„Abhängig nur vom Leser“: Krautreporter pitcht crowdfinanziertes Online-Magazin

Native Advertising? Stiftungsfinanzierung? Staatliche Subventionen? „Auch die klügsten Thesen können nichts daran ändern, dass niemand tatsächlich die Zukunft des Journalismus kennt“, schrieb die in Seattle lebende Bloggerin und Journalistin Ulrike Langer gerade auf Meedia. Doch eins sei wohl klar: eine gemeinsame Zukunft für die Medienbranche werde es ohnehin nicht geben – stattdessen müsse man sich diesseits und jenseits des Atlantiks auf eine bunte Mischung „aus einigen wenigen alten und vielen neuen Formen und Geschäftsmodellen“ einstellen. Wird in der deutschen Medienlandschaft Crowdpublishing zu den angebotenen Geschmacksrichtungen gehören? Manches spricht dafür – nicht zuletzt der bisherige Erfolg von Krautreporter.de …

„Für die Geschichten hinter den Nachrichten“

Denn damit online mehr herauskommt als Verblendungszusammenhänge von Bild.de bis Buzzfeed, setzt Krautreporter.de schon seit Anfang 2013 auf Krautfunding – fast 200.000 Euro kamen dort bereits für engagierte journalistische Projekte zusammen (E-Book-News berichtete). Und zugleich reifte damit die Erkenntnis: allem Gerede über “Kostenloskultur” zum trotz sind LeserInnen durchaus bereit, für guten Online-Journalismus Geld auszugeben. Das hat die Krautreporter-Gründer Sebastian Esser, Philipp Schwörbel und Alexander von Streit nun ermutigt, den großen Sprung zu wagen: aus der Krautfunding-Plattform soll ein „tägliches Magazin für die Geschichten hinter den Nachrichten“ werden, und zwar werbefrei – also weder mit Bannern verbaut noch mit Suchmaschinen-Ranking im Kopf geschrieben.

Kernmannschaft aus 25 JournalistInnen

Helfen soll dabei natürlich die Crowd – gesucht sind 15.000 UnterstützerInnen, die bereit sind, ein Jahr lang 5 Euro pro Monat zu geben, genauer gesagt, 60 Euro für die Gründung vorzustrecken. „Es ist eine große Chance, sich nur von einem abhängig zu machen – dem Leser“, so Stefan Niggemeier im Pitch-Video (siehe auch Niggemeiers aktuellen Blog-Artikel). Der prominente Online-Journalist gehört zum Autoren-Team, genauso wie 24 weitere KollegInnen – allen gemeinsam ist: sie möchten „nicht mehr darauf warten, dass die großen Medienunternehmen sich endlich trauen, echten Journalismus im Netz zu ermöglichen.“ Wer ab Herbst gut recherchierte Stories von Stefan Niggemeier, Theresia Enzensberger, Hans Hütt, Jens Weinreich, Andrea Hünniger und anderen lesen möchte, muss sich bis 15. Juni entscheiden, dann endet die Krautfunding-Kampagne.

Prinzip Offenheit: Keine Pay-Wall geplant

Vergleichbare leserfinanzierte Plattformen wie „mediapart“ in Frankfreich oder „De Correspondent“ in den Niederlanden haben bereits mehr als 50.000 bzw. 30.000 Abonnenten und schreiben schwarze Zahlen. Im Unterschied zu diesen wird man das Krautreporting-Magazin aber auch lesen können, wenn man nicht zu den zahlenden Kunden gehört. Das macht durchaus Sinn, denn je größer die Reichweite, desto größer auch die Zahl potentieller Crowdfunder, die auf den Geschmack kommen können. Ähnlich macht es ja seit einigen Jahren die Online-Ausgabe der alternativen Tageszeitung taz, die statt Pay-Wall auf die freiwillige „Pay-Wahl“ setzt und dafür ein barrierfreies Vollprogramm bietet. Die Krautreporter wollen immerhin täglich drei bis vier Geschichten posten…

Journalismus 2.0: Krautreporter.de knackt die 100.000-Euro-Marke

Hat Journalismus im digitalen Zeitalter noch eine Chance? Als Krautpublishing vielleicht schon – das beweist der Erfolg von Krautreporter.de – die erst Anfang 2013 gestartete Crowdfunding-Plattform für journalistische Projekte hat gerade die 100.000-Euro-Marke geknackt. Insgesamt wurden mit Hilfe der Crowd 20 Reportagen, Bücher oder Online-Aktionen finanziert, fünf Kampagnen scheiterten, was einer Erfolgsquote von 80 Prozent entspricht.

