Crowd-gecheckte & crowdfinanzierte News: Mit Wikitribune will Jimmy Wales die Zeitung retten

wikitribune„Zeitungen sind kaputt. Lasst sie uns reparieren.“ Goldene Worte, vor allem, weil sie aus dem Mund von Wikipedia-Erfinder Jimmy Wales kommen. Dessen neuestes kommerzielles Projekt heißt: Wikitribune. Eine Zeitung nach dem Wiki-Prinzip? Hmmmm. Äh. War da nicht was!? Zugegeben, Jimmy & seine Wiki-Freunde sind damals nicht angetreten, um das Geschäftsmodell von Print-Lexikonverlagen zu zerschlagen, so à la Steve Jobs, „let’s take over another industry rife for disruption“. Das Ergebnis der Crowdsourcing–Wiki-Maschine war gleichwohl dasselbe.

Jimmy Wales hatte vielleicht auch mal was anderes vor, als die klassische Zeitung zu retten. Dann kam jedoch die Zeitungskrise, und vor allem: Trump, und das Zeitalter der „Fake News“ und „alternativen Fakten“. Die groteske Wortschöpfung aus dem Mund der Potus-Pressesprecherin Kellyanne Conway soll angeblich Wales publizistischer Erweckungsmoment gewesen sein… Der Rest ist schnell erzählt. Schwupps gab Wales einen Zeitungs-Hackthon in Auftrag, organisiert von der Brand-Buildung-Agentur „Impossible“. Heraus kam das „Wiktribune“-Konzept für den „evidenzbasierten Journalismus“ des 21. Jahrhunderts.

Ohne die Crowd geht da gar nichts. Wales fasst die Idee so zusammen: „What emerged at the end of the 72 hours was a rudimentary platform that did one thing very simply: allowed disparate groups of people – journalists, commentators and readers – to have a dialogue with each other that ultimately lead to increased understanding of not only the world around them, but of each other“, so Jimmy Wales.

Technisch auf angepasster WordPress-Basis und organisiert nach dem Wiki-Prinzip soll ab Herbst (September!? Oktober!?) 2017 eine neuartige News-Plattform an den Start gehen — denn beim Fact-Checking, Korrekturlesen und redaktionellen Überarbeiten wird die Wikitribune-Community eingespannt. Getreu dem Wiki-Prinzip müssen alle Quellen offengelegt werden, die Artikel erscheinen unter Creative-Commons-Lizenz (cc-by).

Angeschoben wurde das Projekt via Crowdfunding, und auch der reguläre Betrieb soll durch Spenden und freiwillige Abonnements gesichert werden, Krautreporter, De Correspondent und Pro Publica lassen grüßen. Allerdings werden die Leser eben deutlich mehr Einfluss haben als nur den Zugang zur Kommentarspalte.

Zehn hauptamtliche Wikitribune-Journalisten für das in London angesiedelte Hauptquartier sind bereits eingestellt bzw. eingeplant, weitere sollen folgen, es sind auch Filialen in anderen Ländern geplant, um die Berichterstattung internationaler zu machen. Es könnte also in Zukunft sogar eine deutsche Wikitribune-Redaktion geben.

Den größten Unterschied zur Wikipedia sieht man übrigens schon an der Webadresse: die heißt nicht wikitribune.org, sondern wikitribune.com — das Portal ist also dezidiert For-Profit, und hängt organisatorisch auch nicht mit Wikipedia bzw. der Wikimedia-Stiftung zusammen. Was natürlich die Propagierung innerhalb der Wiki-Welt nicht verhindern dürfte, und wohl von Anfang an für eine große Community sorgen wird.

