Immer an die Leser denken: Süddeutsche Zeitung startet Klassiker-eBibliothek

Beim Kaffeeröster gibt’s E-Reader, an der Tankstelle Vollkornbrot, und die Praxis Dr. Hasenbein diversifiziert in Richtung Mode („auch Schuhverkauf“). Was liegt näher? Nun, vielleicht eine Zeitung, die Content in Buchform unter die Leute bringt. Wie das geht, macht die Süddeutsche Zeitung schon seit zehn Jahren recht erfolgreich vor: 2004 startete mit Milan Kunderas „Unerträglicher Leichtigkeit des Seins“ die inzwischen legendäre „SZ-Bibliothek“, mit der vom Feuilleton des Blattes insgesamt 100 ausgewählte und fleißig beworbene Romanklassiker des 20. Jahrhunderts unters Volk gebracht wurden, bald gefolgt von Kinderbüchern, Kriminalromanen, Hörbüchern, Filmen etc.

An diesem Wochenende erscheint mit der „SZ eBibliothek“ nun die digitale Variante der Klassiker-Bibliothek, berichtet der Brancheninformations-Dienst kress – allerdings eher als Gourmand-Variante: alle 50 Titel werden gleichzeitig veröffentlicht, darunter so unterschiedliche Werke wie Uwe Tellkamps „Turm“, Bruce Chatwins „Traumpfade“ oder Brigitte Kronauers „Die Kleider der Frauen“. 250 Euro kostet das komplette Paket, Genre-Päckchen (Liebesromane, Familienromane, Coming-of-Age-Novels, etc.) mit jeweils 5 Romanen gibt’s für 30 Euro, Abonnenten erhalten einen Rabatt. Zwecks Realisierung der elektronischen Bibliothek ging die SZ mal wieder kräftig auf Lizenz-Einkaufstour bei zahlreichen großen und kleinen Verlagen, bei manchen Titeln musste aber wohl auch direkt mit Autoren-Erben oder Übersetzern verhandelt werden. Erwerben kann man den geballten E-Lesestoff im einschlägigen E-Bookhandel, z.B. über die Tolino-Allianz.

Hinter dem Konzept steckt interessanterweise Dirk Rumberg – der hatte schon 2004 als frischgebackener Leiter der SZ-Abteilung „New Products and Services“ die erste Papierversion der SZ-Bibliothek betreut, inspiriert durch das Vorbild von „La Repubblica“. Unterstützt durch Kiosk- und Zeitschriftenhandel konnten im Laufe der Zeit mehr als 11 Millionen Exemplare verkauft werden. Ein nettes Zusatzgeschäft, und zudem gute Werbung für die Marke SZ. Doch als es während der Wirtschaftskrise 2008 dann mit der unerträglichen Leichtigkeit des Zeitung-Seins endgültig vorbei war, wurde Rumberg von den neuen Eigentümern des SZ-Verlags geschasst, Konzentration auf’s Kerngeschäft lautete die Devise. Im Jahr 2014 ist Rumberg plötzlich wieder da – vom Kerngeschäft ist ja auch nicht mehr ganz so viel übrig. E-Books jedenfalls scheinen nun genauso dazuzugehören wie Apps und E-Paper.

Das Tablet der toten Dichter: iBooks integriert Public-Domain-Bibliothek von Project Gutenberg

ipad-project-gutenberg e-book bestseller.gifPunktsieg für Apple – wenige Tage vor dem iPad-Start in den USA wird ein weiterer Content-Deal publik: mit der Integration der Public-Domain-Bibliothek von Project Gutenberg stehen den Nutzern von Apples neuem Tablet mehr als 30.000 E-Book-Klassiker im epub-Format umsonst zur Verfügung. Sparen können iPad-Besitzer offenbar auch bei Bestsellern – viele Top-Titel der US-Rankinglisten gibt es in der Launch-Phase zum Kampfreis von 9,99 Dollar.

Willkommen im E-Book-Club der toten Dichter: 30.000 Gratis-Klassiker für iBooks


Willkommen im E-Book-Club der toten Dichter – mit Apples jüngstem Coup wird das iPad nach Informationen von AppAdvice zum Entreebillet zur klassischen Weltliteratur. Zumindest in den USA, wo iBooks von Anfang an zur Grundaustattung des heißbegehrten Tablet-PCs gehören wird. Möglich macht das Apples Entscheidung, auf den Branchenstandard epub zu setzen – auch die Klassiker von Project Gutenberg gibt es seit einiger Zeit in diesem Format. Deutsche Leser sollten sich allerdings nicht zu früh freuen. Nicht nur, weil iBooks hierzulande erst später starten wird. Denn es geht wohlgemerkt nicht um das „Projekt Gutenberg“, sondern die internationale Variante. Dort findet man zwar auch knapp 700 deutsche Klassiker. Doch der Löwenanteil – mehr als 26.000 Titel – betrifft englischsprachige Titel.

NYT-Bestseller für 9,99 Dollar: Apple bietet Amazon beim E-Book-Pricing kräftig Paroli


Die Nase vorn hat die Apple-Kundschaft jenseits des Atlantiks auch beim Pricing kommerzieller E-Book-Titel. Bei den meisten elektronischen Versionen von Bestsellern etwa aus der New York Times-Auswahlliste hat Steve Jobs etwa für Schwellenpreise gesorgt, die mit Amazon auf Augenhöhe sind. Und das bedeutet: es gibt diese E-Books für 9,99 Dollar. Das überrascht natürlich, denn die großen US-Verlage hatte Apple ja gerade mit dem Versprechen ins Boot geholt, bessere Margen zu garantieren als Amazon. Doch zumindest für die Markteinführung des neuen Tablets wird nun offenbar eine offensive Niedrigpreis-Politik gefahren. Aus deutscher Perspektive bleibt auch diese Episode der E-Book-Wars nur ferner Schlachtendonner – die Buchpreisbindung sorgt nach dem iPad-Launch für Ruhe an der Pricing-Front. Erfreulich für die Verlage – ärgerlich für die Leser, und letztlich auch für Apple. Denn iBooks ist eben als das iTunes für Bücher ausgelegt, ähnlich wie bei iPhone und iPod Touch soll günstiger Content als Kaufanreiz für die Hardware fungieren. Die Auswahl hierzulande wird wohl etwas anders aussehen: entweder 25 Euro für den neuen Sci-Fi-Thriller von Frank Schätzing hinlegen, oder Jules Vernes Reise zum Mond gratis lesen.