[Indie-Lounge] „Man muss sich einen Markennamen aufbauen“- Autorenduo B.C. Schiller im Interview

Wer mit bewaffneten Bodygards einkaufen geht, oder einem Serienkiller Auge in Auge gegenübersitzt, der hat wohl auch das Zeug, einen Dan Brown von Rang #1 der Bestsellerliste zu stoßen. Als dynamisches Duo erst recht: Mehr als 250.000 mal haben Leser bei den acht E-Book-Titeln von Barbara und Christian Schiller auf „Kaufen“ geklickt, und bekamen Spannung serviert. Ein toller Erfolg. Und jetzt ist das Autorenteam B.C. Schiller bei uns zu Gast…


„Jede von uns hat ein Faible für bestimmte Protagonisten“


Klaus Seibel: Barbara und Christian, ihr schreibt eure Bücher gemeinsam als Autorenteam. Das ist eher selten. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

B.C. Schiller: Wir haben uns an Wochenenden/Urlauben immer gemeinsam spannende Geschichten ausgedacht und ständig weiter gesponnen. Da war es naheliegend, diese Geschichten niederzuschreiben und gemeinsam auszuarbeiten. Beim ersten Mal, 2009, haben wir uns auf Mallorca im Urlaub in eine Finca verschanzt und den ganzen Tag an unserem Plot für unseren ersten Tony Braun Thriller „Töten ist ganz einfach“ gefeilt.

Wie teilt ihr euch die Arbeit auf? Ist einer eher für die Morde zuständig, und der andere für die Aufklärung?

Nein, wir teilen uns die Kapitel auf, wobei Barbara mehr für die brutalen Morde zuständig ist und Christian für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Jeder von uns hat ein Faible für bestimmte Protagonisten und am Ende überarbeiten wir gemeinsam die Rohfassung.

Ihr habt beide Erfahrungen, die euch geradezu prädestinieren, superspannende Thriller zu schreiben. Barbara, du hast bizarre Erlebnisse in osteuropäischen Ländern hinter dir, die in eure Stories einfließen. Kannst du ein Beispiel nennen?

Als ich für eine osteuropäische Firma in Warschau arbeitete, musste ich für die Frau des Chefs eine Modekollektion besorgen. Ich durfte nur mit zwei Leibwächtern das Hotel verlassen, und die beiden haben alle Kunden aus der Nobelboutique vertrieben, damit ich ungestört war. Das war ziemlich bizarr zwischen eingeschüchterten Verkäufern und bewaffneten Männern eine Auswahl zu treffen.

Christian, du schreibst nicht nur theoretisch über Mörder, du hast mit einem Serienkiller gesprochen. Wie ist das, wenn man so einem Mann gegenübersteht?

Das Interview mit dem Serienmörder Jack Unterweger war eine interessante Erfahrung , aber es war auch sehr beklemmend. Ich hatte immer das Gefühl, dass eine falsche Frage von mir ihn zum Explodieren bringen könnte und er mich nieder schlägt. Am Erschreckendsten an Jack Unterweger war die mangelnde Empathie und der grenzenlose Narzissmus. Er hatte überall an den Wänden lebensgroße Poster von sich selbst und mehrere Ordner in denen er alle Artikel über seinen ersten Mord abgelegt hatte.


„Der Markt und die Leser haben sich für uns entschieden“


Mit solch einem Hintergrund wärt ihr die idealen Autoren für einen großen Verlag. Warum bringt ihr eure Bücher als Self Publisher heraus?

Unsere Literaturagentur hat damals unseren erste Thriller den großen Publikumsverlagen angeboten, aber trotz teilweisem Interesse hat sich nichts konkretes ergeben. Da wir aber sehr aktive Menschen sind, haben wir nicht lange gezögert und die tolle Gelegenheit des Self Publishing genutzt . Der Erfolg gibt uns recht, denn der Markt und die Leser haben sich für unsere Thriller entschieden ☺

Könnte euch ein Verlag locken? Und wenn ja, womit?
Ein Verlag könnte uns locken, wenn wir es dadurch schaffen, unsere Thriller international zu vermarkten.

Noch mal zu eurem Erfolg. Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen? Dass man dafür eine mitreißende Geschichte braucht, ein gutes Cover und einen sauberen Text, wissen die meisten. Welche Faktoren darüber hinaus sind eurer Meinung nach für euren Erfolg wichtig gewesen?

Sehr wichtig ist auch Social Media Marketing, man muss sich eine Fanbase aufbauen und diese ständig mit Informationen versorgen. Das Ziel dieser Aktivitäten muss es sein, sich einen Markennamen aufzubauen.


„Tägliches Schreibpensum einhalten ist wichtig“


Vermarktung der Bücher ist für Self Publisher fast genau so bedeutend wie gut schreiben zu können. Ihr betreibt eine Marketing-Agentur, seid also Experten. Was sind eure besten Tipps für Autorenkollegen?

Wir haben unsere Werbeagentur, die wir über 18 Jahre sehr erfolgreich geführt haben, voriges Jahr verkauft und sind jetzt zu 100% Autoren.
Ein paar Tipps für Autoren:
Strukturen schaffen: Eine spannende Idee finden, die man auf einer Seite beschreiben kann und die über einen roten Faden verfügt.
Täglich arbeiten: Wichtig ist das Einhalten des täglichen Schreibpensums, um in die Geschichte richtig einzutauchen.
Kritik zulassen: Offen sein für konstruktive Kritik von Außenstehenden.

Wie viel Zeit investiert ihr etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege eures Netzwerks?

Wir schreiben ca. 6 Std./Tag, und den Rest investieren wir in Social Media.

Wenn euch ein neuer Leser kennenlernen möchte, welches eurer Bücher würdet ihr ihm als Start in eure Bücherwelt empfehlen?

Als Start empfehlen wir unseren ersten Tony Braun Thriller „Töten ist ganz einfach“, mit dem alles begann ☺

Eure bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist euer nächstes Projekt?