Zu den prominentesten Krautreporting-Projekten gehört die von Richard Gutjahr & Co. ins Leben gerufene Webplattform LobbyPlag, mit der die Einflussnahme von Lobby-Organisationen auf Gesetzetexte visualisiert werden soll. Bis Anfang März 2013 wurden zu diesem Zweck knapp 7.000 Euro gesammelt. Die von Freischreiber e.V. geplante „Freienbibel“, ein Handbuch für freie Journalisten, erzielte im Mai dann sogar 14.000 Euro, damit wurde das Spendenziel um 200 Prozent überschritten. Nur 5.000 Euro, dafür aber weitaus mehr mediale Aufmerksamkeit hat Tilo Jung gesammelt – sein via Youtube gesendetes Talk-Format „Jung&Naiv“ mit der Zielgruppe Politikverdrossene kann sich nun auch die Post-Production leisten.

Kampagnen im fünfstelligen Bereich blieben auf Krautreporter.de bisher tatsächlich noch die Ausnahme, üblich sind kleinere Summen, manche Projekte geben sich auch mit ein paar Hundert Euro zufrieden. Die Macher der Plattform rund um den Berliner Journalisten Daniel Esser und Wendelin Hübner denken aber schon eine Nummer größer. Sie planen ihre Crowdfunding-Engine unter dem Namen „Sparker“ als Whitelabel-Lösung anzubieten, mit deren Hilfe auch Zeitungen, Magazine oder TV-Sender auf Krautfunding setzen können – wenn sie bereit sind, vorab mindestens 10.000 Euro in die Franchise-Kosten zu investieren.

Von Crowdpublishing bis Crowdinvestment: Krautfunding 3.0 jetzt kostenlos im Kindle-Store

Nach der sehr erfolgreichen Kindle-Aktion mit „Vom Buch zum Byte“ – fast 1400 Downloads in 72 Stunden – gibt’s in den nächsten drei Tagen geballte Informationen zum Thema Crowdfunding made in Germany: bis zum 24. April könnt ihr mein E-Book „Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie“ kostenlos im Kindle-Store herunterladen. Die dritte Auflage von „Krautfunding“ (März 2013) versammelt aktuelle Beispiele zu Bereichen wie Krautpublishing, Krautinvestment, aber auch crowdgestütztes Fundraising für den guten Zweck. Wie gut Crowdfunding in Deutschland angekommen ist, zeigt ein Blick in die Statistik: im letzten Jahr wurden auf klassischen Crowdfunding-Plattformen mehr als 2 Mio. Euro eingesammelt, netzaffine Kleinanleger steckten 2012 satte 4 Millionen Euro in die Projekte von erfolgversprechenden Startups.

Ein Thema, das in „Krautfunding“ immer wieder auftaucht, ist die Kulturflatrate. Wenn sich Crowdfunding durchsetzt, könnten bisherige Verteilungskämpfe im Kulturbetrieb der Vergangenheit angehören. Abgesehen von Fallbeispielen rund um Crowdfunding made in Germany bekommt man aber auch Basiswissen geliefert. Ein eigener Abschnitt widmet sich der Frage „Wie funktioniert eine klassische Crowdfunding-Plattform?“. Im erweiterten Serviceteil findet man außerdem neben einem „ABC des Crowdfunding“ ein Literaturverzeichnis sowie Surf-Tipps.

