„Es geht einfacher“: Auch Random House verzichtet auf hartes DRM

random-house-setzt-auf-soft-drmEndlich ist es soweit: Adobe Digital Editions ist von den Top 3 der deutschen Publishing-Landschaft auf’s Abstellgleis geschoben worden. Erst letzten Monat hatte nach Bonnier auch die Holtzbrinck Publishing Group den Verzicht auf hartes Digital Rights Management (DRM) verkündet – nun wollen sich plötzlich auch die Bertelsmänner dem neuen Marktstandard namens Digitales Wasserzeichen anschließen.

Watermarking ab Oktober

Um den Umgang mit E-Books zu erleichtern, ermögliche die Verlagsgruppe Random House ihren Vertriebspartnern ab 1. Oktober, E-Books „auch mit Soft-DRM“ anzubieten, heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung. Zu den 45 Buchverlagen unter dem Dach der Verlagsgruppe gehören u.a. Blanvalet, DVA, Heyne, Goldmann und Luchterhand.

„Erhöht die Kundenzufriedenheit“

„Wir wollen das Interesse am digitalen Lesen weiter fördern und es Lesern möglichst einfach machen, E-Books zu lesen“, erklärt Frank Sambeth, CEO der Verlagsgruppe. Der Verzicht auf den harten Kopierschutz erleichtere Lesern wie auch Vertriebspartnern den Umgang mit E-Book-Dateien und erhöhe die Kundenzufriedenheit.

„Softes DRM ist Branchenkonsens“

Mit der Umstellung auf das digitale Wasserzeichen „schließen wir uns einem immer breiter werdenden Branchenkonsens an“, so Sambeth weiter. Random House zufolge bleibt ein Schutz gegen Missbrauch aber auch weiterhin notwendig – mit Hilfe von Soft DRM und weiteren Maßnahmen werden man auch in Zukunft „aktiv gegen Urheberrechtsverstöße“ vorgehen.

Abb.: Fen Labalme (cc-by-2.0)

Holtzbrinck verzichtet auf hartes DRM: bald auch Bertelsmann im Softie-Club?

holtzbrinck-verzichtet-auf-hartes-drmNach Bonnier verzichtet mit der Holtzbrinck Publishing Group in kurzer Zeit bereits die zweite große Verlagsgruppe auf hartes DRM – damit bleiben unter den Top 3 in der deutschen Publishing-Landschaft nur noch die Bertelsmänner dem einstigen Branchenstandard Adobe Digital Editions treu. Über mehr E-Book-Komfort dürfen sich dagegen die Leser von zu Holtzbrinck gehörenden Verlagen wie Rowohlt, Droemer Knaur oder Kiepenheuer & Witsch freuen.

Digitales Wasserzeichen „genau so effektiv“

Ganz ohne DRM geht die Geschichte aber auch in diesem Fall nicht zu Ende: Wie bereits die Verlagsgruppe Bonnier und zuvor einzelne Häuser wie dtv oder Dumont setzt Holtzbrinck zukünftig auf das Digitale Wasserzeichen. „Die bisherigen Erfahrungen mit dem digitalen Wasserzeichen im In- und Ausland haben gezeigt, dass dies genau so effektiv und zuverlässig das Urheberrecht unserer Autoren schützt wie ‚hartes‘ DRM“, so das Credo von Peter Kraus vom Cleff, Kaufmännischer Geschäftsführer der Rowohlt Verlage.

„Illegaler Missbrauch“ wird verfolgt

Viele kleinere Verlage verzichten dagegen schon seit längerem vollständig auf jegliche Form von Digitalem Rechtemanagement. Das hat nicht nur mit den eingesparten Kosten zu tun, sondern auch mit den bisherigen Erfahrungen im In- und Ausland, dass keine Form von DRM das Urheberrecht effektiv und zuverlässig schützen kann. Wohl nicht umsonst beeilte sich der Rowohlt-Geschäftsführer auch hinzuzufügen, man werde „illegalen Missbrauch“ der Verlagsrechte „auch weiterhin konsequent verfolgen“. Bei legalem Missbrauch wird dagegen offenbar ein Auge zugedrückt. Fragt sich nur, was fällt darunter? Gilt die normale Lektüre inzwischen als Kavaliersdelikt!?

Abb.: Free Culture @ NYU (by-sa-2.0)

„Liebling, ich habe das DRM von deinem E-Book entfernt“ – Oder: So schützt man Bücher vor Adobe…

Wozu ist Digital Rights Management gut? Spätestens seit dem Wochenende weiß ich es – DRM motiviert Digital Natives zum zivilen Ungehorsam, vor allem innerhalb der Familie. Nach dem Kauf eines kopiergeschützten Bestsellers zum Preis von 19,99 Euro stellte sich plötzlich heraus: der letzte epub-fähige E-Ink-Reader im Haushalt hatte nach fünf Jahren seinen Geist aufgegeben. Mit dem Kindle-Reader jedoch lassen sich kopiergeschützte epubs nicht öffnen. Sollten wir unsere Augen also zu später Stunde mit dem Display von Smartphone oder Tablet quälen? Lieber nicht. Alternative eins: das selbe Buch nochmal im Kindle-Store kaufen. Kostenpunkt: weitere 19,99 Euro. Super Idee! Alternative zwei: den gecrackten Titel auf diversen Piratenplattformen herunterladen. Obwohl ich ihn schon gekauft habe? Ebenfalls Schwachsinn. Blieb noch Alternative drei: Macbook hochfahren, epub-Titel mit Calibre importieren und in Richtung Kindle-Format umformatieren. Geht nicht? Geht wohl. Mit einem entsprechenden Plugin nämlich.