Was wirklich draus wird, bleibt abzuwarten. Schlimmstenfalls eine weitere Konkurrenz für bestehende Blätter und ihre Online-Dependancen, bestenfalls — dank weitgehender cc-Lizenz der Inhalte — eine Art Welt-Nachrichtenagentur für faktengecheckte Artikel, die von allen Medien verwendet werden dürfen (z.B. vom Guardian, in dessen Beirat Jimmy Wales seit 2016 sitzt). So frei nach dem Motto: besser gleich bei Wikitribune übernehmen statt schlecht bei Wikipedia abschreiben…

Funding ist Pop: Leser-Crowd hilft Ventil-Verlag aus der Finanz-Klemme

Wenn ein kleiner, aber feiner crowd-rettet-ventil-verlagVerlag mit dem Schwerpunkt Pop- und Subkultur Geld braucht, liegt es ja fast schon nahe: zapf die Crowd an! Schließlich ist Crowdfunding nicht nur Pop, es kommt auch aus dem Sektor Populärkultur — gut vernetzte Fan-Communities waren schon immer eine besonders zuverlässige Basis für Massenspenden. Im Fall des Ventil Verlag ging diese Rechnung auf, eine engagierte Leserschaft half den Mainzer Buchmachern aus der buchhalterischen Bredouille. Insgesamt 292 UnterstützerInnen sammelten in wenigen Wochen mehr als 15.000 Euro.

Kollektivbetrieb gerettet, Herbstprogramm dito

Der vor zwanzig Jahren gegründete Kollektivbetrieb, in dem alle Mitarbeiter auch Eigentümer sind, kann jetzt wie geplant sein Herbstprogramm herausbringen, unter anderem „Glam – Glitter Rock und Art Pop von den Siebzigern bis ins 21. Jahrhundert“, den Punkrock-Erzählband „Many Injured, More Dead“, sowie „Schwarz Rot Pop – Popmusik im Echoraum des Rechtspopulismus“. Und auch das eine oder andere vegane Kochbuch.

Krautpublishing kompensiert geklaute Tantiemen

Hintergrund des finanziellen Engpasses war ironischerweise ebenfalls eine Art Kollektivierung, bzw. Re-Kollektivierung: der Ventil-Verlag muss wie viele andere Verlage auch nach dem juristischen Streit zwischen Autoren und der VG Wort in Kürze einen ganzen Batzen unrechtmäßig einbehaltener Tantiemen an die elenden Skribenten erstatten, die Rede ist von knapp 20.000 Euro.

(via boersenblatt.net)

„Absolut Independent“: Alle Mikrotexte des Jahres 2017 jetzt vorab via Startnext abonnieren

mikrotext-aboDie E-Book-Flatrate der etwas anderen Art gibt’s auch 2017 wieder, made in Berlin: via Startnext kann man das diesjährige Verlagsprogramm von Mikrotext per Pre-Order abonnieren. „Abonnenten bekommen die E-Books bequem per E-Mail-Downloadlink geliefert, als ePub, mobi und PDF. Nur die Abonnenten erhalten das PDF, ein echtes Plus“, heißt es auf der Kampagnenseite.

Zielgruppe sind laut Mission Statement „neugierige digitale Leserinnen und Leser, die sich für politische-literarische Texte interessieren“ und „für neue Stimmen offen sind“, denn in dem von Nikola Richter vor vier Jahren gegründeten Digital-Verlag erscheinen oft auch literarische Debüts (mittlerweile übrigens auch im Print-Format). Das Abo via Startnext gibt’s ab 30 Euro.

In Frühjahr erscheint bei Mikrotext u.a.: Arunika Senaraths Erstlingswerk „Diese eine Nacht“, Jesper Clemmensens preisgekrönte Flucht-Reportage „Die Entscheidung der Familie Sender“, „Hoffnun'“, ein Sammelband mit Weltuntergangs-Kurzprosa von Puneh Ansari, sowie „Hacking Koyote“, ein transkultureller Hipster-Trickster-Essay zum Thema Digiale Souveränität. Siehe auch den Ankündigungs-Katalog.

Apropos Souveränität: Mit dem Mikrotext-Abo ist eben nicht nur für Lesefutter gesorgt, man unterstützt auf diese Weise ein von Amazon, anderen Shops oder Zwischenlieferern komplett unabhängiges Distributionssystem — die digitale Lektüre geht von Verlag & Autor direkt in Richtung Leser. Also „absolut independent“, wie Nikola Richter betont, auch in der Gegenrichtung: „So geht das Geld ohne Umwege an Autoren und Verlag“.

