Washington Post nutzt Amazon-Daten für erste „umfassende“ Bestseller-Liste

wapo-nutzt-amazon-datenDie Washington Post nutzt für ihre Bestseller-Liste Fiction/Nonfiction ab jetzt auch Daten von Amazon – und verspricht den Lesern damit die bisher „umfassendsten“ Literatur-Rankings.
Hmmm, was ist die Nachricht hinter dieser Nachricht? Zunächst einmal sicherlich: hier wurde der Workflow zwischen zwei Unternehmen optimiert, die beide Jeff Bezos gehören. Was als Tatsache schon mal so wichtig ist, dass es bereits als Hinweis auf den Bestsellerlisten-Landingpages erscheint. Dazu wird erklärt, die Amazon-Daten enthielten „qualified borrows of books read through Amazon’s digital subscription program“, also „Buchausleihen aus Amazons digitalen Abo-Programmen“ (d.h. Prime Reading und Kindle Unlimited).

Bradbury importiert, Heliograf fabuliert

Wie da genau optimiert wurde, kann man einer Pressemitteilung der WaPo entnehmen — eine neue Software namens „Bradbury“ erleichtert das Erstellen und Syndizieren von Bestseller-Listen, indem Daten aus verschiedenen Quellen automatisch importiert werden können. Auch neue Themenlisten lassen sich mit „Bradbury“ leicht erstellen, etwa eine Liste aller Neuzugänge, der am längsten in der Liste präsenten Autoren, Genre-spezifische Listen etc. Die Storytelling-App Heliograf wiederum kann zudem aus dem Vergleich von Listendaten eine wöchentliche Kurzzusammenfassung in Textform liefern, was etwa besonders schnell aufsteigende Titel, neue Zugänge oder bisherige Performance eines Titels betrifft.

Neue „Most read“-Liste zu 100% made by Amazon

Während die traditionellen Listen nur mit Amazon-Daten erweitert wurden, und wie bisher auch Informationen des Brancheninformationsdienstes Nielsen Bookscan enthalten, gibt es mit der nationalen „Most read“-Liste auf wapo.com sowie der „Most Read Bookd D.C.“-Liste nun aber auch noch zwei komplett von Amazon übernommene Rankings. Dazu wird der Hinweis angezeigt: „Amazon Most Read lists rank titles by the average number of daily Kindle readers and Audible listeners each week. (…) The Post has no editorial influence on these lists.“

„Zum ersten Mal gibt es eine reale Bestseller-Liste“

Ist das alles nun gut oder schlecht? Kommt darauf an. Zum einen gab es sicherlich noch nie eine so realistische Marktschau: „The Washington Post’s lists are probably the first to accurately reflect what people are reading, and not what some New York book editor thinks is worth reading“, urteilt The Digital Reader mit einem süffisanten Verweis auf die eher fiktiven Bestseller-Listen der New York Times. Zum anderen spiegelt die neue Liste natürlich auch die übermächtige Marktposition von Amazon auf dem US-Buchmarkt und den Einfluss von Jeff Bezos auf die Washington Post wider.

Aber immerhin, wir haben jetzt genauere Daten. Und das ist ja am Ende – auch hier hat The Digital Reader recht — „still better than a kick in the teeth“. Oder, wie wir Norddeutschen sagen, besser als ein Loch im Kopf.

Von Harry Potter bis Funk Uhr: Amazon schnürt Prime Reading-Bündel für deutsche Kunden

amazon-prime-reading-startet-in-deutschlandAmazon schnürt ein neues Bündel für Premiumkunden: im jährlichen Prime-Abo sind nun im Rahmen von „Prime Reading“ auch für deutsche Kunden E-Lese-Angebote enthalten, darunter neben E-Books und E-Singles auch Comics, Kinderbücher und nicht zuletzt Digitalausgaben von populären Magazinen von Stern und Spiegel bis zu, nun ja, Selbst ist der Mann und Funk Uhr.

