„Hollywood“ & „Coyote“ ante Portas: Amazon plant zwei neue Fire-Tablets

Amazons Kindle Fire hat sich seit dem Launch im November 2011 rasch zum wichtigsten Android-Tablet auf dem Markt gemausert. Nun scheint bereits die zweite Generation vor der Tür zu stehen, und das sogar in doppelter Gestalt. Dem Tech-Blog BGR zufolge wird Amazon in den nächsten Monaten nicht nur eine neue sieben Zoll-Variante auf den Markt bringen (Codename: „Coyote“), sondern auch ein Tablet mit zehn Zoll (Codename „Hollywood“). Die Version mit iPad-Ausmaßen soll über einen leistungsfähigen Vierkern-Prozessor verfügen, der sieben Zoller über einen Zweikern-Prozessor. Beim ersten Kindle Fire hatten viele Tester mangelnde Performance kritisiert, nun scheint Amazon nicht nur diese Scharte auszuwetzen. Keine schlechte Idee, schließlich ist das Kindle Fire nicht nur ein Lese-Tablet, sondern eine Allround-Multimedia-Plattform, die sich auch für Streaming-Videos anschauen oder Games eignet.

Auch beim Design hat sich offenbar einiges getan – die Flachrechner erhalten ein edles Metallgehäuse, die Rückseite hat ein spezielles Griffprofil, in das externe Lautsprecher eingebettet wurden. Die zehn Zoll Variante kommt den Insider-Informationen von BGR zufolge mit Frontkamera, beide neuen Modelle erhalten neben einem Mikro-USB-Port wohl auch einen HDMI-Ausgang. Die große Preisfrage ist natürlich nicht nur, wieviel die neuen Kindle Fires kosten werden, sondern ob sie auch offiziell in Deutschland an den Start gehen. Auf einen nicht allzu fernen Deutschland-Start scheint zumindest die Tatsache hinzudeuten, dass Amazon gerade erst den hauseigenen Android-Store für App-Entwickler aus Europa geöffnet hat. Bei einem Launch zum kommenden Weihnachtsgeschäft wäre also auf jeden Fall für genügend Content gesorgt. Außerdem könnte Amazon mit der Konkurrenz Schritt halten: Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte nämlich wohl auch Barnes&Noble erstmals das Nook-Tablet in deutschen Landen feilbieten.

Abb.: Kindle Fire, erste Generation (Amazon)

Für 600.000 Dollar auf’s Home-Screen: Kindle Fire wird zur Werbefläche

Beim nächsten Pitch können die „Mad Men“ ihren Kunden Bannerwerbung der besonderen Art vorschlagen: wie wäre es mit einer Anzeige auf dem Home-Screen von Amazons Kindle Fire? Dem Branchenblog AdAge.com zufolge sollen Sponsoren zukünftig nämlich für 600.000 Dollar zwei Monate lang auf der Startseite des Android-Tablets ihre Produkte anpreisen dürfen. Wer gleich eine Million Dollar locker macht, wird von Amazon sogar noch via Pressemitteilung gepusht. Unklar ist allerdings, ob demnächst auf allen Fire-Modellen Werbung auftaucht, oder ob es nur um die zweite Kindle-Fire-Generation geht, die im Sommer auf den Markt kommt.

Macht Amazon die bereits mehr als fünf Millionen verkaufen Tablets einfach ungefragt zur Werbefläche, könnte das Ärger mit den Nutzern geben: „Wenn man gerade Geld für ein Premium-Produkt bezahlt hat und dann unerwartet mit Reklame konfrontiert wird, ist das äußerst störend“, zitiert AdAge einen Brancheninsider. „Es muss also auch einen Mehrwert für den Konsumenten geben.“ Viele Beobachter erwarten deswegen ein Sponsoren-Konzept, wie Amazon es bereits bei den E-Ink-Kindles betreibt: wer Anzeigen auf dem Home-Screen sowie im Stand-By-Modus auf dem Bildschirmschoner akzeptiert, bekommt die Lesegeräte mit deutlichem Rabatt. Im Fall des Kindle Fire könnte die nachträgliche Zustimmung zu Werbeeinblendungen von Amazon mit Einkaufsgutscheinen oder Rabatten beim Warenkauf belohnt werden.