Vor wenigen Tagen haben wir um 3h10 morgens den letzten Satz unseres vierten Tony Braun Thrillers geschrieben, der im April erscheinen wird, und den wir sehr gerne empfehlen!

Zum Schluss: Ihr habt 100 Worte frei zu eurer Verfügung. Was möchtet ihr euren Lesern sagen?

Ohne euch hätte das Abenteuer Schreiben nicht Fahrt aufgenommen.
Ohne euch wäre das Schreiben nur halb so aufregend, denn wir lieben und brauchen euer Feedback .
Ohne euch würde unser Lieblingschefinspektor Tony Braun immer alleine seine Fälle lösen und sein Bier beim Anatolu Grill trinken müssen. Deswegen finden wir es so megacool, dass wir so tolle Leser wie euch haben, thx;, BCS ☺

Barbara und Christian, ganz herzlichen Dank für eure Antworten. Ihr lasst aus euren spannenden Erfahrungen etwas Spannendes für eure Leser werden. Wir freuen uns mit euch über euren Erfolg und wünschen euch, dass euch noch viel mehr Leser entdecken.

Tipp: Wer mehr über Barbara und Christian erfahren will, ist eingeladen, sie auf ihrer Homepage zu besuchen.

[E-Book-Review] Comeback nach 65 Millionen Jahren: „Das Erbe der ersten Menschheit“ (Klaus Seibel)

Was macht eine uralte Schraube auf dem Erdtrabanten? Als ein Mond-Rover der NASA das Artefakt entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse. Die Amerikaner versuchen, das Geheimnis für sich zu behalten. Doch die Bilder der Rover-Kamera wurden live ins Internet übertragen – zu den “Augenzeugen” gehört Astrophysikerin Anne Winkler bei der ESA. Ein globaler Wettlauf um die Daten und ihre Deutung beginnt, zugleich ein Wettrennen der Supermächte: wer wird das Artefakt bergen? Anne Winkler ist am Ende mit dabei, doch damit beginnt das Abenteuer erst.

Spuren einer prähistorischen Zivilisation

Klingt wie der Plot eines Sci-Fi-Thriller aus den USA, stammt aber aus der Feder des deutschen Autors Klaus Seibel. Allerdings wird der Roman “Krieg um den Mond” (2013) unter dem Titel „The Screw on the Moon“ inzwischen auch überm großen Teich gelesen – in der Übersetzung des Sci-Fi- und Medientheoretikers Alan N. Shapiro. Klaus Seibel wiederum hat vor kurzem eine Fortsetzung veröffentlicht: in „Das Erbe der ersten Menschheit“ kehrt Anne Winkler zum Mond zurück. Dort wartet mehr als nur eine Schraube. Die prähistorische Zivilisation der „Lantis“, vor 65 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag ausgerottet, hat in einem Mondkrater Zeitkapseln versteckt, die zahlreiche technische Apparaturen enthalten.

„Wir kommen wieder“

Nach dem Rücktransport zur Erde werden die Artefakte in einer extra angelegten Wissenschaftsstadt mitten in der nordafrikanischen Wüste analysiert – mit ungeahnten Folgen. Nicht nur die Großmächte verfolgen eine geheime Agenda, auch die Lantis hatten offenbar mehr vor, als nur zum Kulturerbe zu gehören. Anne Winkler erlebt merkwürdige Wachträume, in denen sie Menschen mit grüner Haut begegnet, aber auch Echsen in XXL. Zeitgleich werden in unterirdischen Laboren die komplexen Apparaturen der Lantis in Gang gesetzt.

„Wir brauchen ein Post-Science-Fiction-Genre“

“Ich glaube, genau diese Art der Fiktion brauchen wir in der Gegenwart: so etwas wie ein ‘Post-Science-Fiction’-Genre“, schrieb Alan N. Shapiro zu „The Screw on the Moon“. Der Fortsetzungsband ist wieder in einer quasi-realistischen Gegenwart angesiedelt, und reflektiert aktuelle Technologien, allen voran die Life Sciences – von der Gentechnik und Stammzellenforschung bis hin zu kybernetischen Mensch-Maschine-Schnittstellen. Nicht zu vergessen das, was man in punkto Mammut, Säbelzahntiger & Co. „recreational conservation“ nennt: die Geschichte der Lantis ist längst noch nicht zu Ende. Genauso wenig wie die von Klaus Seibel gestartete Sci-Fi-Serie – Band drei ist in Planung.

Klaus Seibel,
Das Erbe der ersten Menschheit
Seibel Digital (Januar 2014),
Preis: 2,99 Euro (epub/Kindle), 8,90 Euro (Taschenbuch)

Abb.: Flickr/Pierre Metivier (cc)

Hinweis: Klaus Seibel ist Mitglied unserer Redaktion, Gastgeber der Indie-Lounge und mit seinem Label „Seibel Digital“ Medienpartner von E-Book-News.

Krimi-Gutscheine zu verschenken: Hundert mal „Zehntausend Augen“

Advent, Advent: Als kleines Dankeschön an die Leser verschenkt E-Book-News ab heute 100 Gutscheine für die Kindle-Version von Klaus Seibels Krimi „Zehntausend Augen“. Und so geht’s: schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Gutschein für Zehntausend Augen“ an die Adresse autor(klammeraffe)kseibel.de. Die Absender-Adresse wird selbstverständlich nicht an Dritte weitergegeben und nur für diese Aktion genutzt. Teilnehmen kann man bis spätestens Mittwoch, den 18. Dezember. Die Gutscheine werden dann zum 4. Adventswochenende verschickt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Für die Auswahl zählt ausschließlich die Reihenfolge des Eingangs.