Via Kindle App & Kindle Reader

Bisher gab’s für deutsche Prime Kunden nur die sehr limitierten Möglichkeiten, via Kindle Leihbücherei einzelne E-Books auszuleihen. In den USA dagegen war dagegen das E-Lese-Angebot für Premiumkunden längst breiter angelegt. Die Prime Reading-Inhalte können über Kindle Lese-Apps für iOS, Android, PC, Mac sowie über Kindle Reader und Fire Tablets abgerufen werden.

Titel-Angebot wechselt regelmäßig

Das Titel-Angebot ist allerdings deutlich geringer als bei der E-Lese-Flatrate Kindle Unlimited, und wird zudem alle drei Monate umgeschichtet — zum Start mit enthalten sind u.a. „Nullzeit“ von Juli Zeh, „Generation Beziehungsunfähig“ von Michael Nast, „Bis alle Schuld beglichen“ von Alexander Hartung, aber auch Sachbuch-Titel wie die GU Kochbücher, Lonely Planet Reiseführer und nicht zuletzt viele Selfpublishing- bzw. Amazon-Imprint-Bestseller.

Prime-Abo vs. Kindle Unlimited

Ein Prime-Abschluss zum monatlichen Preis von 8,99 Euro bzw. zum Jahrespreis von 69 Euro nur wegen des neuen Lektüre-Angebots allein dürfte sich aber wohl eher nicht lohnen, Kindle Unlimited bietet auch weiterhin deutlich mehr. Hauptargument für Prime bleiben auch zukünftig das Streaming-Angebot im Video- und Musikbereich sowie die Expresslieferung. Ein nettes Schmankerl obendrauf ist Prime Reading aber allemal…

Flatrate-Blase geplatzt: Scribd beendet „All you can read“-Angebot

scribd-beendet-lese-flatrateNun hat es also auch Scribd erwischt. Anders als Lese-Flatrate-Pionier Oyster wird das „Youtube für Texte“ zwar nicht von Google geschluckt, sondern als Webplattform auch weiterhin existieren. Mit der E-Book-Flatrate allerdings ist nach letzten Anpassungsversuchen jetzt endgültig Schluss: die zahlenden Mitglieder können ab März nur noch drei E-Books und ein Audio pro Monat aus einer begrenzten Bestseller-Bibliothek lesen, außerdem gibt es „unbegrenzten“ Zugang zu einer limitierten, „rotierenden Sammlung“ handverlesener Buchempfehlungen der Scribd-Redaktion. Die monatliche Mitgliedsgebühr beträgt auch weiterhin 8.99 Dollar.

„We’ve worked hard to strike the right balance between providing our members with high-quality books and achieving long-term sustainability“, heißt es auf dem Scribd-Blog. Mit anderen Worten: einer Horde von lektürehungrigen Viellesern zu einem begrenzten Preis unbegrenzten Zugang zu bieten, gleichzeitig aber den Verlagen bzw. Autoren für jeden auch nur zu 10 Prozent angelesenen Titel den vollen Handelspreis zu erstatten, lohnt sich nicht. Betroffen sind vom Ende der echten E-Book-Flatrate laut Scribd angeblich „nur 3 Prozent“ der zahlenden Mitglieder.

War „All you can read“ also nur ein mittelfristiger Irrweg für die Book People? Nein, Nate Hoffelder (The Digital Reader) hat wohl recht: E-Books im Abo sind nicht tot, aber die Blase ist endgültig geplatzt („subscription ebooks aren’t completely dead, but the bubble has burst“). Und wie so oft heißt in der Buchbranche der globale Gewinner: Amazon. Obwohl mit „Kindle Unlimited“ Mitte 2014 deutlich später eingestiegen als alle anderen, wird der internationale Markt in Sachen Lese-Flatrate nun von Jeff Bezos beherrscht.

Ob der Service made in Seattle jetzt schon Gewinne abwirft, ist eine ganz andere Frage — aber einer besucherstarken Plattform wie Amazon ist zuzutrauen, am Ende die Quadratur des Flatratekreises zu schaffen: eine sehr große Zahl an Abonnenten zu gewinnen, unter denen die Horde der Vielleser dann nur einen vergleichweise geringen Anteil ausmacht, der die Profite nicht gefährdet. Spannend bleibt zuletzt auch der deutsche Markt: hier startete Kindle Unlimited noch etwas später, und es gibt bis auf weiteres starke Mitbewerber, siehe etwa Skoobe oder Readfy.