Kleiner Wermutstropfen: Um an Amazons Programm „KDP Select“ teilnehmen zu können und Gratis-Aktionen zu starten, muss man den jeweiligen Titel für drei Monate exklusiv im Kindle-Store anbieten. Die Multiformat-Version von Krautfunding (epub, PDF, mobi) gibt’s deswegen erst wieder ab Mitte Juli – zeitgleich startet dann auch die Distribution auf Buchhandelsplattformen wie Thalia oder Weltbild. Trotzdem kann man „Krautfunding“ schon jetzt problemlos auf Tolino, Kobo- oder Sony-Reader lesen: Da auch die Kindle-Version meines E-Books 100% DRM-frei ist, lässt sich die .mobi-Datei ganz einfach in andere Formate wie epub konvertieren, z.B. mit dem Freeware-Tool Calibre. Via Amazon/Createspace ist übrigens auch eine Taschenbuch-Version der aktuellen Auflage von „Krautfunding“ lieferbar (94 Seiten, 6,99 Euro).

Krautfunding 3.0 ist da: Crowdfunding made in Germany startet durch

Vor einem Jahr erschien die zweite Auflage meines Krautfunding-Buchs. Jetzt ist es höchste Zeit für eine dritte Auflage: Denn die deutsche Dankeschön-Ökonomie entwickelt sich rasant weiter. Klassische Crowdfunding-Plattformen sammelten im Jahr 2012 bereits mehr als 2 Millionen Euro. Davon profitiert auch das Krautpublishing – verschiedene Buchprojekte erzielten via Startnext fünfstellige Beträge, darunter etwa „Eine neue Version ist verfügbar“, das „Google+Buch für Jedermann“ oder der „Schul-buch-omat“. Zugleich wird der Krautfunding-Sektor immer vielfältiger: Mit nordstarter.org gibt’s die erste regionale Plattform, sciencestarter.de hat sich auf crowdgefundete Wissenschaft spezialisiert, krautreporter.de auf spendenfinanzierten Journalismus. Größter Senkrechtstarter bleibt aber der Bereich Krautinvestment – netzaffine Kleinanleger steckten 2012 satte 4 Millionen Euro in die Projekte von erfolgversprechenden Startups, zehn mal soviel wie im Jahr zuvor.

Von Kultursponsering bis zu Crowdfunding für Startups

Doch nicht nur das Business boomt: Wie man an Plattformen wie betterplace.org sehen kann, ist klassisches Fundraising ist ebenfalls im Crowd­funding-Zeitalter angekommen. Zahlreiche prominente deutsche Crowdfunding-Beispiele sind in meinem E-Book „Krautfunding“ ver­sammelt. Neben dem Einsatz von „Massenspenden“ im Online-Jour­na­lismus geht es vor allem um Kultursponsering, Pre-Order-Modelle in der Buch-Branche sowie um die Bedeutung von Crowdfunding für Startups. Ein Thema, das immer wieder auftaucht, ist die Kulturflatrate. Wenn sich Crowdfunding durchsetzt, könnten bisherige Verteilungskämpfe im Kulturbetrieb der Vergangenheit angehören. Abgesehen von Fallbeispielen rund um Crowdfunding made in Germany bekommt man aber auch Basiswissen geliefert. Ein eigener Abschnitt widmet sich der Frage „Wie funktioniert eine klassische Crowdfunding-Plattform?“. Im erweiterten Serviceteil findet man außerdem neben einem „ABC des Crowdfunding“ ein Literaturverzeichnis sowie Surf-Tipps.

Tipp: Krautfunding jetzt gratis downloaden

Die Kindle-Book-Version von „Krautfunding“ ist ab sofort bei Amazon.de zum Preis von 3,99 Euro erhältlich. Eine ungekürzte Leseprobe im PDF-Format kann man über die „Pay with a Tweet“-Methode kostenlos downloaden. Das PDF lässt sich besonders gut am Bildschirm oder auf dem Tablet lesen. „Bezahlt“ wird dabei mit einer Empfehlung des Buches über das persönliche Twitter- oder Facebook-Profil. Wer die epub-Version auf einem klassischen E-Reader oder auf beliebigen Mobilgeräten konsumieren möchte, kann dies ebenfalls tun. Für 3,99 Euro kann man ein DRM-freies Multiformatbündel (epub/mobi/PDF) auf der Shop-Seite von krautfunding.net entweder via PayPal bezahlen oder via E-Mail bestellen und den Betrag ganz einfach überweisen. Via Amazon/Createspace ist übrigens auch eine Print-On-Demand-Version von Krautfunding lieferbar.

