Dramatischer Reichweitenverlust: Buchmarkt verliert vor allem jüngere Leser zwischen 14 und 49 Jahren

Soll Amazon Autoren am Second-Hand Buchhandel beteiligenWenn von „dramatischen“ Entwicklungen auf dem Buchmarkt die Rede ist, geht es normalerweise um Umsatzeinbrüche — doch viel beunruhigender für die Branche sind sich abzeichnende Veränderungen bei Kaufverhalten und Mediennutzung: mehr als 6 Millionen Buchkäufer (wohlgemerkt: Print plus Hörbuch plus E-Book) gingen dem Buchhandel zwischen 2012 und 2016 verloren, zeigen aktuelle Zahlen der GfK, die jetzt vom Börsenverein veröffentlicht wurden. Die „Käuferreichweite“ im Rahmen der Gesamtbevölkerung ging im selben Zeitraum von 54,5 auf 45,6 Prozent zurück.

Intensivkäufer retten Umsatzstatistik

In den Branchenumsätzen spiegelt sich diese Veränderung (noch) nicht entsprechend wieder, offenbar hat die Kaufintensität bei der verbliebenen Kundschaft — den sogenannten „Intensivkäufern“ — deutlich zugenommen, und so die Auswirkungen des Reichweitenverlustes teilweise kompensiert. So jedenfalls muss man wohl die Veränderung bei den Durchschnittswerten interpretieren: Im Jahr 2016 kaufte jeder Buchkäufer im Schnitt Lektüre für 134 Euro ein, 2015 waren es noch 122 Euro.

Lesehäufigkeit bei Jüngeren sinkt signifikant

Eine weiterer Negativtrend dürfte der Branche derweil zusätzliche Sorgen bereiten: neben der absoluten Zahl der Kundschaft ging auch die Lesehäufigkeit kontinuierlich in den Keller: 2013 erklärten noch 38 Prozent der Befragten, täglich oder mehrmals in der Woche zum Medium Buch zu greifen, 2017 gaben das nur noch 32 Prozent an. Besonders stark ist der Rückgang der Lesehäufigkeit bei den Jüngeren, dort ging auch die Zahl der Buchkäufer deutlich zurück, bei der Altersgruppe 14 bis 49 Jahre um satte 32 Prozent.

Das Buch verliert also dort besonders stark, wo altersbedingt die Medienkonkurrenz durch Games, Streaming-Video oder Musikdienste am stärksten ist — auch das elektronische Lesen als neue Option, die auf Smartphone und Tablet flächendeckend verfügbar ist, kann daran leider nichts ändern…

Abb.: flickr/Phil Roeder (cc-by-2.0)

Neue Allensbach-Zahlen: bereits 3,6 Mio Deutsche besitzen E-Reader

Was wollen deutsche Konsumenten wirklich? Das ermittelt Jahr für Jahr die „Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse“, kurz AWA. Da die Demoskopen vom Bodensee auch sehr detailliert nach der Mediennutzung fragen, sind sehr interessante Daten über den Buchmarkt dabei. Für die AWA 2013 wurde im Rahmen der Umfrage erstmals auch das elektronische Lesen berücksichtigt. Ergebnis: bereits 5,2 Prozent der Deutschen über 14 Jahre besitzen einen E-Reader, also etwa 3,66 Millionen. Weitere 3,5 Prozent (= 2,49 Mio) planen den Kauf eines Lesegerätes innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die Zahl der ermittelten E-Book-Käufer ist mit 6 Prozent (=4,22 Mio.) kaum größer als die Zahl der E-Reader-Besitzer – obwohl man bereits dazu zählt, wenn man in den letzten 12 Monaten nur 1 E-Book gekauft hat. Tatsächlich wurden aber Mediacontrol zufolge 2012 insgesamt knapp 12 Millionen bezahlte E-Book-Downloads verzeichnet, womit jeder Käufer im Schnitt drei Titel heruntergeladen hätte.

„Lesen Sie längere Texte lieber am Bildschirm?“

Besonders überrraschend: die Zahl der Hörbuch-Käufer (wobei physische Tonträgern und Downloads gezählt werden) ist laut AWA 2013 immer noch größer als die der E-Reader-Käufer – es soll sich um 7,4 Prozent (=5,17 Mio.) der Bundesbürger handeln. Lesemedium Nummer Eins bleibt aber immer noch das gedruckte Buch: zwei Drittel der Deutschen haben in den letzten 12 Monaten im Buchhandel zum traditionellen Printprodukt gegriffen. Immerhin lesen 20 Prozent (14 Mio.) mehrmals pro Woche in klassischen Büchern. Für zwei Drittel der Deutschen bleibt Papier dann auch das bevorzugte Lesemedium. Anders, als es etwa jüngste Zahlen von BITKOM nahelegen, fanden die Allensbacher dagegen nur sehr schwach ausgeprägte Präferenzen für elektronisches Lesen: nur knapp 6 Prozent der Befragten gaben an, sie würden „längere Texte lieber am Bildschirm“ schmökern. Doch es gibt immerhin ein breites Mittelfeld: 21,7 Prozent (=15 Mio.) lesen genauso gern auf Papier wie auf Bildschirmen.

