[Indie-Lounge extra] „24 Autoren – 24 Stunden“ startet – Interview mit Michael Meisheit

24stunden-24autoren-leipziger-buchmesseHeute wurde auf der Leipziger Buchmesse das Ergebnis eines literarischen Experiments vorgestellt: „24 Stunden – 24 Autoren“. Der Titel dieses Buchs ist Programm: Vierundzwanzig der erfolgreichsten unabhängigen Autorinnen und Autoren haben sich zusammengefunden und in Eigenregie ihre Figuren, ihr Können und ihre Ideen zu einem Feuerwerk an spannenden, witzigen oder gefühlvollen Geschichten verbunden. Maßgeblichen Anteil an der Realisierung hatte Michael Meisheit, bekannt als Drehbuchautor der Lindenstraße und als erfolgreicher Buchautor unter dem Pseudonym Vanessa Mansini.

Klaus Seibel: Michael, wie ist die ausgefallene Idee zu einem gemeinsamen Buch entstanden?

Michael Meisheit: Sie lag in der Luft. Durch die letztjährigen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt haben sich eine ganze Reihe von Autoren persönlich kennengelernt und auch angefreundet. Über Facebook stehen wir im regelmäßigen Austausch und dass man „mal etwas zusammen machen müsste“, geisterte immer wieder durch die Runden. Im Sommer letzten Jahres hatte ich bereits die Idee von den 24 Stunden eingebracht, die direkt gut ankam. Nach der Buchmesse in Frankfurt haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.

Bücher, in die mehrere Autoren eine kurze Geschichte einbringen, also Anthologien, gibt es häufig. „24 Stunden – 24 Autoren“ ist anders, ein echtes literarisches Experiment. Was ist der besondere Kick?

Zweierlei ist sehr ungewöhnlich und in meinen Augen so noch nicht da gewesen: Erstens hat jeder Autor seine bekannten Hauptfiguren aus anderen Werken mitgebracht, also existierende fiktionale Charaktere, die den Lesern vertraut sind und teilweise schon über viele Romane hinweg eine komplexe Persönlichkeit entwickelt haben. Dadurch lag es nahe, als Setting ein Hotel zu wählen, in dem all diese Figuren aus den unterschiedlichsten Gründen auftauchen konnten. Und der zweite Clou war: Jeder sollte in „seinem“ Genre schreiben, in dem Stil, den er und auch seine Leser gewohnt sind. So mixen wir in unserem Roman also Krimi mit Liebesroman, Fantasy mit Thriller, Science Fiction mit Humor. Wir wechseln auch munter bei der Erzählperspektive oder sogar in der Zeitform. Dadurch wird jedes Kapitel – auch wenn es sich in ein großes Ganzes einfügt – tatsächlich ein wiedererkennbares Werk des entsprechenden Autors.

Die Auswahl der Autoren war kein Zufall. Welche Kriterien gab es?

Abgesehen davon, dass wir eine gewisse Vielfalt an Genres und Autorenpersönlichkeiten haben wollten, gab es vor allem ein Kriterium: Es sollten erfahrene Selfpublisher sein, die mit ihren bisherigen Büchern bereits viele Leser gefunden hatten. Es ist kein Autor dabei, der nicht schon mit einem Buch in den Top 100 der Kindle-Charts gewesen ist. Viele sind sehr erfolgreiche Bestsellerautoren. Wir haben einmal zusammengerechnet, was jeder so bisher in seiner Karriere verkauft hat, und sind auf über sechs Millionen Bücher gekommen.

Vierundzwanzig erfolgreiche Selfpublisher, die bewusst unabhängig und oft auch Individualisten sind; sie kennen sich teilweise nur über Internet; sie schreiben normalerweise Bücher, die genauso verschieden sind wie die Autoren; und dann haben sie bloß zwei Monate Zeit. Aus diesen Zutaten ein gemeinsames Buch zu machen, klingt utopisch. Du hast die Sache in die Hand genommen. Was waren deine größten Herausforderungen?