Erstmals gab es das Mikrotext-Abo im Jahr 2015, damals wurden knapp 200 Abos vorbestellt und auf diese Weise das ambitionierte Funding-Ziel von 10.000 Euro locker eingespielt. Im letzten Jahr ging’s dagegen mit einem Fundingziel von 1.000 deutlich bescheidener weiter, am Ende wurden mit 80 Abos 2.000 Euro erreicht. Die aktuelle Kampagne – diesmal mit einem Fundingziel von 2.000 Euro — läuft noch bis Mitte Januar.

Bücher machen mit der Kraft der Crowd: Krautpublishing – ein Handbuch für Verleger & Self-Publisher

krautpublishing-crowdfunding-handbuch-fuer-die-buchbrancheSelf- bzw. Indie-Publishing plus Crowdfunding gleich Krautpublishing. Das war grundsätzlich schon beim Erscheinen der ersten Auflage von „Krautfunding“ vor fast fünf Jahren (!) klar. Nicht umsonst lautete die dritte These, die ich dem Buch vorangestellt hatte, ja auch: „Crowdfunding verstärkt den Trend in Richtung Direkt-Publishing“.
Klar schien auch: Klassische Vermittlungsinstanzen wie Verlage und Buchhandel waren nicht mehr unbedingt notwendig. Bis zum Erscheinen des aktuellen Handbuchs „Krautpublishing“ hat es dann aber doch noch ein Weilchen gedauert. Denn so richtig nahm die Sache hierzulande erst Fahrt auf, als zwei neue Vermittlungsinstanzen bereit standen: einfach zu nutzende Self-Publishing-Plattformen, siehe KDP/Createspace, epubli & Co., wie auch deutsche Crowdfunding-Plattformen mit großer Unterstützer-Community, siehe Startnext, Visionbakery etc.

Krautpublishing via Kickstarter & Startnext

Inzwischen wird die Self-Publishing-Revolution tatsächlich auch stark durch die Kraft der Crowd angetrieben: auf der US-Plattform Kickstarter nähert sich die Zahl der crowdgefundeten Publishing-Projekte sogar schon der 100-Millionen-Dollar-Marke, in Deutschland haben die Book People alleine via Startnext immerhin schon mehr als 500.000 Euro zusammengetragen. Wobei immer öfter auch (Indie-)Verlage dabei sind… Bücher machen mit der Kraft der Crowd: Krautpublishing – ein Handbuch für Verleger & Self-Publisher weiterlesen

Lekker Kruidreporter: De Correspondent hat schon 40.000 zahlende Abonnenten

erfolgsmodell-de-correspondent-niederlaendische-krautjournalistenEs gibt Krautreporter, und es gibt Kruidreporter – vor zwei Jahren ging die Amsterdamer News-Plattform De Correspondent mit der Kraft der Crowd an den Start, damals mit 20.000 Unterstützern, die ein Vorab-Jahresabo zeichneten. Viele Leser sind auch im zweiten Jahr dabeigeblieben, noch mehr sind dazugekommen: In diesen Tagen haben die Gründer um Ernst-Jan Pfauth gerade die Marke von 40.000 zahlenden Abonnenten geknackt.

Was das für ein so kleines Land wie die Niederlande heißt, macht Pfauth in einem Blogpost deutlich: „40.000 Abonnenten für ein niederländischsprachiges Medium, in einem Land mit 17 Millionen Einwohnern, das würde umgerechnet auf die USA einer Zahl von 750.000 Abonnenten entsprechen, was unseres Wissens nur zwei Zeitungen erreicht haben: die New York Times mit mehr als 1 Million Digital-Only-Abonnenten, und das Wall Street Journal mit 900.000“.

Dabei ist das journalistische Crowdpublishing-Startup aus Amsterdam natürlich deutlich schlanker als die altehrwürdigen News-Riesen von jenseits des Ozeans: Für den komplett werbefreien Online-Content bei De Correspondent sorgt derzeit ein Team von 31 Vollzeit-Redakteuren. Dafür ist ein Abo aber auch sehr günstig, schon für 6 Euro pro Monat oder 60 Euro im Jahr ist man dabei.