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DRM-entfernen mit Calibre-Plugins

Der ebenso perfekte wie alltagstaugliche Kopierschutz existiert gar nicht. Denn damit man eine Datei überhaupt auf einem lokalen Rechner nutzen kann, muss auch der Schlüssel zum digitalen Schloss vor Ort vorhanden sein. Beim DRM-Branchenstandard Adobe Digital Editions ist das beispielsweise eine Datei mit dem Namen „adeptkey.der“. Das machen sich Calibre-Plugins wie etwa „DeDRM“ zunutze – sie suchen automatisch nach solchen Schlüsseln und importieren die unverschlüsselte Datei in das E-Book-Verwaltungsprogramm. Die Installation ist simpel: man geht im Calibre-Menü „Einstellungen“ unter „Erweitert“ auf den Bereich „Plugins“. Über den Dialog „Lade Plugin von Datei“ kann man dann das „DeDRM“-Plugin hinzufügen. Nach dem nächsten Start von Calibre sollte das Plugin dann die Arbeit aufnehmen und epubs mit DRM automatisch importieren.

Einfaches „Rippen“ macht Piratenplattformen überflüssig

Will man kopiergeschützte Kindle-Dateien der Calibre-Bibliothek hinzufügen, muss man das Plugin noch anpassen, indem man in einem Extra-Dialog die Seriennummer des E-Ink-Kindles eingibt. Die letzte DeDRM-Plugin-Version 6.08 funktioniert mit den aktuellen Calibre-Versionen 1.2x auf Mac und PC. Für den Hausgebrauch wird das Importieren von E-Books in die Literaturverwaltungs-App Calibre damit so einfach wie das populäre „Rippen“ einer CD oder DVD. Wie ich aus vielen Gesprächen mit KollegInnen weiß, ist aber auch das Entfernen von E-Book-DRM für private Zwecke selbst in Verlagen, Redaktionen und Amtsstuben längst Alltag – zumindest bei technikaffinen Menschen. Höchste Zeit, dass mit Hilfe von einfach zu bedienenden Plugins auch der normale Leser seine E-Books zum „guten Buch“ machen kann, und das heißt: zu einem normal zu benutzenden Buch. Piratenplattformen wären dann für Buchhandelskunden endlich überflüssig.

„Nur für den privaten Gebrauch“

Übrigens sehen das selbst Anti-DRM-Aktivisten wie Apprentice Alf so, auf dessen Webseite man u.a. das DeDRM-Plugin herunterladen kann. Dort heißt es nämlich: „Bitte nutzt diese App nur dafür, um vollen Zugang zur euren eigenen E-Books zu erlangen, zwecks Archivierung, Konvertierung, Komfort. DRM-befreite E-Books sollten nicht auf offen zugängliche Server, Torrents oder andere Plattformen für Massen-Distribution hochgeladen werden. Solche Handlungen werden von uns nicht unterstützt. Autoren, Buchhändler und Verleger müssen ihren Lebensunterhalt verdienen – nur so können sie auch in Zukunft Bücher für uns Leser produzieren. Seid keine Schmarotzer!“ Richtig ist aber auch: In den eigenen vier Wänden genutzt, kann DeDRM sogar das Wochenende retten.

Abb.: Flickr/Falldownmoon (cc)


Übrigens: Mehr Infos zu Themen wie DRM, E-Book-Formate, Calibre & Co. findet man im neuen „ebook & ereader abc“, erschienen bei ebooknews press…

Digitales Wasserzeichen: „Softe“ DRM-Lösung auch für Self-Publisher interessant?

„Hartes“ DRM macht vielen E-Book-Lesern das Leben schwer – so beschränkt etwa Adobe Digital Editions die Zahl der nutzbaren Lesegeräte, der Wechsel zwischen der epub- und Kindle-Welt wird verhindert. Erstkunden müssen sich zudem neben einem normalen Kundenaccount auch direkt bei Adobe registrieren. „Weiches“ DRM dagegen setzt eher auf soziale Kontrolle – insbesondere durch die Verwendung von digitalen Wasserzeichen. Eine neue Watermarking-Lösung bietet der „eBook DRM Server“ von Lichtzeichen Medien an. „Zielgruppe sind Verlage und Shopbetreiber aller Größen“, so Projektleiter Samuel Janzen. „Mit dem Wasserzeichen im E-Book wird der Endverbraucher visuell daran erinnert, dass eine unerlaubte Weitergabe unerwünscht ist, jedoch schränkt es ihn in keinster Weise ein“.

Als Plugin für gängige E-Commerce-Plattformen verfügbar

Auch aus der Perspektive des E-Book-Verkäufers stellt das Verfahren keine großen Anforderungen: die Personalisierung des jeweiligen Titels übernimmt ein spezielles Plugin, das für verschiedene E-Commerce-Plattformen verfügbar ist: „Nach Kauf eines E-Book-Titels im Shop wird die E-Book Erstellung an den eBook DRM Server gesendet. Der Server generiert das mit dem Wasserzeichen versehene E-Book und liefert es via E-Mail oder als Direktdownload-Link aus“, erklärt Janzen. In welcher Form der Leser das Wasserzeichen zu Gesicht bekommt, kann der Verkäufer selbst entscheiden: „Das individuell einstellbare Wasserzeichen wird im Impressum und/oder dem Schmutztitel des Buches platziert. Optional ist die Platzierung eines sichtbaren oder unsichtbaren Wasserzeichens am Anfang eines jeden Kapitels“, so der Projektleiter.

Pro Buch werden 0,25 Cent Gebühr fällit

Durch die einfache Integration in gängige Shop-Systeme ist der „eBook DRM Server“ grundsätzlich auch für Self-Publishing-Autoren interessant – die Grundgebühr von 25 Euro pro Monat und eine Auslieferungsgebühr von 25 Cent pro Buch klingen durchaus realistisch. Andererseits verzichten manche Independent-Autoren schon jetzt ganz bewusst komplett auf alle Formen von Kopierschutz, da sie an einer möglichst großen Reichweite ihrer E-Books interessiert sind. Für die meisten klassischen Verlage bestehen vor solch einem Schritt jedoch noch psychologische Hemmschwellen – für sie könnte der „eBook Server“ des niedersächsischen Anbieters auf jeden Fall eine akzeptable Zwischenlösung sein.

Gebrauchte E-Books mit Wasserzeichen?