(via The Digital Reader & Scribd)

Für eine Handvoll Promille: Amazon zahlt Self-Publishern 0,006 Dollar pro gelesene Seite

fuer-eine-handvoll-promilleSeit Anfang Juli gilt bei Kindle Unlimited sowie der Kindle Leihbibliothek ein neues Vergütungssystem: Autoren werden nicht mehr pro (an-)gelesenem Buch, sondern pro tatsächlich gelesener Seitenzahl vergütet. Was das konkret bedeutet, lässt sich einer E-Mail entnehmen, die Amazon dem Guardian zufolge gerade den am Flatrate-Modell teilnehmenden Self-Publishern geschickt hat.

1,9 Milliarden Seiten wurden im Juni 2015 gelesen

Im Monat Juni hätten demnach die Leser etwa 1,9 Milliarden Seiten konsumiert. Da Amazon jeweils einen festen Betrag zur Verfügung stellt – derzeit 11 Millionen Dollar – der pro Monat an die Autoren ausgeschüttet wird, lässt sich recht einfach errechnen, wieviel pro Seite dabei herausspring: 11 Millionen geteilt durch 1,9 Milliarden, und das ergibt: 0,006 Dollar, umgerechnet etwa 0,0054 Euro, deutlich weniger als 1 Cent.

Beim Pay-Per-Download-Prinzip sprangen dagegen zuletzt 1,30 Dollar pro Buch heraus, egal ob nun jede Seite gelesen wurde oder nur die zur Anrechnung notwendige Mindestanzahl. Um denselben Betrag nach dem neuen System zu erreichen, müssten pro Buch fast 220 Seiten gelesen werden, rechnet der Guardian vor (nämlich: 1,30 geteilt durch 0,006 gleich 216,66).

„Wer liest ein Kochbuch von vorne bis hinten?“

Viele Autoren seien mit diesem neuen Abrechnungssystem unzufrieden, so der Guardian. Casey Lucas, eine freie Lektorin, die für Self-Publisher arbeitet, gab gegenüber der Zeitung an, sie habe bereits sechs Kunden verloren. Das Schreiben würde sich für sie nach einem Verlust von „60 – 80 Prozent der Tantiemen“ nun nicht mehr lohnen.  Gerade Autoren, die kürzere Werke produzierten, etwa Kinderbücher oder Sachbücher, würden besonders unter der Neuregelung leiden: „Wer liest ein Kochbuch von vorne bis hinten durch?“, fragt Lucas.

Letzlich, so argumentiert der Guardian zu recht, gebe es aber wohl zugleich Gewinner und Verlierer, denn schließlich habe sich die insgesamt ausgeschüttete Summe nicht verändert.

Abb.: Robbie Biller (cc-by-2.0)

„ComiXology Unlimited“ ante portas: Amazon soll E-Comic-Flatrate planen

amazon-kauft-comixology-appWas Kindle Unlimited für E-Books ist, könnte „ComiXology Unlimited“ bald für E-Comics sein: wie Brancheninsider Nate Hoffelder (Ink, Bits & Pixels) erfahren haben will, plant Amazon nach Kindle-Books nun auch Comics nach dem Flatrate-Prinzip gegen eine monatliche Grundgebühr unbegrenzt anzubieten. Die neue Flatrate könnte bereits nächste Woche anlässlich der San Diego Comic Con offiziell gestartet werden.

ComiXology gehört seit 2014 zu Amazon

Erst im April 2014 war ComiXology von Amazon aufgekauft worden. Mit über 50.000 E-Comics von mehr als 75 Verlagen gilt die gleichnamige App auf internationalem Parkett als führend. Ursprünglich ist ComiXology als Online-Community gestartet, mit der lokale Comic-Händler ihre Digitalpräsenz verbessern konnten, mit einer iPhone-App begann dann 2009 der Einstieg ins E-Comic-Business.