Zum Geheimnis des Erfolgs gehört zudem eine sehr clevere Distributions-Politik: die zahlenden Nutzer können alle Artikel der Plattform kostenlos an Freunde weiterreichen, wodurch offenbar viele neue Abonnenten gewonnen werden konnten. Auch via Facebook sowie Newsletter kann man als Noch-Nicht-Abonnent ausgewählte Artikel gratis erhalten, die Konversionsrate via Mailing beträgt fast zwei Prozent.

Ganz besonders schätzen die Leser von De Correspondent offenbar das transparente Geschäftsmodell: sie wissen, das ein Großteil ihres Geldes bei den Autoren ankommt, genauer gesagt, 55 Prozent der Umsätze, rechnet man die Mehrwertsteuer heraus, sogar zwei Drittel. Sonst würde so ein Crowdpublishing-Ansatz wohl auch nicht so gut funktionieren.

Am wichtigsten sind natürlich die Inhalte selbst – ähnlich wie die schon seit sieben Jahren aktive Online-Abo-Zeitung Mediapart (mittlerweile 100.000 Abonnenten) in Frankreich und die letztes Jahr gestarteten Krautreporter aus Deutschland (18.000 Abonnenten) garantiert die Leserfinanzierung unabhängigen, hintergründigen Qualitätsjournalismus, ein Angebot, das die großen Medienhäuser in Zeiten der Zeitungs-, besser gesagt Anzeigenkrise leider immer weiter zurückgefahren haben.

Literatur als Zuschauersport: Tilman Rammstedt schreibt „morgen mehr“ – exklusiv für Abonnenten

morgen-mehr-tilman-rammstedtMorgen mehr – das versprechen Autoren gerne ihren Lektoren, die auf neue Kapitel warten. Auf Startnext gilt dieses Versprechen nun auch gegenüber den Lesern von Tilman Rammstedts nächstem Roman „Morgen Mehr“. Wer „Morgen Mehr“ ab einem Preis von 8 Euro abonniert, kann zwischen Januar und April 2016 live mitverfolgen, wie der Berliner Autor die Geschichte von Tag zu Tag weiterschreibt.

Dargeboten wird der literarische Booksprint auf allen Kanälen: mitlesen können die Subskribenten auf morgen-mehr.de, via WhatsApp, oder direkt per E-Mail, mithören geht aber auch, denn eine vom Autor gelesene Audio-Fassung gehört gleichfalls zum Paket dazu.

Im weitesten Sinne dürfte das Projekt wohl unter das Label Krautpublishing fallen, denn immerhin wird die Crowd hier marketingtechnisch sehr clever von Anfang an eingespannt. Speedpublishing ist es auf jeden Fall: Bereits ab Mai 2016 soll der komplette Roman als E-Book und Printversion erscheinen, ganz traditionell in einer vom Autor überarbeiteten und vom Verlag lektorierten Fassung.

Apropos Lektorat: die ganz rohen Seiten bekommt nur das „Team Rammstedt“ zu lesen. Jedes Tageskapitel werde vor der Veröffentlichung nämlich „selbstverständlich“ lektoriert, so Hanser-Chef Jo Lendle gegenüber literaturcafé.

Und was ist, wenn dem Autor nichts einfällt? Besonders groß dürfte das Risiko bei dieser Work in Progress wohl nicht sein, Literatur als zeitnah improvisierte Performance ist für Rammstedt nichts neues. Viele seiner kürzeren Texte sind für das Berliner Lesebühnen-Publikum entstanden.

