Tagesspiegel wird zum Berliner „Tut uns leid“-Medium: Paywall für Premium-Content angekündigt

tagesspiegel-plant-paywallDie Berliner Morgepost hat sie kürzlich abgeschafft, der Tagesspiegel führt sie jetzt ein: mit Hilfe einer Bezahlschranke für Online-Angebote will das schwächelnde „Leitmedium“ der Hauptstadt wieder profitabler werden. Das Holtzbrinck-Blatt hält sich dabei an das Vorbild der Schwestergazetten Handelsblatt und Zeit. „Die erfolgreiche Entwicklung und stetige Steigerung der E-Paper-Auflage zeigt, dass bei den Leserinnen und Lesern des Tagesspiegels die Bereitschaft vorhanden ist, für digitale Inhalte Geld zu bezahlen“, hofft jedenfalls Florian Kranefuß, Sprecher der Geschäftsführung. Konkret heißt das bisher: Der Tagesspiegel hatte im letzten Quartal knapp 23.000 zahlende E-Paper-Abonnenten, die verkaufte Auflage insgesamt lag bei 113.000 Exemplaren.

Metered-Modell auf dem Vormarsch

Wie die große Mehrheit unter den laut BDZV knapp 200 Paid-Content-Nachrichtenseiten hierzulande will offenbar auch der Tagesspiegel auf des „Metered Modell“ setzen, sprich: Freemium. Mit einer solchen Mischung aus kostenlosen Inhalten und Premium-Angeboten haben inzwischen u.a. die SZ („SZ Plus“), die Zeit („Z+) und der Spiegel („Spiegel Plus“) gute Erfahrungen gemacht. Allesamt allerdings Publikationen mit überregionaler Leserbasis, im Unterschied zum Berliner Blatt, das jenseits der Hauptstadt kaum wahrgenommen wird.

Wie hält man die Leser bei der Stange?

Damit das Paid Content-Modell auf dem hart umkämpften Berliner Zeitungsmarkt tatsächlich aufgeht, müsste das Premium-Angebot spannendes regionales Storytelling enthalten – ganz unmöglich scheint das ja nicht. Allerdings sind ja Konkurrenz-Titel wie Morgenpost, Berliner Zeitung, Neues Deutschland und taz auch nicht untätig, und größtenteils unbeschränkt zu konsumieren, von eigeblendeten Appellen an die Zahlungs- und Verantwortungsbereitschaft der Leser mal abgesehen.

(via Meedia & Tagesspiegel(http://www.tagesspiegel.de/medien/journalismus-im-netz-die-gunst-des-geldverdienens/20929548.html)

Paid Content: Freemium & Metered Modell in Deutschland auf dem Vormarsch (laut BDZV)

Schon 70 Zeitungen in Deutschland bitten ihre Online-Leser mittlerweile mit durchschnittliche acht Euro monatlich zur Kasse, und damit 75 Prozent mehr Blätter als im Jahr 2012. Das zeigt die aktuelle Paid Content-Studie des Bundesverbands der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV). „Die Menschen sind bereit, auch in der Digitalwelt für gute journalistische Inhalte zu bezahlen“, interpretiert Hans-Joachim Fuhrmann, Mitglied der BDZV-Geschäftsführung den aktuellen Bezahl-Boom. Doch vor allem bedeutet der Trend wohl auch: immer mehr Zeitungen sind verzweifelt auf der Suche nach digitalen Geschäftsmodellen. Auf die ganz harte Tour versuchen es jedoch nur drei Lokalzeitungen – beim Bocholter-Borkener Volksblatt, der Böhme-Zeitung und der Ibbenbürener Volkszeitung gibt’s außer kurzen Teasern im Web gar nichts mehr zu lesen.

Siebzehn Blätter, darunter etwa der Weserkurier oder der Trierer Volksfreund, aber auch DIE WELT setzen nur auf ein „Metered Model“, die Nutzer können also jeden Monat eine limitierte Zahl von Beiträgen kostenlos lesen, bevor sie sich registrieren und/oder ein Abo abschließen müssen. Die große Mehrheit, nämlich 50 Titel, experimentieren dagegen nur mit Freemium-Lösungen – sie legen also immer wieder neu fest, welche Artikel nur für Abonnenten zugänglich sind. So machen es neben Wald- und Wiesentiteln auch größere Regionalzeitungen wie die Berliner Morgenpost, die Dresdener Neuesten Nachrichten oder das Hamburger Abendblatt, und übrigens auch BILD. In diesem Bereich gab’s die größten Zuwächse – der Paid-Content-Boom ist also eigentlich vor allem ein Freemium-Boom.

Schaut man noch mal genauer in die Online-Liste des BDZV, entdeckt man übrigens noch eine weitere „Paid-Content“-Kategorie – als Titel Nr. 71 wurde nämlich die taz mit ihrer „Pay-Wahl“ erfasst. Ob das wirklich Sinn macht? Die alternative Tageszeitung aus Berlin sperrt schließlich grundsätzlich keine Leser via Paywall aus, sondern ruft durch regelmäßige Einblendungen zu freiwillige Spenden auf. Die Methode hat also eher etwas mit Crowdfunding-Logik zu tun als mit der üblichen Paid Content-Logik, die auf künstliche Verknappung der Ware Information auf Kosten der Reichweite setzt. Allerdings zeigt ja der große Anteil an Freemium-Modellen in der BDZV-Liste, dass auch die große Mehrheit der Paid-Content-Experimente die gewachsene Leser-Community so weit wie möglich erhalten möchte.