Das Pendant für eine entsprechende„Subscribe“-Funktion gibt es schon – nämlich die “Unsubscribe”-Option bei den „Special-Offern“-Kindles. Um den gesponserten Bannern zu entgehen, zahlt man dabei ganz einfach den Differenzbetrag zum regulären Preis nach. Das neue Kindle Fire dürfte Amazon wohl zukünftig ebenfalls als eine solche „Special Offer“-Version anbieten. Die Preisstaffelung bei den E-Ink-Geräten zeigt, wie attraktiv ein solches Modell sein kann: sie beginnt nämlich schon bei 79 Dollar für das einfachste Kindle – umgerechnet also knapp 59 Euro. Die Touch-Modelle mit WiFi gibt’s bereits ab 99 Dollar, was knapp 74 Euro entspricht. Das Kindle Fire kostet dagegen mit 199 Dollar zur Zeit noch deutlich mehr. Würde der Preis auf etwa 150 Dollar sinken, wäre Amazon der Konkurrenz wieder einen Schritt voraus.

(via PaidContent & AdAge)

Abb.: Amazon

Neue Amazon-Pläne: Glowlight-Kindle im Juli, Fire 2 im Herbst?

Was kommt als nächstes? In der Gerüchteküche rund um Amazons neueste Gadgets scheinen sich die Nebelschwaden zu lichten. Nicht ein Kindle Color steht offenbar vor der Tür, sondern ein E-Ink-Kindle mit Glowlight-Feature, und dazu ein größeres Kindle Fire. Das berichtet jedenfalls die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Brancheninsider. Ein Kindle, das mindestens genauso gut im Bett ist wie der neue Nook Simple Touch von Barnes&Noble könnte es demnach bereits im Juli geben. Amazon steht hier tatsächlich unter Zugzwang – denn mit dem Nook im Dunkeln lesen kann man bereits seit April. An der Oberkante des Displays sind dabei acht kleine LED-Lampen integriert, die das Touch-Screen des Readers zum Glimmen bringen, ohne die Akkuleistung übermäßig zu reduzieren.

Kein Kindle Color ante Portas

Das neue Kindle mit GlowLight-Feature soll in einer WiFi- sowie einer 3G-Version auf den Markt kommen. Preislich halten Branchenkenner einen Aufschlag von etwa 10 Dollar zum den bisherigen Kindle-Modellen für wahrscheinlich. Bei Amazons Zulieferer E-Ink Holdings wollte man das Glowlight-Kindle allerdings weder bestätigen noch dementieren. Für eher unwahrscheinlich halten viele Beobachter dagegen einen Kindle-Reader mit farbigem E-Ink-Touch-Screen, wie ihn vor kurzem der taiwanesische Branchenblog DigiTimes angekündigt hat. Die mangelhafte Farbqualität bisheriger Display-Prototypen, wie sie auf verschiedenen Messen zu sehen waren, scheint gegen die baldige Verwendung in Amazon-Geräten zu sprechen, ebenso der hohe Materialpreis.

Kindle Fire jagt Apple Marktanteile ab

Plausibel klingt dagegen die von Reuters ebenfalls in Umlauf gebrachte Vermutung, im Herbst könnte ein neues Kindle Fire das Licht der Welt erblicken. Mit einer vorausgesagten Display-Größe von 8,9 Zoll läge Amazons Android-Tablet der zweiten Generation dabei mit Apples iPad gleichauf. Dieser Schritt dürfte Amazon dabei helfen, Cupertino weitere Marktanteile abzujagen. Alleine im vierten Quartal 2011 hatte Amazon Analysten zufolge zwischen vier und fünf Millionen Kindle Fire verkauft, und könnte den iPad-Absatz dabei um ein bis zwei Millionen Geräte gedrückt haben. Kommt das neue Kindle Fire pünktlich zur nächsten Weihnachtssaison, dürfte man weitere Verkaufsrekorde erwarten.

(via BusinessInsider, Digital Reader & cnet)


Abb.: Barnes&Noble-Werbung

Umsätze mit E-Ink sinken: Ist das Tablet doch ein E-Reader-Killer?