Schulbuch-o-mat sammelt 10.000 Euro für erstes cc-lizensiertes Biologiebuch

Spannendes Finish, und dann Punktlandung: das Crowdfunding-Projekt Schulbuch-o-mat ist nach knapp zweieinhalb Monaten finanziert! Unter dem Motto „Freies Netzwissen rein – offenes eSchulbuch raus“ wollen Heiko Przyhodnik und Hans Hellfried Wedenig das erste freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren: „ohne Verlage, ohne Urheberrecht, alles frei zu verwenden und zu kopieren“. Dafür setzen die Projektinitiatoren einerseits auf die Creative Commons-Lizenz (CC-BY), andererseits auf die Kraft der Crowd. Die hat sich bereits bewährt: Auf der Spendenplattform Startnext.de wurden in den vergangenen Wochen knapp 10.000 Euro von mehr als 200 Supportern gesammelt. Für die Krautfunding-Szene ein nicht alltäglicher Betrag – die meisten Kampagnen auf deutschen Plattformen haben deutlich niedrigere Zielmarken.

In der Pilotphase des Schulbuch-o-maten wird nun als erstes ein Biologiebuch für die Klassenstufe 7/8 realisiert, und zwar „lehrplankonform“. Das heißt: die meisten Inhalte können bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I Verwendung finden. Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Projekts wird die Online-Plattform Schulbuch-o-mat – dort sollen die einzelnen Inhalte gesammelt und der Publikationsprozess koordiniert werden. Eine Vorabversion ist bereits seit Dezember online: unter der Adresse www.oer.io können cc-lizensierte Texte, Fotos, Grafiken und Animationen hoch- und auch heruntergeladen werden.

Als Software-Grundlage für die gemeinschaftliche Online-Erstellung des Bio-Schulbuches dient zukünftig das Autorensystem LOOP, programmiert von oncampus, einer E-Learning Tochter der FH Lübeck. Während der Spendenkampagne konnte Schulbuch-o-mat zahlreiche neue Kooperationspartner gewinnen. Neben engagierten Bio-LehrerInnen gehört dazu auch Apple-Profi Dirk Küpper, der in Kooperation mit einem Düsseldorfer Gymnasium eine iBooks-Version entwickeln möchte. Das Berliner Unternehmen equeo plant zudem, eine eigene App für ausgewählte Inhalte des Bio-Schul-E-Books zu entwickeln, unter anderem als Quiz und Lernkartei. Eins haben wir jetzt schon gelernt: die Kombination von Crowdfunding und Creative Commons könnte in Deutschland Schule machen.

Abb: Screenshot

Krautfunding jetzt auch als Hörbuch – bezahl’s mit nem Tweet

Die letzte Woche habe ich erst vor dem Mikrofon verbracht, dann mit dem Schneideprogramm am Mac Mini. Jetzt ist alles fertig – Vorhang auf für die Hörbuch-Version von „Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie“. Die leicht gekürzte MP3-Version des E-Books kommt auf knapp 80 Minuten Spieldauer. Auf krautfunding.net kann man in ausführliche Testkapitel reinhören, Teil 1 (Vorwort) und Teil 2 (Crowd als Produktiv- und Kreativkraft) lassen sich komplett downloaden. Die übrigen Kapitel gibt’s für 0,99 Cent, die Gesamtfassung für 3,99 Euro.

Bezahlt wird via PayPal, am Ende der Transaktion wird ein Download-Link an die bei PayPal hinterlegte E-Mail-Adresse geschickt. Ich weiß aber auch aus den bisherigen Reaktionen der Leser: PayPal finden nicht alle so toll. Deswegen biete ich zusätzlich die Möglichkeit an, das Hörbuch via E-Mail zu bestellen, als Rückantwort kommt dann stante pede die Datei inkl. Rechnung mit Überweisungdaten.

