Digi-Freundschaft, alte Narben & echtes Vertrauen: J. Vellguth, Das Päckchen [Leseprobe]

das-paeckchen-introBibliothekarin Emma liebt Bücher über alles. Genau wie die Kinder und Jugendlichen, die ihre Bibliothek besuchen. Als durch einen Wasserschaden plötzlich die Betriebs-Schließung droht, ist Emma am Boden zerstört. Ohne Bücher droht ihr ganzes Leben auseinanderzubrechen. Ob eine Spendenaktion helfen könnte? Doch keine Sorge, Rettung naht – nicht zufällig heißt J. Vellguths sommerlich-moderner Liebesroman „Das Päckchen“. Denn plötzlich trifft ein geheimnisvolles Päckchen ein, Absender ist ein gewisser „Lukas“. Emma kennt ihn nicht – umgekehrt ist das anders. Lukas ist nämlich ein Fan ihres Video-Kanals im Web, und er hat einen Plan. Das Päckchen besteht aus weiteren Päckchen mit exklusiven Fan-Material zu Emmas Lieblingsautor Richard Taylor. Die unglückliche Bibliothekarin soll damit Unboxing-Videos drehen, und so mehr Zuschauer erhalten, und potentielle Spenderinnen motivieren. Doch wer ist Lukas wirklich? Wie kommt er an die begehrten Fan-Artikel? Kann man jemandem vertrauen, den man nie wirklich getroffen hat? Mehr verrät unsere Leseprobe… Übrigens: Bis Ende Mai gibt’s „Das Päckchen“ im Kindle Shop für 99 Cent…


J. Vellguth, Das Päckchen

1. Kapitel


Emma trat schneller in die Pedale. Goldene Sonnenstrahlen wärmten ihr braunes Haar, der würzige Fahrtwind strich ihr durchs Gesicht, zupfte an ihrer blaugemusterten Bluse und duftete nach Sommer und frischen Blättern.
Wassertropfen sprühten glitzernd aus trocknenden Pfützen gegen die verschnörkelten Fassaden der Bonner Innenstadt. Aber Emma konnte an nichts anderes denken als an die Bücher, die sie gleich ins Sortiment aufnehmen durfte.
Andere Leute würden heute wahrscheinlich lieber die Arbeit hinschmeißen und den ganzen Tag im Freien verbringen. Aber dafür war die Mittagspause da und der Feierabend. Emma wollte nach zwei Wochen Urlaub nichts lieber als zurück zu ihren Geschichten. Endlose Reihen aus unbekannten Welten und fremden Universen. Dazwischen eine Schar von Kindern auf der Suche nach ihrem nächsten großen Abenteuer.
Doch sofort, als sie zur Kirche abbog und an der mit Bäumen umrandeten Wiese vorbeikam, schlich sich ein ungutes Gefühl in ihre Magengrube, das sie nicht genau bezeichnen konnte. Irgendetwas war falsch.
Sie hielt vor dem würfelförmigen Gebäude der Kinderbücherei und stieg ab.
Es wirkte so … dunkel.
Gut, sie hatte Frühschicht, da war das normal … trotzdem, ihr Bauch sagte, dass etwas nicht stimmte.
Sie öffnete ihren Rucksack mit dem niedlichen Motiv und dem Spruch Einhörner machen keine Scherze. Dann kramte sie in den unendlichen Weiten nach ihrem Schlüssel.
Natürlich hatte der sich wieder irgendwo versteckt. Genervt setzte sie die Tasche auf der breiten, roten Backsteinstufe ab und wollte gerade von Neuem auf die Suche gehen, da entdeckte sie das große, gelbe Schild an der Türe:
Betreten verboten.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus.
Was hatte das zu bedeuten?
Sie legte die Hand an das spiegelnde Glas der Türe, blickte hindurch und die gesamte Welt schien auf die Größe eines Sandkorns zusammenzuschrumpfen.
Auf dem Boden stand Wasser. Eine Deckenplatte war heruntergekommen und verteilte ihr poröses, weißes Innenleben auf dem Empfangstisch. Zwei der Regale waren umgekippt und ihr Inhalt verwandelte die graubraune Suppe auf dem Fußboden gerade in Pappmaschee.
Blanker, teerschwarzer Horror breitete sich in ihr aus. Lauter klatschnasse Bücher, in sich zusammengesunken, verklebt, verdorben, verloren.
Emma sog scharf die Luft ein und konnte es einfach nicht fassen. Das durfte nicht wahr sein. Vielleicht hätte sie die Anrufe von ihrer Kollegin doch annehmen sollen.
Jetzt stand sie da und hätte sich am liebsten in Luft aufgelöst. So ein riesiges Elend.