Video killed the Radio, CD essen Vinyl auf, etc.: Die endlose Litanei vom unausweichlichen Aussterben des jeweils älteren Mediums könnte nun eine Fortsetzung bekommen: Tablet tötet E-Reader. Für den TechBlog FastCompany jedenfalls scheint festzustehen: „Das Zeitalter des E-Readers als Must-Have-Gerät neigt sich dem Ende zu“ („the era of the e-reader as a must-have device is drawing to a close“). Grund für diese düstere Prognose bietet ein deutlicher Umsatzeinbruch bei E-Ink-Holdings, dem weltweit größten Hersteller für elektronisches Papier. Zum erstem Mal seit drei Jahren gab es nämlich in den ersten drei Monaten von 2012 ein negatives Quartalsergebnis, und dann gleich noch minus 63 Prozent.

Fire vs. Kindle: Amazon macht sich selbst Konkurrenz

Das Unternehmen hat dafür auch eine plausible Erklärung parat: “Unser wichtigster Kunde war zu optimistisch, was die Verkaufszahlen im vierten Quartal des letzten Jahres betraf, und hat zu viele Displays bestellt“, erklärte E-Ink-Chef Scott Liu gegenüber der Presse. Was nicht ohne Folgen geblieben sei: “Deswegen hat dieser Kunde im ersten Quartal 2012 fast gar nichts bei uns bestellt.“ Der größte Kunde besitzt natürlich auch einen Namen: Amazon. Somit hat auch der E-Ink-Killer – oder besser gesagt, Kindle-Killer – einen Namen: Kindle Fire. Gerade im Weihnachtsgeschäft hatte sich Amazons neues Android-Tablet als echter Renner erwiesen. Mittlerweile ist jedes zweite Android-Tablet ein Kindle Fire. Die klassische Reader-Palette vom Kindle Keyboard bis zum Kindle Touch hatte dagegen das Nachsehen.

Retina-Display als direkter E-Ink-Konkurrent?

Konkurrenz bekommt E-Ink jedoch auch von ganz anderer Seite – das neue iPad der dritten Generation hat schließlich von Apple ein hochauflösendes Display spendiert bekommen, das die Lektüre von E-Books oder elektronischen Zeitschriften deutlich angenehmer macht. Google plant zudem ein eigenes Tablet. Und überhaupt sind die Preise für Touch-Screen-Geräte mit LCD-Display im Sinkflug. Allerdings gibt FastCompany zu bedenken: „Der E-Reader wird natürlich nicht über Nacht verschwinden, die Absatzkurve wird noch für ein paar Jahre ansteigen. Doch er wurde vom raketenhaften Aufstieg des Tablet-PCs abgehängt.“ Bei E-Ink Holdings ist trotzdem kein Pessimismus angesagt: „Unser wichtigster Kunde [lies: Amazon] wird wohl im Sommer/Herbst wie üblich eine neue Produktlinie vorstellen“, so Scott Liu. „Das dürfte einerseits viele Verbraucher dazu animieren, auf die nächste Generation umzusteigen, andererseits auch viele Kunden neu hinzugewinnen.“

„GlowLight“-Effekt macht E-Ink attraktiver

Bei der neuen Produktlinie handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Kindle-Reader mit leuchtendem E-Ink-Display. Ein vergleichbares Gerät hat Amazons Konkurrent Barnes&Noble gerade mit der „GlowLight“-Version des Nook Simple Touch herausgebracht. Der Leuchteffekt wetzt eine wichtige Scharte gegenüber den Tablets aus – gelesen werden kann nun nicht nur bei Sonnenlicht, sondern auch im Dunkeln, ohne künstliche Beleuchtung. Die Unterschiede zwischen Tablets und E-Readern werden somit auch aus Richtung E-Ink eingeebnet – und klassische Lesegeräte bleiben attraktiv. Die von Marktforschern bisher beobachtete „friedliche Koexistenz“ zwischen E-Ink und LCD könnte also durchaus noch eine Weile weitergehen.