Insofern darf man wohl auch die vorläufige Inhaltsangabe als eine Art Aufwärmübung für einen Roman verstehen, über den selbst der Autor eigentlich noch gar nichts weiß:

Es ist Sommer 1972. Seit Jahren schon. Die Farben verblassen, die Musik leiert, und ein Mann sehnt sich nach der Zukunft. Er vermisst all das, was es noch nicht gibt: Navigationssysteme, Glutenintoleranz, die Nostalgie nach klareren Zeiten. Er vermisst auch seine Frau, die er noch nicht hat, seine Kinder, die es nicht gibt. Er will nicht länger warten. Er beschließt, die Uhr nach vorne zu drehen. Und zwar nicht nur seine eigene, sondern die Koordinierte Weltzeit, an der sich alle Uhren orientieren. Dafür muss er nach Paris. In einem gestohlenen Taxi fährt er durch ein merkwürdiges Europa und sammelt auf dem Weg all diejenigen ein, die auch endlich in die Zeit fallen wollen, am besten mit Karacho.

Erfolgsmodell „Celebrity-Tie In“: Wenn Youtube-Stars Bücher machen

krautpublishing-mit-youtube-starsWarum das Rad ganz neu erfinden, wenn’s schon existiert? Nach diesem Motto funktionieren nicht nur Franchising-Modelle, sondern auch Merchandising und die storytellende Zweitverwertung von Content, etwa in Form des fast schon sprichwörtlichen „Buchs zum Film“.

Mindestens ebenso erfolgreich sind „Celebrity Tie-Ins“, also Bücher von Autoren, die durch Film und Fernsehen zu bekannten Gesichtern geworden sind – auch bei Youtube-Stars hat sich dieser Weg für Verlage als sichere Bank erwiesen. Zum Beispiel in den USA & UK, unter den Top 20 der Bestseller-Liste von Publishers Weekly sind derzeit gleich drei solcher Youtube-Promis: Tyler Oakly („Binge“), PewDiePie („This Book Loves You“) sowie Dan Howell und Phil Lester („This Amazing Book is Not on Fire“).

100.000er Auflagen keine Seltenheit

Bereits in der Start-Woche wurden von den drei Titeln insgesamt mehr als 80.000 Exemplare abgesetzt,wobei neben der Popularität der Quereinstiegs-Autoren auf Youtube selbst offenbar auch die große Zahl an Followern auf Facebook und Co. als Verstärker wirkte. Andere Youtube-Stars haben auf diese Weise übers Jahr gerechnet bereits locker die 100.000er-Marke geknackt.

Youtube trifft Krautpublishing

In Deutschland macht das Beispiel nun ebenfalls Schule – und wohl nicht ganz zufällig in Verbindung mit Krautpublishing. Siehe den Verlag Plötz & Betzholz. Angefangen haben die Startup-Verleger Felix Plötz & Dennis Betzholz als Krautpublisher in eigener Sache, ihr Ratgeber „Palmen in Castrop-Rauxel“ wurde via Crowdfunding vorfinanziert.

Dann wurde ein Verlag neuen Typs daraus – Plötz & Betzholz hat sich auf Buch-Koproduktionen mit deutschen Youtube-Stars spezialisiert. Gelauncht werden die Projekte über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Zu den Anfangserfolgen gehörte 2015 „Peinlich für die Welt“ von und mit Youtuber Jonas Ems („uFoneTV“), das in diesen Tagen erscheint.

Gute Argumente für Kooperation

Für die Celebrity Tie-Ins made in Germany gibt’s gute Argumente auch aus Sicht der Youtube-Stars und -Sternchen. Plötz & Betzholz wirbt nicht nur mit Speed-Publishing innerhalb von drei Monaten, sondern auch mit branchenunüblichen Tantiemen von 30 Prozent. Auch vertriebstechnisch scheint das Star-Up eine gute Wahl zu sein – dank Kooperation mit dem Ullstein-Verlag.

„Made with Creative Commons“: E-Book-Projekt versammelt nicht-exklusive Geschäftsmodelle

made-with-creative-commonsIm kalifornischen Mountain View sitzen IT-Unternehmen, deren Börsenwert längst durch die Decke gegangen ist. Doch nicht alle im Silicon Valley sind an maximalen Quartalsgewinnen interessiert. Bestes Beispiel für solche Non-Profits ist Creative Commons. Die gemeinnützige Organisation steht hinter der gleichnamigen nicht-exklusiven Lizenz, die als „Anti-Copyright“ Künstlern und Kreativen, aber auch Unternehmen erlaubt, Inhalte kostenlos zu nutzen, weiterzuverbreiten oder auch zu verändern.

