Jeff Bezos: „E-Books sind für uns jetzt ein Multi-Milliarden-Geschäft“

Schneller, höher, weiter: Amazons Pressemitteilungen lesen sich oft wie Rekordmeldungen – die vierteljährlichen Geschäftsberichte erst recht. Genaue Zahlen zu einzelnen Bereichen gibt’s allerdings fast nie. Umso erstaunlicher die aktuelle Meldung zum vierten Quartal 2012: „Nach 5 Jahren [seit Einführung des Kindle-Readers] sind E-Books jetzt eine Multi-Milliarden-Dollar-Kategorie für uns und wachsen rasant – im letzten Jahr insgesamt etwa 70 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichneten wir bei den gedruckten Büchern im vergangenen Dezember mit fünf Prozent die geringste Wachstumsrate, seit dem wir vor 17 Jahren als Online-Händler an den Start gegangen sind.“

„Wir haben diesen Übergang erwartet“

Der Gesamtumsatz lag im vierten Quartal bei knapp 21 Mrd. Dollar, ein Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Durchaus beachtlich. Doch dass hier zugleich ganz freimütig ein Abflachen des Kerngeschäfts bekanntgegeben wurde, sorgte in der Branche für einiges Aufsehen – auch wenn Bezos hinzufügte: „Wir sehen hier den Übergang, den wir erwartet haben.“ Weitaus interessanter ist tatsächlich das ungebrochen starke Wachtsum im E-Book-Sektor. Bisher war die Erfolgsgeschichte elektronischer Bücher eng mit dem Siegeszug der klassischen Kindle-Reader verknüpft. Doch der neigt sich dem Ende zu, im Jahr 2012 gab es weltweit einen deutlichen Rückgang im E-Ink-Sektor. Amazon hat es also geschafft, den Kindle-Store von der ursprünglichen Geräteplattform zu entkoppeln, vor allem mit Hilfe der Kindle-App, die bereits sehr früh auch auf Apple-Tablets und Smartphones lief.

Kunden bleiben bei Amazon

Mittlerweile besitzt Amazon zudem einen strategischen Brückenkopf in der Android-Welt: jedes dritte Android-Tablet in den USA ist ein Kindle Fire. Genauso wichtig wie E-Books sind auf dem Fire natürlich die kostenlosen Streaming-Videos für Prime-Mitglieder, die den Multimedia-Umsatz zusätzlich anheizen. Ein Grund mehr, warum Jeff Bezos kein Blatt vor den Mund nehmen musste: Selbst wenn viele Kunden keine gedruckten Bücher mehr kaufen, sie konsumieren auch weiterhin Amazon-Produkte. Das sehen wohl auch die Anleger so. Nicht ganz zufällig errreichte die Amazon-Aktie gerade ihren historischen Höchststand.

Abb.: flickr/401 (K) 2013 (cc-by-sa)

Der Mann, der dem Kindle den Namen gab: Michael Cronan (1951-2013)

Wenn man bei Produkten das Wesen aus dem Namen lesen kann, stehen dafür zumeist Produktdesigner Pate, die selbst anonym bleiben. Bei Amazons Kindle verlief das etwas anders – denn der Namensgeber des 2007 gestarteten Readers war in der Branche kein Unbekannter. Als der Grafikdesigner und Marketing-Experte Michael Cronan von Amazon-Chef Jeff Bezos angeheuert wurde, hatte er der US-Populärkultur bereits seinen Stempel aufgedrückt. In den Neunziger Jahren verpasste Cronan nämlich dem Videorekorder-Hersteller Teleworld ein neues Image – die Firma vermarktete ihren neuesten, digital aufzeichnenden Rekorders als „TiVo“ (für Television Input / Video Output), und machte die Neuschöpfung zukünftig auch gleich zum Firmennamen. Mittlerweile ist „TiVo“ jenseits des Atlantiks zum Synonym für Festplattenrekorder schlechthin geworden. Ähnliches sollte Cronan mit dem Kindle gelingen.