Abb.: Flickr/Mike Licht, NotionsCapital.com

Citigroup-Studie: Jeder vierte Web-Nutzer in USA besitzt einen Kindle-Reader

Vor zwei Jahren besaßen überhaupt nur 5 Prozent aller US-Konsumenten mit Internet-Zugang irgendeinen E-Reader – im Frühjahr 2012 hielt alleine ein Viertel von ihnen ein Lesegerät von Amazon in den Händen. Diese verblüffenden Zahlen enthält eine neue Marktstudie der Citigroup, für die 1100 netzaffine Verbraucher befragt wurden. Bereits sechs Prozent der Konsumenten besitzen zudem das Amazon Fire – offenbar ein explizites Lese-Tablet, denn die hauptsächliche Nutzung ist die Lektüre von E-Books oder Magazinen (35%), während Web-Surfen oder Games eine deutlich geringere Rolle spielen (jeweils 18%). Da deutlich mehr Kindle-Reader im Umlauf sind, generiert diese Geräteplattform auch den meisten Umsatz.

Doch egal ob E-Ink oder Farb-LCD, alle Kindle-Modelle sind Kaufplattformen. Tatsächlich shoppte der Durchschnitts-Verbraucher Monat für Monat 2,4 E-Books. Anders die starke Minderheit Power-User: Ein Viertel der Befragten hatte in den vergangenen 30 Tagen im Kindle-Store mehr als 5 E-Books gekauft. Digitale Güter stehen auch beim Einkauf auf dem Kindle-Fire im Vordergrund (80%), während nur eine Minderheit (10%) sich via Amazons Online-Gemischwarenladen auch physische Güter vom Tablet-Cover bis zu Kühlschrank oder Rasenmäher liefern ließ. Besonders fleißige Shopper sind Mitglieder des Amazon-Prime-Programms, zu denen in den USA bereits knapp ein Fünftel aller Kunden gehört – im Vergleich drücken sie 48% häufiger den Buy-Button.

Amazon selbst gibt ja für gewöhnlich keine konkreten Zahlen über das Kindle-Universum heraus, doch die Citi-Studie wagt eine Prognose für 2012: demnach werden in diesem Jahr 30 Millionen Kindle-Reader und 12 Millionen Fire-Tablets über den virtuellen Ladentisch gehen. Im E-Book-Geschäft erwarten sie einen Umsatz von mehr als 6 Milliarden Dollar, was gegenüber dem Vorjahr einem Wachstum von 176 Prozent entsprechen würde. Ein normaler Online-Buchhändler ist Amazon natürlich schon lange nicht mehr, für 2013 schätzen die Analysten der Citigroup den mit Kindle-Modellen und E-Books erzeugten Umsatzanteil im Unternehmen auf 15 Prozent. Inzwischen läuft bereits ein Fünftel des des gesamten US-Onlinehandels über Amazon, seit 2010 hat man global gesehen sogar Ebay hinter sich gelassen.

(via Teleread & PaidContent.org)

Abb.: Amazon

Kindle Fire zieht an der Konkurrenz vorbei – trotz mittelmäßiger Reviews

Mit dem Kindle Fire kann Amazon iPad-ähnliche Erfolge feiern: in nur vier Monaten seit dem Start im November 2011 ist das Touch-Screen-Gerät zum wichtigsten Android-Tablet avanciert. Dem Marktforschungs-Unternehmen Flurry zufolge hat das Fire-Tablet in der Nutzerstatistik („End User Application Sessions“) sogar schon Samsungs Galaxy Tab eingeholt. Wurden im November nocht knapp zwei Drittel aller Android-Apps auf Samsungs Flaggschiff geöffnet, lag im Januar das Kindle Fire mit 35,7 Prozent sogar schon knapp vorn, das Galaxy Tab kam nämlich nur noch auf 35,6 Prozent. Maßgeblich beigetragen zum großen Überholmanöver hat der Fire-Boom während des Weihnachtsgeschäfts. Auch insgesamt haben Android-Geräte gegenüber dem iPad aufgeholt – ihr Marktanteil beträgt nach Angaben von Strategy Analytics mittlerweile 39 Prozent, Apple-Tablets kommen auf 58 Prozent. Weltweit verdreifachte sich der Tablet-Absatz im Jahr 2011 von zuvor 18 Millionen auf mehr als 60 Millionen Geräte.

