E-Books für alle, und zwar umsonst: Readfy disruptet die Buchbranche

Die einzigen echten E-Book-Versteher waren bisher die E-Book-Piraten – auf ihren Plattformen gab es ein breites Angebot an Titeln entweder ganz kostenlos oder zum günstigen Flatrate-Tarif. Ein so erfolgreiches Modell, dass manche Autoren ihre Bücher sogar selbst zur Verfügung stellten, um vom Reichweiteneffekt zu profitieren: wenn elektronische Bücher die perfekte Zirkulation ermöglichen, warum sollte man sie dann künstlich ausbremsen? Doch jetzt hat auch der legale Spiralarm der Gutenberg-Galaxis dazugelernt: mit dem Beta-Launch von Readfy startet an diesem Montag eine Plattform, die den Nutzern einen New Deal anbietet: kostenlos und unbegrenzt E-Books lesen mit Werbeeinblendung, oder gegen einen Monatsbetrag eine unbegrenzte E-Book-Flatrate. Mittel zum Zweck ist die Readfy-App – zunächst nur für Android-Nutzer erhältlich. [Update 4.2.: der Readfy-Start wurde auf Freitag, 7.2. verschoben, um die Server-Kapazitäten auszubauen]

Die Readfy-Gründer Felix Bauchspiess, Ryan David Mullins und Frank Großklaus wollen zeigen: ein deutsches „Spotify“ für E-Books (mittlerweile könnte man auch sagen: ein deutsches Oyster) ist tatsächlich machbar. „Wir wollen die disruptive Kraft sein, die das Geschäftsmodell der Verlage auf eine neue Stufe hebt“, postulierte Readfy-Geschäftsführer Bauchspiess schon Ende 2013 gegenüber Buchreport. Schaut man auf die blanken Zahlen, könnte das tatsächlich gelingen: zum Start sind 15.000 Titel von über 120 Verlagen dabei, bis Jahresende, wenn auch eine iOS-App verfügbar sein wird, sollen es bereits 30.000 Titel sein. Damit wäre Readfy dann schon da, wo Skoobe jetzt steht – allerdings hat die von Holtzbrinck und Bertelsmann angeschobene App keinen Gratis-Level.

Der Zugang ist bei Readfy also deutlich niedrigschwelliger, und die Verlage bekommen durch die „Sponsoring“-Strategie trotzdem Geld, abgerechnet wird pro gelesener Seite. Ähnlich wie Skoobe wird Readfy aber im doppelten Sinne um das Erreichen der kritischen Masse kämpfen müssen – so viele Titel wie möglich, soviele Nutzer wie möglich. Und das könnte spannend werden. Während der Beta-Phase läuft Readfy ähnlich wie Skoobe erstmal mit gebremstem Schaum – maximal 5.000 Nutzer können subskribieren. Die Ziele sind aber deutlich hochgesteckter als bei Skoobe: mit der App will man zum „internationalen Marktführer für kostenfreies Lesen“ avancieren. Für 2015 ist bereits die Internationalisierung geplant.

Unterstützt werden die Readfy-Macher dabei von Mitgesellschafter Gerrit Schumann, bekannt als Gründer des erfolgreichen Musikstreaming-Dienstes Simfy. Brancheninsider wissen ja ohnehin: Von der Musikindustrie lernen heißt siegen lernen – ob es nun um die Flatrate oder den Abschied von DRM geht. Mit der Buch-Streaming-App Readfy, das ist schon mal klar, kann man auf einen Schlag beides realisieren. Die Zukunft des Content-Konsums wird ohnehin vor allem auf Smartphones und Tablets stattfinden, da ist es logisch, auch E-Books auf ähnliche Weise anzubieten wie Musik oder Video.