***
Über eine Stunde hatte sie gebraucht, um herauszufinden, was passiert war. Die präziseste und nicht sehr hilfreiche Antwort auf ihre Frage lautete: Wasserschaden, nichts zu machen.
Ihre beiden Kolleginnen arbeiteten sowieso nur Teilzeit, die schien das Chaos nicht zu stören. Und was jetzt genau passierte, konnte ihr niemand sagen. Aber von einer Sekretärin aus der Führungsetage hatte sie hinter vorgehaltener Hand gehört, dass eine Restauration vielleicht nicht durchgeführt wurde.
Emma saß am Rand der Kirchwiese auf einer Baumwurzel, den Rucksack zwischen ihren Füßen und spürte, wie die letzten Jahre an ihr vorüberzogen. All die wundervollen Tage und die Freundlichkeit, mit der man sie damals hier aufgenommen hatte. Jetzt war das alles fort und vielleicht für immer zu Ende. Es fühlte sich fast so an, als wäre ihre Mutter gerade ein zweites Mal gestorben.
Das Holz des Stammes war angenehm warm an ihrem Rücken. Sie lächelte gezwungen in die Kamera und hielt den Atem an, während ein älteres Pärchen vorbeischlenderte.
Als die beiden außer Hörweite waren, stieß sie die Luft aus. Erleichtert schüttelte sie ihren braunen Zopf, um das Unbehagen aus ihrer Magengrube zu vertreiben, und konzentrierte sich wieder auf das Hangout, das sie schnell für Becky und die anderen eingerichtet hatte und dessen Aufzeichnung sie später online stellen würde, um nicht alles fünfmal erzählen zu müssen.
Auf dem Bildschirm schnitt ihre beste Freundin gerade beständig Grimassen.
»Hör doch auf, du bist albern«, sagte Emma.
»Bin ich gar nicht. Du bist albern. Warum spielst du denn mitten im Satz Statue?«, fragte Becky.
»Weil hier Leute vorbeigegangen sind?«
»Ach, und dann fühlst du dich besser, wenn sie denken du wärst eingefroren, statt einfach weiterzusprechen?«
Natürlich konnte Becky das nicht verstehen. Ihre beste Freundin hatte mit Peinlichkeiten nichts am Hut. Sie war immer völlig selbstbewusst, ganz egal, ob sie sich gerade geschmeidig auf der Tanzfläche bewegte oder im Bikini auf einer Wiese sonnte. Wahrscheinlich könnte Mick Jagger zu ihr in die Dusche spazieren und sie würde ihn lediglich bitten, ihr die Seife zu reichen. Höchstens bei Brad Pitt würde Becky vielleicht kurz zögern und dann nach etwas völlig anderem als der Seife fragen.
Als wollte sie das bestätigen, pustete Becky sich lässig eine feuerrote Locke aus der Stirn. »Also, zurück zum Thema. Was hast du jetzt vor?«
»Ich weiß nicht, wahrscheinlich komme ich vorübergehend in die Poststelle.« Ihr graute allein bei der Vorstellung. Nachdenklich lehnte sie sich zurück und blickte zum Eingang der Bücherei.
Wenn es wirklich so schlimm war, wie die Sekretärin behauptet hatte, dann konnte Emma ihren Job auch ganz verlieren.
Und nicht nur das.
Was sollte dann aus all den Kindern werden, die sich hier ihre wöchentliche oder sogar tägliche Dosis fantastischer Geschichten abholten?
Marie, die Nachbarstochter, zum Beispiel würde sicher am Boden zerstört sein. Falls sie es nicht schon längst wusste.
Wäre Emma in der letzten Woche mal aus ihrer Wohnung herausgekommen, hätte die Kleine ihr sicher bereits von dem Unglück erzählt. Doch wegen des schlechten Wetters hatte Emma sich mit ihren Büchern im Bett verkrochen.
Blöder Regen.
Weltenzerstörer.
Die Bücherei war schon so lange ihr zweites Zuhause, das durfte jetzt nicht einfach so vorbei sein.