Die Zukunft des Lesens – ohne großes Tamtam

Während im Silicon Valley in Amazons geheimem „Lab 126“ am Prototypen des E-Ink-Readers gearbeitet wurde, gab es lediglich den Working-Title „Fiona“. Nachdem der Auftrag zum „Branding“ vergeben wurde, stellte sich Michael Cronan zunächst die Frage: Worum geht es eigentlich bei diesem Projekt? Jeff Bezos wollte mit seinem neuen Gadget die Zukunft des Lesens verändern. Aber bitte ohne allzu großes Tamtam – das Produkt selbst sollte nur Mittel zum Zweck sein. Megalomanie war also auch beim Namen nicht angesagt. Gesucht wurde nach einem Begriff, der leicht von den Lippen ging und sich im alltäglichen Sprachgebrauch gut einprägen würde. So kam Cronan am Ende auf das wohlklingend-literarische Wort „Kindle“, abgeleitet vom Verb „to kindle“, was soviel bedeutet wie anfachen, anregen, aufflackern lassen. Zu einem gerne zitierten Beleg bei klassischen Autoren gehört eine Stelle in Voltaires „Lettres philosophiques“ (in engl. Übersetzung natürlich): „The instruction we find in books is like fire. We fetch it from our neighbours, kindle it at home, communicate it to others and it becomes the property of all.“ Der Wortstamm kyndill steht im altnorwegischen für „Kerze“ („Candle“). Etwas kleiner als die Fackel der Aufklärung, aber auch ein großes Feuer beginnt mit einer kleinen Flamme.

Zündfunke für einen Flächenbrand

Bereits der Start des Kindle erwies sich tatsächlich als Zündfunke für einen Flächenbrand. Mit 100.000 Geräten ging Amazons Reader am 19. November 2007 an den Start – und war schon nach wenigen Stunden komplett ausverkauft. Fünf Jahre später ist Amazon immer noch Marktführer: Von der ersten (Kindle 1) bis zur fünften E-Ink-Generation (Kindle Paperwhite) wurden weltweit zwischen 40 und 50 Millionen Geräte verkauft, zwei von drei geshoppten E-Books in den USA wurden 2012 im Kindle-Store heruntergeladen. Nicht nur für viele Amerikaner gibt es kaum noch einen Unterschied zwischen „Kindle“ und „E-Reader“. Selbst der Erfolg des noch vergleichsweise brandneuen Android-Tablets „Kindle Fire“ zehrt vom eingeführten Namen mit dem großen K. Seit Neujahr sind die Reader und Tablets allerdings Halbwaisen: denn im Alter von nur 61 Jahren ist ihr Namensgeber Michael Cronan am 1. Januar 2013 in San Francisco gestorben.

Tipp: Mehr zu den Anfängen der Kindle-Story erfährt man in „Vom Buch zum Byte – Kurze Geschichte des E-Books“.

Abb.: Montage aus Wikipedia (1) & Wikipedia (2)

Absatzeinbruch um 36 Prozent: Geht das Zeitalter des klassischen E-Ink-Readers zu Ende?

Gerade erst feierte Amazon den fünften Geburtstag des Kindle-Readers – und damit die Geschichte eines rasanten Aufstiegs vom Nischenprodukt zum Killer-Gadget. Doch der klassische E-Ink-Reader scheint bereits den Zenit seines Erfolgs überschritten zu haben, denn die Absatzzahlen bröckeln: erreichten sie in den USA im Jahr 2011 mit 23 Millionen Stück ihr Allzeithoch, so brach der Absatz in diesem Jahr um 36 Prozent auf nur noch 15 Millionen Stück ein. „Gehen die E-Reader nun den Weg der Dinosaurier?“, fragt nun bereits der Branchenblog iSuppli, und prognostiziert einen weiteren Rückgang: 2013 werden wohl nur noch knapp 10 Mio. Exemplare ausgeliefert, im Jahr 2016 schließlich schlappe 7 Millionen. Damit würde der E-Reader-Markt innerhalb von 5 Jahren zwei Drittel seines Volumens verlieren – „selbst im Bereich der gewöhnlich kurzen Lebenszyklen im volatilen Bereich der Unterhaltungselektronik eine unerhörte Entwicklung“.