Marvels Superhelden plus Indie-Comics

„ComiXology Unlimited“ wäre nicht die erste E-Comic-Flatrate, aber bei weitem umfassender als bestehende Angebote – als einziger Anbieter hat ComiXology nicht nur große und kleine Indie-Verlage, sondern auch die Comics der zwei Major Labels Marvel und DC im Programm.

Amazon spotifyisiert das E-Book: ab jetzt Tantiemen pro gelesene Seite

amazon-spotifyisiert-die-literaturMit dem Stichtag 1. Juli führt Amazon eine kleine Revolution im Self-Publishing ein, zumindest im Rahmen von Kindle Unlimited und der Kindle-Leihbücherei: Tantiemen für teilnehmende Autoren werden nun nicht mehr pro E-Book bzw. pro begonnener Lektüre berechnet, sondern nach der tatsächlich gelesenen Textmenge: „Mit der neuen Zahlungsart erzielen Sie für jede Seite Ihres Buchs Tantiemen, die der jeweilige Kunde erstmals liest“, heißt es auf der offiziellen KDP-Hilfeseite.

Bisher waren Kurzstrecken-Texte im Vorteil

Als Grund für die Neuregelung führt das Unternehmen das „konstruktive Feedback“ der Autoren an – sie hätten „eine Anpassung der Zahlung an die Länge der Bücher“ gefordert. Tatsächlich geschah die Vergütung im Rahmen der Kindle-Flatrate bzw. der kostenlosen Ausleihe im Rahmen von Amazon Prime bisher ja pauschal pro Buch, ein seitenstarker Titel zählte dabei grundsätzlich genauso viel wie ein Kurzstrecken-Text. E-Book-Singles hatten sogar einen doppelten Vorteil: die notwendige Mindestseitenzahl war schneller erreicht.

Volle Seiten-Transparenz im Dashboard

Als einheitliche Grundlage für die Berechnung nutzt Amazon den sogenannten „KENPC“-Standard – den „Kindle Edition Normalized Page Count“, der Unterschiede zwischen einzelnen Lesegeräten bzw. bei den Leseseinstellungen (Schriftart, Zeilenhöhe, Zeilenabstand) ausgleichen soll. KDP-Autoren, die ihre Titel für KU bzw. KOLL freigegeben haben, erhalten zukünftig im Verkaufs-Dashboard eine genaue Übersicht, wieviele Seiten nach KENPC-Standard gelesen wurden.

Wird es mehr Cliffhänger geben?

Heiß diskutiert wird derzeit, ob sich durch die Spotifyisierung der Tantiemen-Zahlung auch die Schreib-Taktiken der Autoren ändern werden – etwa in Richtung kürzerer Texte, Linearisierung der Handlung, stärker an der Suspense ausgerichtete Dramaturgie (Cliffhänger!). Wenn überhaupt, dann dürften sich aber wohl nur genau jene Trends verstärken, die es bisher auch schon gab: erfolgreiche Self-Publisher, die populäre Genres bedienen, nutzen ohnehin Techniken, wie sie schon immer bei seriell produzierten Inhalten gebräuchlich waren, ob es sich nun Roman-, Comic- oder Fernsehserien handelt.

Abb.: Amazon

Caramba, noch ne Flatrate: 24symbols bietet mehr als 100.000 deutsche Titel

24-symbols-app-startet-in-deutschland„Nirgendwo sonst können Sie so viele Bücher für so wenig Geld genießen“, wirbt jetzt Mobilcom Debitel (MD) für die neueste deutsche E-Book-Flatrate, unterstützt vom spanischen Flatrate-Pionier 24symbols – das Unternehmen ist schon seit 2011 im Geschäft mit abonnierbarem Lesestoff. Der Preis ist tatsächlich heiß: Kunden des Mobilfunkanbieters MD können ihren Vertrag für nur 5,99 Euro pro Monat upgraden, und erhalten dafür über die 24symbols-App Zugang zu mehr als 100.000 deutschsprachigen Titeln, lesen lassen sich die elektronischen Bücher sowohl online wie offline.

