Kurs auf 50% Marktanteil: Tolino-Allianz jetzt inklusive Mayerscher & Osiander

tolino-self-publishingDer E-Book-Markt in Deutschland wird zukünftig noch stärker von zwei Parteien beherrscht: Amazon und Tolino – wobei die vor zweieinhalb Jahren gestartete Buchhandels-Allianz ab 2016 endültig die Nase vorn haben dürfte. Denn nach langen Verhandlungen sind nun auch die regional verankerten Ketten Mayersche und Osiander mit an Bord.

Regional heißt in diesem Fall aber nicht marginal: Unter den Top Fünf der großen deutschen Buchhändler nehmen die beiden inhabergeführten „Indies“ vom Umsatz her betrachtet Platz vier und fünf direkt hinter Thalia, Weltbild und Hugendubel ein, ihr Anteil am Umsatz der Top 5 liegt knapp über 10 Prozent.

Der letzte Woche bekannt gegebene Deal gibt der Tolino-Allianz jetzt zum einen mehr Kawumm in der Fläche: das Netz der angeschlossenen Buchhandlungen mit Tolino-Reader-Verkauf & Beratung steigt auf mehr als 1.800 Filialen. Vor allem aber steigt erneut der Marktanteil der Gran-Tolino-Koalition im deutschen E-Book-Geschäft.

Und das bei einer recht guten Ausgangsbasis: Denn schon Ende 2014 lag der Marktanteil der Tolino-Allianz nach dem Einstieg von Libris Plattform ebook.de (gehört seit 2015 zu Hugendubel) der GfK zufolge bei 45 Prozent, ein paar Punkte vor Amazon. Mit der Mayerschen und Osiander an Bord könnte nun der Online-Riese hierzulande noch weiter abgehängt werden, ein Marktanteil von 50 Prozent für Tolino klingt realistisch.

Damit hat die Tolino-Allianz endgültig die strategische Wende geschafft, denn der Anfang wurde von zahlreichen Mißerfolgen überschattet: erste Verhandlungen mit den unabhängigen Buchhändlern waren krachend gescheitert, der Tolino-Store der Telekom machte kurz nach dem Start wieder dicht, dann zog der Bertelsmann-Club die Notbremse, dazu kam noch die Krise beim wichtigen Stützpfeiler Weltbild.

Doch spätestens wenn im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse die neue Generation der Tolino-Reader vorgestellt & der jüngste Deal mit den Indies abgefeiert wird, dürfte all das wohl endgültig der Vergangenheit angehören. Statt dessen kann sich die Tolino-Allianz jetzt darauf konzentrieren, die letzte Scharte im Konkurrenzkampf mit Amazon auszuwetzen: beim E-Reader-Marktanteil liegt Tolino man nämlich immer noch deutlich hinter dem Kindle.

(via Boersenblatt.net & Buchreport.de)

E-Book-Alarm: Print-Marktanteil in Deutschland sinkt auf 94,4 Prozent

infografik-boersenverein-e-book-2015Von einem „stetig wachsenden“ E-Book-Markt“ spricht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in der aktuellen Quartalsbilanz Januar bis Juni 2015: um 13,4 Prozent steigerte sich der Umsatzanteil elektronischer Bücher im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, E-Books erreichen jetzt 5,6 Prozent Markanteil (Vorjahr: 4,9 Prozent). Umgekehrt ausgedrückt: Print-Bücher haben jetzt „nur“ noch einen Anteil von 94,4 Prozent.

Auch die Zahl der Leser steigt

Stetiges Wachstum ist auch bei der Anzahl der E-Book-Käufer zu verzeichnen: zu ihnen zählt der Börsenverein jetzt 2,9 Millionen Personen (Vorjahr: 2,7 Prozent), ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt auf 4,2 Prozent (Vorjahr: 4,0 Prozent). Grundlage für die präsentierten Daten ist das repräsentative Konsumentenpanel der GfK, für das regelmäßig 25.000 Personen befragt werden.