Dedizierte Lesegeräte vs. Multifunktions-Tablets

Schuld am Aussterben der „dedizierten“ Lesegeräte ist nicht zufällig das Multitalent namens Tablet. Seit dem iPad-Start im Jahr 2010 haben die multimedial angelegten Touchscreen-PCs den Markt für mobile Geräte komplett auf den Kopf gestellt. Der E-Reader teilt insofern das Schicksal anderer Gadgets wie Digitalkameras, MP3-Player oder GPS-Geräte, die ebenfalls nur für einen Verwendungszweck konzipiert wurden. Ähnlich dürfte deswegen auch die Antwort der E-Reader-Hersteller auf den Konkurrenzdruck durch iPad & Co. ausfallen – die Kosten müssen noch weiter gesenkt werden. Auch auf dem deutschen Markt bleibt da noch etwas Spielraum: Mit Preisen zwischen 50 und 70 Euro für einfache Tastenreader und zwischen 70 und 100 Euro für Touchscreen-Geräte ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Amazon setzt auf Doppelstrategie

Die beste Strategie könnte jedoch darin bestehen, zweigleisig zu fahren – so wie es beispielhaft Amazon vorführt: die aktuellen Kindle-Verkaufsrekorde am „Cyber-Monday“ waren bereits ein kumulierter Effekt von klassischen Kindle-Readern und den brandneuen Versionen des Kindle Fire-Tablets. Anders als die traditionelle Buchhandels-Konkurrenz verkauft Amazon allerdings auch eine breite Palette an Multimedia-Angeboten wie etwa Apps oder Video-Streaming, und kann das Fire-Tablet als perfekte mobile Shoppingplattform nutzen. Das ermöglicht es, das Kindle Fire selbst hart am Herstellungspreis zu vertreiben, ohne dass die Gesamtrechnung Schaden nimmt. Für klassische Buchhändler dagegen dürfte der Abschied vom E-Reader deutlich schwieriger werden – denn mit systemoffenen Android-Tablets wie etwa dem von Weltbild werden die Kunden im Zweifelsfall nicht nur zur E-Book-, sondern vor allem zur Non-Books-Konkurrenz gelenkt.

Abb.: matteopenzo/Flickr

KindleBerry Pi: Neuer Hack macht E-Ink-Display zum PC-Monitor

Wenn man mit einer Bluetooth-Tastatur das iPad oder ein Android-Tablet zum echten Laptop machen kann, warum eigentlich nicht auch einen E-Reader? Immerhin bekommt man dann einen flimmerfreien, garantiert augenfreundlichen Monitor. Genau das dachte sich offenbar der britische Elektronik-Bastler Geoffrey Tremblay, der mit minimaler Ausrüstung auf eine Europa-Rundreise gehen wollte. Mit dabei waren ein Kindle 3 („Tasten-Kindle“), eine Digi-Cam, ein Android-Smartphone sowie der nur kreditkartengroße Mini-Experimentier-Computer Raspberry Pi.