Bis einschließlich 18. März muss man aber erst mal gar nichts bezahlen. Denn als besondere Startaktion gibt’s ähnlich wie beim Krautfunding-E-Book ab heute eine „Pay-with-A-Tweet“-Option. Bezahlt wird mit einer Empfehlung des Hörbuchs an die Twitter-Follower, bzw. an die Facebook-Freunde. Danach wird im Browser automatisch der Download-Link eingeblendet. Wenn das Hörbuch Gefallen findet, darf man es natürlich hinterher trotzdem kaufen…



Krautfunding – Hörbuch (80 Min., 77 MB) jetzt gratis downloaden:

:-( Ups, die Aktion ist leider beendet. In der Rubrik „Hörprobe“ kann man auf krautfunding.net aber in alle Kapitel hineinhören und die ersten beiden Kapitel kostenlos downloaden…

(DRM-freies MP3, Copyright beim Autor)




Hörproben abspielen

Vorwort >>>

Listen to Krautfunding-Hörbuch Teil 1

Crowd als Kreativkraft >>>

Listen to Krautfunding-Hörbuch Teil 2

Weitere Hörproben gibt’s auf krautfunding.net



Krautfunding 2.0 ist da: Neues zur Dankeschön-Ökonomie made in Germany

Vor gerade mal sechs Monaten erschien mein „Krautfunding“-Buch zum ersten Mal. Trotzdem ist es nun bereits höchste Zeit für eine zweite Auflage. Denn die Dankeschön-Ökonomie hat sich rasant entwickelt. Klassische Crowdfunding-Plattformen wie Startnext, mysherpas oder inkubato sammelten im Jahr 2011 fast 500.000 Euro ein. Anzeichen für den wachsenden Erfolg der Massenspenden aus dem Cyberspace war aber auch die Diversifizierung der Angebote: mittlerweile buhlen mehrere Mikroinvestment-Portale um die Gunst der Netzgemeinde, und neu gegründete Fundraising-Netzwerke experimentieren mit der Crowd. Sogar in der deutschen Filmbranche feierte Crowdfunding als alternative Finanzierungsquelle erste erfolgreiche Premieren – hier wurden mehr als sechsstellige Spendensummen mit Stand-Alone-Plattformen erreicht. Die wachsende Rolle von Crowdfunding für die Verlagsbranche zeigte nicht zuletzt die Anwesenheit der größten deutschen Spendenplattform Startnext auf der letzten Frankfurter Buchmesse. Ob Kunst-Magazin, Comic, Hörbuch oder Roman: auch in Deutschland können Pre-Order-Modelle funktionieren.

Tiefere Einblicke, mehr Grundlagen

Die zweite Auflage von „Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie“ nimmt diese neuen Entwicklungen auf. So gibt es etwa eine erste Bilanz des Direktspenden-Modells der taz (taz-zahl-ich), bei dem überraschenderweise flattr nur noch eine Säule unter vielen darstellt. Vorgestellt werden in der erweiterten und überarbeiteten Version aber auch die Mikroinvestment-Portale Seedmatch und Innovestment sowie die Fundraising-Plattformen Betterplace.org sowie Betterworld-Network. Genauere Zahlen zur Entwicklung von Crowdfunding made in Germany vermittelt ein Blick auf die IKOSOM-Studie sowie den Crowdfunding-Monitor des Selbständigen-Portals FürGründer. Neu hinzugekommene Beispiele aus dem Buch, E-Book- und Hörspiel-Bereich beleuchten zudem den wachsenden Erfolg des Subskriptionsmodells (Pre-Order). Abgesehen von tieferen Einblicken bekommt man nun aber auch ein paar mehr Grundlagen geliefert. Ein eigener Abschnitt widmet sich der Frage „Wie funktioniert eine klassische Crowdfunding-Plattform?“. Im erweiterten Serviceteil findet man außerdem neben einem „ABC des Crowdfunding“ nun auch ein Literaturverzeichnis mit Lesetipps.

PDF-Version von Krautfunding kostenlos downloaden

Die Kindle-Book-Version von „Krautfunding“ ist ab sofort bei Amazon.de zum Preis von 3,99 Euro erhältlich. Eine ausführliche Leseprobe (50 % des Textes) im PDF-Format kann man über die „Pay with a Tweet“-Methode kostenlos downloaden. Das PDF lässt sich besonders gut am Bildschirm oder auf dem Tablet lesen. „Bezahlt“ wird dabei mit einer Empfehlung des Buches über das persönliche Twitter- oder Facebook-Profil. Wer die epub-Version auf einem klassischen E-Reader konsumieren möchte, kann dies ebenfalls tun. Für 3,99 Euro kann man das Buch auf der Shop-Seite von krautfunding.net entweder via PayPal bezahlen oder via E-Mail bestellen und den Betrag ganz einfach überweisen. Via epubli ist übrigens auch eine Print-On-Demand-Version von Krautfunding lieferbar.