E-Book-Marktsegmente wachsen unterschiedlich

In einzelnen Bereichen scheint der Markt allerdings deutlich schneller zu wachsen, als es die Börsenvereins-Zahlen nahelegen: vieler (Zwischen-)Buchhändler und Verlage haben zuletzt Zuwächse von bis zu 40 Prozent gemeldet. Betrachtet man den Gesamtmarkt inklusive Schul- und Fachbücher, zeigt sich ebenfall ein anderes Bild: Statista rechnet bis 2020 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 20 Prozent.

Infografik (Ausschnitt): boersenverein.de (cc-by-sa-4.0)

E-Books wuchsen 2014 leiser, Hörbücher lauter (laut Börsenverein/GfK)

ebooks wachsen leiser hoerbuecher lauterDer Umsatzanteil von E-Books wächst, aber längst nicht mehr so schnell wie früher: im Jahr 2014 stieg ihr Anteil am Publikumsmarkt von 3,9 auf 4,3 Prozent. Das gab der Börsenverein im Vorfeld der Leipziger Buchmesse bekannt. Damit liegt der Marktanteil nur knapp vor physischen Hörbüchern (CDs), die dank starkem Wachstum im letzten Jahr 4,2 Prozent vom Kuchen ergatterten. Die Steigerungsrate bei E-Books flachte dagegen von 60 Prozent im Jahr 2013 auf 7 Prozent im Jahr 2014 ab.

„Die Dynamik nimmt derzeit stark ab, obwohl Lesegeräte mittlerweile sehr verbreitet sind“, so Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller. Es gebe jedoch Hinweise auf weiteres Wachstum: „Auch der online gut aufgestellte Buchhandel vor Ort spürt die steigende Nachfrage nach E-Books“, beobachtet Riethmüller.

Schaut man sich die einzelnen Warengruppen an, zeigen sich jedoch große Unterschiede – mehr als 80 Prozent des E-Book-Umsatzes werden im Bereich Belletristik erzielt, auf Ratgeber, Jugendbuch und Sachbuch enfallen nur jeweils 5 bis 6 Prozent. Da Belletristik umsatzmäßig zugleich die stärkste Warengruppe im Gesamtmarkt (Print plus E-Book) darstellt (ca. 30 Prozent), ist der E-Book-Anteil dort natürlich deutlich höher, die 10 Prozent-Marke dürfte dort längst überschritten sein.

Erhoben werden die E-Book-Absätze und Umsätze vierteljährlich im Rahmen des GfK Consumer Panel Media*Scope, sie beruhen also nicht auf Marktdaten sondern auf einer repräsentativen Verbraucherbefragung (Zahl der Teilnehmer: 25.000 Personen).

Dank GfK wissen wir auch, wie groß der Anteil der E-Book-Käufer an der Gesamtbevölkerung ist: er lag 2014 bei 5,7 Prozent, was fast 4 Millionen Menschen entspricht. 2013 waren es noch 600.000 weniger, die E-Lese-Community wuchs also immerhin um 15 Prozent.

Abb.: James Popsys/Flickr (cc-by-2.0)

E-Book-Markt in Bewegung: Tolino-Allianz laut GfK mit Amazon fast schon gleichauf

Ist der Tolino am Ende doch ein Kindle-Killer? Den Marktforschern der GfK zufolge bewegt sich die Gran Tolino-Koalition in punkto Marktanteil schon fast auf Augenhöhe mit Amazon – im dritten Quartal 2013 bekam der Online-Riese in Deutschland nur noch 43 Prozent des E-Book-Kuchens ab (Zweites Quartal: 48 Prozent), die Tolino-Allianz schnappte sich 37 Prozent. Dabei befindet sich die Geräteplattform erst noch im Aufbau: Seit dem Tolino-Launch im Frühjahr wurden zwar schon mehr als eine halbe Million Geräte verkauft, die Zahl der in Deutschland abgesetzten Kindle-Reader dürfte sich aber schon irgendwo im einstelligen Millionenbereich bewegen, zudem ist auf vielen Tablets & Smartphones die Kindle-App installiert.