Den größten Nutzen beim Verzicht auf hartes DRM haben die Kunden: neben der Verwendung von beliebig vielen Lesegeräten machen Systeme wie der „eBook DRM Server“ auch Schluss mit den künstlichen Grenzen zwischen der epub- und Kindle-Welt: ein E-Book mit Wasserzeichen lässt sich nämlich problemlos hin- und herkonvertieren. Falls in Zukunft der Weiterverkauf gebrauchter E-Books legalisiert werden sollte, könnten vielleicht sogar Titel mit Wasserzeichen im Second-Hand-Handel auftauchen, schätzt Janzen: „Die Möglichkeit, ein Buch via eBook DRM Server im Rahmen eines Privatverkaufes auf eine andere Person umzuschreiben, ist angedacht und wird noch geprüft“.

Abb.: eBook DRM Server (c)

Requiem für DRM: iBooks-Kopierschutz „FairPlay“ erstmals gehackt

Eigentlich könnte alles so schön sein: Apples iBook-Store unterstützt den Branchen-Standard epub. Doch davon hat der Endanwender nicht viel. Denn Apples DRM-Technologie „FairPlay“ hält gerade nicht, was der Name verspricht – die E-Books lassen sich im Lieferzustand nur auf iPhone, iPod Touch oder iPad lesen. Doch ein Hacker namens „Brahms“ hat das nun geändert. Mit der neuesten Version seines DRM-Entferners „Requiem“ kann man nicht nur bei iTunes heruntergeladene Musik- und Videodateien befreien, sondern auch E-Books aus dem iBook-Store. Forenberichten zufolge funktioniert Requiem 3.3 nicht nur unter Mac OS X, sondern auch auf Windows-Oberflächen, die eine iTunes-Installation enthalten.

iBooks-Kopierschutz hat keine zwei Jahre überlebt

Anders als bei Kindle-Books hat der DRM-Schutz für das 2010 gestartete iBooks immerhin fast zwei überlebt. Den ersten Hack für Amazons kopiergeschütztes mobipocket-Format gab es bereits wenige Monate nach dem Launch des Kindle 1. Doch letztlich ist Digital Rights Management eben immer nur ein Wettlauf mit der Zeit. Ganz so bequem wie Kindle-Besitzer haben es iPhone- oder iPad-Leser allerdings noch nicht – entsprechende Plugins für Calibre dürften noch etwas auf sich warten lassen. Immerhin kann man nun aber die iBooks-Bibliothek nach der Installation von Requiem extern sichern und vor allen Dingen auch auf E-Ink-Readern lesen. Wobei man auf jeden Fall wissen muss: Justiziabel ist das Cracken auf dem heimischen Rechner zwar nicht, trotzdem handelt es sich um einen Verstoß gegen die iTunes-AGBs.

Das digitale Wettrüsten geht weiter

Fraglich ist natürlich, wie lange der aktuelle Requiem-Hack für iBooks-Titel noch funktioniert. Denn auch bisher schon hat Apple auf DRM-Entfernungsprogramme prompt reagiert und iTunes-Updates herausgebracht, die den Kopierschutz wieder wirksam machten. Mittelfristig ist das aber kein Grund für einen Abgesang auf Requiem & Co. – eher dürfte Digital Rights Management irgendwann einmal das Stündchen schlagen. Denn auch die Hacker-Szene reagiert natürlich auf solche taktischen Spielchen, und bringt alsbald die nächste Cracker-Version heraus. Ein Grund mehr für die Unterhaltungsindustrie, auf hartes DRM zu verzichten – denn mit dem digitalem Wasserzeichen etwa könnte man sich solch ein Wettrüsten komplett ersparen.

(via Digital Reader & cydiablog)

Neue App von ipubsoft befreit E-Books automatisch von DRM – das Ende des „wirksamen Kopierschutzes“?

Für viele E-Book-Leser ist Digital Rights Management (DRM) ein ständiges Ärgernis: die Zahl der nutzbaren Geräte ist begrenzt, zwischen Kindle- und epub-Universum gibt es bei DRM-geschützten Titeln bisher keine Brücke. Um E-Books komfortabel nutzen zu können, greifen deswegen viele Nutzer zu Programm-Skripten, die den Kopierschutz entfernen. Oft ist das bei ihnen nach dem Kauf der elektronischen Lektüre sogar der erste Schritt. Massentauglich waren viele solcher Workarounds bisher aber nicht, alleine für die Installation brauchte man solides PC-Grundwissen. Das kalifornische Software-Unternehmen ipubsoft geht jetzt den einfachsten Weg: es verkauft intuitiv bedienbare DRM-Entfernungs-Tools, die wahlweise PDFs, epubs- oder Kindle-Books in ein offen lesbares Format umwandeln.

“The process is somewhat clunky, but it works“

Ganz billig sind die bisher nur für Windows-PCs angebotenen Apps allerdings nicht, für jede One-Way-Anwendung muss man knapp 30 Dollar berappen. Eine kostenlose Testversion ermöglicht immerhin das Ausprobieren der Software, mit ihr können bis zu drei E-Books vom DRM befreit werden. Nate Hoffelder von The Digital Reader schreibt über seine Erfahrungen: „I’ve downloaded and tested the app that removes Kindle DRM. The process is somewhat clunky but it works. It requires an old version of Kindle for PC, and it only works on one ebook at a time.“ Die Umformatierung läuft bei dieser Variante der ipubsoft-Anwendung quasi per Mausklick, vorher muss allerdings das betreffende E-Book in der Kindle-App geöffnet werden.

Riskantes Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell von ipubsoft erinnert ein wenig an Versuche, geklonte MACs zu verkaufen oder an Matthew Crippens X-Box-Hack. Auch in diesem Fall wird mit offenem Visier gekämpft – ipubsoft sitzt nicht „somewhere under the rainbow“, sondern firmiert in der Pressemitteilung zum Launch der Anti-DRM-Software ganz seriös in Costa Mesa/Kalifornien mit Telefonnummer, Adresse und einem Mr. Karl Lewis als Ansprechpartner. Wie lange das gutgehen wird, ist natürlich eine andere Frage. Denn selbst wenn die Apps von ipubsoft tatsächlich nur für private Zwecke genutzt werden, könnte das Entfernen von DRM-Elementen letztlich gegen den „Digital Millennium Copyright Act“ von 1998 verstoßen. Wie weit der „fair use“ im einzelnen geht, bzw. wie weit das Recht auf eine private Kopie reicht, ist allerdings in den USA immer noch heiß umstritten.

