Löwe frisst Gazelle: Deutsche Hörbuch-Verlage im Clinch mit Audible

hoerbuch-verlage-im-clinch-mit-audibleJagdzeit auf dem Hörbuch-Markt: müssen deutsche Verlage „Knebelverträge“ mit Amazons Audiobook-Tochter Audible unterzeichnen, weil ihnen sonst die Auslistung droht? Zumindest der SPIEGEL will ein „Halali“ auf offener Wildbahn vernommen haben. „Wie der Gepard eine kranke Gazelle, so müsse Amazon die Buchverlage jagen, hat Jeff Bezos einmal gesagt“, beginnt die betreffende Story im aktuellen SPIEGEL (21/2015). Im Frühjahr 2015 mache Amazon nun nicht die Produzenten von digitaler Lektüre zur Gazelle, sondern die Produzenten von digitaler Lauschüre – immerhin betrage hier der Marktanteil satte 90 Prozent.

Flatrate-Modell mit neuen Tarifen

„Kern der neuen Verträge ist die Zustimmung zu einem digitalen Flatrate-Modell“, teasert auch SPOL das Thema an. Bisher können Audible-Kunden bekanntlich ein Buch pro Monat lesen – in Zukunft will Amazon aber auch hier ähnliche Regeln einführen wie beim E-Book-Angebot „Kindle Unlimited“. Dabei geht’s für die Verlage auch international nicht nur um die Frage, was bleibt übrig von dem, was bleibt. Sondern auch, wer wann wieviel erhält. Anfangs hatte Audible mit erfolgsabhängigen Erlösmodellen gelockt, so dass die Verlage bei Bestseller-Titeln bis zu 90 Prozent Marge erhielten.

Bei Nichtgefallen droht Auslistung

In Zukunft könnte es nur noch zwei Stufen geben, berichtet Ink, Bits, & Pixels: 40 Prozent für exklusiv via Audible vertriebene Titel, und sogar nur magere 25 Prozent für nicht-exklusiv vertriebene Titel. Wer den neuen neuen Konditionen nicht zustimmt, dem droht die Auslistung. Auch in Deutschland wurden nun offenbar bestehende Verträge von Amazon gekündigt, wer in Zukunft noch dabei sein will, muss nun geänderten Bedingungen zustimmen. Manche, wie etwa der Frankfurter Zwischenhändler Bookwire, den viele kleinere Verlage als Distributor nutzen, haben überhaupt keine neuen Verträge mehr erhalten, schreibt der SPIEGEL.

Marktbeherrschende Stellung!?

Einstweilen setzt Amazon die Zange bei den Kleinen an, die Großen wie Random House blieben verschont. Doch die kleinen Gazellen wehren sich: „gleich mehrere Verlage erwägen nun eine Kartellbeschwerde“, stösst der SPIEGEL ins Horn der Gazellen-Lobby. Bei Amazon dürfte das keinen Eindruck machen, beim Kartellamt auch nicht. Die „marktbeherrschende“ Stellung schmilzt bei genauerer Betrachtung deutlich. 80 Prozent der Hörbücher werden laut GfK hierzulande immer noch in Form von CDs verkauft. Der Hörbuch-Anteil am Buchmarkt insgesamt beträgt knapp unter fünf Prozent. 90 Prozent von 20 Prozent von 5 Prozent sind 0,9 Prozent.

Abb.: Sascha Kohlmann/Flickr (cc-by-sa-2.0)