Krautfunding: 5 Thesen zur Dankeschön-Ökonomie made in Germany

Im deutschsprachigen Web ist eine neue Gründerzeit angebrochen – Crowdfunding heißt das Buzzword der Stunde. Flattr war nur der Anfang. Die bunten Spenden-Buttons haben den Weg geebnet für zahlreiche Projekt-Plattformen, die auf die Kraft der Crowd setzen. Auf Inkubato, Startnext oder mysherpas wird mit den Mitteln von Web 2.0 und Micropayment die digitale Ökonomie auf den Kopf gestellt. Wenn im Widget der Spendenbalken schwillt, geht es nicht um „eins, zwei, drei – meins“, sondern um den Nutzen für die Community. Die Gesetze des digitalen Fundraisings ermöglichen unterschiedlichste Vorhaben, vom Theaterfestival über Independent-Musik bis hin zu Buchpublikationen. Crowdfunding gibt den Kreativen mehr Unabhängigkeit von Verlagen, Labels und Kulturinstitutionen. Zugleich aber dank Social Media auch direkteren Kontakt zum Publikum.

Krautfunding- das E-Book ist da

Zahlreiche Fallbeispiele zu Crowdfunding made in Germany finden sich in meinem E-Book „Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie“, das diese Woche erschienen ist (siehe krautfunding.net). Die PDF-Version ist via Pay-With-A-Tweet kostenlos erhältlich, die Kindle-Version bei Amazon.de zum Preis von 3,99 Euro, die epub-Version gegen eine PayPal-Spende in beliebiger Höhe. Neben dem Einsatz von Crowdfunding im Online-Journalismus geht es in „Krautfunding“ vor allem um Kultursponsoring, Pre-Order-Modelle in der Musik- und Buchbranche sowie um die Bedeutung von Crowdfunding für Startups. Ein Thema, das immer wieder auftaucht, ist die Kulturflatrate. Wenn sich Crowdfunding durchsetzt, könnten bisherige Verteilungskämpfe im Kulturbetrieb nämlich der Vergangenheit angehören. Dem E-Book vorangestellt sind die folgenden 5 Thesen zum Crowdfunding in Deutschland:

Neue Spielregeln für die digitale Ökonomie

Crowdfunding ändert die Spielregeln der digitalen Ökonomie radikal. Das Fundraising-Prinzip als neues Paradigma revolutioniert Motivationen und Verhaltensweisen der Marktteilnehmer. Der Anbieter wirbt nicht mehr für den Kauf eines Produktes, sondern für die freiwillige Unterstützung bei der Realisierung (Pre-Order-Modell) bzw. bei der Aufrechterhaltung des Angebots. Für den Kunden ist nur noch der Nutzen entscheidend, nicht mehr der Preis. Geschäftsmodelle sind nicht mehr von der Zahl der Konsumenten abhängig, sondern von der Zahl der Prosumenten, die sich aktiv für eine Sache einsetzen – sowohl durch Spenden wie auch virtuelle „Mund-zu-Mund-Propaganda“ in ihren sozialen Netzwerken.

Crowdfunding als Vertriebsmodell

Crowdfunding ist das erste funktionierende Vertriebsmodell, mit dem sich das Potential digitaler Güter voll ausschöpfen lässt. Je größer die Crowd, und je besser ihre Vernetzung, desto größer sind die Erfolgschancen für neue Produkte. Die Distributionsmaschine Internet ermöglicht maximale Reichweite bei minimalem Kostenaufwand. Durch die Entkopplung von Nutzung und Bezahlung ist der vollkommene Verzicht auf Kopierschutz und DRM möglich, was für die Anwender zudem maximale Usability garantiert. Zugleich entfällt für den Nutzer die Abwägung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses vor dem Kaufakt. Das einzige Risiko geht in Zukunft der Produzent ein – nämlich das Risiko, das sein Produkt keinen Gefallen findet.