“Wann ist ein Kopierschutz wirksam?“

Ähnlich kompliziert dürfte die Situation mittlerweile in Deutschland sein. Als E-Book-News im letzten Jahr bei irights.info-Experte Matthias Spielkamp zum Thema DRM und Privatkopie nachfragte, schien die Sache noch klar: “Ein wirksamer Kopierschutz darf nicht umgangen werden. Doch wann ist so ein Kopierschutz wirksam? Wenn ich eine CD in meinen Rechner lege und sage: mach mir da MP3s draus, dann macht der das. Bei E-Books muss man aber im Moment davon ausgehen, dass so etwas nicht ohne Spezialprogramme geht. Das ist dann tatsächlich nicht erlaubt.” Doch mit automatisierten Verfahren wie von ipubsoft kommt die Buchbranche nun offenbar genau da an, wo die Musikbranche schon lange ist. Zumal es inzwischen selbst für weit verbreitete E-Book-Utilities wie Calibre spezielle Plugins gibt, die ein geschütztes Kindle-Book in eine normale mobipocket-Datei umwandeln, sobald man den Titel in die E-Book-Bibliothek importiert. Mit einem weiteren Mausklick lässt sich das E-Book dann natürlich auch problemlos in das epub-Format bringen.

Kopierschutz aus der Wolke: „Ultraviolet“ bringt DRM & Cloudcomputing zusammen

ultraviolet-drm-dece-cloud-computingDer Kopierschutz des 21. Jahrhunderts schwebt in einer virtuellen Datenwolke – glaubt ein Konsortium namens Digital Entertainment Content Ecosystem (DECE). Vermarktet werden soll das DRM-Konzept unter dem Namen „Ultraviolet“. Filme, Musik oder E-Books könnten dann auf verschiedenen Geräten genutzt werden – sofern der Konsument ein Ultraviolet-Account besitzt und die Nutzungsrechte dort hinterlegt sind. Zum DECE-Konsortium gehören IT-Giganten wie Adobe, Sony und Microsoft, aber mit Paramount Pictures oder Warner Bros. ebenso Major Labels der Unterhaltungsbranche. Doch es gibt prominente Ausnahmen: Apple ist nicht mit dabei.

Kommt mit Ultraviolet ein branchenübergreifender Kopierschutz-Standard?

Immer mehr Anwendungen wandern in die Datenwolke. Nach Musik-Files dürfte uns in Zukunft auch Film & Fernsehen in hoher Auflösung als Datenstrom aus dem Netz erreichen. Ähnliches gilt für E-Books, E-Comics und elektronische Zeitungen. Es gibt aber nicht nur immer mehr Content aus der Cloud, sondern auch immer mehr und immer mobilere Wiedergabegeräte. Wie mobil der Content tatsächlich ist, entscheidet letztlich jedoch das jeweilige Digital Rights Management (DRM). In vielen Fällen heißt das, es gibt nur einen autorisierten Nutzer, und nur eine begrenzte Zahl von Geräten. So sind etwa bei Adobe Digital Editions maximal fünf Endgeräte erlaubt, die zudem auch diesen Standard unterstützen müssen. Bei den Konsumenten stoßen solche Beschränkungen zunehmend auf Unverständnis, der komfortable Gebrauch von Filmen oder E-Books ist ohne Umgehung des Kopierschutzes oft gar nicht möglich. Für Unmut sorgt zudem die Tatsache, dass ein branchenübergreifender DRM-Standard bisher fehlt.

Bobs Smartphone, Sallys Laptop, Muttis Fernseher: Ultraviolet verspricht mehr Komfort

Mit „Ultraviolet“ soll sich das nun offenbar ändern – insgesamt 60 Unternehmen wollen ein globales „digitales Ökosystem“ schaffen. Für die Verbraucher bringe das „greater choice, confidence and freedom in how, when and where they enjoy digital movies, TV shows and other entertainment“, so die aktuelle Pressemitteilung des Konsortiums. Im Zentrum steht dabei ein „cloud-basiertes UltraViolet Account“, in dessen „Digital Rights-Schublade“ die jeweiligen Nutzungsrechte hinterlegt sind. Die neue Lösung soll den Content nicht nur auf möglichst viele mobile Geräte bringen, sondern auch besonders familenfreundlich sein: „Multiple UltraViolet devices can share a single UltraViolet Account, which means that Bobby’s smart phone, Sally’s laptop, Jimmy’s game console and Mom & Dad’s TV can all access the same UltraViolet content.“ Manche Filme werden aber auch mit Ultraviolet nur auf Mom&Dad’s TV laufen – denn zu den geplanten Account Management-Funktionen gehört auch die „Parental Control“.

Was machen die Besitzer von Geräten, die nicht von Ultraviolet zertifiziert sind?

„Watch for these capabilities to begin appearing in the market“, rät Ultraviolet den Konsumenten. Das neue Logo wird nicht nur bei Content-Anbietern auftauchen, sondern auch auf Geräten wie DVD- & Blue-Ray-Disc-Playern. Zukünftig könnte das DECE-Konsortium damit also auch kontrollieren, welche Inhalte PC-Anwender wo und wie oft speichern oder auf Silberscheiben kopieren bzw. brennen. Je stärker sich Ultraviolet als Branchenstandard verbreitet, desto schwieriger wäre es möglicherweise, bestimmte Inhalte überhaupt noch ohne zertifizierte Geräte zu nutzen. Um den neuesten Blockbuster anzuschauen, müssten Besitzer älterer Hardware dann von einem gewissen Zeitpunkt an wahrscheinlich technisch aufrüsten. Bei Organisationen wie der Free Software Foundation stößt die DECE-Inititative nicht nur deshalb auf geballte Ablehnung. „We view this as a major threat to the right of people to have control of their digital media“, heißt es dazu auf der Kampagnen-Seite defectivebydesign.

Datenschutz in der Rechnerwolke: Wird das gesamte Nutzerverhalten von ultravioletten Strahlen durchleuchtet?

