YouGov-Studie: Statistisch unterwegs im Land der Leser & Dichter

Wie-wir-Deutschen-ticken„Wie wir Deutschen ticken“, wollten die Meinungsforscher von YouGov endlich mal in teutonischer Tiefe und Systematik ermessen, und führten zu diesem Zweck einen ganzen Berg von Umfragen durch. Der Themenpark erstreckt sich von Aberglaube und Glücksspiel über Heimlich und Peinlich bis Wald, Jagd und Weihnachten. Ganz vorne weg war natürlich auch das Thema Bücher angesagt – gilt unser Land doch als das Leseland schlechthin.

Frauen lesen deutlich mehr

Und tatsächlich besitzen die Deutschen gar nicht wenige Schmöker: jeder dritte sogar mehr als 100, jeder fünfte zumindest 50 bis 100 Bücher. Nur eine Minderheit von 13 Prozent hat weniger als 11 Bücher im Regal (soweit man dafür überhaupt noch eins braucht). Vor allem Frauen benutzen die Lektüre dann auch für ihren eigentlichen Zweck: satte drei Viertel lesen gern, bei den Männern möchte das nur jeder zweite von sich behaupten.

Respekt vor langen Texten

Vielleicht liegt’s ja auch an der Länge: ein Drittel der Deutschen gibt nämlich an, Respekt vor Büchern mit mehr als 500 Seiten zu haben. Vielleser kann das natürlich nicht von ihrer Lieblingsbeschäftigung abhalten: immerhin 13 Prozent der Deutschen lesen sogar mehrere Bücher parallel, jeder siebte liest Bücher auch mehrmals. Nicht wenige produzieren sogar Literarisches: 20 Prozent sagen von sich, sie würden manchmal selbst zur Feder greifen und ein Gedicht schreiben.

Goethe toppt Heino, Merkel schlägt Marx

Fragt man die Deutschen, wer ihrer Meinung nach für Deutschland steht, lauten die Top Drei: Volkswagen, Goethe und … Angela Merkel. Weit vor Wurst, Heino oder Helene Fischer, weit auch vor Karl Marx, Ökologie und Kraftwerk. Die Quintessenz aus allen Umfragen gibt’s übrigens in Buchform: „Wie wir Deutschen ticken“ ist jetzt bei Edel Books erschienen und kostet 19,95 Euro.

Empfohlen via Facebook, gelesen auf Papier: Kids bei Lektüre konservativ

Sie sind zwischen 13 und 17 Jahren jung, online-affin, bewegen sich wie Fische im Wasser der sozialen Medien, und sie lesen Bücher am liebstem auf dem … äh Papier. Diese scheinbar kontraintuitive Feststellung stammt aus dem aktuellen „Nielsen’s Books and Consumers U.S. Survey“, dürfte aber bei der Vorstellung auf dem „Kinderbuch-Gipfel“ des Marktforschungs-Unternehmens kaum jemanden überrascht haben. Denn dass nur 20 Prozent der Teenager jenseits des Atlantik E-Books kaufen, gegenüber 23 bis 25 Prozent in der Altersgruppe 18 bis 44, hatte auch bisher schon so seine nachvollziehbaren Gründe.

Die Jungleser verfügen zum Beispiel noch nicht über Kreditkarten, dem wichtigsten Online-Zahlungsmittel in den USA. Abgesehen von den Büchern, die ihnen die Eltern zustecken, versorgen sie sich gerne im Freundeskreis mit Literatur: und gedruckte Bücher sind nun mal besonders gut geeignet zum Verleihen (und Zurückgeben). Bei E-Books gilt das Weitergeben ohne Einwilligung der Rechteinhaber dagegen als Piraterie. Außerdem stöbert die Hälfte der lesenden Teenager gerne in den Regalen von Bibliotheken und Buchhandlungen.

Beeinflusst wird das analoge Leseverhalten allerdings sehr stark von digitalen Empfehlungen über die sozialen Netzwerke, dort sind die Jugendlichen deutlich stärker präsent als ältere Leser, und sie machen ihre Lektüre – Stichwort: Social Reading – auch öffentlicher als die Elterngeneration. Der soziale „Bandwagon“-Effekt scheint den Run auf Serien und Blockbuster wie Harry Potter, Twilight oder Hunger Games noch zu verstärken. Einmal angefixt, bleiben sie dann auch dabei: Wichtigstes Argument bei der Auswahl ist für die Teens das Argument: „Mir gefiel bereits ein früheres Buch dieses Autors“.