E-Book-News-Leser kennen Klaus Seibel auch als Gastgeber der Indie-Lounge, in der regelmäßig erfolgreiche Self-Publishing-AutorInnen Platz nehmen. Als Verlags- wie auch als Indie-Schriftsteller hat sich Klaus nicht nur mit seinen Krimis „Zehntausend Augen“ und der Fortsetzung „Zehntausend Fallen“ einen Namen gemacht, sondern auch mit den Sci-Fi-Romanen „Krieg um den Mond“ sowie „Schwarze Energie“. „Zehntausend Augen“ könnte man auch als Cyber-Crime-Fiction bezeichnen: Alles beginnt mit einem Bombenanschlag mitten in Berlin. Ein unbekannter Erpresser sprengt eine Litfaßsäule, und hinterläßt ein rätselhaftes Paket mit der Aufschrift „Für die Polizei“.

Noch eine Höllenmaschine? Der ermittelnden Kriminalkommissarin Ellen Faber ist bald klar: dies ist kein Fall wie alle anderen. Denn der Erpresser droht in einem beigelegten Brief nicht nur mit weiteren Anschlägen, er schickt dem Landeskriminalamt Chat-Cams und Mikrofone – die SoKo findet sich bald live im Netz wieder. Mehr zum Buch in meiner E-Book-Review. Übrigens: Das oben abgebildete E-Book-Cover unterscheidet sich vom Cover der bei Emons erschienenen Taschenbuch-Ausgabe, aber es ist die selbe Geschichte. Weitere Infos zu Klaus Seibels Krimis gibt’s auf der Autoren-Homepage.

[Indie-Lounge] In eigener Sache: Relaunch von „Zehntausend Augen“

Zwischen zwei Interviews eine Meldung in eigener Sache: Meinen Krimi „Zehntausend Augen“ gibt es vom 30. August bis zum 3. September für nur 99 Cent. „Zehntausend Augen“ ist ein Krimi zum hochaktuellen Thema „Überwachung“. Allerdings ganz anders, als es der Polizei gefällt. Ein Erpresser dreht den Spieß um. Er zwingt das LKA, Kameras in der eigenen Zentrale zu installieren, über die die ganze Welt die Ermittlungen verfolgen kann. Ziemlich unangenehm für die Polizei, und im Verlauf der Zeit noch schlimmer, als sich die Ermittler das gedacht haben. Gleichzeitig erlebt die leitende Kommissarin, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Privatleben nicht mehr privat bleibt. Aber sie kämpft. Zwischen ihr und dem Erpresser entwickelt sich ein perfides Spiel, vordergründig um Menschenleben, hintergründig um die eigene Freiheit. Dazu ein Rat: Wetten Sie als Leser nicht zu früh auf den Sieger.

Der Krimi wurde im Inforadio RBB empfohlen, hat schon einige 4- und 5-Sterne Rezensionen eingesammelt und wird jetzt für fünf Tage von mir zum Sonderpreis angeboten. Warum? Ich habe die E-Book-Rechte vom Verlag zurück und kann deshalb den Preis und das Cover selbst gestalten. Und dann, das gebe ich offen zu, will ich Sie zum Kauf verleiten. Ich bin überzeugt, dass Sie für 99 Cent ein tolles Buch in Verlagsqualität erhalten. Der Nachfolger „Zehntausend Fallen“ ist übrigens schon in den Startlöchern. Aber jetzt lade ich Sie erstmal ein, sich auf „Zehntausend Augen“ zu stürzen. Ich hoffe, dass Ihnen dieser Stoff gefällt – und vielleicht gefällt er Ihren Freunden auch ☺

Viel Spaß beim Lesen
Klaus Seibel

[Indie-Lounge] „Wenn Ihr es ernst meint mit einer Geschichte, investiert etwas“ – Michael Meisheit im Interview

Heute zu Gast: Michael Meisheit alias Vanessa Mansini. Unter seinem bürgerlichen Namen hat er bereits eine erfolgreiche Karriere als Drehbuchautor hinter sich. Mehr als 300 Folgen der Lindenstraße und weiterer Sendungen stammen aus seiner Feder – oder richtiger: aus seinen Tasten. Drehbücher waren ihm nicht genug, so dass er jetzt auch Romane schreibt, die er als E-Books herausgibt, bisher sind es drei. Bevorzugt geht es darin um Drama, Humor, Familie und Liebe. Mit seinem Blog-Roman „Nicht von dieser Welt“eroberte er als Vanessa Mansini Platz #1 der Amazon-Charts. Was ein Blog-Roman ist, warum er ein weibliches Pseudonym wählt und wie es einem geht, wenn man auf dem Weg zum Platz #1 ist, verrät er uns jetzt.


„Pionierzeit des Self-Publishings braucht Experimente“


Klaus Seibel: Michael, wie kommt ein erfolgreicher Drehbuchautor auf die Idee, einen Roman zu schreiben, den er dann selbst als E-Book herausgibt?

Michael Meisheit: Es war ja anders. Der Drehbuchautor hatte schon seit vielen Jahren aus unterschiedlichen Gründen diverse Texte / Manuskripte auf seiner Festplatte liegen und entdeckte letztes Jahr die grandiosen Möglichkeiten des Selfpublishings. Sowieso begeistert von der schönen, neuen Welt des Internets (zumindest für Autoren) war schnell klar, dass die Pionierzeiten nach Experimenten riefen – und das war dann mein Debütroman „Soap“, der aber eigentlich schon zehn Jahre älter war. Ähnlich war es bei den anderen Büchern: „Irgendwas ist immer“ sind alte Kurztexte von der Community jetzt.de und „Nicht von dieser Welt“ ist ein Blogroman, der zwei Jahre öffentlich zugänglich im Netz stand.

Was hast du gedacht, als du „Nicht von dieser Welt“ auf Platz 1 bei Amazon entdeckt hast?

