In der Oase serviert Bezos Whiskey mit Soda: Neues Kindle & Akku-Cover geleakt [UPDATE]

bezos-kuendigt-neues-kindle-anPrime Now Rohrpost, Jeff Bezos als Präsidentschaftskandidat, das Kindle „Flame“ mit Liquavista-Display: es gab viele Aprilscherze rund um Amazon, manche sogar vom Unternehmen selbst. Was Jeff Bezos höchstpersönlich dann am 4. April twitterte, war jedoch ernst gemeint: „Leser aufgepasst! Ein ganz neues, High-End-Kindle ist fast fertig. Achte Generation. Details nächste Woche.“ Kommt das Kindle „Flame“ also tatsächlich!? [Update: Im Prinzip schon, es heißt aber offiziell „Kindle Oasis“, und hat ein gewöhnliches E-In-Display, s.u.]

Zwei Reader, zwei Cover…

Recht schnell wurde dann auf jeden Fall bekannt: es handelt sich sogar um zwei Reader, denn neben dem Voyage-Nachfolger (Codename „Whiskey“) mit WiFi, Bluetooth und 3G ist offenbar auch ein neues Basis-Modell (Codename „Woody“) in der Pipeline. Für noch mehr Überraschung sorgten weitere merkwürdige Details: Amazon serviert uns „Whiskey“ mit „Soda“ — der neue High-End-Reader hat ein Leder-Cover mit integriertem Akku. Auch ein separates Solar-Cover (Codename „Sunkiss“) soll zu einem späteren Zeitpunkt dazukommen.

Übergang von E-Ink zu Electrowetting?

Mehr ist zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt — der eigentliche Produktlaunch bzw. die Launchankündigung wird eben erste nächste Woche stattfinden, wie von Bezos getwittert. Doch das PR-Ziel hat Amazon erreicht: im Web überschlagen sich die Spekulationen. Vor allem natürlich aufgrund der Akku-Cover: hat der neue Reader kein normales, reflektives E-Ink-Display mehr, sondern erstmals eins auf reflektiver Electrowetting-Basis?

Extra-Akku macht Liquavista-Display plausibel

Genau zu diesem Zweck hatte Amazon ja vor einiger Zeit den niederländische Display-Hersteller Liquavista übernommen, und seit 2015 mehrten sich die Anzeichen für ein mit Liquavista-Technologie ausgestattetes Amazon-Gerät. Das würde dann deutlich weniger Strom verbrauchen als z.B. ein Fire-Tablet mit LCD-Display, aber immer noch deutlich mehr als ein Kindle mit E-Ink-Display. Anders als bei E-Ink muss bei Electrowetting ständig Spannung anliegen, damit der Bildschirminhalt angezeigt wird.

Hybrid zwischen Reader & Tablet?

Dafür bietet die Liquavista-Methode besseren Kontrast, fast schon normalem Papier nahekommende Reflektivitäts-Werte, die Option Farbdarstellung (mit entsprechenden Filtern, Nachteil: geringe Blickwinkel-Stabilität) sowie schnelle Bildwechsel, was die Anzeige von Videos erlaubt. Doch wäre das dann überhaupt noch ein Kindle, oder eher ein Hybrid aus Kindle und Fire-Tablet? Behalten die Basismodelle (siehe „Woody“) auch weiterhin E-Ink, hätte Amazon inklusive Fire gleich drei Display-Technologien im Angebot, und würde dem Käufer die Entscheidung ziemlich schwer machen…

UPDATE 12. April 2016:

Inzwischen haben diverse Seiten von Amazon & Dritthändlern „aus Versehen“ weitere Details geleakt. Demnach heißt das neue Kindle „Oasis“, hat ein herkömmliches E-Ink-Display, allerdings mehr seitliche LEDs (zehn statt sechs), dank magnetisch befestigtem Akku-Cover mehrere Monate Laufzeit, das Design wurde deutlich verflacht, am verbreiterten rechten Rand gibt es Umblättertasten. Ohne Cover ist das Gerät mit nur 130 Gramm deutlich leichter als die Vorgängermodelle. Offiziell angekündigt wird das neue Kindle Oasis wohl schon am morgigen 13. April.

Hier die offiziellen technischen Daten des Kindle Oasis, wie sie kurzzeitig auf Amazon.ca sichtbar waren (Preis-Tag ist offenbar nur ein Platzhalter):

Kindle-Oasis-geleakte-Specs-kanadische-amazon-seite

Eins zu Null für Amazon: Kindle-Jailbreak wird immer schwieriger

kindle-paperwhite-jailbreakDer Kindle-Reader ist *eigentlich* ein Linux-Tablet mit E-Ink-Display, das sich für weitaus mehr eignet als nur die Lektüre von Kindle-Books: theoretisch lassen sich nicht nur epubs mit dem Gerät öffnen, sondern auch alle möglichen nützlichen Apps und Games installieren. Um die mutwilligen Einschränkungen von Amazons Firmware zu umgehen, ist jedoch ein Jail-Break notwendig. Bis vor kurzem konnte man Kindle-Reader durch das direkte Aufspielen neuer Software per USB-Verbindung recht einfach rooten, quasi per Drag & Drop vom Desktop aus.

Gehäuse öffnen und serielles Kabel anlöten

Mit der neuen Firmware ab Version 5.6.x hat Amazon der Jail-Break-Community das Leben jedoch verdammt schwer gemacht: die bisherigen Hacks funktionieren nicht mehr. Der einzige Weg, jetzt noch die volle Kontrolle über Kindle Paperwhite oder Kindle Voyage zu erhalten, besteht seit Ende letzten Jahres darin, das Gehäuse zu öffnen, den Serial-Port-Pins freizulegen und ein serielles Kabel anzulöten. Über diese Verbindung kann dann vom PC aus der Jailbreak vollzogen werden, indem man sich mit Root-Rechten in das Betriebssystem des Readers einloggt (siehe die Links auf verschiedene Rooting-Anleitungen bei the-ebook-reader.com).