Man wird es kaum glauben, aber die eher technischen Fragen waren weit schwieriger zu lösen als die inhaltliche Arbeit. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir jedem Autor größtmögliche Freiheit in seinem Kapitel gegeben haben. Jeder hatte eine Vorgabe in Bezug auf den roten Faden, aber was er daraus gemacht hat, wurde akzeptiert, wie es war. Es gab ein externes Lektorat und natürlich auch hier und da Vorschläge, etwas anders zu machen, aber niemand wurde gedrängt, dies auch umzusetzen – so lange die große Geschichte nicht fehlerhaft wurde. Und gerade, was die Abstimmung zwischen den Kapiteln anging, waren alle sehr eifrig und hatten erkennbar Spaß daran, noch einmal Figuren der anderen bei sich auftauchen zu lassen oder ähnliches. Schwieriger war es dann schon, sich auf ein Cover zu einigen, oder in welcher Gesellschaftsform wir das Projekt angehen. Gott sei Dank gibt es in Facebookgruppen aber die Möglichkeit, Abstimmungen abzuhalten – im Zweifel hat dann stets die Mehrheit entschieden.

Was waren die wichtigsten Kriterien für den Erfolg des Projekts?

Ob es ein Erfolg (beim Leser) wird, werden wir ja erst noch sehen. Fürs Gelingen war auf jeden Fall entscheidend, dass wir 24 sehr professionelle Persönlichkeiten zusammengebracht haben, die Deadlines einhalten können, es gewohnt sind, schnell zu reagieren, selbst Aufgaben zu übernehmen und einfach sehr offen sind für Neues. Das ist ja eigentlich die Definition eines erfolgreichen Selfpublishers. Und als jemand, der aus der Arbeit bei Fernsehserien gewohnt ist, mit einem Team von Kreativen zu arbeiten, muss ich sagen, dass es erstaunlich reibungslos geklappt hat, vermeintliche Einzelkämpfer zu einer effektiven Autorengruppen zusammenzuschmieden.

Ein Verlag würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil man das Buch in kein Genre einordnen kann und der Mix abenteuerlich ist. Worauf muss sich der Leser einstellen?

Der Leser kann sich freuen. Wir wussten ja selbst nicht, wie das fertige Buch werden würde, aber haben nun alle einen spannenden Effekt beim Lesen festgestellt, den auch erste Testleser betätigt haben: Der häufige Wechsel der Perspektive und auch der Genres hat einen besonderen Unterhaltungswert, eben weil man denselben Tag immer wieder aus der Sicht anderer Figuren erleben kann, die alle auch noch ihren eigenen Hintergrund mitbringen. Es ist ein sehr kurzweiliges Buch, das für Krimileser auf jeden Fall funktioniert, aber mit Leichtigkeit und Humor auch in andere Welten entführt. Ich selbst habe dabei echt einige Entdeckungen bei Kollegen gemacht und mir gleich ihre anderen Bücher zugelegt …

Parallel zu dem Buch haben die Autoren ein hundertseitiges Messemagazin erstellt und einen großen Stand mit vielfältigem Programm organisiert. Solch eine Leistung war man bisher nur von Verlagen gewohnt. Müssen Verlage jetzt zittern, weil man sich ganz offensichtlich auch ohne sie professionell aufstellen kann?

Zittern vielleicht nicht, aber es findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt. Der Autor kann sehr viel mehr selbst machen. Er hat durch „kurze Wege“ und fehlende Bürokratie sogar deutliche Vorteile gegenüber eher schwerfälligen Verlagen. Und erstmals auch die Möglichkeit, jenseits von Vorschüssen und Spiegelbestsellerliste vom Schreiben zu leben – die Autoren des Gemeinschaftsprojektes und des Standes sind allesamt Beispiele dafür. Trotzdem eint auch uns: Wir wollen vor allem schreiben und nicht so sehr mit Messeveranstaltern über die richtigen Parkausweise diskutieren oder einen Crashkurs in Messebau absolvieren. Verlage, die klug genug sind, Autoren auf Augenhöhe mit guten Angeboten (und viel Freiraum) zu begegnen, könnten eigentlich von der derzeitigen Situation eher profitieren. Aber es kommt natürlich immer darauf an, wie offen man für neue Wege ist …

Das gemeinsame Buch wird von Amazon beworben, es gibt sogar eine besondere Veranstaltung. Warum gerade mit Amazon?