„Entdeckt“ ist vielleicht das falsche Wort. Ich habe in der Woche, in der es so rasant nach oben ging, irgendwann nur noch vor dem Computer / Handy gesessen und ungläubig die Verkaufszahlen / Kindlecharts angestarrt. An einem Freitag ging ich abends auf Platz 3 ins Bett, wachte nachts um zwei Uhr auf, um mich auf Platz 2 bestaunen zu können, und war dann sofort um 7 Uhr hellwach, als ich auf Platz 1 stand. Gedacht habe ich dann: „Schnell einen Screenshot machen, bevor es vorbei ist.“ Ich war sicher, dass es schnell vorbei sein würde, wenn ich vom Einstiegspreis auf meinen normalen Preis von 2,99 Euro gehen würde. Richtig unglaublich wurde es erst, als ich dann eine Woche später immer noch auf Platz 1 stand – mit 2,99 Euro…

Warum hast du ein Pseudonym gewählt und dann noch ein weibliches?

„Nicht von dieser Welt“ hat ganz klar ein weibliches Zielpublikum. Auch wenn das Buch sicher einige Eigenheiten hat, ist es schon klassische Genre-Literatur, bei der es bestimmte Erwartungen gibt, und eine davon ist nun einmal, dass sie von Frauen geschrieben wird. Ich habe tatsächlich diverse Male die Rückmeldung bekommen, dass Leserinnen das Buch nicht gekauft hätten, wenn sie gewusst hätten, dass ein Mann es geschrieben hat – wohlgemerkt Leserinnen, die das Buch sehr mochten.


„Am Anfang fiktiver Blog – dann später Blogroman“


„Nicht von dieser Welt“ ist ein Blog-Roman. Was darf man darunter verstehen?

Ursprünglich war der Text tatsächlich ein fiktiver Blog, den ich über gut sechs Monate regelmäßig geschrieben und veröffentlich habe. Die Geschichte entwickelte sich mit aktuellen Bezügen, Links zu anderen Seiten, reagierend auf Feedback von Lesern usw. Es war ein Experiment mit den neuen Möglichkeiten, die das Internet uns Autoren bietet. Und es hat wahnsinnigen Spaß gemacht. Nur leider haben es nicht allzu viele Leute damals gelesen. Deswegen dachte ich, dass man es doch mal als eBook versuchen kann.

Das hat sich dann auch richtig gelohnt. Wie viel Zeit neben deiner Drehbuchtätigkeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Ironischerweise habe ich in dem Jahr, in dem ich mich nun als Romanautor versuche, noch gar nichts geschrieben. Also nichts Neues. Überarbeitungen okay. Aber mein erster eigens für diese neue „Karriere“ geschriebener Text existiert noch gar nicht. Ich habe als Drehbuchautor allerdings auch viel zu tun, so dass es bisher gar nicht anders ging. Dazu kommt eine Familie mit zwei kleinen Kindern. So ist es schwer zu schätzen, wieviel Zeit ich für Marketing und derlei abknapse, aber eine Stunde am Tag wird es sicher sein plus viele kleine Postings hier, Mails da usw. Und in „heißen Phasen“ natürlich auch mal einige richtige Arbeitstage mit Überarbeitungen, Blogbeiträgen usw.

Was motiviert dich zum Schreiben?

Es macht Spaß. Geschichten erzählen ist für mich der tollste „Beruf“ der Welt. Das setze ich in Anführungszeichen, weil ich es sicherlich auch machen würde, wenn ich kein Geld damit verdienen könnte.

Wirst du den Mix Drehbuchautor – E-Book-Autor beibehalten, oder verschiebt sich da etwas durch deinen E-Book-Erfolg?

Der Mix wird generell beibehalten, aber es kann gut sein, dass sich etwas verschiebt. Neben meinen festen Drehbuchjobs habe ich in der Vergangenheit sehr oft interessante und leider auch nicht unbedingt aussichtsreiche Drehbuchprojekte angenommen, die dann durchaus Spaß machten, aber in der Regel versandet sind. Solche Projekte werden nun sicher zugunsten neuer Romanprojekte reduziert werden.


„Wer besser schreiben will, muss schreiben“


Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen? Hat deine Drehbuch-Vorgeschichte dir dabei geholfen?

Mein Geheimnis ist, dass ich eine Menge Glück gehabt habe. Ich glaube schon, dass man mit professioneller Arbeit, einer tiefen Kenntnis der Amazon-Kindle-Welt und vor allem einem guten Stoff einen Platz in den Top 100 zumindest kurzzeitig hinbekommen kann. Aber alles, was da darüber hinausgeht, ist gerade für Anfänger – zu denen ich mich immer noch zähle – pures Glück. Allerdings habe ich eins deutlich gesehen: Die Bedeutung von Titel, Cover und Klappentext kann gar nicht überschätzt werden.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Wenn Ihr es ernst meint mit einer Geschichte, dann investiert etwas. Lektorate und professionelle Coverdesigner kosten ein paar Euro mehr, aber das ist gut angelegtes Geld. Gerade bei Amazon hat man die einmalige Möglichkeit, sein Buch direkt neben den großen Verlagen und weltbekannten Autoren zu präsentieren. Wenn der Leser dann schon am selbstgebastelten Cover sieht, dass man selbiger eben nicht ist bzw. die Bewertungen mehrfach auf die katastrophale Rechtschreibung hinweisen, verspielt man dieses Geschenk leichtfertig.

Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Bei „Soap“ habe ich bis auf das Cover-Design erst einmal alles selbst ausprobiert bzw. mir allein von der „Crowd“ helfen lassen. Während ich die Hilfe der Communities immer noch für eine geniale Errungenschaft des Internets halte und sie weiter nutzen werde, gebe ich in Zukunft alle technischen Sachen in die Hände von Profis. Es gibt sehr gute Dienstleister, auch z. B. für das Setzen oder die Konvertierung von Texten. Das schont nicht nur die Nerven und die Tischkante, sondern führt zu einer hohen Qualität der Ergebnisse. Und es gibt einem mehr Zeit zum Schreiben.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Schreiben. Schreiben hat mir geholfen. Ich bin sicher in der glücklichen Lage, dass ich schon sehr früh professionell schreiben konnte für etwas, das dann schnell und vor allem garantiert umgesetzt und gesendet wurde. Das ist ein Privileg. Das hat nebenbei dazu geführt, dass ich von eigenen Fehlern enorm lernen konnte. Gott sei Dank nicht nur, wenn sie gesendet waren, sondern auch im Drehbuchstadium, denn die Drehbücher gehen durch zahlreiche Hände. Kritik zählt hier zum ganz normalen Arbeitsablauf. Insofern denke ich, dass kein Kurs oder Ratgeber der Welt mehr hilft, als etwas zu schreiben und sich dafür Feedback zu holen. Das gilt auch und gerade für Selfpublisher – denn hier kann man sich z.B. Testleser übers Internet suchen. Und falls man schon etwas veröffentlicht hat und viel Kritik erntet, dann sollte man das als Geschenk annehmen und daraus so viel ziehen wie nur möglich.


„Selfpublisher sollten als normale Autoren wahrgenommen werden“


Du bist mit deinen E-Books unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Bisher finde ich alles gut! Nein, im Ernst. Es sind aufregende Zeiten. Mich reizt und fasziniert, dass alles neu ist. Dass man das Gefühl hat, ein Pionier zu sein. Natürlich ist es großartig, dass man sein eigener Chef ist. Aber es gibt auch eine tolle Community mit vielen anderen klugen und kreativen Leuten, die Ähnliches erleben und ähnlich begeistert sind. Und als Sahnehäubchen gibt es mit dem entsprechenden Glück auch noch gute Verdienstmöglichkeiten, obwohl ich – auch für mich – den Erfolg von „Nicht von dieser Welt“ nicht als Maßstab nehmen würde. Was ich nicht so sehr mag, ist die Erwartungshaltung, mit der so mancher nun in diesen Bereich kommt. Natürlich wird die durch Erfolgsgeschichten geschürt, aber wer meint, irgendeinen Text zusammenzukloppen und zu veröffentlichen ist der Garant für Ruhm und Reichtum, könnte falscher nicht liegen. Am selben Tag wie „Nicht von dieser Welt“ sind noch 60 andere eBooks allein bei Amazon erschienen. Keins davon hat sich auch nur in der Top 1000 festsetzen können, selbst nicht die von Verlagen. Soll heißen: Die Mehrzahl aller Bücher geht unter. Das ist die Norm. Und man braucht entweder Glück vergleichbar mit einem Lottogewinn oder schon professionelle und schweißtreibende Arbeit, damit es anders aussieht.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Eine genaue Erklärung des Algorithmus’ von Amazon. Abgesehen davon, dass Amazon sich verdammt wenig in die Karten gucken lässt, gibt es bereits eine Menge Erleichterungen, gerade durch die Community. Arbeiten könnte man noch an der öffentlichen Wahrnehmung, also dass man als Selfpublisher auch in den Medien weniger als Exot (oder Verrückter), sondern einfach als ganz normaler Autor wahrgenommen wird. Es gibt einige positive Entwicklungen, aber außerhalb des Internets auch noch viel starres Denken. Und großartig wäre eine Möglichkeit, mit seinen Printversionen in die Buchhandlungen zu kommen. Das ist im Moment noch sehr, sehr kompliziert, weswegen der Selfpublishermarkt fast ein reiner eBook-Markt ist.

Ein Verlag nimmt einem Autor viel Arbeit ab, verspricht bessere Qualität und eine größere Verbreitung. Könnte dich ein Verlag locken und womit (außer mit vielen Millionen &#x263A?

Klar kann mich ein Verlag locken. Aber es müsste schon ein Gesamtpaket (Verbreitung UND viele Millionen) sein, dass meine derzeitigen Möglichkeiten klar toppt und mir entsprechende Freiheiten lässt. Ich bin ja nicht in diese Welt eingestiegen, weil ich dann doch wieder nur das machen will, was andere für markttauglich halten.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

„Soap“. Ganz klar. „Nicht von dieser Welt“ mag ich zwar sehr, aber es ist schon ein Roman, der durch den Blog einen speziellen Hintergrund und auch Schwächen hat. „Soap“ ist runder, stimmiger.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Sobald ich dann doch mal die Zeit finde, wird es neue Projekte geben. Die Ideen sind bereits reichlich vorhanden. aber richtig festgelegt habe ich mich noch nicht. Wahrscheinlich werde ich aber in einem meiner bisherigen Linie treu bleiben: Es wird in irgendeiner Hinsicht wieder ein Experiment sein.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Danke! (Das ist jetzt nur ein Wort, aber wenn es um meine Leserinnen und Leser geht in der Tat mein größtes Anliegen. Denn was ich in den letzten Monaten erlebt habe, auch an positivem Feedback, ist nur durch Leser möglich, die offen und neugierig sind und sich auf das einlassen, was ich mache. Dafür gebührt mein tausendfacher Dank.)

Michael, ich danke dir herzlich für deine Antworten. Du machst Mut zum Experimentieren. Man muss nicht immer alles so machen, wie es bisher üblich war, und die Leser sind durchaus offen für Neues. Ich wünsche dir viele Ideen und dass du uns bald mit neuen Experimenten überraschst.

Wer mehr über Michael Meisheit erfahren möchte: mehr Infos gibt’s auf seiner Webseite: michaelmeisheit.de. Wen es interessiert, der findet dort auch Zahlen, wie viele Verkäufe ungefähr welches Ranking bedeuten.