»Mach doch weiter Urlaub.« Damit holte Becky sie aus ihren Gedanken zurück.
»Hatte ich doch gerade erst.« Im Chatbereich ihres kleinen Hangouts wurden drei Zuschauer angezeigt. Zwei davon stimmten Becky gerade zu, dass Emma die Zeit zum Lesen nutzen sollte, der dritte schwieg.
»Dir ist schon klar, dass Urlaub endlich ist und ich außerdem für mein Geld arbeiten muss?«
Becky winkte ab. »Du kannst die Bücherei ja schlecht von zu Hause aus betreiben, oder?«
»Nein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass mir die Firma Geld fürs Herumsitzen bezahlt.«
»Macht sie doch jetzt auch schon.«
Emma schnaubte. »Scherzkeks. Ich meine fürs zu Hause herumsitzen, ohne Bücher zu verleihen.« Sie knetete auf ihrer Unterlippe herum.
»Und es kann echt sein, dass die Bücherei komplett dichtmacht?«, fragte Becky.
»Ja. Die Sekretärin, die ich gesprochen habe, meinte, sie hätte ein Telefonat mitgehört. Da hätte der Chef gesagt, dass er eine Renovierung ungern finanzieren möchte.«
Kathy und Bea aus dem Chat überhäuften sie mit schockierten Smileys und Becky klappte der Mund auf. »Die wollen die Kinderbücherei echt schließen? Die sind doch ein Jugendbuchverlag. Das können die doch nicht einfach so machen. Vor allem, weil sich die Bücherei in den letzten Jahren so toll gemausert hat.«
»Ich weiß. Aber die war ursprünglich sowieso nur ein Herzensprojekt seiner ersten Frau. Und wenn sie sich jetzt gar nicht mehr rentiert … ich könnte mir schon vorstellen, dass er sie dann einfach abstößt.«
»Das wäre ja schrecklich«, sagte Becky.
»Kannst du wohl laut sagen.« Sie dachte an Marie, ihre verschlissene Jacke und den Rucksack mit dem geplatzten Reißverschluss. Das durfte einfach nicht passieren.

Bücher waren wichtig, gerade für Kinder. Die Geschichten waren nicht nur eine nette, kleine Ablenkung vom grauen Alltag, sondern auch Freunde, Ratgeber und treue Wegbegleiter.
»Vielleicht können wir ja eine Unterschriftensammlung machen«, sagte Becky.
Emma ließ den Kopf gegen die Baumrinde sinken.
»Und dann? Davon wird die Sache für die Firma doch auch nicht rentabel. Nein, wenn, müssten wir irgendwie Geld auftreiben. Ich könnte vielleicht Werbung auf meinem Kanal schalten und ein paar Lesezeichen häkeln, um
sie zu versteigern.« Das wäre zumindest ein Anfang.
»Aber denkst du, das reicht?«, fragte Becky. »Vielleicht würde eine generelle Spendenaktion mehr Sinn machen.«
»Spenden? Meinst du, da macht irgendjemand mit?«
Ihr Blick fiel auf das kleine, rote Kästchen auf dem Bildschirm, in dem ihre Abonnentenzahl angezeigt wurde. Es gab genau siebzehn Menschen, die ihren Kanal verfolgten. Siebzehn Menschen, die mitmachen konnten, wenn
ihnen der Sinn danach stand, eine Kinderbücherei zu retten. Trotz aller Anstrengungen in den letzten zwei Jahren kam sie irgendwie nicht über die zwanzig Abonnenten hinaus.

Anonymus:Wie wäre es mit einem Gewinnspiel als
Dankeschön an alle Spender?

Emma betrachtete überrascht die Chat-Nachricht. Wer war das denn? Ein unbekannter Zuschauer? Becky schien das nicht zu stören, sie klatschte in die Hände. »Das ist eine geniale Idee! Eine Verlosung unter allen Spendern und wir helfen dir dabei, so viele Leute wie möglich darauf aufmerksam zu machen.«
Kathy und Bea waren sofort Feuer und Flamme.
Die Idee war gar nicht schlecht. Im Gegenteil, sie gefiel Emma richtig gut. »Allerdings bräuchten wir wahrscheinlich einen etwas größeren Anreiz als ein paar selbstgehäkelte Lesezeichen.«
Emma schob nachdenklich eine Strähne hinter ihr Ohr.
»Aber was?«, dachte sie laut nach. »Ich glaube nicht, dass ich etwas besitze, das jemand haben möchte …«

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Autorin & Copyright: J. Vellguth