Bleibt der Blockbuster-Nachschub allerdings aus, macht sich das ebenfalls bemerkbar – wohl auch mangels geeigneter Harry Potter-Nachfolger haben Bücher insgesamt bei den unter-18jährigen gegenüber anderen Medien kontinuierlich an Boden verloren.

E-Reader wecken Lesehunger: auf E-Books, aber auch auf Print

Wer hätte das gedacht: der E-Book-Boom in den USA erhöht nicht nur den elektronischen Lesehunger. Inzwischen nimmt die Zahl der Leser zu, die ihr Lesegerät ab und zu beiseite legen, um sich gedruckter Lektüre zu widmen. Der Anteil von exklusiven E-Lesern sank zwischen August 2011 und Mai 2012 von 70 auf 60 Prozent. Immerhin 34 Prozent geben mittlerweile an, überhaupt keine mediale Präferenz zu haben (zuvor 25 Prozent). Das zeigen aktuelle Zahlen der Book Industry Study Group (BISG). Hoffnungsschimmer für die traditionelle Buchbranche, oder eher ein letztes Aufflackern der Gutenberg-Galaxis? Finanziert wurde die Umfrage bezeichnenderweise von der Buchhandelskette Barnes&Noble sowie dem Distributor Baker&Taylor.

Kindle Fire beliebtestes Lese-Tablet

Der BISG-Report zu Konsumenten-Einstellungen in Sachen E-Reading enthält auch interessante Daten über die genutzen Lesegeräte. Das Kindle Fire hat unter den E-Lesern offenbar erstmals das iPad überholt. Zwanzig Prozent von ihnen schmökern jetzt auf Amazons Android-Gerät, während Apples Tablet in der Gunst der Nutzer bei 17 Prozent auf der Stelle tritt. Weit abgeschlagen sind andere Tablets: das Nook von Barnes&Noble liegt bei fünf Prozent, andere Android Tablets ingesamt bei acht Prozent. Insgesamt konnten die Tablets gegenüber E-Ink-Readern erneut deutlich Geländegewinne verzeichnen. Bei den bevorzugsten Lesegeräten liegt Amazons Kindle-Reader mit 35 Prozent Anteil zwar immer noch klar vorn. Doch im August 2011 lag der klassische Reader noch bei stolzen 48 Prozent.

E-Ink-Reader verlieren an Boden

Verloren haben auch die E-Ink-Reader von Barnes&Noble – die Nooks mit Schwarz-Weiß-Display fielen in der Kategorie „Primary Reading Device“ von 17 Prozent auf 13 Prozent. Das könnte das mögliche Frohlocken von B&N über die teilweise Rückkehr der Kundschaft zur Print-Lektüre dann wieder etwas dämpfen. Profitieren dürfte auch von diesem Retro-Trend am Ende ohnehin vor allem Amazon. Denn schließlich muss der Online-Händler andes als die traditionelle Konkurrenz keine teure Mieten für Ladengeschäfte zahlen. Dank Print-On-Demand – siehe CreateSpace – werden zukünftig zudem die Lagerkosten für gedruckte Lektüre noch weiter sinken.

Abb.: Moriartys/Flickr

Neue Studie zum Leseland Deutschland: Generation U40 schätzt E-Books und E-Comics

Ist Deutschland eigentlich noch ein Leseland? Haben Fernsehen und Internet dem Buch endgültig den Rang abgelaufen? Oder wechseln moderne Leseratten vielleicht einfach vom Buch zum E-Book? Der Börsenverein des deutschen Buchhandels wollte es genau wissen. Er beauftragte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit einer Nutzer-Studie (Titel: Das Buch im Medienportfolio). Ergebnis: die meiste Zeit wird immer noch vor dem Fernsehen verbracht, knapp gefolgt vom Internet. Doch dann kommt das Buch: durchschnittlich eine halbe Stunde täglich wird zwischen Flensburg und Berchtesgarden tatsächlich im klassischen Sinn gelesen. Doch was haben die Deutschen dabei in der Hand: konventionelle Bücher oder E-Book-Reader? (mehr …)