Autorenfoto M. Meisheit: Steven Mahner

[Indie-Lounge]: „Für mich ist Schreiben Rock’n’Roll pur!“ – Volker Ferkau im Interview

Selfpublishing entwickelt sich rasant. Unabhängige Autoren erobern mit ihren Büchern regelmäßig Bestseller-Plätze im Amazon Kindle-Shop. Fast 50 der dortigen TOP 100 E-Books kommen schon von „Indies“. Anlass genug für E-Book-News, die besten Autorinnen und Autoren zur neuen “Indie-Lounge“ einzuladen. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. Erster Gast der Indie-Lounge ist Volker Ferkau. Sein Thriller „In Liebe, dein Mörder“steht schon seit Wochen in den TOP 10, zeitweise auf Platz 3, und zuvor waren auch schon einige andere Bücher von ihm dort. Schon mit 13 Jahren veröffentlichte er Kurzgeschichten in Wochenendbeilagen von Tageszeitungen, es folgten zahlreiche Print-Veröffentlichungen und jetzt bereits 14 E-Books, womit er gut vom Schreiben leben kann, wie er sagt. Normalerweise verweigert Volker Ferkau sich schriftlichen Interviews, aber für die Indie-Lounge macht er eine Ausnahme.


„Ganz unromantisch: Von etwas muss man leben“



Klaus Seibel: Volker, wir freuen uns, dass du deine Zurückhaltung aufgibst und zum Start der Indie-Lounge bei uns bist. Du hast schon ziemlich viele Bücher geschrieben und triffst damit offensichtlich einen Nerv bei den Lesern. Woher kommen deine Ideen?

Volker Ferkau: Die meisten Autoren sagen: In der Badewanne. Und irgendwie stimmt das sogar. Spaß beiseite: Es gibt keine Regel. Mal im Traum, beim Sport, oder dann, wenn man am allerwenigsten dran denkt.

Schreibst du eher intuitiv oder nach einem klaren Konzept?

Intuitiv. Ich halte es mit Stephen King, der sagte: „Wenn ich selbst nicht weiß, was auf der nächsten Seite geschieht, wird der Leser das auch spannend finden.“

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Meine Gefährtin findet, zuviel. Für mich können es nicht genug Stunden sein.

Was motiviert dich zum Schreiben?

Ganz unromantisch? Von etwas muss man leben! Doch das ist nicht alles. Nehme mir mein Handwerkzeug für 2 Wochen weg, und ich werde nervös. Dann drängt es mich, zu schreiben. Das ist so tief verwurzelt, dass es ohne Schreiben einfach nicht geht.


„Ich fahre noch immer dasselbe Auto…“



Folgst du mit deiner Tätigkeit als Autor einem großen Plan? Ist es „nur“ ein schönes Hobby? Hast du ein Ziel oder einen Traum?

Mit dem Supererfolg von IN LIEBE … habe ich mir meinen Traum erfüllt. Alles, was jetzt folgt, ist Zuckerguss.

Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

Gar nichts, total nichts. Ich fahre noch immer dasselbe Auto, wohne in derselben Wohnung, habe dieselbe Frau. Doch, etwas gibt es: Ab Oktober 2013 siedele ich für 7 Monate nach Gran Canaria um. Ich brauche die Sonne, unter der vielleicht noch bessere Romane entstehen.

Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen? Dass man dafür eine mitreißende Geschichte braucht, ein gutes Cover und einen sauberen Text, wissen die meisten. Welche Faktoren darüber hinaus sind deiner Meinung nach für deinen Erfolg wichtig gewesen?

Gäbe es ein Geheimnis, würde ich es nicht verraten. Aber das wichtigste daran hast du schon in deiner Frage angesprochen.


„Lernt Schreiben! Schreiben ist ein Handwerk.“


Was ist dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen?

Auch wenn es arrogant klingt: Lernt Schreiben! Schreiben ist ein Handwerk. Man kann es lernen, und das bedeutet Schweiß, viel Schweiß. Es gibt hervorragende Lehrbücher und gute Schreibseminare. Ich bin erschüttert, wie dilettantisch manche Texte verfasst sind, die dazu noch für 0,99 Euro angeboten werden und den E-Book-Markt verwässern.

Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Ich höre auf Kritik (Schreibfehler, Formatierung etc.), prüfe und verbessere ständig. Da bin ich völlig schmerzfrei und ohne Stolz.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Fachbücher. Besonders die von Sol Stein, des besten Schreiblehrers der Welt. Diese Bücher habe ich studiert, immer wieder. Und ich höre auf Kritik. Viele Autoren mögen das nicht, denn es kann schmerzen. Macht nix! Hinter jeder Kritik steckt ein Funken Wahrheit. Hinhören, selbstkritisch sein, besser werden.

Du bist unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Ich finde das einfach nur gut, aber das ist wohl immer so, wenn der Erfolg da ist. Das ist, als würdest du fragen, wie jemand, der 5 Richtige hatte, Lottospielen findet.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?
Absolut nichts. Amazon ist ein kritischer, manchmal schwieriger, aber stets professioneller Partner.


„Die Tretmühle des Erfolgsdrucks kann zermalmen“



Ein Verlag nimmt einem Autor viel Arbeit ab, verspricht bessere Qualität und eine größere Verbreitung. Könnte dich ein Verlag locken, und wenn ja, womit (außer mit vielen Millionen &#x263A)?

Jeder ist käuflich, haha! Wenn ich allerdings sehe, wie manche Autoren in der Tretmühle der Verträge und des Erfolgsdrucks zermalmt werden, sollte ich mir das noch mal überlegen. Außerdem kenne ich das Verlagsgeschäft sehr gut. Ca. 35 Veröffentlichungen von mir waren in Printform. Aber um ganz ehrlich zu sein … so wirklich brauche ich das nicht. Aber wie gesagt … ab einer gewissen Summe …

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

Ganz schwierige Frage. Wer gerne zeitgenössische Literatur liest, sollte es mit ALLES AUF ANFANG versuchen. Der Fantasyleser findet in MITTLAND seine bisher fast 3000-seitige Welt, und der Thrillerfreund kann sich mit IN LIEBE, DEIN MÖRDER in Alpträume begeben.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

In diesem Jahr erscheint der neue Thriller SEI MEIN MÖRDER, außerdem der 2. Roman der dritten MITTLAND-Staffel. Beide Romane sind schon fertig.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

„Kaufe meine Bücher, und du bekommst einen korrekten Gegenwert! Denn nur darum geht es! Um Unterhaltung und um schöne Stunden, die dich vom Alltag ablenken. Viel Spaß beim Lesen!“

Volker, ich danke dir herzlich für deine Antworten.