Bei bezahlten App-Downloads liegt Amazons Fire klar vorn

Amazons Tablet-Erfolg kommt in diesem Ausmaß für viele Beobachter immer noch überraschend, hat doch das Fire beim Launch eher mittelmäßige Kritiken erhalten. „Kein Blindgänger, aber auch keine Weltklasse“, lautete der Tenor. Neben mangelnder Performance mißfiel den Testern die unzureichende Anpassung der Android 2.3-Gingerbread-Oberfläche an das sieben Zoll-Display. Den Kunden war das aber offenbar völlig egal – für sie versprach das Tablet mit 199 Dollar eine preisgünstige Alternative zu High End-Geräten, mit dem sich Games, Videos, Musik, E-Books und elektronische Zeitschriften nutzen lassen. Nicht zufällig bedient Amazon hier die volle Angebotspalette. Tatsächlich schneidet das Fire-Tablet im direkten Vergleich zu Samsungs Galaxy-Tab auch bei den bezahlten Downloads deutlich besser ab. Den Analysten von Flurry zufolge werden mit dem Fire bereits jetzt zweieinhalb mal so viele Apps heruntergeladen wie auf dem Galaxy-Tab. Dabei ist Amazons Geräteplattform deutlich schmaler – es sind schätzungsweise erst halb so viele Fire-Tablets wie Galaxy-Tabs auf dem Markt.

Abb.: Flurry

Weihnachts-Bestseller: Amazon verkaufte im Dezember vier Millionen Kindles

Amazons neue Kindle-Modelle setzen ihren Siegeszug fort – alleine im Monat Dezember wurden Woche für Woche mehr als eine Million Geräte verkauft. Neben E-Ink-Readern mit Touch-Screen sorgt dabei auch das Android-Tablet Kindle Fire für kräftige Nachfrage. Noch vor dem Kindle Touch steht es in den USA mittlerweile an Platz Eins der weihnachtlichen Bestseller-Liste über alle Kategorien. Unter deutschen Tannenbäumen war laut Amazon.de die neue Kindle-Basisversion für 99 Euro „das meistverkaufte, meistgewünschte und meistverschenkte Produkt“. Nicht ganz zufällig wurde der erste Weihnachtstag zum „Spitzentag für Kindle eBooks“ – eine Rekordzahl an Kunden in ganz Deutschland habe ein Kindle geschenkt bekommen und begonnen, Bücher herunterzuladen. Genaue Zahlen nannte Amazon jedoch nicht. Geschenke zum Anfassen sorgten in den Amazon-Logistikzentren für Hochbetrieb. Wenige Tage vor Heiligabend wurden bis zu 2,8 Millionen Produkte innerhalb von 24 Stunden auf die Reise geschickt. Um die Nachfrage zu bewältigen, hatte das Unternehmen mehr als zehntausend saisonale Zusatzkräfte eingestellt.

Grimm’s Märchen als Kindle-Bestseller am 25.12.

Eindeutiger Weihnachtsbestseller im Print-Bereich war in den USA die Steve Jobs-Biografie von Walter Isaacson, bestverkauftes Kindle-Ebook dagegen Suzanne Collins Fantasy-Roman “The Hunger Games” (dtsch. „Die Tribute von Panem“). In Deutschland schaffte es mit „Eragon – Das Erbe der Macht“ immerhin die gedruckte Version eines Fantasy-Romans auf Platz sieben der Amazon-Bestseller über alle Kategorien (siehe unten). Direkt nach dem Kindle-Reader kommen jedoch erstmal die DVD-Version von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ und Videospiele wie „FIFA 12“ oder „Call of Duty“. Interessanterweise stehen auch bei Amazon.com diese Titel in ihren jeweiligen Kategorien der Weihnachtsbestseller ganz oben. Beliebteste Kindle-E-Books am ersten Weihnachtsfeiertag waren bei Amazon.de “Grimms Märchen, die vollständig überarbeitete und illustrierte Ausgabe speziell für digitale Lesegeräte” sowie der Thriller “Jagdzeit” von David Osborn. Letzteren Titel erhielten Kindle-Kunden im Rahmen der „Kindle Gratis Tage” an diesem Tag als kostenlosen Download (die Aktion läuft noch bis 6. Januar 2012).