„Der Plan bestand darin, das Kindle als Screen zu benutzen, dazwischen die Rechenpower des Raspberry Pi, und am anderen Ende eine externe Tastatur, um komfortabel arbeiten zu können. Da man kein Keyboard direkt an den E-Reader anschließen kann, musste ich den Raspberry Pi als ‚Hub‘ nutzen. Die Bastelei startete, und am Ende wurde daraus das KindleBerryPi“, schreibt Tremblay auf seinem Blog. Wer will, kann also mit der kostenlos erhältlichen Bastelanleitung jetzt E-Books auf dem E-Book-Reader schreiben…

Alles, was man an zusätzlicher Hardware braucht, sind zwei Mikro-USB-zu-USB-Kabel, um den Mini-PC mit dem Kindle wie auch einem USB-Netzteil zu verbinden. Damit das Kindle überhaupt mitspielt, muss man einen sogenannten „Jailbreak“ durchführen, nach dem sich das unter der normalen Oberfläche laufende Linux-System direkt nutzen lässt. Das Kindle wird dann mit dem Raspberry Pi via USB vernetzt, und mit Hilfe einer speziellen Screencast-Funktion wird das E-Ink-Display am Ende zum Bildschirm für den Minicomputer, auf dem ebenfalls Linux läuft.

Das gesamte Verfahren ist immer noch etwas experimentell, und nicht ganz ohne Risiko: wenn etwas schiefläuft, kann das Kindle am Ende zu wertlosem Plastikschrott werden, warnt Tremblay. Als Konzeptstudie jedoch zeigt „KindleBerry Pi“, was in Zukunft alles möglich sein könnte. Als noch besserer Kandidat für ein improvisiertes E-Ink-Laptop könnte sich übrigens der Nook Touch von Barnes&Noble eignen – bereits Anfang 2012 schaffte es ein US-Hacker, mit Hilfe eines Software-Hacks den Reader direkt mit einem USB-Keyboard zu verbinden.

Abb.: Geoffrey Tremblay, ponnuki.net

Scharfe Lektüre: Neue E-Ink-Kindles mit HD-Auflösung (768×1024 Pixel) in Vorbereitung?

Das angekündigte Amazon-Event am 6. September lässt die Gerüchteküche rund um Tablets und Reader kräftig brodeln. Klar scheint schon mal eins zu sein: vorgestellt wird wohl die neue Kindle-Produkt-Palette. Doch gerade bei den klassischen E-Ink-Readern gibt’s zahlreiche Spekulationen. Kommt ein Farb-Display? Kommt ein GlowLight-Display? Eine besonders interessante These hat nun GeekWire aufgestellt. Das wie Amazon selbst in Seattle beheimatete Technologie-Blog will nämlich von einem Branchen-Insider erfahren haben, dass Jeff Bezos‘ Entwickler gerade ein Display mit XGA-Auflösung (768×1024 Pixel) testen, und tippt auf ein neues Screen für die E-Ink-Modelle. Das wäre gegenüber der aktuellen Auflösung (640×800) ein deutlicher Sprung nach vorn.

Während die Kindle-Reader bisher ein gutes Schriftbild durch die Kombination von Anti-Aliasing und optimierte Fonts erreichen, könnte ein HD-Display die Lektüre auf dem E-Ink-Display von Grund auf verbessern. Immerhin stehen dann statt 512.000 plötzlich 786.000 Pixel zur Verfügung, ein plus von mehr als 60 Prozent. Das stellt allerdings auch größere Herausforderungen an die Prozessor- und Akkuleistung, wenn man keinen Geschwindigkeitsverlust beim Umblättern bzw. Screen-Refresh in Kauf nehmen möchte. Technisch machbar ist XGA aber schon längst, wie etwa der in den USA als „Google-Reader“ vermarktete iRiver Story HD beweist. Der Display-Hersteller LG hat kürzlich sogar ein flexibles E-Ink-Screen mit XGA-Auflösung vorgestellt.