Das sehen auch die Investoren so, die Readfy möglich machen: der Düsseldorfer Inkubator 1st Mover stellte 100.000 Euro zur Verfügung, ab heute läuft auf der Crowdinvestment-Plattform companista eine Finanzierungskampagne, die noch mal dieselbe Summe bringen soll. Ab 5 Euro kann man die Disruption der deutschen Buchbranche beschleunigen helfen. Ich bin mir sicher: auch der eine oder andere Buchpirat wird hier einen Teil der erbeuteten Bitcoins investieren, denn letztlich haben alle E-Book-Versteher dasselbe Ziel: E-Books für alle, und zwar umsonst, zumindest für die Leser.

Abb.: Readfy.com

Fachbücher online lesen, und zwar kostenlos: PaperC macht’s möglich

PaperC Fachbücher kostenlos online lesen_Bild_Pixelio_Marianne Hauck.gifKopieren geht über Studieren, besagt eine alte Studentenweisheit. Doch die alte Zettelwirtschaft ist dank PaperC zukünftig passé. Das Startup-Unternehmen aus Berlin stellt komplette Fachbücher als E-Books zur kostenlosen Online-Lektüre zur Verfügung. Bezahlen muss man bei PaperC nur für Seiten, die auf die Festplatte heruntergeladen bzw. ausgedruckt werden. Schon jetzt sind Branchenriesen wie Springer, DeGruyter und Addison Wesley mit im Boot.

Kopiert wurde an Unis schon immer massenhaft – doch dank PaperC profitieren jetzt auch wieder die Verlage davon

Zehn Kilobyte wiegen gar nichts, zehn Kilo Papier dagegen viel. Martin Fröhlich pendelte regelmäßig zwischen seinen Studienstandorten Berlin und Sankt Gallen – mit schwerem Gepäck. Dann kam ihm die Idee zu einer Internet-Plattform, die das Herumschleppen von Fachbüchern überflüssig macht. Fachbücher als E-Books gab es allerdings schon. Doch mit seinem Kommilitonen Felix Hofmann und Lukas Rieder überzeugte er die Fachbuchverlage davon, kostenlose E-Book-Versionen anzubieten: schließlich werden jeden Tag tausende Seiten aus Lehr- und Fachbücher kopiert. Das meiste Geld bleibt im Copy-Shop. Bei PaperC läuft das anders. Denn jede Seite, die aus dem online verfügbaren E-Book zu Papier gebracht wird bzw. als PDF heruntergeladen wird, kostet zwischen fünf und zehn Cent. Ein Teil geht direkt an den Verlag. Die Nutzer profitieren dafür von diversen Zusatzfunktionen zur Bearbeitung von Texten oder zum Erstellen von Notizen, die mit anderen Lesern ausgetauscht werden können. Außerdem ist die mobile Lektüre auf E-Book-Readern möglich.

E-Books kostenlos online lesen – für Fachbuchverlage ist das anders als im Belletristik-Sektor kein Schreckgespenst mehr

Inzwischen konnte man 15 Verlage von dem neuen Modell überzeugen, darunter Springer und Addison-Wesley. Anders als bei der Belletristik ist „Gratis“ für den Fachbuch-Sektor offenbar kein Schreckgespenst mehr. Das Kostenlos-Modell wird als clevere Strategie gegen die zunehmende Buch-Piraterie zu goutiert : “Wir sind für Verlage gerade deswegen interessant, weil wir keine illegale Verbreitung von Fachbuchinhalten fördern! Wir sind die Weiterentwicklung des Fachbuchhandels, da müssen die Verlage in Zukunft aufspringen!”, so PaperC-Erfinder Fröhlich gegenüber dem Gründer-Blog deutsche-startups. Tatsächlich gibt es immer mehr „Trittbrettfahrer“. Gerade gab PaperC bekannt, dass neben De Gruyter nun auch der auf Medizin spezialiserte ABW Verlag mit dabei sein werde. Dadurch kommen im Verlauf des Monats August hunderte Titel aus den Bereichen Medizin, Germanistik, Mathematik, Philosophie und Rechtswissenschaften dazu. Zur Zeit können registrierte Nutzer ingesamt knapp 200 E-Books kostenlos online lesen.

Bild: Pixelio/Marianne Hauck