Ein weiteres Problem dürfte der Datenschutz sein. Schon jetzt werden durch die Kombination von DRM und vernetzten Geräten – z.B. E-Readern – sehr private Informationen über das Nutzerverhalten an zentraler Stelle gesammelt. Gerade den USA ist es längst gängige Praxis, dass diese Informationen auf Anfrage auch an Strafverfolgungsbehörden und andere staatliche Instanzen weitergegeben werden. Wird DECEs DRM-Konzept ein Erfolg, wären in der ultravioletten Datenwolke Nutzungsprofile abgespeichert, die alle nur denkbaren Medienarten umfassen. Insofern hätte DECE dann tatsächlich ein globales Ökosystem im digitalen Format geschaffen – schließlich heißt ja das berühmte „First Law of Ecology“: „Everything is connected with everything else.“ In diesem Fall würde das allerdings nur für die Rechteinhaber und die Nachrichtendienste gelten. Für Mediennutzer gälte auch weiterhin das oberste Gesetz der Ökonomie – nur knappe (bzw. künstlich verknappte) Güter haben einen Wert. Doch damit das so kommt, muss Ultraviolet natürlich erst mal Erfolg haben. Momentan spricht einiges dafür, dass der Globus eine Menge weiße Flecken behalten wird. Denn mit Apple und Disney gehen mindestens zwei Global Player in Sachen DRM vorerst noch eigene Wege.

Jail-Break, DVD-Rip & DRM-Crack legal: US-Bürgerrechtler erkämpfen Ausnahmeregelungen beim Kopierschutz

electronic_frontier_foundation1Jubel bei US-Bürgerrechtlern: Die Electronic Frontier Foundation konnte erneut Ausnahmeregelungen in punkto Kopierschutz erkämpfen.So gehört zur angemessenen Nutzung eines iPhones in den USA nun der sogennante „Jailbreak“, also das Aufheben von Software-Sperren. Bisher war dies laut „Digital Millennium Copyright Act“ illegal. Apple-User sind jetzt nicht mehr an einen Netz-Provider gebunden, zudem können sie Software von Drittanbietern installieren, die nicht im App-Store angeboten wird. Erleichterungen gibt es auch für E-Book-Leser: die Aktivierung der Vorlesefunktion gehört zum „Fair Use“, bestehende Sperren dürfen umgangen werden.

Kopierschutz à la DMCA: die Tonerpatrone bleibt leer, das Garagentor bleibt zu

Zu den edelsten Pflichten des Librarian of Congress gehört nicht nur die Ernennung des Poeta Lauratus. In regelmäßigen Abständen verkündet der vom Präsidenten eingesetzte Chef der Parlamentsbibliothek auch aktuelle Entscheidungen zum Urheberrecht. Seit 1998 der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) in Kraft trat, werden Beschwerden aus der Bevölkerung gesammelt und alle drei Jahre einem Kontrollgremium zur Entscheidung vorgelegt. Wird glaubhaft gemacht, dass die Kopierschutz-Bestimmungen die normale Nutzung eines Mediums deutlich beeinträchtigen, können sogenannte „Exemptions“, also Ausnahmen, verkündet werden. Diese Exemptions betrafen in der Vergangenheit eine breite Palette von Anwendungsfeldern, von alternativen Tonerkartuschen für Drucker über Ersatz-Fernbedienungen für Garagentore bis zu Kopierschutz von DVDs oder E-Books. Kein Wunder: denn tatsächlich werden die US-Bürger in ihrem Alltag auf Schritt und Tritt von den Auswirkungen der rigiden Kopierschutzbestimmungen verfolgt, die noch unter der Clinton-Regierung vom US-Kongreß verabschiedet wurden.

“Sperren auf Handys haben nur wenig mit Kopierschutz zu tun“

Zu den vehementesten Gegnern des DMCA gehört die 1990 gegründete Cyber-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation. Dementsprechend groß war nun auch der Jubel, als den Einwänden gegen das DMCA auf breiter Front stattgegeben wurde: „Wir sind begeistert, dass wir Jailbreaker, Entsperrer und auch Videokünstler von den überbordenden Auswirkungen dieses Gesetzen befreien konnten“, so EFF-Sprecherin Jennifer Granick. „Das Copyright Office erkennt an, dass die Sperren auf Mobiltelefonen vor allem die Kunden an einen bestimmen Netzbetreiber binden sollen, und nur wenig mit Kopierschutz zu tun haben.“ Ebenso profitieren Video-Künstler, die Videoschnippsel von DVDs für Remix-Kunstwerke nutzen und auf Plattformen wie Youtube veröffentlichen: „Nonkommerzielle Videos sind eine wichtige Online-Kunstform. Die kreativen Montagekünstler müssen jetzt keine Angst mehr haben, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, obwohl ihre Werke eigentlich dem Fair Use entsprechen.“ Auch zur Gewinnung von Ausschnitten für Dokumentarfilme und zu Bildungszwecken ist das Rippen von DVDs in den USA nun ausnahmsweise erlaubt.

Lesen und lesen lassen: Text-to-Speech bei E-Books

Von einer speziellen Ausnahme beim Kopierschutz profitieren auch die Nutzer von E-Books. Gerade für Blinde und Sehbehinderte ist es wichtig, über eine automatische Vorlesefunktion zu verfügen. Technisch ist das kein Problem, die Qualität computergenerierter Stimmen ist mittlerweile ziemlich gut. Als erstes Lesegerät bot Amazons Kindle Reader zweitweise sogar eine standardmäßige Text-to-Speech-Funktion, sie wurde nach einem Urheberrechtsstreit mit Hörbuchproduzenten allerdings stark eingeschränkt. Viele E-Book-Formate enthalten mittlerweile eingebaute Sperren, die das Vorlesen verhindern. Bereits 2003 und 2006 hatte das Copyright Office entschieden, dass man zum Zweck der Aktivierung einer Vorlesefunktion den Kopierschutz von E-Books umgehen darf. Diese Ausnahmeregelung wurde nun erneut bestätigt. Leichter haben dürften es zukünftig übrigens auch E-Book-Leser, die ein iPad nutzen: denn nach einem Jailbreak sind sie nicht mehr auf App Store oder iBooks-Angebote angewiesen. Sowohl alternative E-Reader-Programme wie auch DRM-freie elektronische Bücher können nach der Entsperrung problemlos auf das Gerät übertragen werden. Einziges Manko: eine komfortable Jailbreak-App für Apples Tablet gibt’s noch nicht.