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J. Vellguth, Das Päckchen. Liebesroman
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[Indie-Lounge] „Ich treffe mit meinen Gedanken den Nerv der Menschen“ – Kirsten Wendt im Interview

kirsten-wendt-interview-indie-loungeHeute zu Gast in der Indie-Lounge: Kirsten Wendt.Die Bestseller-Autorin aus Niedersachsen liebt Glossen und Kurzgeschichten, schreibt aber auch Liebesromane und Psychothriller, letztere meistens unter Pseudonym. Unter ihrem richtigen Namen ist Kirsten dagegen vor allem bekannt als Sachbuchautorin, die über Migräne und Übergewicht berichtet – und ihren Lesern zeigt, wie man beides los wird. Das tut sie in seltener Offenheit und schreckt dabei auch nicht vor Vorher-nachher-Fotos zurück.


„Auf das Top-Ranking bin ich gar nicht stolz“


Klaus Seibel: Kirsten, Menschen lieben Medaillenspiegel, Bundesligatabellen, Bestsellerlisten. Was war bisher dein bestes Ranking? Worauf bist du besonders stolz?

Kirsten Wendt: Mit meinem besten Ranking kann ich nur für mich alleine angeben, weil es sich dabei um ein geheimes Pseudonym handelt. Mit diesem Titel stand ich lange in den Top 10 der Amazon Kindle Charts. Darauf bin ich aber nicht stolz; ich finde es einfach nur witzig. Ich mag den Gedanken, dass ich ohne Verlagsunterstützung genug Geld verdiene, obwohl ich trotzdem gerne bei bestimmten Buchprojekten einen großen Verlag im Rücken hätte. Stolz auf meine Leistung wäre ich erst, wenn ich wichtige Literaturpreise gewinnen würde. Auf solche Dinge stehe ich total.

Du schreibst Sachbücher über den Umgang mit Migräne und zu viel Gewicht. Wie bist du darauf gekommen?

Ich litt jahrzehntelang unter Migräne, die mein Leben stark beeinträchtigte. So ähnlich war es auch mit dem (Über-)Gewicht. Letzteres tut zwar nicht so weh wie Migräne, nervt aber trotzdem. Beide Themen gehören bei mir glücklicherweise der Vergangenheit an, betreffen aber viele Menschen. Darum habe ich darüber geschrieben. Und schön, dass ich diesen Talkshow-Klassiker gleich mal zu Beginn loswerden kann: Das steht alles in meinem neuen Buch!

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„Die Low-Carb-Diät hat auch meine Migräne besiegt“


Wenn ich an einem Regal mit Frauenzeitschriften vorbeigehe, habe ich das Gefühl, es gibt jede Woche mindestens einhundert Diäten. Warum sollte jemand deine wählen?

Einen Diätratgeber im herkömmlichen Sinn habe ich nicht geschrieben. Vielmehr berichte ich in meinem ersten Dickerchenbuch, wie ich mit der Dukan-Diät innerhalb eines Dreivierteljahres 40 Kilo abgespeckt habe. Bei dieser Diät handelt es sich um eine Low-Carb-Variante, die speziell für starkes Übergewicht entwickelt wurde. Für mich war sie nicht nur wegen meiner Figurprobleme ein Segen, sondern ich verlor damit auch völlig unerwartet die Migräne.
Nach der Veröffentlichung von „Ich kann auch schlank“baten mich viele Leser um Informationen darüber, wie es mir weiterhin ergangen ist. Jeder Mensch im Kilokampf kennt den Jo-Jo-Effekt; darum wollten verständlicherweise alle wissen, ob ich mein neues Gewicht halten konnte. Davon berichte ich unter anderem in meinem neuen Buch „Nie mehr zu dick“.Inzwischen lebe ich nicht mehr streng nach Dukan, sondern bastle mir eine eigene Low-Carb-Welt zusammen, womit ich übrigens noch weiter abgenommen habe. Heute bin ich endlich zufrieden und bemühe mich, dass alles so bleibt, wie es ist. Trotzdem: Schlank zu bleiben, ist nicht immer toll und easy, sondern bedeutet auch den ständigen Konflikt mit dem inneren Schweinehund.
Nachmachen muss es mir niemand. Ich bin davon überzeugt, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, um abzunehmen. Meine Methode ist eine davon, und über die berichte ich.

Du schreibst nicht distanziert oder wissenschaftlich über Diät und Migräne, sondern ehrlich und persönlich. Ist das dein Rezept, das deine Sachbücher erfolgreich gemacht hat? Was sagen deine Leserinnen dazu? Und – hast du auch Leser?