Kann man denn davon leben?

Die digitale Allmende boomt. Weltweit soll die Zahl der cc-lizensierten Werke in diesem Jahr die Milliarden-Marke überschreiten. Doch bleibt bei allem Erfolg die Frage nach der finanzielle Nachhaltigkeit für die Urheber oft im Raum stehen: Wie können die Schöpfer solcher Werke Geld damit verdienen, indem sie ihre Werke der Allgemeinheit zur Verfügung stellen? Oder noch kürzer: Kann man denn davon leben, auch wenn man nicht Cory Doctorow heißt?

24 Open Business-Geschäftsmodelle

Die CC’ler aus Mountain View sind entschieden der Meinung: Ja! Um den Beweis zu führen, wollen Paul Stacey, Sarah Pearson und weiter KollegInnen nun unter dem Titel „Made with Creative Commons“ ein E-Book veröffentlichen, das in 24 ausführlichen Fallbeispielen das gesamte Spektrum möglicher „Open Business“-Modelle auf Grundlage von Creative Commons ausleuchtet. Natürlich wird das Best-Practice-Buch auch selbst cc-lizensiert, und in einem transparenten Publikationsprozess von Punkt zu Punkt online nachvollziehbar produziert. Eine besondere Rolle soll dabei die Social-Journalism-Plattform Medium.com spielen.

Krautpublishing trifft Creative Commons

Nicht zuletzt darf die Web-Community aber auch bei der Finanzierung von „Made with Creative Commons“ in die Bresche springen – via Crowdfunding auf Kickstarter. Also wieder mal eins von diesen Büchern, die ihre Hauptthese auch ganz praktisch beweisen möchten (vgl. Free, Meconomy, Eine neue Version ist verfügbar, etc.) Wer das Projekt auf Kickstarter unterstützt, erhält übrigens auch Stimmrecht bei der Auswahl der Fallbeispiele. CC-basierte Business Modelle nominieren kann aber jeder…

Abb.: Colores Mari/Flickr (cc-by-2.0)

Krautpublishing-Rekord: Wormworld Saga Vol. 2 sammelt mehr als 43.000 Dollar ein

wormworldsagaHeute startet die deutsche Version von Kickstarter. Welches Crowdpublishing-Potential hinter der Plattform steckt, zeigt ein englischsprachiges Kickstarter-Projekt made in Germany, das heute endet: die Paperback-Version von „The Shelter of Hope – Wormworld-Saga Volume 2“ hat mit mehr als 800 Vorbestellungen knapp 43.000 Dollar eingesammelt. Die vom deutschen Comic-Zeichner Daniel Lieske ursprünglich als E-Comic entwickelte Fantasy-Serie begeistert international so viele LeserInnen, dass solche Zahlen sogar schon mehrmals erreicht wurden: „The Journey begins – Wormworld-Saga Volume 1“ sammelte im letzten Jahr 45.000 Dollar ein, zwei weiterer Kampagnen zur Finanzierung der Online- bzw. App-Version brachten jeweils mehr als 20.000 Dollar.

Print-Version erscheint bei Tokyopop

Damit dürfte die „Wurmwelt“, ein magisches Paralleluniversum, in das ein kleiner Junge namens Jakob hineingezogen wird, zu den weltweit erfolgreichsten Indie-Projekten im Comic-Sektor gehören. Typisch für solche onlinebasierten Vermarktungsformen ist die Kombination von kostenlosem Web-Comic und Monetarisierung via Merchandising und von der Crowd vorfinanziertem Print-Verkauf. Sowohl die deutschen wie auch die englischsprachigen Print-Versionen der Wormworld-Saga erscheinen bei Tokyopop bzw. Tokyopops neuem Label POPCOM – und wartet mit Hardcover und hochwertigem Kunstdruckpapier auf. Wer möchte, kann via Kickstarter aber auch eine in Leinen gebundene De-Luxe-Version mit Goldprägung bestellen.