Die besondere Herausforderung würde natürlich für Amazon darin liegen, neben hoher Auflösung auch noch Touch-Screen-Funktionalität zu integrieren. Schon beim aktuellen Kindle-Touch mussten dabei allerdings einige Kompromisse eingegangen werden – das Gerät ist deutlich schwerer und größer geraten als die klassischen Tasten-Kindles. Abgesehen von höheren Kosten dürfte das ein Hauptgrund dafür sein, dass bisher auch Konkurrenten von Barnes&Noble bis zu Sony auf HD-Displays in E-Ink-Readern verzichtet haben. Doch E-Ink steht unter Innovationsdruck: neue Features müssen her, um auch weiterhin gegenüber Multifunktions-Tablets punkten zu können. Dort hat nicht zuletzt Apple – siehe Retina-Display – gerade an der Auflösungs-Schraube gedreht. Der Wettbewerb könnte also im Herbst auch bei E-Readern an Schärfe zunehmen…

Abb.: Mike Licht/Flickr

Sommerloch-Spezial: Mit dem Kindle in die Badewanne?

Lesen in der Badewanne oder im Pool – fast wäre dieses Sommerloch-Thema an uns vorbeigegangen. Okay, natürlich können E-Books an sich gar nicht nass werden, genauso wenig wie das elektronische Geld auf dem Girokonto. Doch was bei gedruckten Büchern ein gewisses Risiko darstellt (Platsch!), ist es bei E-Readern natürlich erst recht. Ein Gerät für hundert Euro oder mehr möchte man nicht mal eben so im Badeschaum versenken. Die einfachste Lösung lautet deswegen: Druckverschluss-Beutel. Also eine wiederverschließbare Plastik-Tasche, wie man sie normalerweise für Gefriergut verwendet. Zumindest Spritzwasser sollte damit kein Problem mehr bereiten, und auch ein kurzes Untertauchen nicht als Katastrophe enden.

Touch-Screen-Geräte im Plastikbeutel

Joanna Cabot von Teleread hat nun die Probe aufs Exempel gemacht – interessanterweise mit Touch-Geräten. Umgeblättert wird bei Kobo Touch, Kindle Touch sowie iPod Touch schließlich mit dem Finger auf dem Display. Doch funktioniert das noch, wenn sich dazwischen eine Plastikfolie befindet? Der Intuition nach sollte es bei Touch-Geräten, die Infrarot-Technik nutzen, einfacher sein als bei Gadgets wie iPod Touch oder iPad. Denn deren kapazitive Screens erfassen Bewegungen über Veränderungen des elektrischen Widerstands.

Mit kapazitiven Displays kein Problem

Tatsächlich lief es beim improvisierten Test in der Wanne aber genau umgekehrt – die Lektüre mit Kobo Touch und Kindle Touch wurde durch die Druckverschluss-Tasche beinahe unmöglich, vor allem das Umblättern bereitete Probleme. Was natürlich nicht einer gewissen Ironie entbehrt – denn auch ein noch so spannenden Buch aus Papier ist im Plastikbeutel kein echter Page-Turner mehr. Mit dem iPod Touch dagegen lief die Interaktion zwischen Finger und Touch-Screen auch durch die transparente Folie gewohnt flüssig ab.

Noch besser: die 100% wasserdichte Lösung

Wer elektronische Bücher in Feuchträumen oder maritimen Umgebungen schmökern möchte, sollte also besser zum Smartphone oder Tablet greifen. Oder zu einem Tasten-Reader, denn die Mechanik von Umblätter-Tasten wird natürlich erst recht nicht durch einen Druckverschluss-Beutel beeinträchtigt. Am allerbesten wäre es natürlich, etwas Geld in eine Spezial-Tasche zu investieren, die tatsächlich eine hundertprozentig wasserdichte und hermetische Verriegelung garantiert. Die gibt’s nicht nur für Fotoapparate, sondern auch für mobile Gadgets aller Art. E-Reader bis 7 Zoll passen etwa in den wasserdichten Aquapac-Beutel, der ab 30 Euro angeboten wird.