Der Identifikationsfaktor ist ein großer Pluspunkt. Ich scheine mit meinen persönlichen Berichterstattungen den Nerv vieler Menschen zu treffen, die mir erzählen, dass ihnen meine Gedanken im Buch wie ihre eigenen vorkommen. „Endlich sagt mal jemand, wie es wirklich ist.“ So klingen typische Leserinnenbriefe – aber auch die der männlichen Leser. Ich habe nämlich zwar überwiegend weibliche Leser, aber es gibt durchaus auch Männer.
Ob ich mit einer weniger ehrlichen Erzählweise genauso erfolgreich wäre, weiß ich nicht. Am liebsten wäre ich natürlich noch viel erfolgreicher, aber dafür müsste ich vermutlich besonders beim Diätthema lügen, dass sich die Balken biegen. Mich nerven durchtrainierte Promis, die mir weismachen wollen, dass es ein Klacks ist, schlank und sportlich zu sein. Darum habe ich mich für die edle Seite entschieden und riskiere mit den ungemütlichen Aspekten einer Diät den Verlust von Leserzahlen. Über Verdauungsprobleme und Selbstzweifel spricht man halt nicht so gerne. Ich auch nicht, aber es gehört nun mal dazu.


„Liebesromane schreiben macht gute Laune“


Was ist dir dabei besonders schwer und was besonders leicht gefallen?

Besonders schwer ist mir die Veröffentlichung von Vorher-nachher-Fotos gefallen. Ständig wurde ich danach gefragt; da musste ich jetzt mal Butter bei die Fische geben. Die Nachher-Bilder sind nicht das Problem, aber Vorher … Das stellt schon ein echtes Problem für mich dar. Leicht hingegen fällt mir die heitere Sichtweise. Ich mag es, wenn man einfach mal über etwas lachen kann. Mir ist es allerdings unheimlich wichtig, dass sich niemand verletzt fühlt. Insgesamt ist die Kernaussage des Buchs – nämlich dass es immer nur darum geht, sich selbst wohlzufühlen – trotz des humorvollen Grundtons eher ernst und vor allem ehrlich.

Neben Sachbüchern schreibst du auch Liebesromane. Ist das für dich die Entspannung von der „Sache“?

Liebesromane zu schreiben macht einfach gute Laune. Wenn ich mich dabei in meinen Hauptprotagonisten verlieben kann, ist alles in Butter. Nur dieses ewige Hin und Her zwischen den Liebenden stört mich entsetzlich. Ich neige zur überstürzten Erzählweise und muss mich beherrschen, dass die Herrschaften nicht zu schnell miteinander im Bett landen.

Was fällt dir leichter, die „Sache“ oder die „Liebe“?

Die „Sache“ fällt mir leichter. Ich glaube, ich bin ganz gut im Formulieren und Sätze feilen, während manch anderer vor Fantasien strotzt. Das ist bei mir leider nicht so. Mein fantastischer Horizont ist begrenzt, und ich muss oft scharf nachdenken, um mir Fallhöhen und Irrwege auszudenken.

Du bist seit Anfang 2012 freiberufliche Autorin. Was hast du vorher gemacht?

Ich war als Vertrieblerin im Innen- und Außendienst beschäftigt. Gelernt habe ich ursprünglich den Beruf der Rechtsanwaltsgehilfin, bin später ins Sekretariat gerutscht und erst dann Salesmanager geworden. Man kann aber auch einfach Verkäufer dazu sagen, ist nämlich das Gleiche.


„Der Austausch mit Autoren-Kollegen ist wichtig“


Du hast dir den Schritt in die Selbstständigkeit als Schriftstellerin gründlich überlegt. Was waren für dich die wichtigsten Erfahrungen auf diesem Weg?

Man weiß nie, was die Leser wollen – und was sie nicht wollen. Die Bücher, die mir selbst am besten gefallen und für die ich am härtesten gearbeitet habe, werden verschmäht. Und wenn ich denke: Diesen Mist liest kein Mensch, wird es gekauft. Leider habe ich die Formel noch nicht gefunden, auf Knopfdruck wahlweise Mist oder Qualität zu produzieren. Ich finde es schwierig, als selbstständiger Autor zu planen, denn dabei gerät der kreative Aspekt in den Hintergrund. Außerdem betrachte ich mich als Neuling. Mir fehlt noch die Routine, mit der ich andere Arbeiten durchgeführt habe. Da arbeite ich hart an mir.
Undenkbar wäre für mich, keinen Kontakt zu Kollegen zu haben. Dieser Austausch ist immens wichtig und besonders im Selfpublishing wertvoll. Die Erfahrungen mit Menschen, die ich fast ausnahmslos im Internet kennenlerne und erst zu einem späteren Zeitpunkt im realen Leben treffe, sind fast immer positiv. Eine der wichtigsten Erfahrungen ist somit das Vertrauen in andere Menschen und mich selbst.