Keine Kulturflatrate, keine totale Kontrolle: Bundesjustizministerin beim Urheberrecht ein bisschen „schizo“

urheberrecht-berliner-rede-leutheusser-schizoNiemand hat die Absicht, im Internet Mauern zu errichten, könnte man Sabine Leutheusser-Schnarrenbergers „Berliner Rede“ zum Thema Urheberrecht zusammenfassen. Auch eine Online-Version des Kombinats „Horch&Guck“ soll es nicht geben: detaillierter Kontrolle des individuellen Surfverhaltens erteilte die Bundesjustizministerin eine Absage. Doch wie man das Urheberrecht von Journalisten, Schriftstellern oder Musikern schützt, ohne zugleich die Rechte aller Netz-Bürger zu beeinträchtigen, verriet die Ministerin leider nicht.

„Beim Thema Urheberrecht bin ich so schizophren, eigentlich müsste man mich einweisen“

In der Politik muss man oft schmerzhafte Kompromisse eingehen, die vom ursprünglichen Ansatz nicht viel übrig lassen. Wer wüsste das besser als die vielfach als „Umfaller-Partei“ geschmähte FDP. Noch schlimmer ist es aber, wenn man von Anfang an keine klare Linie hat. Vielleicht war es nicht ganz zufällig, dass Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in ihrer Berliner Rede den Linux-Erfinder Linus Thorvalds zitierte: „Leider stelle ich fest, dass ich dem Thema Urheberrecht derart schizophren gegenüber stehe, dass man mich eigentlich einweisen müsste“.
Ein bisschen schizo klang nämlich schon, was die vehemente Gegnerin der Vorratsdatenspeicherung Anfang der Woche in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ex cathedra verkündete. Sie verglich das Recht der Kreativen, über die Nutzung ihrer Werke zu bestimmen ausgerechnet mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

Um das Urheberrecht durchzusetzen, muss man den Surfern an die Wäsche gehen

Was denn nun – Daten schützen oder noch mehr Daten erheben? Denn um das Urheberrecht im Internet konsequent durchzusetzen, muss man den Usern an die Wäsche gehen, in ihre Privatsphäre eindringen. Selbst wenn man sie nur warnend am Schlawittchen packen möchte, wie Leutheusser Schnarrenberger:

Ein Vorschlag zielt darauf ab, diejenigen, die eine Urheberrechtsverletzung begehen, frühzeitig zu warnen. Da würde dann etwa ein User den automatischen Hinweis auf seinen Bildschirm bekommen: ‚Hallo, was Du da gerade tust, ist illegal und verletzt das Urheberrecht‘.

Da wünscht man sich schon eine ähnlich Regelung für Politikerreden: „Hallo, was Du da gerade forderst, ist illegal und verletzt die Bürgerrechte.“ Irgendwelche mentalen Warnlampen scheinen tatsächlich geblinkt zu haben, denn die Bundesjustizministerin beeilte sich hinzuzufügen, solch ein Modell sei für sie nur akzeptabel, wenn sich dies „technisch ohne eine Inhaltskontrolle und Datenerfassung realisieren ließe“. So wirklich scheint die Ministerin an diese Quadratur des Kreises selbst nicht zu glauben. Oder geht es letztlich doch nur um die Frage, wer hier wen überwacht? Wenn es nicht staatliche Cybercops sind, sondern Provider, die ihren Nutzern stärker auf die Finger schauen, weil sie sonst Regressforderungen von Rechteinhabern fürchten müssen, scheint das für L-S offenbar ganz okay zu sein.

Die Kulturflatrate – Internet-GEZ oder Zwangskollektivierung?

Staatsferne als ein Wert an sich, dem alles andere unterzuordnen ist? Beim Thema Kulturflatrate funktioniert das auch in die andere Richtung: „Eine Kulturflatrate – die stellen sich einige offenbar so vor, wie eine Internet-GEZ“, vermutet die Ministerin. Um dann gleich mal klarzustellen: Dies wäre eine „Zwangskollektivierung“ der Urheberrechte, was für L-S offenbar so etwas bedeutet wie digitaler Maoismus. Gleichzeitig fürchtet die Freidemokratin im Fall der Flatrate „gewaltige Verteilungskämpfe um die Einnahmen“. Verteilungskämpfe gibt es aber auch so – und sie führen, wie das von der FDP-Ministerin unterstützte Projekt „Leistungsschutzrecht für Verlage“ zeigt, am Ende ebenfalls zu einer Form von Zwangskollektivierung. Denn am Ende würde es bei diesem Szenario eine neue Verwertungsgesellschaft für Online-Inhalte geben, die das Geld der User einsammelt und an die Verlage weitergibt. Eine andere Form von Zwangskollektivierung gibt es bereits jetzt – denn die großen „Gatekeeper“ wie Apple, Amazon oder Google kassieren an der Paywall zu ihren Content-Plattformen schließlich alle anderen Marktteilnehmer ab. Es gibt eben nicht nur, wie L-S beklagt, „Verwerter fremder Kreativität, die ihre lukrativen Geschäftsmodelle der Vergangenheit verteidigen“, auch rückwärts gewandte Verwerter der Zukunft stecken ihre Claims ab.