Alle am Projekt teilnehmenden Autoren haben hauptsächlich durch Amazon Erfolge feiern können. Es ist also sozusagen der natürliche Lebensraum für dieses Buch. Amazon hat auch heute noch die größte Reichweite bei den für uns so wichtigen eBook-Lesern und vor allem das beste Angebot an Selfpublisher. Die Plattform bietet in Sachen Sichtbarkeit Möglichkeiten, die es sonst nirgendwo gibt. Und Amazon Deutschland pflegt mit uns Autoren eine Zusammenarbeit auf besagter Augenhöhe – es kommen Angebote, die einem wirklich weiterhelfen.

„24 Stunden – 24 Autoren“ ist exklusiv über Amazon zu bekommen, genauso wie viele andere Bücher der beteiligten Autoren. Schade für die Leser, denen Bestseller quasi vorenthalten werden, weil sie einen anderen Reader haben. Ist hier Änderung in Sicht? Was steht einer Änderung im Weg?

Änderung daran ist vor allem dann möglich, wenn andere Anbieter vergleichbar gute Angebote an Selfpublisher machen würden. Aber viele Shops haben nicht einmal Ansprechpartner für unabhängige Autoren geschweige denn, dass man über sie Werbemaßnahmen für die eigenen Bücher bekommen kann. Derzeit ist etwas Bewegung in die Sache gekommen, besonders Apple entwickelt sich interessant und das wird von uns Autoren auch wohlwollend beobachtet oder gar getestet. Denn auch für uns wäre es natürlich toll, wenn es Alternativen zu Amazon gäbe – Konkurrenz belebt das Geschäft.

Eine Gruppe der besten unabhängigen Autoren hat mit ihrem gemeinsamen Buch und dem Stand ein beeindruckendes Zeichen gesetzt. Wie wird es jetzt weitergehen? Was wünschst du dir für die Zukunft?

Erst einmal wünsche ich mir, dass möglichst viele Leserinnen und Leser uns an unserem Stand auf der Leipziger Buchmesse („Lieblingsautoren“, Halle 5, B206) besuchen und mit uns ins Gespräch kommen. Man wird dort auch „24 Stunden – 24 Autoren“ als Taschenbuch erstehen können und mal sehen, wer es schafft, es von allen Autoren signiert zu bekommen. Für die Zukunft hoffe ich, dass es weiterhin eine so schöne und für alle fruchtbare Vernetzung der unabhängigen Autoren gibt – dann sind noch viele, viele spannende Projekte vorstellbar, mit der wir die Buchwelt ein wenig auf den Kopf stellen können …

Michael, einen herzlichen Dank für deine Antworten. Und mögen deine Wünsche in Erfüllung gehen.

[Indie-Lounge] „Wenn Ihr es ernst meint mit einer Geschichte, investiert etwas“ – Michael Meisheit im Interview

Heute zu Gast: Michael Meisheit alias Vanessa Mansini. Unter seinem bürgerlichen Namen hat er bereits eine erfolgreiche Karriere als Drehbuchautor hinter sich. Mehr als 300 Folgen der Lindenstraße und weiterer Sendungen stammen aus seiner Feder – oder richtiger: aus seinen Tasten. Drehbücher waren ihm nicht genug, so dass er jetzt auch Romane schreibt, die er als E-Books herausgibt, bisher sind es drei. Bevorzugt geht es darin um Drama, Humor, Familie und Liebe. Mit seinem Blog-Roman „Nicht von dieser Welt“eroberte er als Vanessa Mansini Platz #1 der Amazon-Charts. Was ein Blog-Roman ist, warum er ein weibliches Pseudonym wählt und wie es einem geht, wenn man auf dem Weg zum Platz #1 ist, verrät er uns jetzt.


„Pionierzeit des Self-Publishings braucht Experimente“


Klaus Seibel: Michael, wie kommt ein erfolgreicher Drehbuchautor auf die Idee, einen Roman zu schreiben, den er dann selbst als E-Book herausgibt?