Crowdfunding pusht Direktpublishing

Crowdfunding verstärkt den Trend in Richtung Direkt-Publishing. Es definiert nicht nur die Rolle des Publikums neu, sondern auch die des individuellen Content-Produzenten. Crowdfunding bringt beide in einen unmittelbaren Zusammenhang, ohne dass noch Vermittlungsinstanzen wie Music-Labels, Verleihfirmen oder Verlage notwendig sind. Die „Micro-Patronage“ lebt gerade von der „persönlichen“ Beziehung zwischen mäzenatischem User und dem via Web 2.0 aus der virtuellen Nähe erlebbaren Künstler. Durch die aktive Einbeziehung der potentiellen Nutzer bereits bei der Entwicklung von Produkten bietet Crowdfunding jedoch auch für Unternehmen neue Möglichkeiten der Marktforschung & Vermarktung.

Clevere Variante der Kulturflatrate

Crowdfunding ist die intelligentere Variante der Kulturflatrate.
Schon jetzt funktionieren Crowdfunding-Geschäftsmodelle besonders gut in Verbindung mit nicht-exklusiven Lizenzen wie etwa Creative Commons. Besonderes Potential hat dabei das „Street Performer Protocol“. Ähnlich wie bei Pre-Order-/Subskriptionsmodellen ermöglicht die Crowd dabei die Vorfinanzierung von Werken. In diesem Fall geht allerdings nach dem Erreichen eines vom Künstler/Produzenten definierten Spendenbetrags das Werk in die digitale Allmende über. Die „Befreiung“ von Werken, d.h. der zu erwartende Nutzen für die Allgemeinheit, ist für Crowdfunder ein besonderes wirksames Incentive.

Aus Crowdfunding wird Krautfunding

Mit dem Start von deutschen Micropayment-Lösungen und Projekt-Plattformen wird Crowdfunding zum Krautfunding. Gesellschaftliche Anknüpfungspunkte für die Verankerung in unserer lokalen Netzkultur bieten neben der allgemeinen Rückbesinnung auf die Bedeutung öffentlicher Güter das weit verbreitete Genossenschaftswesen und die Tradition der Selbsthilfe. Krautfunding bildet die digitale Entsprechung zu analogen Tendenzen wie Rekommunalisierung und der Renaissance des Genossenschaftsgedankens. Die solidarische Ökonomie im Web 2.0 ist ein zentraler Bereich das bürgerschaftliche Engagements der Zukunft. Krautfunding befreit uns aus der Falle der „Konsum-Bürgerschaft“, bei der gesellschaftliche Teilhabe sich auf die Kaufentscheidung am Supermarkt-Regal beschränkt. Entscheidend ist nicht mehr die reine Nutzung eines Produkts, sondern das darüberhinaus gehende Commitment via Micropayment/Social Media.

Crowdfunding per Lastschrift: Perlentaucher bittet Leserschaft um Spenden

perlentaucher-crowfunding-spendenaktionDie Perlen des deutschen Feuilletons konnte man bisher kostenlos lesen: Perlentaucher.de finanziert sich über Werbung. Vielleicht aber bald auch mit Spenden. Sinkende Anzeigenerlöse ließen das größte Kultur- und Büchermagazin im deutschsprachigen Internet einen Aufruf an die Leser richten: „Wir brauchen Ihre Unterstützung“, heißt es auf der Titelseite. Erbeten werden milde Gaben via Paypal, Direktüberweisung oder Lastschrift. Auf Crowdfunding via Flattr oder Kachingle wird aber verzichtet. Traut man das der mehrheitlich zur Generation Ü-40 gehörenden Leserschaft etwa nicht zu!?