Damit die Netzökonomie funktioniert, muss das Urheberrecht vom Kopf auf die Füße gestellt werden

Demokratische Kultur, so die Bundesjustizministerin, braucht einen funktionierenden „Markt der individuellen Entlohnung durch ein breites Publikum“. Dem kann man so sicher zustimmen. Doch weder Demokratie noch Markt sind zwingend mit Bezahlschranken und Paid Content verbunden. Es gibt sogar interessante Alternativen jenseits der Kulturflatrate – das Web 2.0 bietet eine ganze Palette neuer Möglichkeiten individueller Entlohnung. Kann man sich etwas demokratischeres vorstellen als Crowdfunding, also freiwillige Beiträge, die von der Netzgemeinde eingesammelt werden? Gibt es ein breiteres Publikum als etwa für einen weltweit frei verfügbaren Web-Comic, dessen kommerzielle Verwertung über die Printversion stattfindet? In ihrer Berliner Rede forderte die Bundesjustizministerin immer wieder, die Urheber selbst in den Mittelpunkt des Urheberrechts zu stellen. Bisher können aber Autoren in den meisten Fällen überhaupt nicht darüber entscheiden, in welcher Form ihre Werke in digitaler Form von großen Verlagen oder Content-Plattformen verwertet werden. Also etwa ob mit Kopierschutz oder ohne, ob kostenlos oder kommerziell. Es ist ja schön, wenn die Liberalen für die freie Verlinkung von Webseiten eintreten oder gegen Netzsperren plädieren. Doch wenn die Netzökonomie ihr Potential voll entfalten soll, muss man vor allem das Urheberrecht vom Kopf auf die Füße stellen. Dafür braucht man allerdings eine klare Position. Das würde in diesem Fall bedeuten: entweder Leutheusser, oder Schnarrenberger.

Eigentum oder Nutzungsrecht: Was kauft man, wenn man ein E-Book kauft?

nutzerrechte-e-books-kopierschutz-lizenz-zum-lesen1Nicht alles, was mit E-Books technisch möglich ist, ist auch erlaubt. Aber nicht alles, was erlaubt ist, ist auch technisch möglich. Doch ist ein E-Book überhaupt ein Buch? Was regeln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen? Erwirbt man mehr als nur die Lizenz zum Lesen? irights.info-Redakteur Ilja Braun klärt in seinem Artikel wichtige Fragen zum Thema Nutzerrechte beim elektronischen Lesen.

Amazon und Orwell: Zensur? Nein, Urheberrecht

Die Firmengeschichte des Internet-Buchhändlers Amazon wird den 17. Juli 2009 wohl als einen besonders düsteren Tag verzeichnen. An jenem Freitag geschah es, dass auf dem E-Book-Lesegerät Kindle zwei elektronische Bücher von George Orwell plötzlich verschwunden waren. Die Kunden staunten nicht schlecht, als sich herausstellte, dass Amazon die Dateien beim Einloggen in das Kundenkonto einfach gelöscht hatte. Immerhin wurde der Kaufpreis erstattet. Zensur? Nein, Urheberrecht. Der Verlag hatte für elektronische Ausgaben keine Lizenz erworben. Der Vorfall führte innerhalb weniger Tage nicht nur zu Spott in der Netzgemeinde, zu Entschuldigungen von Amazon und zu Frust bei den Kindle-Käufern, sondern auch zu einer voreiligen Schlussfolgerung bei Journalisten und Bloggern: Wenn man ein E-Book kaufe, besitze man eben kein Buch, sondern erwerbe lediglich das Recht, eine Datei zu lesen. Und wer es nicht glaube, solle mal die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) seines Internetbuchhändlers nachlesen. Das kann zumindest nicht schaden. Allerdings sind allgemeine Geschäftsbedingungen keine unverbrüchlichen Gesetze. Eine Regelung, nach der ein Händler das Produkt, das er verkauft, dem Kunden jederzeit wieder wegnehmen darf, wenn er nur das Geld zurück gibt, wäre ohnehin unwirksam. Auch im Kleingedruckten von Amazon steht keine solche Klausel.

Welche Rechte haben Verbraucher?

Wie weit aber gehen die Verbraucherrechte an einem E-Book? Was darf man tatsächlich damit machen? Darf man es kopieren, verleihen, weiterverkaufen? Ist alles erlaubt, was technisch geht? Das nicht. Umgekehrt aber geht vieles nicht, was erlaubt ist -weil die Anbieter es technisch verhindern. Und wenn doch, ist es meist von den Geschäftsbedingungen untersagt. Kann aber, was gesetzlich erlaubt ist, nach einem Klick auf den Button ,,Ich akzeptiere die AGB“ plötzlich verboten sein? Rechtlich geklärt ist vieles noch nicht. Beispielsweise dürfen Bücher zu privaten Zwecken nur auszugsweise kopiert werden, es sei denn, sie sind seit mindestens zwei Jahren vergriffen, also nicht mehr lieferbar. Aber handelt es sich bei einem E-Book überhaupt um ein ,,Buch“ im Sinne des Urheberrechts? Der Terminus wird ohnehin nur ein einziges Mal verwendet, die Regelung stammt schließlich aus analogen Zeiten. Vielleicht müsste man ein E-Book eher als ,,Sprachwerk“ begreifen, das in digitaler Form vorliegt. Dann würde die erwähnte Beschränkung nicht gelten, und man dürfte E-Books sehr wohl zu privaten Zwecken komplett kopieren. Es sei denn, sie wären mit einem wirksamen Kopierschutz versehen – den darf man nämlich nicht umgehen.

Eigentum oder Nutzungsrecht?

Eine andere spannende Frage: Was passiert, wenn man ein E-Book herunterlädt? Kauft man da ein ,,unkörperliches Gut“? Oder erwirbt man ,,Nutzungsrechte“ an geistigem Eigentum, schließt also einen urheberrechtlichen Vertrag? Geht man davon aus, dass ein E-Book ein ,,unkörperliches Werkexemplar“ ist, an dem man Eigentum erwirbt, quasi ein Buch in Dateiform, so handelt es sich in erster Linie um einen Kaufvertrag. Das Urheberrecht ist dann allenfalls am Rande tangiert – und Klauseln, die dem Käufer die rechtmäßige Benutzung seines Eigentums untersagen, wären im Zweifel unwirksam. Zur rechtmäßigen Benutzung würde aus dieser Sicht auch das private Kopieren zählen – allerdings nur auszugsweise. Geht man hingegen davon aus, dass der Download primär ein ,,Nutzungsvertrag“ ist, mit dem man bestimmte Rechte an fremdem geistigem Eigentum erwirbt, so würde man sagen: Der Kunde hat nicht etwas gekauft, sondern es ist ihm erlaubt worden, das geistige Eigentum eines anderen (des Buchautors) zu nutzen, indem er den Text auf seinem Lesegerät anzeigen lässt. Auch mit einem gedruckten Buch darf der Käufer zwar keineswegs machen, was er will. Er darf es nicht unter seinem eigenen Namen herausgeben, keine Nachdrucke davon anfertigen oder es gegen Geld verleihen. Immerhin darf er es lesen. Was er gekauft hat, ist jedoch nur bedrucktes Papier. Klar, denn sonst wären die Interessen des Autors unangemessen beeinträchtigt. Auch beim gedruckten Buch ist also die Freiheit des Käufers eingeschränkt. Warum sollte es beim E-Book anders sein?

Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB): Wirksam oder nicht?

Sollte es nicht, ist es aber. Was der Käufer eines gedruckten Buches sehr wohl darf, darf der E-Book-Käufer nämlich oft nicht – vorausgesetzt, er hält sich an die Nutzungsbedingungen. Ob Thalia, Mobipocket oder Libreka: All diese Anbieter versteifen sich darauf, dem Leser lediglich ,,ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht“ zu übertragen. Libri bringt es in seinen AGB auf den Punkt: ,,Libri.de verschafft den Kunden an E-Books […]kein Eigentum.“ Private Kopien anzufertigen, E-Books an Dritte weiterzugeben oder gebraucht zu verkaufen – all dies wird oft standardmäßig in Nutzungsbedingungen untersagt. Ob solche Klauseln überhaupt wirksam sind, ist eine knifflige Frage. Wenn sie intransparent und für Otto Normalverbraucher unverständlich wirken, sind sie es nicht. Wenn sie den Käufer über Gebühr benachteiligen, sind sie es auch nicht. Ermessenssache ist beides. Das Hamburger Büro für informationsrechtliche Expertise hat bereits 2006 im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen diverser Download-Shops unter die Lupe genommen. Ergebnis der von Till Kreutzer verfassten Studie: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind fast immer intransparent und benachteiligen den Verbraucher unangemessen. Geändert hat sich seither wenig. Einen TÜV, der solche AGB vorab auf ihre Vereinbarkeit mit dem Verbraucherrecht testen würde, gibt es nicht. Wie ein Richter darüber entscheiden würde, ob E-Books für den Privatgebrauch kopiert werden dürfen, ist schwer vorauszusagen. Während das Urheberrecht private Kopien und auch die Weitergabe an Dritte im privaten Umfeld prinzipiell erlaubt, können Nutzungsbedingungen von Anbietern, die dergleichen untersagen, durchaus Gültigkeit haben. Im Ernstfall käme es darauf an, was für den Richter schwerer wiegt: der wirtschaftliche Schaden, den der Buchautor womöglich durch ,,Raubkopien“ erleidet, oder dass der Käufer im freien Umgang mit seinem Eigentum eingeschränkt wird. Der Gesetzgeber hat sich bislang herausgehalten, weil er meint, die Autoren und Verlage könnten ja Kopierschutztechnologien verwenden, wenn sie Angst vor Piraten hätten.

Darf man E-Books weiterverkaufen?

Umstritten ist auch die Frage, ob man E-Books gebraucht weiterverkaufen darf. Eigentlich geht man davon aus, dass eine Ware, wenn sie einmal auf den Markt gebracht worden ist, von jedermann so lange verkauft werden darf, bis sich kein Abnehmer mehr dafür findet. Aber gilt das auch für unkörperliche Dinge? Natürlich nicht, sagen die einen, da wäre ja den Raubkopierern Tür und Tor geöffnet. Außerdem müsste man die Datei vervielfältigen, um sie weiterzugeben, und das Recht, Vervielfältigungen herzustellen, sei stets dem Autor vorbehalten. Papperlapapp, sagen die anderen, es habe sich doch nur der Vertriebsweg geändert: Statt in Buchform oder auf einer CD, die man jederzeit weiterverkaufen darf, werde das Produkt nun in unkörperlicher Form vertrieben. Das könne doch nicht heißen, dass der Verbraucher am erworbenen Eigentum plötzlich weniger Rechte habe. Dieser Ansicht ist auch der Verband der Bunderverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Andernfalls, so heißt es in einer Stellungnahme, werde der Verbraucher ,,trotz vergleichbarer Sachverhalte und Interessen bei Inanspruchnahme von Vertriebswegen der ,neuen Märkte‘ unweigerlich schlechter gestellt. Eine derartige Ungleichbehandlung ist auch aus rechtlicher Sicht nicht geboten“. Und doch: Erst im Juli 2009 hat das Landgericht Berlin entschieden (Az 16 O 67-08), dass das Musikportal iTunes den Weiterverkauf der dort erworbenen Musiktitel durchaus untersagen darf. Jetzt ist die nächsthöhere Instanz dran.

Es geht um E-Books – und viel mehr

Das Ringen um eine gesetzliche Regelung für den Gebrauchthandel mit Dateien und Lizenzen kann noch sehr spannend werden. Wegen der E-Books. Aber vor allem auch wegen des Handels mit gebrauchter Software. Erst am 12. November 2009 hat der Bundesgerichtshof eine Klage der Software-Firma Oracle gegen usedSoft zur Revision zugelassen – das heißt, dass die Richter der Frage eine grundsätzliche Bedeutung zumessen. usedSoft, eine Firma, die überschüssige Volumenlizenzen weiterverscherbelt, zählt immerhin Unternehmen wie Neckermann und Edeka, aber auch Städte und Kommunen wie München, Bamberg, Fürth und Passau zu seinen Kunden. Die Firma machte im Jahr 2007 einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro und verzeichnet nach Angaben der Financial Times Deutschland ein jährliches Wachstum von mehr als 20 Prozent. An einem funktionierenden Second-Hand-Markt für Immaterialgüter gibt es also ein handfestes wirtschaftliches Interesse.

Autor: Ilja Braun

(Der Original-Artikel ist im März 2010 unter einer Creative-Commons-Lizenz bei irights.info veröffentlicht worden.)