Vielleser verschlingen mehr als 20 Bücher pro Jahr

Um es mal positiv zu wenden: für Kindle & Co. bleibt noch viel Wachstumspotenzial. Vor allem, wenn es gelingt, mehr Vielleser ins digitale Boot zu holen. Denn die AWA 2013 entdeckt im Herzen der Gutenberg-Galaxis eine radikale Minderheit von Lesewütigen: 4,7 Prozent (=3,3 Mio) Deutsche geben an, im den letzten 12 Monaten mehr als 20 Bücher gekauft zu haben, und 7 Prozent (=5,24 Mio.) shoppten zumindest 10 bis 19 Bücher. Zudem scheint der Preis bei Buchkäufern eine große Rolle zu spielen: Knapp ein Drittel gibt an, vor allem zu Paperbacks zu greifen. Hier könnten in Zukunft die Vorteile elektronischer Lektüre zum Tragen kommen – insbesondere niedrige Preise und schnelle Verfügbarkeit. Eine ganz besondere Chance dürften dabei aber Kurztexte haben. Denn immerhin gab jeder vierte an: „Ich würde gerne mehr lesen, habe aber im Moment nicht genug Zeit dazu“.

Abb.: Flickr/Jessica Lares (cc)

E-Reader-Republik toppt iPod-Nation: Medienkonsum von E-Book-Lesern laut US-Studie deutlich höher

e-reader-republik-e-book-leser-haben-hoeheren-medienkonsumWer einen E-Reader besitzt, liest deutlich mehr – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des amerikanischen Unternehmens L.E.K. Consulting. Doch nicht nur das: Die E-Book-Fraktion gehört sogar zu den aktivsten Nutzer von neuen Medien überhaupt. Eine „Kannibalisierung“ findet offenbar nicht statt – der Konsum von Print-Büchern leidet unter der elektronischen Lesewut nicht. Das dürfte die Verlage freuen…

Die „E-Reader-Republik“ als Goldmine für die Verlagsbranche

Die E-Reader-Republik macht Fortschritte – also jene Gruppe der Konsumenten, die bereits ein Lesegerät besitzt. In den USA sind das bereits zehn Prozent. Die Early Adopters gehören eindeutig zu den aktivsten Nutzern der neuen Medien überhaupt – in der L.E.K.-Studie gaben 44 Prozent aus dieser Gruppe an, sie hätten ihren Mediengebrauch im Jahr 2009 gesteigert. Die „iPod-Nation“ wie auch die „Facebook- Fanatiker“ hinkten da deutlich hinterher, bei ihnen hatten lediglich 16 bzw. 19 Prozent in punkto Medienkonsum noch zugelegt. Fünfzig Prozent der E-Reader-Nutzer gaben übrigens an, sie hätten mehr Lektüre gekauft als zuvor – sowohl E-Books wie auch gedruckte Bücher. Belege für die von Verlagen oft gestützte „Kannibalisierungs-These“, also der reinen Verlagerung des Konsums von Print in Richtung E-Book gab es offenbar nicht. Befragt wurden für die Studie 2000 US-Bürger über 18 Jahre.

Auch bei der Nutzungsdauer liegen E-Leser vorn

„Die Tatsache, dass Amazon am Weihnachtstag mehr Kindle-E-Books als gedruckte Bücher verkauft hat, spricht Bände“, so Dan Schechter von L.E.K. Consulting. „Wir glauben, dass die ‚E-Reader-Republik‘ eine potentielle Goldmine darstellt, sowohl für Content-Anbieter wie auch für die Werbewirtschaft.“ Auch bei der Nutzungsdauer lagen die E-Reader-Besitzer übrigens klar vorne: Während der „iPod-Nation“ auf etwa neun Stunden pro Woche kam, lagen die „E-Reader-Republik“ bei mehr als 18 Stunden. Insgesamt hat offenbar nicht nur die Intensität der Mediennutzung zugenommen – Stichwort „Multitasking“ – sondern auch die Bereitschaft, für Multimedia-Content zu zahlen, etwa im Bereich Online-Video. „Im Moment entstehen nicht nur ganz neue Medien, sondern es bilden sich auch neue Nutzergruppen heraus. Medienkonzerne wie auch Werbetreibende, die sich auf diese Veränderungen einstellen, könnten am Ende zu den Gewinnern gehören“, so Schechter.

Neue Studie zum Leseland Deutschland: Generation U40 schätzt E-Books und E-Comics

Ist Deutschland eigentlich noch ein Leseland? Haben Fernsehen und Internet dem Buch endgültig den Rang abgelaufen? Oder wechseln moderne Leseratten vielleicht einfach vom Buch zum E-Book? Der Börsenverein des deutschen Buchhandels wollte es genau wissen. Er beauftragte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit einer Nutzer-Studie (Titel: Das Buch im Medienportfolio). Ergebnis: die meiste Zeit wird immer noch vor dem Fernsehen verbracht, knapp gefolgt vom Internet. Doch dann kommt das Buch: durchschnittlich eine halbe Stunde täglich wird zwischen Flensburg und Berchtesgarden tatsächlich im klassischen Sinn gelesen. Doch was haben die Deutschen dabei in der Hand: konventionelle Bücher oder E-Book-Reader? (mehr …)