbeite ich schon seit mehreren Büchern zusammen und natürlich habe ich eine professionelle Coverdesignerin. Außerdem gebe ich meine Bücher, vor der Veröffentlichung diversen Probelesern, um schon mal ein Feedback zu bekommen, was ich da so wieder verbrochen habe.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Anfangs habe ich mir ein paar Schreibratgeber gekauft und bin auch auf zwei Kursen gewesen. Letztendlich glaube ich aber, hilft nur das Lesen, sich selbst zu verbessern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein guter Autor nicht selbst liest. Auch der Austausch mit anderen befreundeten Autorinnen ist äußerst hilfreich – noch besser natürlich, wenn diese meine Texte lesen und daran rummäkeln.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Ich hätte zwei. Lesen und sich vor Veröffentlichung eines Buches genau überlegen, was ich will. Möchte ich das Buch veröffentlichen, weil es mir ein Herzenswunsch ist und ich diese Geschichte unbedingt schreiben muss, oder möchte ich mit diesem Buch erfolgreich sein. Natürlich schließt das eine das andere nicht unbedingt aus.
Leser haben Wünsche und Vorstellungen und die müssen nicht unbedingt mit der persönlichen Geschichte des Autors konform gehen. Wenn ich ein neues Genre erfinden möchte, dann muss ich mich nicht wundern, dass das nur wenige andere auch interessiert. Wenn ich eine total skurrile Geschichte schreiben möchte, weil ich das gerne lesen würde, kann ich nicht erwarten, dass andere das auch interessiert. Das bedeutet nicht, dass solche Geschichten nicht geschrieben werden sollten, aber der Erwartungshorizont muss dann dazu passen.

Du hast jetzt zwei Sagas geschrieben. War es von Anfang an Absicht, Sagas mit mehreren Büchern zu schreiben? Warum hast du das gemacht?

Grundsätzlich war das nicht meine Absicht. Wenn „MondSilberLicht“ nicht so erfolgreich gewesen wäre, dann hätte ich sicherlich nicht weitergeschrieben. Als sich aber herausstellte, dass die Leser die Geschichte mögen, habe ich den zweiten und dritten Teil verfasst. Mit der BookLessSaga war das anders. Die Idee war eigentlich für einen Einteiler. Erst beim Schreiben kam mir die Erkenntnis, dass da Stoff für viel mehr ist.


„Es lohnt sich, für unsere Bücher zu kämpfen“


Die aktuelle Sage heißt „Bookless“. Das ist ein richtiges Fest für Bücherfreunde. Kannst du in einem Satz sagen, worum es darin geht? Wie bist du auf diese Idee gekommen? Haben damit eventuell auch aktuelle Trends zu tun?

Es geht um Bücher und deren Verlust und was das für uns bedeuten würde, und warum es sich lohnt, um Bücher zu kämpfen und sie nicht der dunklen Seite der Macht zu überlassen ☺. Die Idee hatte ich schon sehr früh, also sicher schon zwei oder drei Jahre, bevor ich das erste Buch schrieb. Aber ich musste erst noch die MondLichtSaga zu Ende schreiben, was vielleicht gut war, so konnte die Idee in Ruhe reifen.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?
Ich schreibe derzeit an verschiedenen Projekten. Da ist einmal eine Dystopie und der Beginn eines neuen Fantasyzyklus, der aber stark mit der MondLichtSaga verwoben ist. Dann habe ich meinen Leser für das nächste Jahr den vierten Teil der MondLichtSaga versprochen. Ich hoffe, dass ich alles schaffe. Was als Nächstes erscheint, verrate ich aber noch nicht.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Vor allem ein riesengroßes Dankeschön dafür, dass ihr meine Bücher so liebt, sie ganz fleißig lest und weiterempfehlt und mir so viel tolles Feedback gebt – ihr seid meine Geheimwaffe. Ich hoffe, dass ich Euch auch in den nächsten Jahren weiter mit spannenden, romantischen und nervenaufreibenden Geschichten glücklich machen kann.

Marah, ganz herzlichen Dank für deine Antworten. Es ist ermutigend, von deinen Erfolgen zu hören, und ich wünsche dir noch viele weitere Sprachen in deiner schönen Sammlung von Übersetzungen. Und natürlich immer neue gute Ideen, mit denen du deine Leser und Leserinnen verzauberst.

Wer mehr über Marah Woolf erfahren möchte, kann sie gerne auf ihrer Homepage besuchen.