Weihnachtsbestseller-Liste 2011 (Amazon.de)

  • 1.    Kindle eReader, Wi-Fi, 15 cm (6 Zoll) E Ink Display, Deutsche Menüführung – Elektronik
  • 2.    Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Teil 2) – DVD
  • 3.    FIFA 12 – Videospiele
  • 4.    Adele “21” – Musik
  • 5.    Call of Duty: Modern Warfare 3 – Videospiele
  • 6.    Assassin’s Creed Revelations – Videospiele
  • 7.    „Eragon – Das Erbe der Macht“ – Bücher
  • 8.    „Qwirkle“, Legespiel – Spiel des Jahres 2011 (Schmidt Spiele) – Spielzeug
  • 9.    Samsung S5230 Smartphone – Elektronik
  • 10.  Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Teil 2) (2 Discs) [Blu-ray] – DVD

Abb.: flickr/xrrr

Eine Million Kindles pro Woche: Amazon-Kunden im Kaufrausch

Zum ersten Mal hat Amazon konkrete Zahlen zum Absatz der Kindle-Reader genannt: in den letzten drei Wochen wurden jeweils mehr als eine Million Geräte verkauft. Besonders interessant wäre hier natürlich zu wissen, wie sich die Absatzzahlen auf einzelne Modelle aufschlüsseln. Das jedoch gab Amazon nicht bekannt. Die Kindle-Modellreihe mit E-Ink-Display umfasst in den USA inklusive der neuen Touch-Screen-Versionen mittlerweile fünf Geräte, dazu kommt das neue Kindle Fire. Amazons Android-Tablet scheint zur „Kindlemania“ auf jeden Fall ganz besonders beizutragen: “Das Kindle Fire ist das erfolgreichst Produkt, das wir jemals auf den Markt gebracht haben, es ist seit 11 Wochen unser Bestseller quer durch alle Kategorien, wir haben bereits Millionen davon verkauft, weitere Millionen sind aufgrund der hohen Nachfrage in der Fertigung“, so Dave Limp, Vizechef von Amazons Kindle Abteilung.

E-Ink-Reader sind Kindle Fire dicht auf den Fersen

Auf der Bestseller-Liste sind die E-Ink-Modelle dem LCD-Tablet aber dicht auf den Fersen. Was wohl vor allem daran liegt, das der Lesekomfort auf den klassischen E-Readern besser ist: “Unser Kunden berichten uns, dass sie für längere Lektüre lieber den Kindle-Reader nehmen, und tatsächlich kaufen viele Kunden jetzt in der Weihnachtssaison gleich zwei Kindles, sowohl das Kindle Fire wie auch ein normales Kindle oder Kindle Touch“, so Dave Limp weiter. Die Basisversion des neuen Kindle 4 kostet in den USA nur 79 Dollar (etwa 60 Euro), das Kindle Fire 200 Dollar (etwa 150 Euro). Für das Doppelpack Kindle plus Kindle Fire müssen die US-Kunden umgerechnet also gerade mal 210 Euro ausgeben.

Kindle Fire rückt an Apples iPad heran

Der Verkaufserfolg des Kindle Fire lässt Amazon bereits an Apples iPad-Absätze heranrücken. Zwischen Mitte November und Anfang Dezember hat Amazon nach Schätzungen von DigiTimes bereits drei bis vier Millionen der Sieben-Zoller mit Android-Benutzeroberfläche verkaufen können, bis Jahresende sollen es etwa fünf Millionen sein. Apple selbst soll nach Schätzungen eines Experten der Investmentbank Piper Jaffrays Woche für Woche etwa 960.000 iPads absetzen. Dazu kommen allerdings noch mindestens eine Millionen iPhones – der Vorsprung der iOS-Plattform insgesamt lässt sich also mit Lesegeräten und Tablets alleine nicht ganz so einfach einholen. Doch nicht ganz zufällig arbeitet Amazon dem Vernehmen nach wohl auch an einem eigenen Smartphone, das 2012 an den Start gehen könnte.