Michael Meisheit: Es war ja anders. Der Drehbuchautor hatte schon seit vielen Jahren aus unterschiedlichen Gründen diverse Texte / Manuskripte auf seiner Festplatte liegen und entdeckte letztes Jahr die grandiosen Möglichkeiten des Selfpublishings. Sowieso begeistert von der schönen, neuen Welt des Internets (zumindest für Autoren) war schnell klar, dass die Pionierzeiten nach Experimenten riefen – und das war dann mein Debütroman „Soap“, der aber eigentlich schon zehn Jahre älter war. Ähnlich war es bei den anderen Büchern: „Irgendwas ist immer“ sind alte Kurztexte von der Community jetzt.de und „Nicht von dieser Welt“ ist ein Blogroman, der zwei Jahre öffentlich zugänglich im Netz stand.

Was hast du gedacht, als du „Nicht von dieser Welt“ auf Platz 1 bei Amazon entdeckt hast?

„Entdeckt“ ist vielleicht das falsche Wort. Ich habe in der Woche, in der es so rasant nach oben ging, irgendwann nur noch vor dem Computer / Handy gesessen und ungläubig die Verkaufszahlen / Kindlecharts angestarrt. An einem Freitag ging ich abends auf Platz 3 ins Bett, wachte nachts um zwei Uhr auf, um mich auf Platz 2 bestaunen zu können, und war dann sofort um 7 Uhr hellwach, als ich auf Platz 1 stand. Gedacht habe ich dann: „Schnell einen Screenshot machen, bevor es vorbei ist.“ Ich war sicher, dass es schnell vorbei sein würde, wenn ich vom Einstiegspreis auf meinen normalen Preis von 2,99 Euro gehen würde. Richtig unglaublich wurde es erst, als ich dann eine Woche später immer noch auf Platz 1 stand – mit 2,99 Euro…

Warum hast du ein Pseudonym gewählt und dann noch ein weibliches?

„Nicht von dieser Welt“ hat ganz klar ein weibliches Zielpublikum. Auch wenn das Buch sicher einige Eigenheiten hat, ist es schon klassische Genre-Literatur, bei der es bestimmte Erwartungen gibt, und eine davon ist nun einmal, dass sie von Frauen geschrieben wird. Ich habe tatsächlich diverse Male die Rückmeldung bekommen, dass Leserinnen das Buch nicht gekauft hätten, wenn sie gewusst hätten, dass ein Mann es geschrieben hat – wohlgemerkt Leserinnen, die das Buch sehr mochten.


„Am Anfang fiktiver Blog – dann später Blogroman“


„Nicht von dieser Welt“ ist ein Blog-Roman. Was darf man darunter verstehen?

Ursprünglich war der Text tatsächlich ein fiktiver Blog, den ich über gut sechs Monate regelmäßig geschrieben und veröffentlich habe. Die Geschichte entwickelte sich mit aktuellen Bezügen, Links zu anderen Seiten, reagierend auf Feedback von Lesern usw. Es war ein Experiment mit den neuen Möglichkeiten, die das Internet uns Autoren bietet. Und es hat wahnsinnigen Spaß gemacht. Nur leider haben es nicht allzu viele Leute damals gelesen. Deswegen dachte ich, dass man es doch mal als eBook versuchen kann.

Das hat sich dann auch richtig gelohnt. Wie viel Zeit neben deiner Drehbuchtätigkeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Ironischerweise habe ich in dem Jahr, in dem ich mich nun als Romanautor versuche, noch gar nichts geschrieben. Also nichts Neues. Überarbeitungen okay. Aber mein erster eigens für diese neue „Karriere“ geschriebener Text existiert noch gar nicht. Ich habe als Drehbuchautor allerdings auch viel zu tun, so dass es bisher gar nicht anders ging. Dazu kommt eine Familie mit zwei kleinen Kindern. So ist es schwer zu schätzen, wieviel Zeit ich für Marketing und derlei abknapse, aber eine Stunde am Tag wird es sicher sein plus viele kleine Postings hier, Mails da usw. Und in „heißen Phasen“ natürlich auch mal einige richtige Arbeitstage mit Überarbeitungen, Blogbeiträgen usw.

Was motiviert dich zum Schreiben?

Es macht Spaß. Geschichten erzählen ist für mich der tollste „Beruf“ der Welt. Das setze ich in Anführungszeichen, weil ich es sicherlich auch machen würde, wenn ich kein Geld damit verdienen könnte.