Abb.: gothick_matt/Flickr

iPad kein Kindle-Killer: Marktforscher sehen friedliche Koexistenz von E-Reader & Tablet

Tablets wie das iPad gelten als potentielle Kindle-Killer. Doch eine aktuelle Marktstudie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) gibt nun Entwarnung: E-Reader-Hersteller müssen keine Angst vor Kannibalisierungseffekten zwischen den mobilen Geräte-Kategorien fürchten. Zwar lesen gut sechs von zehn deutschen Tablet-Nutzern gelegentlich auch elektronische Bücher auf ihrem Flachrechner. Trotzdem möchte die Mehrzahl der schmökernden Tablet-Besitzer hierzulande nicht auf einen zusätzlichen E-Book-Reader verzichten. Satte 40 Prozent von 500 befragten Tablet-Anwendern nannten zusätzlich auch einen spezialisierten E-Reader ihr Eigen. Außerdem ist jeder fünfte, der bislang keinen E-Reader besitzt, weiterhin am Kauf eines Lesegerätes interessiert.

Lesen auf dem Tablet als „Einstiegsdroge“

Damit bestätigt sich ein bereits aus den USA bekannter Trend – die vergleichsweise niedrigen Preise für E-Ink-Geräte machen den Kauf eines zusätzlichen E-Readers auch für Tablet-Anwender attraktiv. Tablets wirken für das elektronische Lesen offenbar geradezu als „Einstiegsdroge“: „Die Ergebnisse der Studie bestätigen unsere These, dass Tablets an digitale Bücher heranführen und Vielleser dann zum spezialisierten Gerät greifen. Dennoch sind auch Tablets eine interessante Plattform für das E-Book, wenn Verlage die Möglichkeiten der Geräte konsequent nutzen“, so Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC. Die Zahl der E-Reader in deutschen Haushalten liegt mittlerweile bei 1,6 Millionen, rechnet man lesefähige Tablets hinzu, kommt man insgesamt auf 3,2 Millionen Lesegeräte.

E-Leser erwarten Preisvorteil gegenüber Print

Der Tablet-Boom hilft der Buchbranche offenbar vor allem dabei, jüngere Leser als neue Kunden zu gewinnen. Der PwC-Umfrage zufolge verbringt jeder fünfte Tablet-Nutzer zwischen 16 und 29 Jahren mehr Zeit mit Büchern, seitdem er ein solches Gerät besitzt. Dabei stehen in dieser Zielgruppe die E-Books im Fokus: Fast 50 Prozent der jüngeren Befragten greifen seltener zu Taschenbuch und Hardcover als vor Anschaffung des Tablets. Insgesamt liest etwa jeder dritte Tablet-Besitzer seltener oder gar keine gedruckten Bücher mehr. Gerade bei den Twenty-Somethings wächst zudem die Zahlungsbereitschaft für elektronischen Lesestoff: nur 11 Prozent der Konsumenten unter 29 Jahren gaben an, kein Geld für E-Books auf dem Tablet ausgeben zu wollen. Doch über den Tisch ziehen lassen möchten die Nachwuchsleser sich dabei aber nicht – sie erwarten einen erkennbaren Preisvorteil gegenüber dem gedruckten Buch.

Abb.: flickr/Kodomut

Tablet toppt E-Reader: Beim Wiederverkaufswert hat iPad gegenüber Kindle die Nase vorn

Bei digitalen Gadgets ist es wie mit Gebrauchtwagen. Schon während der ersten zwölf Monate erleiden sie einen beträchtlichen Wertverlust. Doch gerade Apple-User wissen, es gibt da gewisse Unterschiede. Nicht nur hippe MacBooks, sondern auch iPads sind auch aus zweiter Hand noch recht teuer. Das bestätigen nun auch Daten des US-Elektronik-Resellers Gazelle. Während ein iPad sich nach einem Jahr durchschnittlich zum halben Neupreis verticken lässt, müssen sich Kindle-Besitzer auf einen Wertverlust von 75 Prozent einstellen. Insgesamt soll die Wertverlustkurve bei Amazons Lesegeräten 22 Prozent schneller in den Keller gehen als bei Apple-Tablets. Das zweieinhalb Jahre alte Kindle Keyboard wird auf Second-Hand-Portalen wie etwa Craigslist im Schnitt für 16 Dollar gehandelt – der ursprüngliche Preis lag bei 139 Dollar.