Woran hast du erkannt, wann es der richtige Zeitpunkt war, diesen Schritt zu tun?

Das habe ich sofort gemerkt. Ich arbeite gerne zu den unmöglichsten Uhrzeiten, was in meinem alten Job nicht ging. Nachts, am Wochenende oder im Urlaub. Dafür bin ich jetzt als Privatperson und Mutter flexibler und muss mich nicht um Urlaubsanträge und Krankmeldungen kümmern. Ich liebe diese Flexibilität, obwohl ich als Selbstständige viel mehr arbeite als zu Angestelltenzeiten. Keinem Chef mehr unterstellt zu sein, habe ich von der ersten Sekunde an genossen.

Hand auf’s Herz: Würdest du ihn wieder gehen? Gab es auch Zeiten, in denen du diesen Schritt bereut hast?

Ich würde es immer wieder so machen, auch wenn man deutlich mehr Kompromisse eingehen muss, als ich es mir vorgestellt habe. Immer nur Herzensbücher zu schreiben, funktioniert bei mir leider nicht. Bereut habe ich den Schritt noch nie, weil es viele Wege gibt, die man beschreiten kann.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen:

Bleib offen für Kritik und Anregungen – aber sei trotzdem selbstbewusst genug, um deiner Linie treu zu bleiben. Klingt schlau, nicht? Ich wäre froh, wenn ich mich in puncto Selbstbewusstsein immer daran halten würde.
In deinem neuesten Buch „Nie mehr zu dick“ geht es wieder ums Gewicht.

Warum sollten die Leserinnen von „Ich kann auch schlank“ dieses neue Buch lesen?

In meinem neuen Buch geht es nicht nur ums Hier und Jetzt, sondern auch um Erlebnisse in Kindheit, Jugend und danach. Ich fühlte mich einfach immer zu dick, obwohl ich es früher gar nicht war. Vielen Frauen geht es ähnlich. Die ständige Angst, aus der Form zu geraten oder es bereits zu sein, kann einem dauerhaft die Laune verderben. Es kommen im Buch auch zwei nette Kolleginnen zu Wort. Wiebke Lorenz, die mit ihrem aktuellen Thriller „Bald ruhest du auch“ die Bestsellerlisten anführt, hat einen lesenswerten Artikel beigesteuert. Und Bettina Meiselbach, deren Blog „Happy Carb – Mein Low-Carb-Weg zum Glück“ im Netz Furore macht, schenkte mir ebenfalls ein schönes Kapitel und sensationelle Low-Carb-Rezepte. Es kommt selten bei meinen eigenen Büchern vor, aber ich mag „Nie mehr zu dick“ richtig gerne. Es ist ein gutes und rundes Buch geworden.

Was wird nach diesen Büchern kommen? Was ist dein nächstes Projekt?

Mein nächstes Projekt ist eine Serie mit dem Titel „Liebe rückwärts“. Der Liebesroman spielt in den Neunzigerjahren, und ich bringe mich mit Musik von Snap! und Kool & The Gang in die richtige Stimmung.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Ach, da würde ich gerne Dinge sagen, die mir wirklich wichtig sind – dafür brauche ich weniger als 100 Worte: Seid nett und friedlich zueinander. Achtet auf euch, eure Kinder und die Umwelt. Und kauft bitte meine Bücher.

Kirsten, ganz herzlichen Dank für deine offenen und ehrlichen Antworten. Ich wünsche dir noch viele gute Ideen, mit denen du das Leben deiner Leserinnen und Leser bereichern kannst.

Wer mehr über Kirsten und ihre Bücher erfahren möchte, kann sie gerne auf ihrer Homepage kirstenwendt.de besuchen.