Wirst du den Mix Drehbuchautor – E-Book-Autor beibehalten, oder verschiebt sich da etwas durch deinen E-Book-Erfolg?

Der Mix wird generell beibehalten, aber es kann gut sein, dass sich etwas verschiebt. Neben meinen festen Drehbuchjobs habe ich in der Vergangenheit sehr oft interessante und leider auch nicht unbedingt aussichtsreiche Drehbuchprojekte angenommen, die dann durchaus Spaß machten, aber in der Regel versandet sind. Solche Projekte werden nun sicher zugunsten neuer Romanprojekte reduziert werden.


„Wer besser schreiben will, muss schreiben“


Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen? Hat deine Drehbuch-Vorgeschichte dir dabei geholfen?

Mein Geheimnis ist, dass ich eine Menge Glück gehabt habe. Ich glaube schon, dass man mit professioneller Arbeit, einer tiefen Kenntnis der Amazon-Kindle-Welt und vor allem einem guten Stoff einen Platz in den Top 100 zumindest kurzzeitig hinbekommen kann. Aber alles, was da darüber hinausgeht, ist gerade für Anfänger – zu denen ich mich immer noch zähle – pures Glück. Allerdings habe ich eins deutlich gesehen: Die Bedeutung von Titel, Cover und Klappentext kann gar nicht überschätzt werden.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Wenn Ihr es ernst meint mit einer Geschichte, dann investiert etwas. Lektorate und professionelle Coverdesigner kosten ein paar Euro mehr, aber das ist gut angelegtes Geld. Gerade bei Amazon hat man die einmalige Möglichkeit, sein Buch direkt neben den großen Verlagen und weltbekannten Autoren zu präsentieren. Wenn der Leser dann schon am selbstgebastelten Cover sieht, dass man selbiger eben nicht ist bzw. die Bewertungen mehrfach auf die katastrophale Rechtschreibung hinweisen, verspielt man dieses Geschenk leichtfertig.

Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Bei „Soap“ habe ich bis auf das Cover-Design erst einmal alles selbst ausprobiert bzw. mir allein von der „Crowd“ helfen lassen. Während ich die Hilfe der Communities immer noch für eine geniale Errungenschaft des Internets halte und sie weiter nutzen werde, gebe ich in Zukunft alle technischen Sachen in die Hände von Profis. Es gibt sehr gute Dienstleister, auch z. B. für das Setzen oder die Konvertierung von Texten. Das schont nicht nur die Nerven und die Tischkante, sondern führt zu einer hohen Qualität der Ergebnisse. Und es gibt einem mehr Zeit zum Schreiben.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Schreiben. Schreiben hat mir geholfen. Ich bin sicher in der glücklichen Lage, dass ich schon sehr früh professionell schreiben konnte für etwas, das dann schnell und vor allem garantiert umgesetzt und gesendet wurde. Das ist ein Privileg. Das hat nebenbei dazu geführt, dass ich von eigenen Fehlern enorm lernen konnte. Gott sei Dank nicht nur, wenn sie gesendet waren, sondern auch im Drehbuchstadium, denn die Drehbücher gehen durch zahlreiche Hände. Kritik zählt hier zum ganz normalen Arbeitsablauf. Insofern denke ich, dass kein Kurs oder Ratgeber der Welt mehr hilft, als etwas zu schreiben und sich dafür Feedback zu holen. Das gilt auch und gerade für Selfpublisher – denn hier kann man sich z.B. Testleser übers Internet suchen. Und falls man schon etwas veröffentlicht hat und viel Kritik erntet, dann sollte man das als Geschenk annehmen und daraus so viel ziehen wie nur möglich.