Renommierte Verlage mit im Boot

Mit dabei sind hierzulande u.a. E-Books renommierter Verlage wie Bastei Lübbe, Gabal, Ueberreuter, Reclam oder Wagenbach. Das englisschprachige Angebot wird interessanterweise auch vom britischen Crowdpublishing-Verlag Unbound gestellt. Zielgruppe des neuen Angebots sind natürlich zunächst mal die knapp 9 Millionen deutschen MD-Telefonierer. Doch auch wer anderswo unter Vertrag ist, kann sich die 24symbols-App im App Store bzw. bei Google Play herunterladen. 5.000 Titel lassen sich ohnehin kostenlos lesen (mit Werbeinblendungen), das volle (werbefreie) Programm kostet für Nicht-Kunden von MD 8,99 Euro pro Monat.

Kampfpreis setzt Konkurrenz unter Druck

Auch das kann eindeutig als Kampfpreis gewertet werden. Das Abo ist damit nämlich genau einen Euro günstiger zu haben als bei der direkten E-Book-Konkurrenz von Kindle Unlimited oder Skoobe. Registrieren kann man sich für die neue Flatrate von 24symbols unter www.24symbols.com/subscriptions – die ersten 30 Tage liest man für lau. Die Qual der Wahl für Leser wird mit der neuen Buchstaben-Wundertüte noch ein bisschen größer, zählt man noch die werbefinanzierte App Readfy dazu, gibt’s jetzt schon vier große deutschsprachige Flatrate-Angebote, jedes mit anderen Lücken im Bestand.

Geht Self-Publishing K.O. durch K.U.? Kritik an Kindle Unlimited wächst

„Was du auch tust, du wirst es bereuen“: die klassische Antwort auf existentielle Fragen scheint auch in punkto All-You-Can-Read zu passen, z.B. bei Kindle Unlimited: es kann Nachteile bringen, nicht dabei zu sein, z.B. in Punkto Reichweite und Discoverability, es kann aber gerade für erfolgreiche Self-PublisherInnen auch Nachteile bringen, sich den exklusiven Bedingungen von Amazon zu beugen. „To KU or not to KU: That is the Question“, brachte es Hugh Howey in seinem letzten „Author Earnings Report“ auf den Punkt. Und gab als Antwort die Einschätzung: „It may depend on whether you are just starting out and want the extra visibility, or perhaps you are now being sought out by readers on other platforms and need to diversify.“

Wichtigster Grund dafür: die ausgeliehenen E-Book-Titel generieren pro Exemplar nicht so viel Gewinn wie ein regulär verkauftes E-Book. Auch wenn die Zahl der Leser stark ansteigt, steigen die Erlöse im Durchschnitt vergleichsweise wenig – zuletzt sogar nur magere 12 Prozent, so der Author Earnings Report. Das kann in der Gesamtrechnung dann am Ende deutliche Verluste bedeuten, denn Amazon deckt auch in den USA nur zwei Drittel bis drei Viertel des E-Book-Marktes ab, auf den Rest müssen die KU-Autoren durch Amazons Exklusivitäts-Klausel verzichten.

Doch auch für prominente Autoren, die ohnehin vor allem auf Amazon setzen, scheint die Rechnung mit KU nicht immer aufzugehen. Die New York Times – also jene große US-Zeitung, die NICHT Jeff Bezos gehört – machte sich nun zum Sprachrohr der wachsenden Unzufriedenheit. “Six months ago people were quitting their day job, convinced they could make a career out of writing,” wird der erfolgreiche Sachbuch-Autor & E-Publishing-Experte Bob Mayer zitiert. “Now people are having to go back to that job or are scraping to get by. That’s how quickly things have changed.”

Manche ziehen denn auch die Konsequenzen und verlassen KU wieder – so etwa Herzschmerz-Autorin Holly Ward. Nach zwei Monaten seien ihre Einnahmen um 75 Prozent gefallen, berichtet sie gegenüber der NYT. Als Grund sieht Ward, die bereits mehr als 6 Mio. E-Books verkaufen konnte, die Ausschaltung des „Vielleser-Effektes“, der zuvor noch sehr viel Geld in das System gepumpt hätte – statt 100 Dollar pro Woche würden solche Leser nun eben nur noch eine niedrige Jahresgebühr entrichten: “The revenue is just lost. That doesn’t work well for Amazon or the writers.”