Prinzip der „unendlichen Leinwand“

Ein besonderer Hingucker bleibt natürlich die elektronische Version – jedes der inzwischen sieben Kapitel lässt sich komplett durchscrollen, es gibt keine Seitenaufteilung. Wer dieses beeindruckende Lese-Erlebnis noch nicht gemacht hat, sollte es unbedingt mal auf wormworldsaga.com nachholen. Für die Print-Version musste das Prinzip der „unendlichen Leinwand“ natürlich durchbrochen werden – das scheint die Fans der Wormworld-Saga aber nicht zu stören. Die deutschsprachigen Bände 1 („Die Reise beginn“) und 2 („Hort der Hoffnung“) kann man zum Preis von 12 bzw. 14 Euro bestellen, z.B. in Lieskes Wormworld-Webshop.

Deutsche Kickstarter-Projekte ab morgen aktiv – neuer Kick für’s Krautpublishing?

kickstarter-jetzt-auch-in-deutschlandAb morgen geht’s los: Kickstarter, die Mutter aller Crowdfunding-Plattformen öffnet sich am 12. Mai 2015 für Projekte made in Germany, und vor allem made FOR Germany. Unter der Adresse kickstarter.com/germany kann man sich bereits einen ersten Eindruck machen, zahlreiche Projekte vor allem aus dem Kulturbereich sind hinter den Kulissen offenbar bereits in Vorbereitung, zu den angekündigten Technik-Gadgets gehört die Storytelling-Maschine „Storyhome“. Natürlich wird im neuen Kickstarter-Bereich nun auch Deutsch gesprochen, selbst die Zahlungsmodalitäten wurden an hiesige Befindlichkeiten angepasst: neben Kreditkarten können zumindest Beträge bis 250 Euro per Lastschrift eingezogen werden.

Kickstarter knackt Milliarden-Dollar-Grenze

Auf dem deutschen Crowdfunding-Markt haben bisher andere Plattformen die Nase vorn: allen voran die waschechten Krautfunding-Adressen Startnext und Visionbakery, die international aktive Plattform Indiegogo betreibt schon seit längerem ebenfalls einen deutschen Ableger. Doch nicht zu unrecht gilt Kickstarter eben als Mutter aller Crowdfunding-Plattformen überhaupt. Das 2009 von Charles Adler, Perry Chen und Yancey Strickler gegründete Unternehmen entwickelte sich im englischsprachigen Raum rasch zur ersten Anlaufstelle nicht nur für das Einsammeln von Massenspenden, sondern vor allem auch für die Pre-Order-Vermarktung von Gadgets und Content. Mittlerweile erzielten erfolgreich abgeschlossenen Kampagnen fast 1,5 Milliarden Dollar (zum Vergleich: Startnext 20 Mio. Euro).

Comics auf Kickstarter besonders erfolgreich

Zu den eindrucksvollsten Kickstarter-Projekten aller Zeiten gehören die Smartwatch Pebble (20 Mio. Dollar), Neil Youngs Hi-End-Walkman Pono (6 Mio. Dollar) sowie der 3D-Zeichenstift Doodler (2 Mio. Dollar). Aber auch weit unterhalb der Millionen-Dollar-Schwelle ist eine Menge los, gerade im Bereich Content: so wurden via Kickstarter im Rahmen von mehr als 20.000 Publishing-Projekten schon fast 100 Millionen Dollar gesammelt, einen besonders hohen Anteil (40 Mio. Dollar) hatten dabei Comics.

Pre-Order-Kampagne als Chance für Verlage

Immer öfter realisieren nicht nur Self-Publisher einzelne Veröffentlichungen mit Hilfe der Crowd, gerade in den USA gehen Startup-Verlage dazu über, Teile ihres Programms vorab mit Crowdfunding zu finanzieren. Dieses Beispiel macht mittlerweile auch in Deutschland Schule: Mikrotext-Verlegerin Nikola Richter vermarktete kürzlich ihr 2015er-Programm via Startnext als eine Art „Flatrate-Abo“. Wächst Kickstarter nun in Deutschland so rasant wie in den USA, könnte das Krautpublishing erst so richtig ins Kraut schießen…