Perlentaucher als Navigator durch den Blätterwald

Elf aufregende Jahre hat der im März 2000 gegründete Perlentaucher bald hinter sich. Die Kulturjournalisten Anja Seeliger und Thierry Chervel haben es zusammen mit ihrem Team in dieser Zeit geschafft, die Website zum führenden Kultur- und Literaturmagazin im deutschsprachigen Internet zu machen. Feuilleton- und Bücherrundschau sind der perfekte Navigator durch die Kulturseiten des deutschen Blätterwaldes. Für viele Netzbürger gehört der morgendliche Besuch beim Perlentaucher mittlerweile genauso zur Routine wie der Blick auf taz.de oder Spiegel Online. Der Erfolg des Konzeptes zeigt sich an beeindruckenden Mediadaten – mehr als 180.000 monatliche Leser und mehr als 20.000 Abonnenten der verschiedenen Newsletter (etwa des „Bücherbriefs“) sind nicht schlecht für eine Plattform, die mit weitaus weniger Personal auskommen muss als etwa die Redaktionen der perlentaucherisch ausgewerteten Gazetten.

Klassische Bannerwerbung lohnt sich immer weniger

Zur Finanzierung setzt der Perlentaucher bisher vor allem auf Werbekunden in Form von Buchverlagen und Kulturveranstaltern, etwa in Form von bezahlten Links auf Leseproben aktueller Romane und Sachbücher. Daneben gibt es aber auch klassische Bannerwerbung – was sich allerdings immer weniger lohnt: „Die Preise für diese Banner sind in den letzten Jahren auf ein Zehntel gesunken“, klagt die Redaktion in ihrem Spendenaufruf. Und nimmt die Leser in die Pflicht: „Seit Jahren versichern uns Leser, sie seien durchaus bereit, unsere Leistungen zu honorieren. Jetzt brauchen wir Ihre Unterstützung.“ Man werde zwar auch weiter auf Werbung setzen, bittet aber die Community nun darum, „einmalig, monatlich oder jährlich einen festen Betrag überweisen“.

Wer spendet, darf auch kommentieren

Angeboten werden drei Möglichkeiten: PayPal, Direktüberweisung auf eine angebebene Kontonummer, oder das Lastschriftverfahren. Letzteres wird durch ein Online-Formular erleichtert, in dem sich einmalige oder regelmäßige Zahlungen festlegen lassen. Dazu kann man noch einen Kommentar eingeben, der auf Wunsch direkt veröffentlicht wird. In einer Art Kommentar-Feed kann man sehen, dass bereits viele Perlentaucher-Leser davon Gebrauch gemacht haben. So schreibt beispielsweise Libroid-Erfinder Jürgen Neffe: „Der Perlentaucher steht Pate für die Zeitung von morgen.“ Und Matthias Spielkamp von irights.info meint: „Ich drücke die Daumen – das Netz wäre ärmer ohne den Perlentaucher!“ Während also auf Krautfunding der alten Schule gesetzt wird, fehlt dagegen eine viel naheliegendere Möglichkeit: die Nutzung populärer Crowdfunding-Netzwerke wie Flattr oder Kachingle.

Weder Flattr noch Kachingle? „Ah, kommt doch zur Vernunft!“

Das überrascht, denn gerade Flattr gehört bei vielen Online-Publikationen mittlerweile zum Standard-Repertoire der webbasierten Spendentechniken, etwa bei taz.de oder dem Freitag. Nicht ohne Grund – einmal angemeldet, kann man per Mausklick zielgenau Feedback geben. Seit neuestem hat Flattr sogar ein Abo-Feature, über das sich regelmäßige Micropayments an bestimmte Seiten zahlen lassen. Bei Kachingle ist es noch einfacher – alle Besuche der unterstützten Seiten werden automatisch gezählt und proportional am monatlichen Mitgliedsbeitrag beteiligt. Doch warum verzichtet der Perlentaucher auf modernes Crowdfunding, obwohl die Redaktion sich in ihrem Spendenaufruf noch einmal deutlich gegen Paid Content und für ein freies Internet ausspricht? Vielleicht war es ja ein Blick auf die eigenen Mediadaten: über die Hälfte der Perlentaucher-Leserschaft ist älter als vierzig Jahre, nur ein Viertel ist jünger als dreißig. Doch gibt es da tatsächlich Bedenken, kulturkonservativen Silversurfern etwas anderes zuzumuten als Überweisungsformulare? Da könnte man ja eigentlich nur mit dem Finale des 2. Aktes der Bizet-Oper „Die Perlenfischer“ antworten: „Ah ! revenez à la raison!“ — „Kehrt zurück zur Vernunft!“