„Optimize for 7-inch or die“: Kindle Fire fällt bei Usability-Test durch

In punkto Benutzerfreundlichkeit ist Amazons Lesetablet Kindle Fire durchgefallen – zumindest beim Usability-Guru Jakob Nielsen. Der ließ im Rahmen einer qualitativen Studie vier Testpersonen mit dem neuen Gadget hantieren – und zeigte sich enttäuscht: „Das Kindle Fire bietet ein erbärmliches Nutzererlebnis“. Viele Anwendungen seien nicht an die „Zwischengröße“ eines sieben Zoll-Displays angepasst. Vom „Fat Finger“-Problem – also Tippfehlern durch zu kleine Menüs – bis hin zu zu schlecht lesbaren E-Magazinen und Performance-Mängeln beim Browsen reichten die negativen Erfahrungen. Amazon wie auch andere Hersteller müssten sich dringend um mehr Nutzerfreundlichkeit bemühen, fordert Nielsen: „7-Zoll-Tablets werden entweder eine großartige Zukunft haben oder gar keine.“

Zwischengröße sieben Zoll als Design-Problem

Man nennt ihn den Usability-Papst, den Usability-Zar oder auch den Usability-Guru. Was die Benutzerfreundlichkeit von Web-Anwendungen betrifft, kommt man an Jakob Nielsen nicht vorbei. Seitdem das Internet auf Mobilgeräte gewandert ist, knöpft sich der Experte für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine auch die Touch-Screens von Tablets und Smartphones vor. Momentan interessiert sich Nielsen dabei für preisgünstige Sieben-Zoller, die von Amazon, Barnes&Noble oder Kobo jetzt auch als Lesegeräte auf den Markt geworfen werden. Die große Frage dabei ist: „Gleichen sie eher den Zehn-Zoll-Geräten wie etwa dem iPad oder doch eher 3,5 Zoll-Smartphones?“ Nielsen findet: ein bisschen von beidem. Und genau da liegt das Problem.

“Leseerlebnis bei E-Mags ist miserabel“

Denn die meisten Apps sind entweder auf große Tablets oder kleine Smartphone-Displays ausgerichtet. Sieben Zoller liegen genau dazwischen. Während Webseiten auf dem iPad noch sehr gut lesbar sind, reicht das Display beim deutlich kleineren Kindle Fire für eine optimale Darstellung oft nicht aus. Da beim Surfen mit dem Kindle Fire nicht automatisch die mobile Version angezeigt wird, rät Nielsen den Nutzern dazu, in den Browsereinstellungen die entsprechende Option zu aktivieren. Unzufrieden war der Usability-Guru aber auch mit E-Magazinen aus dem Amazon-Shop – „Das Leseerlebnis bei Magazinen könnte gut sein, es ist aber miserabel“. Neben Layout-Problemen kritisiert Nielsen vor allem fehlende Interaktivität. Die Qualität der Suchfunktion innerhalb von E-Mags erreiche nicht einmal ein Niveau, das AltaVista schon in den Neunzigern geboten habe.

Keine Knöpfe ist keine Lösung

Doch auch das Hardware-Design stieß bei Nielsen auf Unverständnis. Für ein sieben Zoll-Gerät sei das Kindle Fire viel zu schwer, für längere Lektüre müsse man schon die Unterarmmuskel von Popeye haben. Außerdem wundert sich der Experte über fehlende Bedienknöpfe: „Der Umgang mit Apps und Websites auf dem Kindle Fire ist nicht so effektiv wie auf anderen Geräten, denn es fehlen zwei wichtige physische Knöpfe: einer um auf das Home-Screen zurückkehren zu können und einer für die Lautstärkeregelung.“ Störend bei den Bedienfeldern auf dem Touch-Screen sei zudem das träge Feed-Back. Die lange Reaktionszeit würde die Illusion einer unmittelbaren Interaktion mit dem Gerät zerstören. Bleibt also noch einiges zu tun, nicht nur für Amazon. Denn Nielsen hält die Ergebnisse für allgemeingültig – Hersteller würden insgesamt zu wenig Rücksicht auf den Form-Faktor sieben Zoll nehmen. Um die kostengünstigen Mini-Tablets wirklich zum Erfolg zu machen, laute die Formel: „Optimize for 7-inch or die.“

Abb.: flickr/blogeee.net