Eine historische Chance hat die Tolino-Allianz im Herbst allerdings verpasst – denn der lange verhandelte Deal mit den unabhängigen Buchhändlern platzte wegen Unstimmigkeiten bei finanziellen Vorleistungen und Mitspracherechten. Große Indies wie etwa die Mayersche setzen nun auf Alternativen wie den Pocketbook-Reader. Kürzlich konnte dafür immerhin ein weiterer Partner mit gewisser Reichweite vermeldet werden: Springers neue Plattform BILD ebooks kooperiert mit dem Tolino-Mitglied bücher.de (das wiederum von Springer, Holtzbrinck & Weltbild gehalten kontrolliert wird).

Weiteren Auftrieb für Tolino dürften die pünktlich zum Weihnachtsgeschäft gelaunchten Tolino Tabs geben – denn die Nachfrage nach Multifunktions-Tablets mit E-Lese-Fähigkeiten ist mittlerweile weitaus höher als die nach klassischen E-Ink-Geräten. Dem Branchenverband BITKOM zufolge sollen bis Ende 2013 bis zu 8 Millionen Tablets über den Ladentisch gehen – dagegen weniger als 1 Mio. E-Reader. Auf den Touchscreens der Android-Flachrechner konkurrieren die E-Lese-Apps der Tolino-Allianz andererseits direkt mit per Fingertipp nachrüstbaren Kindle-App, zudem sind E-Books hier nur noch eine Content-Säule neben Apps und Games.

Abb.: Flickr/Techy2610 (cc)

12 Mio. Downloads: E-Book-Boom rettet Buchmarkt vor Minus

Man könnte es den Hobbit-Effekt nennen: Die aktuellen Marktkennzahlen von Mediacontrol beweisen nämlich, dass auch kleine Buchmarkt-Segemente viel bewirken können. E-Books mögen zwar in Deutschland im Jahr 2012 erst einen Marktanteil von 2 Prozent erkämpft haben (gegenüber 1 Prozent im Jahr zuvor) – doch die starken Zuwächse reichten aus, eine leicht negative Bilanz im Print-Bereich auszugleichen. Mit 12,3 Millionen bezahlten E-Book-Downloads hatte sich der Lesehunger mehr als verdoppelt, so dass auf dem Gesamtmarkt ein Plus von 0,3 Prozent erreicht werden konnte, berichtet Mediacontrol. Grundlage der Auswertung sind keine tatsächlichen Verkaufszahlen, sondern regelmäßige, repräsentative Konsumentenbefragungen.

Weihnachtssaison als Umsatztreiber

Wie schon im Jahr zuvor trug die Weihnachtssaison besonders stark zum Endergebnis bei – mit 5,8 Millionen Käufen kam fast die Hälfte des Jahresabsatzes im vierten Quartal 2012 zustande. Daran hatte nicht nur die inzwischen im Millionenbereich liegende Gerätebasis von Kindle- bis Kobo-Reader ihren Anteil, sondern auch weiter sinkende Durschnittspreise für den Lesestoff: Legten Kunden 2011 noch 9,56 Euro für ein digitales Buch hin, so zahlten sie zwischen Januar und Dezember 2012 nur noch moderate 8,61 Euro. Neben lästigem Kopierschutz gelten überhöhte E-Book-Preise als wichtigste Wachstumsbremse auf dem deutschen Buchmarkt.

E-Book-Preise deutlich gesunken

Einen besonderen Beitrag zu sinkenden Preisen dürfte Amazons Self-Publishing-Plattform geleistet haben – denn während viele Verlagsausgaben immer noch deutlich überteuert sind, können Independent-Autoren bei KDP mit niedrigeren Schwellenpreisen experimentieren. Anders als im Gesamtmarkt haben E-Books zudem für große Plattformen wie Amazon oder Weltbild eine weitaus größere Bedeutung. Bei Weltbild stieg der E-Book-Anteil im Jahr 2012 auf 20 Prozent, bei Amazon dürfte er inzwischen ebenfalls zwischen zehn und zwanzig Prozent liegen, möglicherweise sogar höher. Dann wären die aktuellen Mediacontrol-Zahlen allerdings mit Vorsicht zu genießen: Denn Amazons Anteil gesamten deutschen Buchmarkt liegt mittlerweile schon bei geschätzten 20 Prozent.

Abb.: flickr/VFS Digital Design (cc)