Eine wichtige Rolle spielen dabei natürlich auch die unterschiedlichen Ausgangsniveaus. Amazon verkauft seine E-Reader bereits ab 79 Dollar, die Basisversion eines iPads kostet immerhin noch 500 Dollar. Bei der Markteinführung kostete das iPad 2 genausoviel wie das iPad 1, Amazon dagegen drückte die Preise für das Kindle in den letzten Jahren drastisch nach unten. „Die häufigen Preisrutsche beim Kindle in Kombination mit vielen neuen Modellen tragen deutlich zum reduzierten Wiederverkaufswert bei“, so Gazelle-Manager Anthony Scarsella gegenüber CNN. „Das ist ganz ähnlich wie bei Android-Smartphones (viele Modelle, viele Preisanpassungen) im Vergleich zum iPhone (wenige Modelle, stabile Preise). Das iPhone behält ein Jahr nach der Markteinführung noch 60 Prozent seines Wertes, während selbst die besten Android-Phones nur 40 Prozent behalten.“

Spannend dürfte die Entwicklung des Wiederverkaufswertes beim Kindle Fire werden. Das zum Neupreis von 199 Dollar angebotene Android-Tablet schließlich direkt mit Apples iPad Da Amazons neuer Flachrechner aber erst vor vier Monaten an den Start ging, liegen noch keine Daten über den Verkauf aus zweiter Hand vor. In Deutschland sind selbst klassische Kindle-Reader wie etwa das Kindle 3 (Wifi-Version) übrigens auch gebraucht deutlich teurer als in den USA, auf Auktionsportalen wie Ebay oder Hood lassen sich Preise zwischen 60 und 80 Euro erzielen (Neuwert: 119 Euro). Was sowohl an der späteren Markteinführung liegen dürfte wie auch in Verbindung damit an der insgesamt geringeren Zahl zirkulierender Geräte überhaupt.

Abb.: flickr/scurzuzu

Solar-Cover für Kindle 4 ermöglicht unendliche Lektüre

O sole mio: eine neue entwickelte Kindle-Hülle macht Amazons Reader völlig unabhängig vom Stromnetz. Dafür sorgt ein etwa sieben Zoll großes Solarpanel auf der Vorderseite. Die Energie wird in einem externen Akku zwischengespeichert – und steht dann für eine ausklappbare LED-Leselampe zur Verfügung, kann aber auch den Akku des Kindles unterstützen. Ist der externe Akku vollaufgeladen, was bei Sonnenschein acht Stunden dauert, soll die Energie für 50 Stunden Lektüre bei eingeschalteter Leselampe reichen. Nutzt man sie ausschließlich für das Kindle selbst, soll sich die normale Lesezeit um bis zu 80 Prozent verlängern.

Der Hersteller SolarFocus verkauft das Gerät bereits via Amazon.com für 79 Dollar,also zum Preis der Basisversion des Kindle 4 (in den USA) selbst. Vorgestellt wird es der Öffentlichkeit zudem diese Woche auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Das umweltfreundliche Solar-Cover war den Veranstaltern der Messe schon mal eine Nominierung für den „CES Innovations Design & Engineering Awards“ wert. Das mit einer kunstledernen Hülle verkleidete Energiebündel wiegt knapp 215 Gramm, das Gewicht des Kindle 4 liegt bei 170 Gramm. Der Ladezustand des externen Akkus wird durch farbige LEDs angezeigt. Über einen speziellen USB-Port kann man Cover und das eingedockte Kindle auch direkt über eine Steckdose aufladen.