„Selfpublisher sollten als normale Autoren wahrgenommen werden“


Du bist mit deinen E-Books unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Bisher finde ich alles gut! Nein, im Ernst. Es sind aufregende Zeiten. Mich reizt und fasziniert, dass alles neu ist. Dass man das Gefühl hat, ein Pionier zu sein. Natürlich ist es großartig, dass man sein eigener Chef ist. Aber es gibt auch eine tolle Community mit vielen anderen klugen und kreativen Leuten, die Ähnliches erleben und ähnlich begeistert sind. Und als Sahnehäubchen gibt es mit dem entsprechenden Glück auch noch gute Verdienstmöglichkeiten, obwohl ich – auch für mich – den Erfolg von „Nicht von dieser Welt“ nicht als Maßstab nehmen würde. Was ich nicht so sehr mag, ist die Erwartungshaltung, mit der so mancher nun in diesen Bereich kommt. Natürlich wird die durch Erfolgsgeschichten geschürt, aber wer meint, irgendeinen Text zusammenzukloppen und zu veröffentlichen ist der Garant für Ruhm und Reichtum, könnte falscher nicht liegen. Am selben Tag wie „Nicht von dieser Welt“ sind noch 60 andere eBooks allein bei Amazon erschienen. Keins davon hat sich auch nur in der Top 1000 festsetzen können, selbst nicht die von Verlagen. Soll heißen: Die Mehrzahl aller Bücher geht unter. Das ist die Norm. Und man braucht entweder Glück vergleichbar mit einem Lottogewinn oder schon professionelle und schweißtreibende Arbeit, damit es anders aussieht.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Eine genaue Erklärung des Algorithmus’ von Amazon. Abgesehen davon, dass Amazon sich verdammt wenig in die Karten gucken lässt, gibt es bereits eine Menge Erleichterungen, gerade durch die Community. Arbeiten könnte man noch an der öffentlichen Wahrnehmung, also dass man als Selfpublisher auch in den Medien weniger als Exot (oder Verrückter), sondern einfach als ganz normaler Autor wahrgenommen wird. Es gibt einige positive Entwicklungen, aber außerhalb des Internets auch noch viel starres Denken. Und großartig wäre eine Möglichkeit, mit seinen Printversionen in die Buchhandlungen zu kommen. Das ist im Moment noch sehr, sehr kompliziert, weswegen der Selfpublishermarkt fast ein reiner eBook-Markt ist.

Ein Verlag nimmt einem Autor viel Arbeit ab, verspricht bessere Qualität und eine größere Verbreitung. Könnte dich ein Verlag locken und womit (außer mit vielen Millionen &#x263A?

Klar kann mich ein Verlag locken. Aber es müsste schon ein Gesamtpaket (Verbreitung UND viele Millionen) sein, dass meine derzeitigen Möglichkeiten klar toppt und mir entsprechende Freiheiten lässt. Ich bin ja nicht in diese Welt eingestiegen, weil ich dann doch wieder nur das machen will, was andere für markttauglich halten.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

„Soap“. Ganz klar. „Nicht von dieser Welt“ mag ich zwar sehr, aber es ist schon ein Roman, der durch den Blog einen speziellen Hintergrund und auch Schwächen hat. „Soap“ ist runder, stimmiger.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Sobald ich dann doch mal die Zeit finde, wird es neue Projekte geben. Die Ideen sind bereits reichlich vorhanden. aber richtig festgelegt habe ich mich noch nicht. Wahrscheinlich werde ich aber in einem meiner bisherigen Linie treu bleiben: Es wird in irgendeiner Hinsicht wieder ein Experiment sein.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Danke! (Das ist jetzt nur ein Wort, aber wenn es um meine Leserinnen und Leser geht in der Tat mein größtes Anliegen. Denn was ich in den letzten Monaten erlebt habe, auch an positivem Feedback, ist nur durch Leser möglich, die offen und neugierig sind und sich auf das einlassen, was ich mache. Dafür gebührt mein tausendfacher Dank.)

Michael, ich danke dir herzlich für deine Antworten. Du machst Mut zum Experimentieren. Man muss nicht immer alles so machen, wie es bisher üblich war, und die Leser sind durchaus offen für Neues. Ich wünsche dir viele Ideen und dass du uns bald mit neuen Experimenten überraschst.

Wer mehr über Michael Meisheit erfahren möchte: mehr Infos gibt’s auf seiner Webseite: michaelmeisheit.de. Wen es interessiert, der findet dort auch Zahlen, wie viele Verkäufe ungefähr welches Ranking bedeuten.

Autorenfoto M. Meisheit: Steven Mahner