Marmor, Stein und Eisen bricht; Liebe plant man nicht – Vivian Lessing, „Irren ist männlich“ [Leseprobe]

irren-ist-maennlichHeiraten, ein Haus bauen, eine Kanzlei einrichten, Kinder bekommen (Junge und Mädchen), nicht zu vergessen einen Golden Retriever anschaffen: der erfolgreiche Anwalt Dr. Simon Holtenhausen plant sein Leben akribisch durch. Doch nicht umsonst lautet der Titel von Vivian Lessings Roman ja „Irren ist männlich“. Denn plötzlich trifft Simon auf Janine, von Beruf Steinmetzin und privat ein überzeugter Single. Ihre ganze Liebe gilt der Welt der Mineralien: „Steine sind ganz besonders. Sie haben in ihrer Schwere und Unverrückbarkeit etwas Tröstendes, wenn du traurig bist“, weiß Janine. Nach einem Traumprinzen hat sie nie gesucht. Der Zufall will es aber anders: am zweiten Weihnachtsfeiertag steht Simon plötzlich am Rand der Landstraße vor ihr, fernab jeglicher Zivilisation, und wedelt mit seinem Handy. Janine bremst, und nimmt den Unbekannten in ihrem Auto mit, ohne zu ahnen, was das für Folgen haben wird. „‚Irren ist männlich'“ erzählt, wie zwei festgelegte Lebensentwürfe völlig auf den Kopf gestellt werden und dass es manchmal gar nicht schlecht ist, wenn man sich ärgert, dass es nie läuft wie geplant“, so Vivian Lessing. Unsere Leseprobe führt an den Moment, als Janine auf die Bremse tritt – und sich ihr Leben beschleunigt. Mehr verrät die Blick-ins-Buch-Option im Kindle Shop.

Vivian Lessing, Irren ist männlich

1. Kapitel
Es gibt Männer, denen glaubt man alles. Wenn ihr gerade diese traumhafte Kaffeemaschine gekauft habt, die den perfekten Milchschaum innerhalb von Sekunden zaubert, und dann am Abend einen solchen Mann im Fernsehen seht, überlegt ihr – wenn auch nur für einen Sekundenbruchteil – die neue Kaffeemaschine wieder umzutauschen, weil sie nicht gut genug sein könnte. Ihr behaltet eure Kaffeemaschine schließlich. Aber trotzdem: Der Gedanke an den Umtausch müsste als Warnung reichen, sich von solchen Männerexemplaren fernzuhalten. Als Versicherungsvertreter sind sie erfolgreicher als ihre Kollegen, weil der Unterwäschemodel-Body und der George-Clooney-Blick euch glauben lassen, ihr wärt etwas Besonderes und könntet mit solch einem Traumtyp nach Vertragsabschluss bestimmt einen Sekt auf die Unterschrift trinken oder zwei Gläser davon und anschließend – lassen wir das.
Bisher ist es mir in meinem Leben gelungen, all diesen Männern aus dem Weg zu gehen. Bis am zweiten Weihnachtsfeiertag am Rand der Landstraße, fernab jeglicher Zivilisation, ein solcher Mann am Straßenrand stand – sein Superbody verpackt in weißem Hemd, Jeans und schwarzem Jackett, mit blonder Föhnfrisur und Augen, die nichts anderes sein konnten als so vertrauenserweckend blau, dass meine Zweifel verflogen, als sich unsere Blicke begegneten.
Ich trat auf die Bremse.
Da stand nicht mal ein Auto in der Nähe? Egal.
Ich kannte ihn nicht? Egal.
Er könnte ein Gewaltverbrecher sein, ein Mörder, Vergewaltiger? Egal.
Es war mitten in der Pampa an einer Landstraße, die über die Dörfer quer durch die Eifel führte, vom Nirgendwo ins Nirgendwo. Anstatt den Daumen – wie man das so macht als Anhalter – in die Höhe zu halten, wedelte er mit seinem Handy. Klar, hier war kein Empfang. Nur der Matsch an seinen Schuhen störte das optisch perfekte Bild.
Ich hätte weiterfahren sollen, um ihm irgendwann später ein Taxi vorbeizuschicken. Aber bevor der Befehl von meinem Verstand mein Fuß erreichte, hatte ich längst begonnen zu bremsen. Obwohl ich in meinem alten Klappergolf mit all der Ladung hinter der umgeklappten Rückbank sowieso nicht schnell unterwegs war, rappelten die Steine beim Bremsvorgang, schoben sich von hinten gegen meinen Sitz, drückten in meinen Rücken. Als die rechte Wagenseite den Schotter neben der Straße aufspritzen ließ, kam das Auto ins Schlingern. Das Bremsmanöver hätte ins Auge gehen können, zumal der Boden noch leicht gefroren war, überall mit Raureif überzogen.
Bevor ich durchatmen konnte, hatte er bereits die Beifahrertür geöffnet.
„Ich dachte schon, hier kommt überhaupt niemand mehr vorbei. Danke, dass Sie angehalten haben.“
„Vielleicht bin ich ja überhaupt niemand?“
„Darf ich?“, fragte er und setzte sich, ohne eine Antwort abzuwarten. All die Steine im Kofferraum schienen ihn nicht zu stören, auch wenn mein Gefährt zu ihm passte wie zu mir eine Stretchlimousine mit Fahrer.
„Wo ist Ihr Wagen?“ Es war wirklich nirgends ein Auto zu sehen, nicht mal Reifenspuren am Rand.
„Das ist eine lange Geschichte.“
„Vielleicht haben wir ja Zeit genug, dass Sie sie mir erzählen.“