Abb./Coverbilder: Volker Ferkau (c)

„Wir brauchen ein Post-Sci-Fi-Genre“: Alan N. Shapiro übersetzt Klaus Seibels Bestseller „Krieg um den Mond“

Was macht eine uralte Schraube auf dem Erdtrabanten? Als der Mond-Rover der NASA das seltsame Artefakt auf dem Erdtrabanten entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse: mit allen Mitteln versuchen die Amerikaner, das Geheimnis für sich zu behalten. Doch die Bilder der Rover-Kamera wurden live ins Internet übertragen – und zu den „Augenzeugen“ gehört Astrophysikerin Anne Winkler, Praktikantin bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Es beginnt ein globaler Wettlauf um die Daten und ihre Deutung, und zugleich ein neues Wettrennen der Supermächte: wer wird das Artefakt bergen? Neben den Europäern tritt nicht nur Russland, sondern auch China auf den Plan. Es ergeben sich ungewöhnliche Allianzen, und ungeahnte Chancen: die ESA-Praktikantin wird für eine internationale Mondmission nominiert – doch damit beginnt erst das eigentliche Abenteuer.

Transatlantische Sci-Fi-Kooperation

Was wie der Plot eines Sci-Fi-Thriller aus den USA klingt, stammt tatsächlich aus der Feder des deutschen Bestseller-Autors Klaus Seibel: der Roman „Krieg um den Mond“ ist seit letztem Jahr im Kindle-Store von Amazon.de zum Bestseller avanciert. Doch die USA spielt trotzdem eine wichtige Rolle: „Krieg um den Mond“ hat nämlich gerade den Sprung über den großen Teich angetreten – unter dem Titel „The Screw on the Moon“ startete das Buch vor wenigen Tagen im US-Kindle-Store. Besonderer Hingucker: Als Übersetzer konnte Klaus Seibel den prominenten Science-Fiction- und Medientheoretiker Alan N. Shapiro gewinnen, vielen Trekkies bekannt durch den Klassiker „STAR TREK: Technologien des Verschwindens“.

„Ich kannte Alan Shapiro von einem anspruchsvollen technischen Übersetzungsprojekt. Von daher wusste ich, dass er sich wissenschaftlich mit Science Fiction beschäftigt“, so Klaus Seibel über diese ungewöhnliche Sci-Fi-Kooperation quer über den Atlantik. „Ich dachte, jemand, der am MIT studiert hat und ein wissenschaftliches Buch über Star Trek geschrieben hat, muss ein außergewöhnlicher Mensch sein, der auch für ungewöhnliche Ideen offen ist“. Als Shapiro das nächste Mal nach Deutschland kam, stellte ihm Seibel das Projekt vor: „Alan erklärte sich bereit, ‚Krieg um den Mond‘ zu lesen – und für mich begann das spannende Abwarten. Wie würde er es aufnehmen?“

„Gegenwart braucht ein Post-Science-Fiction-Genre“

Tatsächlich gefiel Shapiro nicht nur die Story selbst, sondern auch die Idee, sie zu übersetzen und dem amerikanischen Publikum zugänglich zu machen. „Es ist ein beeindruckend gut geschriebener Roman, ausgedacht von einem Autor, der ganz offensichtlich ein sehr gutes Gespür für Erzähltechniken besitzt“, so Shapiro über Klaus Seibel und dessen Mond-Roman. „Das Buch ähnelt dem Science-Fiction-Genre, unterscheidet sich aber auch zugleich von den meisten Sci-Fi-Narrativen, so wie wir sie kennen“, findet der Übersetzer von „The Screw on the Moon“. Gerade weil Seibels Geschichte nicht in die klassische Schublade passe, habe ihn das Project gereizt: „Ich glaube, genau diese Art der Fiktion brauchen wir in der Gegenwart des Jahres 2013: so etwas wie ein ‚Post-Science-Fiction‘-Genre.“

„Quasi-realistische Gegenwart“

Dazu zählt Shapiro auch Seibels letzten Thriller „Schwarze Energie“, der am Genfer Kernforschungszentrum CERN spielt. Beide Romane würden mit sehr viel Vorwissen an Themen wie Wissenschaft, Technologie, Gesellschaft oder Geo-Politik herangehen, zugleich aber auch an die alltäglichen persönlichen Krisen, wie sie das stressige Leben im 21. Jahrhundert mit sich bringt. „Diese Storys sind in einer quasi-realistischen Gegenwärt angesetzt, nicht in einer imaginären oder fantastischen Zukunft. Sie halten sich bei der Beziehung zwischen dem, was ist, und dem was sein könnte, sehr genau an die komplexe Topologie unserer aktuellen Raum-Zeit-Konfiguration“.

„Deutsche Sci-Fi auf Augenhöhe mit US-Meistern“

Raum und Zeit sind natürlich auch davon beeinflusst, dass Seibel in Europa lebt. So spielt „Krieg um den Mond“ nicht nur im Kennedy Space Center von Cape Canaveral, sondern vor allem im hessischen Darmstadt, Sitz des „European Space Operations Centre“ der ESA. „‚The Screw on the Moon‘ zeigt, dass Sci- Fi in deutscher Sprache, angesiedelt im europäischen Sozial- und Technik-Kontext, sich auf Augenhöhe bewegt mit Werken von Berühmtheiten wie Philip K. Dick, Samuel R. Delany, Arhur C. Clarke oder Isaac Asimov“, lobt Shapiro. Außerdem seien die in Seibels Romanen enthaltenen Ideen eine Inspirationsquelle, um neu über die soziale und technologische Gegenwart nachzudenken: „Deswegen war es wichtig für mich, das Buch selbst zu übersetzen – ich habe mich dabei bemüht, eine Balance zwischen meinem American English und dem Flavor des Originals zu finden.“