Andere Autoren bleiben dabei, verändern aber offenbar ihre Publishing-Strategien – die Zahl ihrer Titel wächst, die Textlänge schrumpft, etwa durch Aufteilung umfangreicherer Bücher in mehrere Teile, längerfristig angelegte Serialisierung oder ganz einfach das Veröffentlichen von Kurzgeschichten. Amazon selbst hat sich zur wachsenden Kritik an KU bisher nicht geäußert – scheint sie jedoch durchaus ernst zu nehmen: an erfolgreiche KU-Autoren werden mittlerweile zusätzliche „All-Star-Boni“ ausgeschüttet, die den Erlös pro Buch deutlich erhöhen.

Abb.: MCAD Library/Flickr (cc-by-2.0)

Grenzenloses Lesevergnügen – von Kindle Unlimited bis Adobe Unlimited?

„Grenzenloses Lesevergnügen“ war in der E-Book-Branche schon immer ein beliebter Claim. Mit „Kindle Unlimited“ – gestartet einen Tag vor Beginn der Frankfurter Buchmesse – führt Amazons Flatrate dieses Versprechen nun sogar direkt im Schilde. Ein weiterer Claim von Amazon weist zugleich auf die Grenzen des unbegrenzten hin: es gebe ein „großes Angebot an englischen Titeln“, hieß es zum Deutschland-Start des neuen Angebots einen Tag vor Beginn der Frankfurter Buchmesse. Nur etwa fünf Prozent der KU-Titel stammen nämlich bisher von deutschen Autoren, zumeist Self-Publishern (siehe – bzw. höre – das Interview, welches dradio Kultur kürzlich mit mir zum Thema geführt hat).

Was natürlich für Amazon-Kunden kein Hindernis bedeuten muss – denn im Kindle Store beherrschen Titel wie „Hinterwäldler zum Verlieben“, „Aprikosenküsse“ oder „Honigtot“ schon seit längerem die vorderen Ränge. Die Auguren der Gutenberg-Galaxis mögen das Startangebot von KU belächeln, doch man sollte nicht vergessen: anders als die bei klassischen Bestsellern besser aufgestellte Konkurrenz von Skoobe bis Readfy (letztere App startete ihren regulären Betrieb ebenfalls zur FBM14) braucht Amazon – ohnehin die am stärksten frequentierte Plattform – die großen Verlage gar nicht so dringend, um erfolgreich zu sein.

Doch auch aus Sicht der traditionellen Player öffnen sich die Grenzen: die Libri-Tochter Books On Demand beliefert nicht nur Skoobe mit elektronischen Self-Publishing-Titeln, sondern hat auch angekündigt, zukünftig gedruckte Bücher von Indie-Autoren in die Buchhandlungen zu bringen. Nun muss man muss eigentlich gar nicht so genial sein, um lokal zu denken, immerhin macht die Buchbranche rein rechnerisch noch mehr als 90 Prozent ihrer Umsätze mit Lesestoff aus Papier. Aber es fehlte bisher offenbar an Konzepten, um das stofflose Netz der Netze stärker mit dem physischen Faserland zu verweben.

Libri ist da vielleicht nicht zufällig auch noch an anderer Stelle mit im Boot – über die neue Plattform genial.lokal sollen Kunden direkt zu ihrem Wunschbuch in der Wunschbuchhandlung geführt werden, Stichwort: Location Based Services. Und wenn der Kunde doch nicht laufen will, liefert der Barsortimenter den Schmöker im Auftrag der Buchhandlung nach Hause. Hinter dem Projekt steckt auf Seiten der Buchhändler die alternative Einkaufsgenossenschaft eBuch, sie versammelt landesweit immerhin knapp 600 Indies.