Besonders auf Reisen oder bei Outdoor-Aktivitäten dürfte das Solar-Cover eine gute Ergänzung des Kindle 4 sein. Schließlich ist durch das stromsparende E-Ink-Display die Akkulaufzeit ohnehin schon deutlich besser als bei „Mobil“-Geräten wie Smartphones oder Tablets, die fast täglich an die Steckdose müssen. Zu 100 Prozent unterbrechungsfreies Lesen könnte sich mit solchen und ähnlichen Lösungen zukünftig sogar zum neuen Alleinstellungsmerkmal von E-Ink-Geräten entwickeln. Der Unterschied bei der Performance etwa gegenüber dem iPhone ist deutlich: ein von SolarFocus angebotenes mobiles Solarpanel für Smartphones ist ausgeklappt fast einen halben Meter breit, doch eine Stunde Sonnenlicht reicht trotzdem nur für sechs Stunden Betriebsdauer.

Eine Million Kindles pro Woche: Amazon-Kunden im Kaufrausch

Zum ersten Mal hat Amazon konkrete Zahlen zum Absatz der Kindle-Reader genannt: in den letzten drei Wochen wurden jeweils mehr als eine Million Geräte verkauft. Besonders interessant wäre hier natürlich zu wissen, wie sich die Absatzzahlen auf einzelne Modelle aufschlüsseln. Das jedoch gab Amazon nicht bekannt. Die Kindle-Modellreihe mit E-Ink-Display umfasst in den USA inklusive der neuen Touch-Screen-Versionen mittlerweile fünf Geräte, dazu kommt das neue Kindle Fire. Amazons Android-Tablet scheint zur „Kindlemania“ auf jeden Fall ganz besonders beizutragen: “Das Kindle Fire ist das erfolgreichst Produkt, das wir jemals auf den Markt gebracht haben, es ist seit 11 Wochen unser Bestseller quer durch alle Kategorien, wir haben bereits Millionen davon verkauft, weitere Millionen sind aufgrund der hohen Nachfrage in der Fertigung“, so Dave Limp, Vizechef von Amazons Kindle Abteilung.

E-Ink-Reader sind Kindle Fire dicht auf den Fersen

Auf der Bestseller-Liste sind die E-Ink-Modelle dem LCD-Tablet aber dicht auf den Fersen. Was wohl vor allem daran liegt, das der Lesekomfort auf den klassischen E-Readern besser ist: “Unser Kunden berichten uns, dass sie für längere Lektüre lieber den Kindle-Reader nehmen, und tatsächlich kaufen viele Kunden jetzt in der Weihnachtssaison gleich zwei Kindles, sowohl das Kindle Fire wie auch ein normales Kindle oder Kindle Touch“, so Dave Limp weiter. Die Basisversion des neuen Kindle 4 kostet in den USA nur 79 Dollar (etwa 60 Euro), das Kindle Fire 200 Dollar (etwa 150 Euro). Für das Doppelpack Kindle plus Kindle Fire müssen die US-Kunden umgerechnet also gerade mal 210 Euro ausgeben.

Kindle Fire rückt an Apples iPad heran

Der Verkaufserfolg des Kindle Fire lässt Amazon bereits an Apples iPad-Absätze heranrücken. Zwischen Mitte November und Anfang Dezember hat Amazon nach Schätzungen von DigiTimes bereits drei bis vier Millionen der Sieben-Zoller mit Android-Benutzeroberfläche verkaufen können, bis Jahresende sollen es etwa fünf Millionen sein. Apple selbst soll nach Schätzungen eines Experten der Investmentbank Piper Jaffrays Woche für Woche etwa 960.000 iPads absetzen. Dazu kommen allerdings noch mindestens eine Millionen iPhones – der Vorsprung der iOS-Plattform insgesamt lässt sich also mit Lesegeräten und Tablets alleine nicht ganz so einfach einholen. Doch nicht ganz zufällig arbeitet Amazon dem Vernehmen nach wohl auch an einem eigenen Smartphone, das 2012 an den Start gehen könnte.