[e-book-review] „Zehntausend Augen“: Klaus Seibels Cyber-Krimi richtet die Chat-Cam auf’s LKA

„Die Stadt beobachtet mich mit Tausenden Augen“, beschreibt der New Yorker IT-Experte Adam Greenfield seine Vision der Smart City im Jahr 2025. „Sie ist voller intelligenter Geräte, die wissen, was ich will und wohin ich meine Schritte als nächstes lenke“. Was der Ubiquitous-Computing-Visionär gerade in einem SPIEGEL-Interview freudig ausmalte, dürfte viele Bürger eher beunruhigen. Polizei und Sicherheitsbehörden dagegen frohlocken. Doch vielleicht freuen sie sich ja zu früh. Denn auch Ordnungshüter können schließlich zum Ziel von Cyber-Attacken werden. Genau an diesem Punkt setzt Klaus Seibels neuer Thriller „Zehntausend Augen“ an, der vor kurzem als E-Book im Emons-Verlag erschienen ist.

„Bitte sorgen Sie für genügend Bandbreite“

Alles beginnt mit einem Bombenanschlag mitten in Berlin. Ein unbekannter Erpresser sprengt eine Litfaßsäule, und hinterläßt ein rätselhaftes Paket mit der Aufschrift „Für die Polizei“. Noch eine Höllenmaschine? Der ermittelnden Kriminalkommissarin Ellen Faber ist bald klar: dies ist kein Fall wie alle anderen. Denn der Erpresser droht in einem beigelegten Brief nicht nur mit weiteren Anschlägen, er schickt dem Landeskriminalamt Chat-Cams und Mikrofone. Und fordert: „Damit die Bevölkerung – und auch ich – sehen können, das Sie zufriedenstellend arbeiten, richten Sie die Kameras wie folgt ein: Die Kameras 1 und 2 sollen die Einsatzzentrale des Sonderkommandos zeigen, das Sie aufstellen, um mich zu fassen. Die dritte Kamera soll einen großen Monitor zeigen, auf dem Sie selbst das Internet verfolgen. Die vierte Kamera dient der direkten Kommunikation mit mir.“ Außerdem rät der Bombenleger den Ermittlern noch, für genügend Bandbreite zu sorgen.

Polizeilicher Striptease vor der Kamera

Tatsächlich schnellen die Zugriffszahlen des Polizei-Servers bald in die Höhe, denn der Erpresser versorgt auch die Massenmedien mit gezielten Informationen. Ein absurdes Spiel mit vielen Leveln beginnt, und die Berliner Polizei muss wohl oder übel mitspielen. Der Täter scheint nämlich über ansehnliche Mengen Plastiksprengstoff aus NVA-Beständen zu verfügen. Ansonsten weiß man fast nichts über ihn. Gekonnt schafft es der Cyber-Gangster, alle Spuren in den Weiten des Internets zu verwischen. Mit der Drohung, einen BVG-Bus in die Luft zu jagen, zwingt er die Kommissarin sogar, sich vor laufenden Kameras auszuziehen. Doch das Motiv bleibt im Unklaren: geht es um Geld? Geht es um Rache? Geht es um Politik? Oder am Ende um die Kriminalkommissarin Ellen Faber selbst? Denn irgendwann wird klar: der unbekannte Erpresser hat seine virtuellen Augen überall, auch in ihrem Privatleben.

Auf den Spuren des Hamburger Dogmas

Wenn Klaus Seibels Thriller den Leser in seinen Bann zieht, liegt das nicht nur an der zeitgemäßen Story, sondern auch an der klaren, knappen Sprache. Somit denkt man bei der Lektüre nicht nur an explosionsfreudige Berlin-Krimis wie „Feuer für den großen Drachen“ von -ky oder „Feuer im Aquarium“ von Ralph Gerstenberg, sondern ebenso an legendäre Dogma-Krimis à la Gunter Gerlachs „Falsche Flensburger“. Auf konkrete Vorbilder möchte sich der bei Frankfurt am Main lebende Mitt-Fünfziger Seibel allerdings nicht berufen. Eher darauf, als ehemaliger Pastor ein besonderes Stilgefühl und einen Sinn für Suspense zu besitzen: „Auch Predigten sollen ja spannend sein“. Hinzu kommt eine besondere Menschenkenntnis, denn als Seelsorger habe er Menschen „vom Bettler bis zum Millionär“ kennengelernt, und „übrigens auch Mörder“.

„Meine Region ist das Internet“

Später sattelte Seibel auf Betriebswirtschaft um, und arbeitet mittlerweile als Vertriebsleiter eines Softwarehauses – was vielleicht den technischen Hintergrund des Plots von „Zehntausend Augen“ erklärt. Herausgebracht wird der Thriller vom Kölner Emons-Verlag, der sich auf Regio-Krimis spezialisiert hat. Berlin als wiedererkennbare (Stadt-)Landschaft spielte beim Schreiben allerdings gar nicht so eine große Rolle. „Die eigentliche Region in meinem Buch ist das Internet“, findet Seibel. Dort ist der Autor auch als Selbstvermarkter aktiv – sein Sci-Fi-Debutroman „Krieg um den Mond“ erschien ausschließlich via Self-Publishing, ebenso eine Reihe von Kurz-Krimis. Gute Positionierungen im Kindle-Store haben Seibel davon überzeugt, in Zukunft zweigleisig zu fahren. Wer „Zehntausend Augen“ bis zu Ende gelesen hat, kann sich auf jeden Fall denken, was wohl als nächstes kommt: eine Fortsetzung.

Klaus Seibel,
Zehntausend Augen.
Kriminalroman
epub (Weltbild) 8,49 Euro
Kindle-Book (Amazon) 8,49 Euro
Paperback (Amazon) 10,90 Euro

Weitere Informationen zum Autor findet man übrigens auf www.kseibel.de

Abb.: flickr/Jer Kunz