Der nächste Jailbreak kommt bestimmt … irgendwann

Im Unterschied zum klassischen Jailbreak per Fingertipp ist das natürlich weitaus komplizierter, und dürfte die meisten normalen Nutzer vom Rooten ihres Kindle abschrecken – womit Amazon wohl das selbst gesteckte Ziel endgültig erreicht hat. Zumindest bis auf weiteres. Denn bisher wurden irgendwann doch immer wieder ein neuer Jailbreak veröffentlicht. Eigentlich sollte sich Amazon darüber auch nicht wirklich ärgern müssen, immerhin beweisen solche Commmunity-Phänomene ja nicht nur, dass ein bestimmtes Gerät populär ist, sondern zeigen auch, welche zusätzlichen Funktionen oder Apps sich die Nutzer wünschen.

(via the-ebook-reader.com)

Kobo Glo HD: Günstiger Einstieg in die 300dpi-Klasse

imageSoviel Auflösung für so wenig Geld gab’s noch nie: Kobos neuester Reader namens Glo HD ist mit seinem Carta E-Ink Display technisch auf Augenhöhe mit Amazons E-Ink-Flaggschiff Kindle Voyage, wird aber nur 130 Euro kosten. Damit bekommt man das gestochen scharfe Display mit 1.448 x 1.072 Pixeln (was 300 dpi entspricht) bei Kobo in Kürze glatt 60 Euro günstiger als bei Amazon. Die WLAN-Version des Kindle Voyage wird hierzulande bisher noch für 190 Euro angeboten. Lange warten müssen Sparfüchse nicht mehr: Kobos neues Lesegerät soll ab Juni lieferbar sein.

Auf Augenhöhe mit Kindle Voyage

Auch die übrigen technischen Daten von Kobo Glo HD und Kindle Voyage sind auf einer Linie: 4 GB interner Speicher, kein SD-Kartenslot, Gewicht von ca. 180 Gramm, Akkulaufzeit von 2 Monaten. Wer Unterschiede erkennen möchte, muss schon genauer hinsehen – das Gehäuse von Kobos neuem HD-Reader ist etwas dicker, dafür aber auch etwas kürzer als das Konkurrenzprodukt.

Kobo hat sich vom US-Markt zurückgezogen

Ausgerechnet in Amazons Kernregion USA spielt Kobo den Preisvorteil aber gar nicht aus: das mittlerweile zum japanischen Rakuten-Konzern gehörende E-Reading-Unternehmen hat sich aus diesem Markt schon vor einiger Zeit zurückgezogen und setzt statt dessen lieber auf den internationalen Vertrieb. So lange in Deutschland etwa Tolino noch nicht in die 300dpi-Klasse vorprescht, könnte Kobo hierzulande gute Chancen haben, Amazon mit HD für 130 Euro ein paar Marktanteile abzuluchsen.

Zweimal „Sehr Gut“: Warentester loben Kindle Voyage & Tolino Vision

warentest-ereader-kindle-tolinoDie wackeren Warentester wagen sich an alles heran: sie schnüffeln an Hackfleisch, observieren Saugroboter, und sie lesen auch schon mal eine halbe Stunde unter Wasser, um spritzgeschützte E-Reader zu testen. Für den aktuellen E-Reader-Test im Februar-Heft konnten die Tester gleich mit zwei Lesegeräten in die Wanne steigen: dem Tolino Vision 2 wie auch dem Kobo Auro H20. Obwohl nicht wasserdicht, gewann den Test aber ganz knapp ein anderers Gerät: Amazons Kindle Voyage(Gesamtnote Sehr gut / 1,4) – beim Flaggschiff des Online-Riesen gefiel den Testern vor allem die gute Handhabung.

Tolino bei Preis-Leistungsverhältnis vorn

Dicht auf den Fersen ist Amazons Flaggschiff aber der Tolino Vision 2 (Gesamtnote: Sehr gut / 1,5): im Bereich des epub-Universums darf das letztes Jahr gestartete Gerät denn auch als eigentlicher Testsieger gelten. Mit einem Preis von 129 Euro – gegenüber 189 Euro beim Kindle Voyage – bietet die Tolino Allianz zudem das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Wichtigstes Bewertungskriterium (Gewichtung: 40 Prozent) beim Reader-Test war auch diesmal wieder die Bildqualität, hier erreicht der Tolino genau wie das Kindle die Bestnote „Sehr Gut“.

Kopierschutz immer noch ein Ärgernis

Alle anderen unter die Lupe genommenen Lesegeräte wurden insgesamt nur mit Gut (z.B. Pocketbook Touch Lux 2, Kobo Aura H20) bzw. in einem Fall u.a. wegen mangelnder Bildqualität mit befriedigend (Icarus E1051) bewertet. Einziger echter Kritikpunkt auf dem kompletten Reader-Parcours war wie schon bei den Reader-Tests der vergangenen Jahre das leidige Thema Kopierschutz, das bis auf weiteres Kindle- und epub-Welt voneinander trennt: „Die Kopierschützerei verkompliziert Leben und Lesen. Schöner wäre es, wenn der Kopier­schutz fiele“, so die Stiftung Warentest.

Tipp: Den E-Reader-Test gibt’s online & als PDF-Download zum Preis von 2,50 Euro, das komplette Test-Heft 02/2015 kostet elektronisch 4,49 Euro.