(…)

„Es ist schon gut.“
Ich schloss die Augen, als er mir über meinen Arm strich, und erwiderte seine Berührung. „Komm doch rein. Sonst stehen wir beide hier noch die ganze Nacht rum. Simon, was ich dir sagen wollte …“
Wie er mich ansah, nur beleuchtet von der Lampe aus dem Gästebad, die ich aus Versehen hatte brennen lassen, war es, als würden wir uns in unserem kleinen Lichtkegel in einer Hülle befinden, außerhalb der es nichts anderes mehr gab. Die Welt um uns herum löste sich in der Dunkelheit und der Stille auf. Ich fühlte seine Fingerkuppen auf der Stirn so intensiv, dass es bis in die Zehenspitzen prickelte. Alle trüben Gedanken rückten in weite Ferne. War es nicht egal, ob ich jetzt den reparierten Wagen ausprobierte oder morgen? Ich spürte die Wärme wie Wellen, die sich von seiner Hand über meine Haut in mir ausbreiten.
Als er sich zu mir beugte, um mich zu küssen, wich ich zurück.
Konnte ich es, ihn küssen, ihm nah sein? Konnte ich überhaupt je wieder einem Mann nah sein? Noch vor fünf Sekunden hatte ich gedacht, dass es möglich wäre, nun war ich mir nicht mehr so sicher.
„Komm erst mal rein“, sagte ich, nahm ihm den Schlüsselbund aus der Hand und ging vor in Richtung Haustür.
„Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragte er.
„Das ist es nicht. Möglicherweise bin ich ein bisschen …“, ich überlegte, wie ich es erklären konnte, ohne ihm genau zu sagen, was in mir vorging, „… außer Übung. Das letzte Mal, dass ich mit jemandem zusammen war, so richtig, das ist neun Jahre her, da war ich gerade mal achtzehn.“
„Seitdem gab es keinen mehr?“
Ich hörte die Ungläubigkeit in seiner Stimme. Der Schlüssel klemmte wie immer beim Aufschließen. Nie hat es mich wirklich gestört. Nun wäre ich am liebsten direkt in den Keller gerannt, um das Feinmechaniköl rauszusuchen. Und dabei hoffentlich wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
„Setz dich doch ins Wohnzimmer, ich mache uns beiden etwas zu trinken. Wasser, Saft, Tee, Kaffee – obwohl, dafür ist es zu spät – oder ein Bier, Wein, ist alles da. Hast du Hunger?“
„Ein Bier wäre nett. Für Essen ist es vielleicht noch ein bisschen früh.“
Ich drückte auf die Lichtschalter vom Flurlicht und vom Wohnzimmer. Dabei sah ich ihm nach, wie er sich auf dem Sofa niederließ, dann ging ich in die Küche, um die Getränke zu holen. Als ich den Schrank öffnete, zitterten meine Hände, als wäre nicht Simon mein Gast, sondern ein Einbrecher, der in meine Räume eingedrungen war.
Ich musste mir einen Ruck geben, um meine Beine in Richtung Wohnzimmer in Bewegung zu setzen. Wobei ich ihn mochte! Mehr als das! Er war der erste Mann seit Jahren, bei dem ich mir vorstellte, dass es mit uns wirklich klappen könnte. Ich stellte zwei Gläser und zwei Bierflaschen auf den Tisch in der Hoffnung, dass der Alkohol mich entspannen würde – wenn auch nicht genug da war, um uns ansatzweise betrunken zu machen.

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Copyright Cover & Leseprobe: Vivian Lessing
Publikation mit frdl. Genehmigung der Autorin.

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Vivian Lessing,
Irren ist männlich – Liebesroman
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