Manche Grenzüberschreitungen der E-Book-Branche sind aber auch eine Zumutung. Etwa die Praxis von Adobe, über das Digitale Rechtemanagement weltweit intimste Lesedaten von Millionen Kunden in Richtung USA abzuschnorcheln, und das auch noch über völlig ungeschützte Datenkanäle. Dem US-Blogger Nate Hoffelder zufolge kann die Sammelwut auf dem Desktop-PC große Bereiche heimischer Festplatten betreffen, also u.a. auch E-Books, die überhaupt nicht mit Adobes DRM geschützt sind. Adobe Unlimited? Diese Flatrate braucht nun wirklich kein Mensch.

Abb.: Alexandre Duret-Lutz/Flickr (cc-by-sa-2.0)

[Aktuelles Stichwort] E-Book-Flatrates: all you can read für eine Handvoll Euros


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E-Book-Flatrates erlauben gegen eine feste monatliche Abonnement-Gebühr die temporäre Nutzung digitalen Contents, meist im Rahmen von speziellen >>Apps für Mobilgeräte bzw. Browser-Apps für den Desktop. Einen ersten Boom haben solche Angebote im Musik-Business erlebt, als 2008 der schwedische Streaming-Dienstleister „Spotify“ an den Start ging, eine parallele Erfolgsgeschichte begann zur selben Zeit im Bereich von Filmen und TV-Serien mit den Aktivitäten des US-Anbieters „Netflix“. Bei E-Book-Flatrates kann die Lektüre in der Regel sowohl online wie offline stattfinden.

Obwohl E-Books wenig Bandbreite benötigen und problemlos komplett heruntergeladen werden können, sind umfassende Angebote im Bereich von elektronischer Literatur erst deutlich später auf den Markt gekommen als in anderen Branchen. Hauptgrund ist die zögerliche Haltung vieler großer Verlage, während kleinere Anbieter vor allem im englischen Sprachraum schon seit längerem mit Flatrates experimentieren (z.B. Baen Books, Safari Books/O’Reilly).

Als Vorreiter auf dem deutschen Publikumsmarkt gilt die Skoobe-App, ein in München ansässiges Joint-Venture von Holtzbrinck und Bertelsmann, das bereits 2011 gelauncht wurde, im Bereich Sach- und Fachbuch das Leipziger Startup >>PaperC. Zu den “First Movers“ auf internationaler Bühne zählt der spanische Anbieter 24symbols.

Mittlerweile sind national (Readfy) wie auch international (Oyster, scribd, etc) zahlreiche Startups im Bereich von umfassenden E-Book-Flatrates aktiv. Mit dem Start von >>„Kindle Unlimited“ ist im Sommer 2014 auch Amazon.com in den literarischen Flatrate-Sektor eingestiegen und bietet damit derzeit den einzigen Flatrate-Service an, der nicht nur auf Tablet oder Smartphone, sondern auch via E-Ink-Reader genutzt werden kann. In Deutschland bietet Amazon im Rahmen eines gebührenpflichtigen Premiumprogramms (>>„Amazon Prime“) mit der >>„Kindle Leihbibliothek“ bisher nur eine sehr limitierte Flatrate für elektronische Bücher an.

Die Rechteinhaber erhalten im Rahmen von Flatrate-Apps eine Vergütung für die Lektüre in der Regel bereits dann, wenn eine Datei geöffnet bzw. eine geringe Textmenge gelesen wurde. Im Fall von Amazon haben Ausleihen über die Flatrate direkten Einfluss auf das Bestseller-Ranking, da sie als normale Verkäufe gezählt werden. Zu den Content-Lieferanten vieler E-Book-Flatrates gehören neben Verlagen auch Self-Publishing-Plattformen, in den USA z.B. Smashwords und Amazons KDP, in Deutschland z.B. epubli und BoD.

Ähnlich wie im Bereich Musik und Video gelten Flatrates auf dem E-Book-Markt als besonders wirksames Mittel zur Bekämpfung illegaler >>Download-Portale. Da in den meisten Fällen Inhalte ohnehin nur innerhalb einer App genutzt werden können, machen solche Flatrate-Angebote auch besondere Kopierschutz- und >>DRM-Maßnahmen überflüssig.


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